<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kai Denker &#187; Religion</title>
	<atom:link href="http://denker.net/tag/religion/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://denker.net</link>
	<description>Procrastination for Weisenheimers</description>
	<lastBuildDate>Thu, 19 Jan 2012 02:49:50 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Der ganzen Christenheit reicher Gnadensegen</title>
		<link>http://denker.net/2010/03/11/der-ganzen-christenheit-reicher-gnadensegen/</link>
		<comments>http://denker.net/2010/03/11/der-ganzen-christenheit-reicher-gnadensegen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 08:21:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.denker.net/?p=399</guid>
		<description><![CDATA[In den ersten März-Tagen des Jahres 1933, also vor 77 Jahren, erlebte die Republik Österreich eine Parlamentskrise, die die Regierung unter dem Kanzler Engelbert Dollfuß zur Beseitigung der Demokratie und zur Installation eines am faschistischen Italien orientierten Ständestaates nutzte ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den ersten März-Tagen des Jahres 1933, also vor 77 Jahren, erlebte die Republik Österreich eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstausschaltung_des_Parlaments" target="_blank">Parlamentskrise</a>, die die Regierung unter dem Kanzler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Engelbert_Dollfu%C3%9F" target="_blank">Engelbert Dollfuß</a> zur Beseitigung der Demokratie und zur Installation eines am faschistischen Italien orientierten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ndestaat_%28%C3%96sterreich%29" target="_blank">Ständestaates</a> nutzte (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Austrofaschismus" target="_blank">Austrofaschismus</a>). Mit der Mai-Verfassung vom 1. Mai 1933, die nicht rechtmäßig zustande kam, wurden schließlich demokratische Elemente weitgehend beseitigt.</p>
<p>Während aber bei der etwa zeitgleichen Installation des deutschen Faschismus die katholische Kirche keine große Rolle spielte, sah dies im katholischen Österreich anders aus. So heißt es im Weihnachtsbrief der österreichischen Bischöfe von 1933:</p>
<blockquote><p>Das Jahr 1933 hat der ganzen Christenheit reichen Gnadensegen, unserem Vaterland Österreich überdies viele Freuden gebracht […]. Sie (die Regierung, Anm.) kann schon jetzt auf eine Reihe von segensreichen Taten hinweisen, die das wahre Wohl sichern und fördern[.] [zit. nach Wolfgang Huber <em>Die Gegenreformation 1933/34</em> in <em>Neuhäuser</em>, 2004, S. 47], hier zit. nach [<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Austrofaschismus" target="_blank">1</a>]</p></blockquote>
<p>Der Katholikentag im Oktober 1933 flankierte den katholischen Jubel mit dem Motto &#8220;Niemals zurück&#8221; und am 16. August 1933 schl0ß Österreich mit dem heiligen Stuhl ein Konkordat, das unter anderem den Austritt aus der Kirche erschwerte, indem es den Austrittswilligen eine Prüfung des &#8220;Geistes- und Gemütszustands&#8221; auferlegt.</p>
<p>Und sogar der Piux XI., der ebenso wie sein Nachfolger Pius XII. durch Schweigen zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, erteilte Dollfuß den apostolischen Segen. Schon im Oktober 1933 nannte genannter Pius XI. die Diktaturregierung Dollfußens eine von:<em> &#8220;</em><em>vornehmen Männern, die Österreich in dieser Zeit, in diesen Tagen regieren, die Österreich so gut, so entschieden, so christlich regieren&#8221;</em> [Ebd.] Zwar ist richtig, dass sich Puis XI. mit der Enzyklika &#8220;Mit brennender Sorge&#8221; 1937 vom deutschen Faschismus distanzierte, aber angesichts seiner ebenso brennenden Zustimmung für den Austrofaschismus lässt sich wohl nur feststellen, dass die &#8220;brennende&#8221; Sorge weniger dem Faschismus, als vielmehr dem Verhältnis der jeweiligen Faschisten zu seiner Kirche galt.</p>
<p>Die Pontifikate kamen und gingen über die Jahrhunderte, aber dieses ist eine der wenigen historischen Konstanten, die insbesondere auf die katholische Kirche zutreffen: <em>Egal was für ein Schwein der Andere ist, solange er Deine Macht hofiert und Dir den Arsch leckt, ist er Dein Freund.</em> &#8211; Nicht auszudenken, wenn der Stalinismus ein klerikales Regime gewesen wäre! &#8211; Wie dem auch sei: Für einen Historiker ist diese Diagnose trivial und wenig überraschend, dem kirchenkritischen Beobachter zeigt sich nur wieder einmal, wie wenig Platz für Moral in der katholischen Kirche ist: <em>Wäre das Christentum, von einigen wenigen Irren einmal abgesehen, wirklich aus moralisch integeren Menschen, hätte die christliche Lehre tatsächlich irgendeinen moralisch-ethischen Gehalt, wäre die Geschichte vielleicht nicht im Großen und Ganzen, aber doch in unzähligen Nebenschauplätzen anders verlaufen.</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=399&amp;md5=5fd2a86c181e1a5eeca2513f35240ec9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denker.net/2010/03/11/der-ganzen-christenheit-reicher-gnadensegen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zensiert kreuz.net!</title>
		<link>http://denker.net/2009/08/27/zensiert-kreuz-net/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/08/27/zensiert-kreuz-net/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2009 16:41:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gott & Co.]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.the-distraught-queen.de/?p=323</guid>
		<description><![CDATA[Die Konferenz der schwulen und schwul-lesbischen Hochschulreferate hat die Satireseite kreuz.net entdeckt und lässt der Queer.de ihre Forderung ausrichten:
Die schwul-lesbischen Studenten fordern die Regierung auf, gegen die Kampagne der homofeindlichen Christen vorzugehen: "Es muss die Pflicht der deutschen Politik ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Konferenz der schwulen und schwul-lesbischen Hochschulreferate hat die Satireseite <a href="http://kreuz.net/" target="_blank">kreuz.net</a> entdeckt und lässt der Queer.de <a href="http://http://www.queer.de/detail.php?article_id=10958" target="_blank">ihre Forderung</a> ausrichten:</p>
<blockquote><p>Die schwul-lesbischen Studenten fordern die Regierung auf, gegen die Kampagne der homofeindlichen Christen vorzugehen: &#8220;Es muss die Pflicht der deutschen Politik sein, auf eine Kooperation mit den USA in dieser Sache hinzuarbeiten, damit die Urheber in Deutschland auch zur Rechenschaft gezogen werden können.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ja, schön, aber was soll das? Soll der Staat kreuz.net zensieren, sperren, stilllegen und die Autoren bestrafen? Dazu kann ich nur eines sagen: Vergesst es, Kinners! &#8211; Wollt Ihr das wirklich? Wollt Ihr wirklich, dass die Regierung Webseiten sperrt, die nicht unserem moralischen und sittlichen Empfinden entsprechen? Nun, dann muss die Regierung auch Gayromeo.com sperren, da dort viel zu leicht, nämlich ohne ordentliche Prüfung, Jugendliche an ein eindeutiges sexuellen Angebot gelangen können. Wieso sollte man klerikalfaschistische Propaganda verbieten, Seiten mit pornographischen Angeboten, die keinen ausreichenden Jugendschutz nach deutschen Gesetzen bieten, aber erlauben?</p>
<p>Richtig, es gibt kein überzeugendes Argument dafür.</p>
<p>Was also tun? Nun, lasst mal kreuz.net machen. Wer den Bockmist, der da steht, glaubt, ist eh so blöd, dass er sich durch staatliche Maßnahmen noch in seinem Glauben an ein &#8220;homofaschistisches Regime&#8221; bestätigt fühlt. Alle anderen, also alle Menschen, bei denen der Zug kognitiv noch nicht völlig abgefahren ist, nehmen den Unsinn, der auf kreuz.net steht doch sowieso nicht ernst und so wäre es besser, wenn wir kreuz.net einfach als Satire nehmen würden, was es eigentlich auch ist: eine dümmliche Realsatire, die uns einen tiefen Einblick in die Gedanken geistig, geistlich und moralisch beschränkter Wesen gibt.</p>
<p>Es täte, denke ich, uns besser, nicht gleich nach dem Staat zu rufen. Besonders dann, wenn es besser wäre, die Verrückten einfach mal machen zu lassen, damit jeder Mensch sehen kann, was im klerikalfaschistischen Universum abgeht. Das bringt für unsere Sache mehr als Zensur. Manchmal ist es eben so dialektisch&#8230;</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=323&amp;md5=05d37ea908e5800ab6253d16190ebf90" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denker.net/2009/08/27/zensiert-kreuz-net/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wege aus dem Wahnsinn</title>
		<link>http://denker.net/2009/05/22/wege-aus-dem-wahnsinn/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/05/22/wege-aus-dem-wahnsinn/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 May 2009 17:30:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Gott & Co.]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.the-distraught-queen.de/?p=208</guid>
		<description><![CDATA[Während meine Blogsoftware diesen Artikel automatisch veröffentlicht, sitze ich hoffentlich im Odenwald auf einer kleinen entspannten Grillfeier und vertilge entweder noch Fleisch oder schon Wasabi-Erbsen, die ich übrigens sehr empfehlen kann. Damit meine Leser, die wohl auf derartige Hülsenfruchtköstlichenkeiten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während meine Blogsoftware diesen Artikel automatisch veröffentlicht, sitze ich hoffentlich im Odenwald auf einer kleinen entspannten Grillfeier und vertilge entweder noch Fleisch oder schon Wasabi-Erbsen, die ich übrigens sehr empfehlen kann. Damit meine Leser, die wohl auf derartige Hülsenfruchtköstlichenkeiten verzichten müssen, nicht gänzlich darben müssen, gibt es hier eine kurze Handreichung, um sich selbst die ganze Lächerlichkeit fanatischer Religiosität klarzumachen:</p>
<p>Ich empfehle dazu harte Kost, nämlich die späte Religionsschrift Immanuel Kants &#8220;Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft&#8221;. Kant hatte diese 1793 (2. Auflage: 1794) veröffentlicht und mit erheblichen Zensurproblemen durch die preußische Regierung zu kämpfen. Vielleicht deshalb ist der Anfang der Schrift recht schwer und scheint zunächst nur das kantische Moralsystem, welches aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS, 1785) bekannt war, auf die Religion umzusetzen. Natürlich knüpft Kant hieran an und erfindet das ethische Rad seines Systems nicht neu, aber während die GMS sich noch sehr rein um die systematische Anlage der Ethik (Wie ist so etwas wie ein kategorischer Imperativ überhaupt möglich?) dreht, kommt in der Religionsschrift der Widerstreit von Gut und Böse im Menschen stärker in den Blick. Zwar wird hier durchaus ein kantischer Boden bereitet, aber doch nur, um in den letzten Teilen so richtig vom Leder zu ziehen. Hier einige Kostproben: <em>(langsam lesen!)</em></p>
<blockquote><p>Die Überredung, Wirkungen der Gnade von denen der Natur (der Tugend) unterscheiden, oder die letztern wohl gar in sich hervorbringen zu können, ist <em>Schwärmerei</em>; denn wir können weder einen übersinnlichen Gegenstand in der Erfahrung irgend woran kennen, noch weniger auf ihn Einfluß haben, um ihn zu uns herabzuziehen, wenn gleich sich im Gemüt bisweilen aufs Moralische hinwirkende Bewegungen ereignen, die man sich nicht erklären kann, und von denen unsere Unwissenheit zu gestehen genötigt ist: »der Wind wehet, wohin er will, aber du weißt nicht, woher er kömmt u.s.w.« Himmlische Einflüsse in sich <em>wahrnehmen</em> zu wollen, ist eine Art Wahnsinn, in welchem wohl gar auch Methode sein kann (weil sich jene vermeinte innere Offenbarungen doch immer an moralische, mithin an Vernunftideen anschließen müssen), der aber immer doch eine der Religion nachteilige Selbsttäuschung bleibt. Zu glauben, daß es Gnadenwirkungen geben könne, und vielleicht zu Ergänzung der Unvollkommenheit unserer Tugendbestrebung auch geben müsse, ist alles, was wir davon sagen können; übrigens sind wir unvermögend, etwas in Ansehung ihrer Kennzeichen zu bestimmen, noch mehr aber, zur Hervorbringung derselben etwas zu tun. (Kant-W Bd. 8, S. 846)</p></blockquote>
<p>Dass Kant hier den Wahnsinn, der darin liegt, himmlische Einflüsse in sich wahrnehmen können zu glauben, als eine potentielle Methode ausweist, liegt darin, dass er der Vernunft und ihrer Macht noch vertraut, sodass auch derartige innere Offenbarungen sich an solche Vernunftideen anschließen müssen. Genau gelesen findet man aber, dass <em>eine der Religion nachteilige Selbsttäuschung</em> darin liege, was die Christen, die hier schon Blut und Galle spucken, noch daran erinnern soll, dass es Kant nicht darum geht, die Religion zu vernichten, sondern sie von den üblen Einflüssen des ungezügelten Herumdünkelns zu reinigen und vor diesen in Schutz zu nehmen. Aus heutiger Sicht, da das Zeitalter der Aufklärung in eine üble Barbarei geführt hatte, können wir ein solches Vertrauen weder gegen Vernunft, noch gegen Religion noch aufbringen und müssen, soviel ist klar, Kants Schrift als historischen Text lesen. Gleichwohl müssen wir zugeben, dass er noch heute eine Schlagkraft besitzt, die viele handzahme Religionskritiken vermissen, etwa wenn sie nicht den Mut besitzen, Religion in einem Atemzug mit Wahnsinn zu nennen:</p>
<blockquote><p>Der Wahn, durch religiöse Handlungen des Cultus etwas in Ansehung der Rechtfertigung vor Gott auszurichten, ist der religiöse <em>Aberglaube</em>; so wie der Wahn, dieses durch Bestrebung zu einem vermeintlichen Umgange mit Gott bewirken zu wollen, die religiöse <em>Schwärmerei</em>. – Es ist abergläubischer Wahn, durch Handlungen, die ein jeder Mensch tun kann, ohne daß er eben ein guter Mensch sein darf, Gott wohlgefällig werden zu wollen (z.B. durch Bekenntnis statutarischer Glaubenssätze, durch Beobachtung kirchlicher Observanz und Zucht u.d.g.). Er wird aber darum abergläubisch genannt, weil er sich bloße Naturmittel (nicht moralische) wählt, die zu dem, was nicht Natur ist (d.i. dem sittlich Guten), für sich schlechterdings nichts wirken können. (Kant-W Bd. 8, S. 846-847)</p></blockquote>
<p>Was im 18. Jahrhundert überaus klar war, klingt heute ein bisschen verklausuliert, bedeutet aber noch immer das gleiche: Davon, dass man in die Kirche rennt, irgendwelche Rituale oder Handlungen ausführt, fleissigst betet, beichtet, nasebohrt, ändert man nichts an seiner Rechtfertigung vor Gott &#8211; das kann schließlich auch ein abgrundtief böser Mensch tun. Das ist ein zentraler Punkt der kantischen Religionskritik: Der Gläubige kann seinen Gott nicht in Haft nehmen, ihm eine bestimmte Handlung zu vergelten. Hier findet sich die philosophische Grundierung meiner <a href="http://www.the-distraught-queen.de/2009/05/20/die-wahrheit-uber-die-nachstenliebe/" target="_blank">Wut über die Nächstenliebe</a>, die nämlich nichts anderes tut, als die Aufopferung für andere, die sie vordergründig fordert, durch die Idolatrie Armut, Sünde, Krankheit zu ersetzen, die sie &#8211; dialektisch wie eh und je &#8211; selbst hervorbringt.</p>
<p>Lesen wir genau, so finden wir einen schmalen Grad zwischen diesem Aberglauben, durch Handlungen seinen Gott zwingen zu können und dem Wahn selbst himmlische Einflüsse, also innere Offenbarungen in sich wahrzunehmen. Auf diesem Grad findet sich aber eigentlich nichts weiter, als das Bekenntnis, dass ein Gott wohl sein könnte, dass man es aber nicht wissen könne, dass man diesen nicht zwingen könne und dass jenseits dieses Grades Wahnsinn und Aberglauben liegen. Kant lässt daran keinen Zweifel:</p>
<blockquote><p>Der abergläubische Wahn, weil er ein an sich für manches Subjekt taugliches und diesem zugleich mögliches Mittel, wenigstens den Hindernissen einer Gott wohlgefälligen Gesinnung entgegen zu wirken, enthält, ist doch mit der Vernunft so fern verwandt, und nur zufälliger Weise dadurch, daß er das, was bloß Mittel sein kann, zum unmittelbar Gott wohlgefälligen Gegenstände macht, verwerflich; dagegen ist der schwärmerische Religionswahn der moralische Tod der Vernunft, ohne die doch gar keine Religion, als welche, wie alle Moralität überhaupt, auf Grundsätze gegründet werden muß, statt finden kann. (Kant-W Bd. 8, S. 847)</p></blockquote>
<p>Die Mittel/Zweck-Dialektik, die hier schwingt, bedarf, da aus dem Kontext gerissen, einer kurzen Erklärung: Kant ist streng, was die Rollen von Mittel und Zweck angeht. Zwecke (wie z.B. Menschen) sind Zwecke an sich und dürfen nicht zu bloßen Mitteln werden. Das ist die berühmte Zweck-Formel des kategorischen Imperativs. Andersherum darf man sich aber ein Mittel auch nicht zum Zweck machen, was geschieht, sobald man ein Mittel, Gott wohlgefällig zu sein, zum eigentlich Zweck (hier: &#8220;Gegenstand&#8221;) erhebt.</p>
<p>Der letzte Satz kündigt Kants scharfe Zunge an, die wir jetzt, wo über Zwecke, Mittel, Aberglauben und Wahn gesprochen wurde, erst beginnen, genießen zu können: &#8220;Religionswahn [ist] der moralische Tod der Vernunft&#8221;, mehr noch: Vernunft ist die Voraussetzung für Religion, da ohne sie gar keine solche &#8220;statt finden&#8221; kann. Ganz klar: Zuerst kommt die Vernunft, dann kommt die Moral und schließlich die Religion. Wer an dieser Reihenfolge etwas dreht, ist längst im Religionswahn angekommen.</p>
<p>Das bedeutet aber auch, dass sich die Religion immer der Prüfung durch die Vernunft stellen muss. Für Kant ist das kein Problem: Er vertraut der Vernunft und so muss die wahre Religion, wenn sie also von Gott ist, auch dieser Prüfung gegenüber bestehen können.</p>
<p>Wir müssen, ich schrieb es bereits, heute die Vernunft historisch betrachten und können nicht mehr einfach so der Vernunft alles zutrauen. Der evangelikale Schluss aber, die Prüfung durch die Vernunft aufzugeben, führt geradewegs in den völligen Religionswahn hinein. Der einzige Weg, der angesichts von kantischer Theorie und historischer Vernunftkritik heute noch zu einer Religion führen kann, ist ein so tiefer Zweifel an Vernunft und damit zwingend auch an Religion, dass Religion keinen Moment als dogmatisches System bestehen kann. Dass hierin, gerade für einfache Gemüter, der Absturz ins Gefühl droht, liegt auf der Hand. Das Gefühl ist jedoch wieder nur eine Schwärmerei: singend und tanzend mit einer Gitarre in der Hand auf dem Weg zum evangelischen Kirchentag das Böse verjagen, das einige Meter weiter im Zug nach Marburg sitzt und sich auf die Demo freut&#8230;</p>
<p>Erlauben wir uns nach soviel Mühe, die Religion an der scharfen Zunge des kantischen Geistes entlangzuführen, ein letztes Zitat; diesmal aber nicht philosophisch-formal, sondern materiell-resümierend, um auch den letzten Skeptiker von der Lesbarkeit, Güte und Schärfe dieser späten kantischen Religionsschrift zu überzeugen. Im Abschnitt &#8220;§3 Vom Pfaffentum als einem Regiment im Afterdienst des guten Prinzips&#8221; heißt es:</p>
<blockquote><p>Von einem tungusischen <em>Schaman</em>, bis zu dem Kirche und Staat zugleich regierenden europäischen <em>Prälaten</em>, oder (wollen wir statt der Häupter und Anführer nur auf die Glaubensanhänger nach ihrer eignen Vorstellungsart sehen) zwischen dem ganz sinnlichen <em>Wogulitzen</em>, der die Tatze von einem Bärenfell sich des Morgens auf sein Haupt legt, mit dem kurzen Gebet: »Schlag mich nicht tot!« bis zum sublimierten <em>Puritaner</em> und Independenten in <em>Connecticut</em> ist zwar ein mächtiger Abstand in der <em>Manier</em>, aber nicht im <em>Prinzip</em> zu glauben[.] (Kant-W Bd. 8, S. 848)</p></blockquote>
<p>&#8220;ein mächtiger Abstand in der Manier, aber nicht im Prinzip&#8221; &#8211; Freunde von mir werden bestätigen, dass dies meine liebste Stelle bei Kant ist, an der sich das scharfe Messer seiner Untersuchungen tief in den Blödsinn, den es zu überwinden gilt, hineinschneidet.</p>
<p>Dass das Prinzip des Glaubens bei evangelikalen Gesundbetern sich nicht vom Aberglauben, wie er oben beschrieben ist, unterscheidet, ist völlig klar. Dass aber deren Manier, also ihr Stil, schon ebenso offen zum Wahnsinn übergangen ist, sollte uns erschrecken. Wir können sicher nicht sagen, dass alle Christen geisteskrank sind. Dazu müssten wir schließlich alle untersuchen, aber wir müssen endlich zugeben, dass es Menschen in dieser Gesellschaft gibt, die ihren Wahn, der schon fern aller Realität ist, unter dem Deckmantel der Religion ausleben und die Grenze der Selbst- und Fremdgefährdung überschritten haben. Ich bin der Psychologie gegenüber skeptisch genug, um keine Zwangsbehandlungen oder Verbote zu fordern, aber aufmerksam beobachten und offen aussprechen müssen wir diesen Wahnsinn hingegen schon.</p>
<p>Kant aber zeigt uns, dass es lange vor Dawkins Autoren gab, denen die Gefährlichkeit von Religion klar war und die die Religion unter die Herrschaft der Vernunft gestellt sehen wollten. Kant verflucht nicht die Religion überhaupt, da hat es nach ihm anderen Autoren gegeben, aber er zeigt uns so viel darüber, dass wir mit seiner Hilfe und unserer historischen Erfahrung heute leicht einen Ausweg aus dem Gotteswahn finden können, wenn wir uns in ihm verstrickt haben. Ich hoffe, dass dieser Text für einige noch immer so wirkt.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=208&amp;md5=a7ef550b92cc95b50362e917526583b6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denker.net/2009/05/22/wege-aus-dem-wahnsinn/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Enttäuschte Liebe?</title>
		<link>http://denker.net/2009/05/22/enttauschte-liebe/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/05/22/enttauschte-liebe/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 May 2009 09:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gott & Co.]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.the-distraught-queen.de/?p=215</guid>
		<description><![CDATA[In der FR können wir zur Demo gegen den Homo-Heiler-Kongress in Marburg folgendes lesen:
Der Vorsitzende der ausrichtenden Akademie, Martin Grabe, kann die massive Kritik nicht verstehen. Bei der Kongresseröffnung am Mittwochabend sprach er von einer "Großkampagne, die nahezu ohne ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der FR können wir zur Demo gegen den Homo-Heiler-Kongress in Marburg folgendes <a href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/1766345_Protest-gegen-Homo-Heiler.html" target="_blank">lesen</a>:</p>
<blockquote><p>Der Vorsitzende der ausrichtenden Akademie, Martin Grabe, kann die massive Kritik nicht verstehen. Bei der Kongresseröffnung am Mittwochabend sprach er von einer &#8220;Großkampagne, die nahezu ohne realen Aufhänger&#8221; gestartet worden sei. Homosexualität werde während des Kongresses höchstens am Rande thematisiert. Der Akademie gehe es &#8220;wie einer Insel im Frühjahrssturm&#8221;. Er rief die 1000 Kongressteilnehmer dazu auf, für die Demonstranten zu beten: &#8220;Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.&#8221;</p></blockquote>
<p>Daran sind zwei Sachen interessant:</p>
<ol>
<li>Die Christen haben schon wieder gelogen: Erst erzählen sie uns wochenlang, dass Homosexualität auf ihrem Kongress kein Thema sei und jetzt wird es &#8220;höchstens am Rande thematisiert&#8221;. Zwischen &#8220;gar nicht&#8221; und &#8220;marginal&#8221; besteht aber ein deutlicher Unterschied, den auch ein Theologe kennen sollte, so er ernsthaft behaupten können will, eine Wissenschaft zu betreiben. Dass es ein zynischer Witz ist, über Identität, nicht aber über Homosexualität sprechen zu wollen, ist jedem redlich denkenden Menschen ohnedies klar. Dass die Teilnehmer des Kongresses zu einem erheblichen Teil schlicht unredlich sind, allerdings auch.</li>
<li>Es steckt ein ganz erheblicher Teil Realitätsverlust in Sätzen wie &#8220;Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.&#8221; Dazu erkläre ich:</li>
</ol>
<blockquote><p>Nein, wir hassen Euch nicht. Uns geht der Hass auf Christen vollkommen ab: Ob Ihr gesund oder krank seid, ob ihr Freude habt oder leidet, ob ihr tanzt oder bettnässt, ob Ihr lange lebt oder früh in der Kiste vergammelt, ist uns vollkommen egal. Ihr seid uns vollkommen egal. Das einzige, was uns interessiert, ist, dass man Euch daran hindert, zu tun, was Ihr nämlich tut, wenn man Euch nicht hindert: Frisbee mit den Psychen anderer Leute zu spielen, ihnen systematisch metaphysischen Blödsinn vorzulügen, ihre Ängste und Nöte zu missbrauchen, ihnen Schuldgefühle und Selbsthass einzureden, sie schließlich in den Selbstmord zu treiben. Das ist schon alles.</p>
<p>Die einzigen von uns, die sich mit einer enttäuschten Liebe auseinandersetzen müssen, seid dagegen Ihr: Ihr könnt es einfach nicht verknusen, dass wir Euch Eure Rede von der Liebe Gottes nach 2000 Jahren Mord und Totschlag, der sich auch gegen uns gerichtet hat, einfach nicht mehr glauben. Ihr habt unsere Liebe Jahrtausende lang verfolgt, zerstört und uns an Leib und Seele vernichtet. Ihr habt uns zu Eurem moralischen Vergnügen gequält und unseren Tod als den Willen Eures Gottes verkündet. Und da sollen wir Euch auch nur noch ein Wort glauben, da Eure Taten doch Eure angebliche Läuterung täglich Lügen strafen? Das ist die Wahrheit: Wir lehnen Euch und Euren Gott ab, weil Ihr die Kinder von Mördern seid, die deren Schrecken nur mühsam verborgen weitertreiben. Das ist kein Hass, das ist Notwehr: Ihr seid diejenigen, die pathologisch Hass mit Liebe verwechseln. Und dafür und nur dafür hasst man Euch.</p></blockquote>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=215&amp;md5=bd24bf02ecbfa3ea08363e77bf4b728d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denker.net/2009/05/22/enttauschte-liebe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Brief an Teilnehmer des HomoHeiler-Kongresses</title>
		<link>http://denker.net/2009/05/20/brief-an-teilnehmer-des-homoheiler-kongresses/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/05/20/brief-an-teilnehmer-des-homoheiler-kongresses/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 May 2009 07:29:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.the-distraught-queen.de/?p=181</guid>
		<description><![CDATA[Ich habe in Zusammenarbeit mit einem Universitätsdozenten und einem Verein, in dessen Vorstand ich gegenwärtig noch bin, die Referenten des Homo-Heiler-Kongresses in Marburg schon vor einigen Tagen angemailt. Nun muss man dazu wissen, dass sich der Kongress als wissenschaftliche(!) ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe in Zusammenarbeit mit einem Universitätsdozenten und einem Verein, in dessen Vorstand ich gegenwärtig noch bin, die Referenten des <a href="http://www.akademieps.de/" target="_blank">Homo-Heiler-Kongresses in Marburg</a> schon vor einigen Tagen angemailt. Nun muss man dazu wissen, dass sich der Kongress als wissenschaftliche(!) Veranstaltung zu Psychotherapie und Seelsorge ausgibt, auf der Homosexualität nur am Rande eine Rolle spielen solle. Es entbehrt nicht eines gewissen Witzes, einen Kongress zu diesem Thema unter dem Titel &#8220;Identität&#8221; zu veranstalten und dabei Homosexualität aussparen zu wollen. Allerdings wird dies auch kaum der Fall sein, denn die Veranstalter haben nicht nur die <a href="http://www.wuestenstrom.de/" target="_blank">üblichen</a> <a href="http://www.ojc.de/" target="_blank">Verdächtigen</a> eingeladen, was das Thema &#8220;Umpolungstherapie&#8221; angeht, sondern lassen sich auch unwidersprochen von <a href="http://noplace.blogsport.de/2009/05/13/6-pressemitteilung/" target="_blank">Nazis</a> und einem <a href="http://www.medrum.de/?q=node/2448" target="_blank">Konglomerat</a> unterstützen, dass der LSVD völlig zurecht zu <a href="http://www.queer.de/detail.php?article_id=10425" target="_blank">crème de la crème der Homo-Hasser</a> genannt hat. Dass all dies nicht mehr viel mit Wissenschaft zu tun hat, liegt auf der Hand. Es war interessant, inwiefern die übrigen Referenten ihre wissenschaftliche Reputation in Gefahr sehen, wenn sie unkritisch in einer Reihe mit homo-heilenden Quacksalbern stehen. Hier dokumentiere zunächst ich die Mail, später, wenn ich wieder mehr Zeit habe, auch, dann aber anonymisiert, die Antworten, die ich erhalten habe und die einen Blick in die krude Gedankenwelt der christlich-fundamentalistischen Pseudowissenschaft erlauben.</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>Sie planen laut Webpräsenz des internationalen Kongresses für Psychotherapie und Seelsorge im Mai an der PU Marburg als Referent/-in aufzutreten. Die öffentliche Diskussion, auch widerstreitender wissenschaftlicher Positionen, ist ein wesentlicher Bestandteil des wissenschaftlichen Handwerks und trägt oft nicht wenig zur Reputation von Wissenschaftler/-innen bei.</p>
<p>Um so mehr wird Sie die öffentliche Diskussion interessieren, die sich aufgrund der Teilnahme zweier Referenten der Organisationen „Wüstenstrom“ und „Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft“, nämlich Markus Hoffmann und Christl Ruth Vonholdt, entzündet hat: Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, treten beide Referenten für eine Heilbarkeit(sic!) von Homosexualität ein, die von diesen als Folge einer „frühkindlichen, tiefen emotionalen Verwundung mit chronischen Traumata“ (Vonholdt 2004) begriffen wird. Beide Referenten gelangen jedoch nicht aufgrund einer fundierten psychologischen Theorie zu dieser Auffassung, sondern bestimmen den Menschen als geschlechtliches Wesen bereits von vornherein in einer zweigeschlechtlichen Konstitution so, dass nur das heterosexuelle Paarschema als „richtig“ beziehungsweise „gesund“ angenommen werden kann. Diese Auffassung wurde von Psychologen im späten 19. Jahrhundert entwickelt, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts doch zunehmend in Frage gestellt und schließlich verworfen. Heute wird sie von keinem ernst zunehmenden Wissenschaftler mehr vertreten. Wir sind der Auffassung, dass es unwissenschaftlich ist, ein normativ wirksames Resultat aus einer Theorie gewinnen zu wollen, die genau dieses Resultat bereits in ihren nicht weniger normativen Voraussetzungen enthält. Wir fühlen uns hierbei an die Pseudowissenschaftlichkeit der Kraniometrie erinnert, die ihre Resultate auch nur durch geschickte, nämlich rassistische Wahl ihrer Voraussetzungen gewinnen konnte. Auch Frau Vonholdt und Herr Hoffmann haben sich vor Beginn ihrer Untersuchungen bereits für die Krankhaftigkeit von Homosexualität entschieden und fragen bestenfalls nur noch nach einer geschickten Begründung, interessieren sich aber ansonsten eher für eine „Heilbarkeit“ von Homosexualität, die im Übrigen von homosexuell empfindenden Menschen selbst abgelehnt wird. Die Lösung von Identitätskonflikten, die im Umfeld von Homosexualität, ebenso wie im Umfeld von Heterosexualität zweifellos auftreten können, durch eine positiv-affirmative Therapie, die etwa die Reifung zu einem selbstbewussten, homosexuellen Christen zum Ziel hat, lehnen beide Referenten nicht aus wissenschaftlichen, sondern aus moralischen Gründen ab. Die Ergebnisse von Markus Hoffmann und Christl Vonholdt sind nichts als Pseudowissenschaft, die sich nicht um die seelische Situation der Klienten, sondern um die moralischen Ansprüche der selbst ernannten Therapeuten bemüht.</p>
<p>Angesichts dieser Diskussion, die in zahlreichen Zeitungen und Medien derzeit geführt wird, sehen wir die Wissenschaftlichkeit des internationalen Kongresses für Psychotherapie und Seelsorge in Frage gestellt. Wir und andere Organisationen der Wissenschaft und der Sozialarbeit haben uns bereits an die PU Marburg, die Stadt Marburg oder die Veranstalter des Kongresses gewandt. In<br />
der Folge wird der Kongress bereits von vielen Beobachtern als unseriös, ja als unappetitlich wahrgenommen. Da auch Sie mit Ihrer Teilnahme am Kongress wissenschaftlich profitieren wollen, halten wir es für angebracht, Sie über die Entwicklungen, so Sie sie nicht selbst verfolgt haben, in Kenntnis zu setzen. Die Identifikation des Kongress als Ausdruck anachronistischer Pseudowissenschaft wird Ihrer Arbeit und dem Anspruch des Veranstalters nicht gerecht. Es ist daher aber auch Ihre Pflicht, so Sie Ihre Arbeit nicht selbst in den Verdacht der Pseudowissenschaft bringen wollen, beim Veranstalter des Kongresses auf eine glaubwürdige Distanzierung von den Positionen von Markus Hoffmann und Christl Vonholdt hinzuwirken. Ebensowenig wie Kraniometrie oder Rassismus bildet eine unter dem Deckmantel der christlichen Seelsorge oder Psychotherapie nur mühsam versteckte Homophobie einen Diskurs, dem im Rahmen einer freien und vor allem kritischen Wissenschaft heute noch Raum gegeben werden sollte.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen aus Darmstadt</p></blockquote>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=181&amp;md5=79537d934c3510b1b9b748707981ac41" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denker.net/2009/05/20/brief-an-teilnehmer-des-homoheiler-kongresses/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Pharmazeutische Gerüchte</title>
		<link>http://denker.net/2009/01/21/pharmazeutische-geruechte/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/01/21/pharmazeutische-geruechte/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Jan 2009 10:13:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Gott & Co.]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.the-distraught-queen.de/?p=97</guid>
		<description><![CDATA[Angeblich arbeitet der Pharmamulti LogosSan an einem Medikament zur Behandlung religiöser Wahnvorstellungen. Das Mittel, das unter dem Namen "atheisium" auf den Markt kommen soll, enthält das hochwirksame Antimetaphysikum Illuminafin. Es dämpft die Funktionsweise einer chemischen Wirkungskette in älteren Gehirnschichten, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.the-distraught-queen.de/ratiomed.jpg" alt="" width="450" height="203" />Angeblich arbeitet der Pharmamulti <em>LogosSan</em> an einem Medikament zur Behandlung religiöser Wahnvorstellungen. Das Mittel, das unter dem Namen &#8220;atheisium&#8221; auf den Markt kommen soll, enthält das hochwirksame Antimetaphysikum Illuminafin. Es dämpft die Funktionsweise einer chemischen Wirkungskette in älteren Gehirnschichten, die Störungen in der Signalverarbeitung der Hirnrinde auslösen kann. Insbesondere im parietalen Assoziationskortex können verschiedene Störungen ausgelöst werden, zum Beispiel:</p>
<ul>
<li>Wahrnehmung eines Raums hinter dem Raum (Störung der räumlichen Orientierung)</li>
<li>Religionswahn, Sprechen in Zungen (Störung der Sprachbildung)</li>
<li>unberechtigte Bedeutungszuschreibung z.B. zu &#8220;Gott&#8221;, &#8220;Sünde&#8221;, &#8220;Schöpfung&#8221; (Störung der lexikalischen Sprachfähigkeit)</li>
<li>Logische Beweislastumkehr (Störung des formal-logischen Denkens)</li>
</ul>
<p>Auch im limbischen Assoziationskortex finden sich Störungen von Funktionen wie der Zuordnung von Sinneseindrücken zu Personen, etwa indem zunächst unverständliche oder überraschende Phänomene dem Einfluss eines durch die Störung der lexikalischen Sprachfähigkeit herbeiphantasierten Wesens zugeschrieben werden.</p>
<p>Der Hersteller verspricht sich von seinem neuen Medikament eine große Erleichterung für die Betroffenen. Die unter dem Begriff der Religiösität (ICD10: F22.0, F60.2-4, F60.7, F66.0) gefasste multimorbide und stets degenerative Erkrankung führt langfristig zu einer völligen Entfremdung des Betroffenen von der Gesellschaft. Gleichwohl neigen die Betroffenen zur Gruppenbildung, versammeln sich regelmäßig und bemühen sich, die Inhalte ihrer Wahnstörung untereinander anzugleichen. Historische Langzeitbeobachtungen haben dabei gezeigt, dass sie dabei zunehmend zu Gewalt untereinander und gegen Fremde neigen und ein kompliziertes System von Kapitalflüssen entwickeln, was Außenstehende oft für sich zum Vorteil nutzen können (Ablasshandel, Kirchensteuer).</p>
<p>Als Problematisch gilt, dass die Betroffenengruppen ab einer bestimmten Größe zu systematischer Gewalt gegenüber von ihnen als Fremd empfundenen Menschen neigen und so nach der Beseitigung staatlicher Schutzvorschriften oder Gewaltmonopole in ihrem eigenen Interesse fordern. Zunehmend ist auch von Selbstjustiz und endemischem Querulantenwahn (F22.8) berichtet worden.</p>
<p><em>PS: Danke an Hartmut für ein Bild der Produktverpackung.</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=97&amp;md5=3df7965c6f7cd7ee3d408695ea4c74e1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denker.net/2009/01/21/pharmazeutische-geruechte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

