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	<title>Kai Denker &#187; Vernunft</title>
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	<description>Procrastination for Weisenheimers</description>
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		<title>Elternstolz</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 11:59:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss auch mal Stolz auf seine Eltern sein dürfen. Meine Mutter:
"Ich verstehe diese ganze Aufregung um StreetView nicht. Also mich stört das nicht. Was soll man denn da schon sehen können? ELENA ist doch viel schlimmer!"
Mein Vater darauf:
"Auch ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss auch mal Stolz auf seine Eltern sein dürfen. Meine Mutter:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich verstehe diese ganze Aufregung um StreetView nicht. Also mich stört das nicht. Was soll man denn da schon sehen können? ELENA ist doch viel schlimmer!&#8221;</p></blockquote>
<p>Mein Vater darauf:</p>
<blockquote><p>&#8220;Auch als wir noch das Haus in [Stadt] hatten, hätte mich das nicht gestört. Sind ja auch keine Videos.&#8221;</p></blockquote>
<p>Fürs Protokoll: Meine Eltern sind mittlerweile in Rente, waren Einzelhändler und gehören nicht gerade zu den technikaffinen Teilen der Bevölkerung.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=466&amp;md5=392df5a0d9c8fb30264cd832870d339d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hemmungslos verblöden &#8211; in 10 einfachen Schritten</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 16:18:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Homöopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wollen Sie nicht auch hemmungslos verblöden? Es ist doch klar: Der Ehrliche ist der Dumme und wer will schon ein Lügner sein? Und heißt es nicht, dass glücklich die sind, die dumm sind und nicht merken was passiert? Geben ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wollen Sie nicht auch hemmungslos verblöden? Es ist doch klar: Der Ehrliche ist der Dumme und wer will schon ein Lügner sein? Und heißt es nicht, dass glücklich die sind, die dumm sind und nicht merken was passiert? Geben Sie es doch zu! Auch Sie wollen hemmungslos verblöden und jedes Gerücht von humaner Intelligenzbegabtheit gnadenlos bloßstellen.</p>
<p>Jetzt fragen Sie sich sicher: &#8220;Wie kann auch ich hemmungslos verblöden?&#8221; &#8211; Stimmt, das ist gar nicht so einfach, aber jetzt gibt es endlich einen klaren Plan mit nur 10 Punkten, der auch Sie hemmungslos verblöden lässt:</p>
<ol>
<li>Erweitern Sie ihre Sprache um den Ausruf &#8220;Ich habe ein Recht auf eine Meinung!&#8221;. Möglich sind auch Begründungen wie &#8220;Wir leben in einem freien Land!&#8221; und &#8220;Wir haben doch Meinungsfreiheit!&#8221; Machen Sie sich  klar, dass Sie ein von der Verfassung geschütztes Recht auf ihre Dummheit haben und dass niemand Ihnen verbieten kann, eine völlig verblendete Kackbratze zu werden. Üben Sie also die Sätze: Wenn das nächste Mal jemand widerspricht, bestehen Sie einfach auf Ihrer verfassungsrechtlich geschützten Meinung!</li>
<li>Beschäftigen Sie sich mit politischen Themen und abonnieren Sie hierzu politische Tageszeitungen aus dem Hause Hüpfer. Wer ernsthaft hemmungslos verblöden will, kann es sich nicht leisten, sich ständig eine eigene Meinung zu bilden. Sie können auch einfach aus einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften abschreiben. Das Urheberrecht verbietet Ihnen nicht, eine fremde Meinung ungeprüft zu übernehmen und sie (siehe Punkt 1) bis aufs Blut zu verteidigen. Lesen Sie keinesfalls Zeitungen mit komplizierten Titeln. Alternativ können Sie auch lokale Zeitungen von kleinen Verlagen wie den &#8220;Froschhausener Boten&#8221; lesen. Diese drucken oft das gleiche wie Hüpfer, nur einen Tag später.</li>
<li>Plappern Sie alles nach, was ein populistischer Politiker gerade so herausposaunt. Hetzen Sie wahlweise gegen Schwule, Ausländer, Arbeitslose, Frauen, Verfassungsrichter, Terrorkommunistennazis oder die SPD. Sie erkennen populistische Politiker leicht daran, dass sie Ihnen absurde Steuerentlastungen und staatliche Wohltaten versprechen, während sie anderen Dekadenz vorwerfen. Achten Sie insbesondere auf den Signalsatz &#8220;<em>Man wird das ja wohl noch sagen dürfen!</em>&#8220;. Je öfter ein Politiker diesen Satz sagt, desto sicherer haben Sie eine politische Schmeißfliege ausfindig gemacht, der Sie hemmungslos folgen können. Lassen Sie alle von Ihrer neuen Entdeckung wissen und rufen Sie: &#8220;Herr Osterei hat Recht!&#8221;</li>
<li>Lassen Sie sich von seriösen Berechnungen zu populistischen Aussagen nicht beirren. Machen Sie sich klar, dass unabhängige Forschungsinstitute nur von dekadenten Arbeitslosen bezahlt werden, die verhindern wollen, dass Ihre Vorbilder die Wahrheit sagen. Sie müssen sich auch von Logik oder irgendwelchen Ausgeburten der Vernunft nicht beirren lassen. Die Verfassung schützt Ihre Zustimmung zu Herrn Osterei auch dann, wenn Sie selbst staatliche Leistungen, z.B. aus dem Bankenrettungsfond, erhalten.</li>
<li>Machen Sie sich klar, dass an Universitäten nichts praktisches gelehrt wird. Dort arbeiten nur weltfremde Sesselfurzer, die keine Ahnung haben, was Sie wirklich bewegt. Aus den Universitäten ist noch nie etwas gutes herausgekommen, sondern dort herrschen Kartelle, die die Wahrheit unterdrücken wollen. Ziehen Sie daher alle Menschen mit akademischen Graden, die Ihnen begegnen, auf, werfen ihnen Versagen auf dem Arbeitsmarkt vor und bedenken Sie, dass sie schon seit dem 16. Lebensjahr in die Rentenkasse einzahlen. Sie haben den Vorsprung auf dem Arbeitsmarkt! Sie haben etwas von Ihrem Leben! Sie haben Freunde! &#8211; und: Sie wissen Bescheid!</li>
<li>Verbieten Sie Ihren Kindern das Abitur: Nur akademische Rabeneltern zwingen ihre Kinder durch die Hölle des Gymnasiums und anschließend auf einen feindlichen Arbeitsmarkt in der Nähe des Spitzensteuersatzes. Sie schlagen schließlich dem Steuerstaat ein Schnippchen und verdienen zur Strafe einfach weniger! Ihre Kinder sollen es einmal genauso gut haben und dazu reicht ein normaler Schulabschluss völlig aus. Ihr Vater war schließlich auch nur auf der Volksschule und der ist jetzt sogar im öffentlichen Dienst befördert worden, wo er jetzt die Fahrpläne für die Kehrmaschinen schreibt.</li>
<li>Gehen Sie nicht zum Arzt! Ärzte sind Teil des universitären Kartells zur Verschleierung der Wahrheit. Erstens können die Ihnen nicht helfen und zweitens wollen die das auch gar nicht, sondern nur an Ihr Geld, um Sie mit der Hilfe der Pharmaindustrie zu vergiften. Fügen Sie Ihrem Wortschatz die folgenden Phrasen und Wörter hinzu: &#8220;Scheininnovation&#8221;, &#8220;Gift&#8221;, &#8220;menschenverachtende Geschäftspraktiken&#8221;. Verlassen Sie sich lieber auf alternative Heilmethoden wie Homöopathie, Knabenurin und dem besonders beliebten Sich-mit-der-Pfanne-auf-den-Kopf-schlagen nach Prof. Dr. Abronsius. Vergessen Sie niemals, dass Prof. Dr. Abronsius nur deshalb ein Verfahren wegen Missbrauchs akademischer Grade am Hals hat, weil das universitäre Machtkartell nicht will, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Prof. Dr. Abronsius hat nämlich die Lehre vom telefonischen Fernheilen mit Licht und der Krebstherapie mit Zuckerperlen entwickelt. Dass die Pharmaindustrie um ihre Einnahmen fürchtet ist doch klar! &#8211; Achten Sie auch auf andere Menschen, die sich belustigen, dass sie dumm seien. Sie sind nicht nur auf dem richtigen Weg, sondern haben auch einen Agenten der menschenverachtenden Pharmalobby identifiziert, der sie mit Studien und Metastudien zur Wirkungslosigkeit von Homöopathie von Ihrem Weg abbringen will. Vergessen Sie niemals: Homöopathie wirkt zweifelsfrei. Das haben die Studien von Prof. Dr. Abronsius (ggw. JVA Göttingen) gezeigt.</li>
<li>Kaufen Sie sich Geräte, um Benzin und Wasser in Ihrem Haus zu magnetisieren. Magnetisiertes Benzin ist sparsamer und magnetisiertes Wasser ist gesünder. Lassen Sie Ihre Wohnung nach Erdstrahlen vermessen.</li>
<li>Schreiben Sie einen Leserbrief, der fordert, dass der LHC in Genf abgeschaltet wird, weil Sie Angst haben, dass die Welt untergeht. Schreiben Sie überhaupt viele Briefe, besonders an das Bundesverfassungsgericht. Heben Sie sämtliche Eingangsbestätigungen des Bundesverfassungsgerichts sorgfältig auf. Diese werden Ihnen, wenn Sie, weil Sie an Prof. Dr. Abronsius (ggw. Nervenheilanstalt Bad Kissingen) glauben, einem Richter vorgeführt werden. Schreiben Sie insbesondere auch an die Bundesregierung und den Bundespräsidenten. Kein Richter wird es wagen, Sie zu verurteilen, solange Herr Köhler sich mit Ihrem Fall beschäftigt.</li>
<li>Gründen Sie ein Blog im Internet und teilen Ihre Erfahrungen mit anderen Menschen. Jeder wird ein überragendes Interesse an Ihrem Weg zur hemmungslosen Verblödung haben und fleißig in Ihrem Blog kommentieren. Meiden Sie Blogs, in denen nur wenig kommentiert wird oder die gar von Akademikern betrieben werden. Folgen Sie insbesondere keinen Verblödungsanleitungen aus solchen Blogs!</li>
</ol>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=389&amp;md5=899caada464dd8fc55bbc2e82d207140" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wissenschaftsdefinition</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 06:47:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern starte DRadio Wissen und legte gleich einen Fehlstart hin. Ich schrieb der Redaktion hier:
Sehr geehrte Damen und Herren,

die Angebote des DRadios sind die einzigen Sender, die mich überhaupt noch das Radio einschalten lassen. Umso trauriger bin ich natürlich, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern starte <a href="http://wissen.dradio.de/" target="_blank">DRadio Wissen</a> und legte gleich einen <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/01/fehlstart-von-dradio-wissen.php" target="_blank">Fehlstart</a> hin. Ich schrieb der Redaktion hier:</p>
<blockquote><p><!-- p, li { white-space: pre-wrap; } --><!--StartFragment-->Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>die Angebote des DRadios sind die einzigen Sender, die mich überhaupt noch das Radio einschalten lassen. Umso trauriger bin ich natürlich, dass sich DRadio Wissen gleich am ersten Tag dem Vernunftausverkauf der anderen Sender anschließt und den Hörern Astrologie als Wissenschaft verkauft. Aus zweiter Hand habe ich dann erfahren, dass man Ihre Reaktion in der Sendung &#8220;Redaktionssitzung&#8221; auch nicht gerade als selbstkritisch einstufen kann. Man sagte mir, sie wollten der Astrologie &#8211; trotz fehlender Belege und fehlender Falsifizierbarkeit &#8211; nicht den Status einer &#8220;Wissenschaft&#8221; absprechen.</p>
<p>Ich muss Sie jedoch enttäuschen: Astrologie ist keine Wissenschaft. Sie macht Aussagen über die empirisch zugängliche Welt und schafft es nicht, Aussagen zu treffen, die über Trivialitäten hinausgehen und die mehr als zufällig richtig sind. Hieraus leitet sie aber nicht eine Modifikation ihrer Thesen oder Methoden ab, sondern ignoriert jede Widerlegung, um bei der nächsten Gelegenheit erneut mit einem zusammengeschwurbelten Horoskop anzusetzen. Ihr fehlt jedes Instrument der systematischen Selbstkorrektur, wie es alle richtigen Wissenschaften &#8211; empirische wie nicht-empirische &#8211; auszeichnet.</p>
<p>Wenn Sie das ernstlich als Wissenschaft bezeichnen wollen, dann rate ich Ihnen dringend, ein einschlägiges wissenschaftstheoretisches Einführungsseminar aufzusuchen. Wenn Sie nämlich bei Ihrer gegenwärtigen, eher postmodernen Auffassung von Wissenschaft bleiben, werden Sie wohl auch nicht anders können, als Esoterik, Homöopathie, Verschwörungstheorien oder ähnlichen Blödsinn als wissenschaftlich fundiert aufzufassen. In diesem Fall wäre DRadio Wissen leider eine Totgeburt.</p>
<p>Mit lieben Grüßen aus Darmstadt,</p>
<p>Kai Denker</p>
<p><!--EndFragment--></p></blockquote>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=369&amp;md5=21018329676f6f1a0a8176fb06750e4b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Putting Faith in its Place</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 15:19:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[
PS: ...so viel zu tun, so wenig Zeit...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/5wV_REEdvxo&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/5wV_REEdvxo&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
<p><i>PS: &#8230;so viel zu tun, so wenig Zeit&#8230;</i></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=358&amp;md5=86e3541d70b53d6777240894e6b52dcc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kommunikation, gescheitert</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 11:14:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Chat-Log: (Kontext: E ist eine Impfgegnerin.)
&#60;Phaidros&#62; seufz
&#60;Phaidros&#62; @gmx.net != @gmx.de
&#60;Phaidros&#62; und wieder einige E-Mails nicht bekommen, weil einige Schwachmaten gedacht haben, sie wären klug
&#60;E&#62; Phaidros: DU bist der beste, DER alleswissende und Überhaupt!
&#60;B&#62; Phaidros: ich glaub eigenmaechtig domains zu ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Chat-Log: <em>(Kontext: E ist eine Impfgegnerin.)</em></p>
<blockquote><p>&lt;Phaidros&gt; seufz<br />
&lt;Phaidros&gt; @gmx.net != @gmx.de<br />
&lt;Phaidros&gt; und wieder einige E-Mails nicht bekommen, weil einige Schwachmaten gedacht haben, sie wären klug<br />
&lt;E&gt; Phaidros: DU bist der beste, DER alleswissende und Überhaupt!<br />
&lt;B&gt; Phaidros: ich glaub eigenmaechtig domains zu aendern ist nie klug <img src='http://denker.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /><br />
&lt;Phaidros&gt; B: ja, aber das verstehen historiker nicht.<br />
&lt;Phaidros&gt; B: wenn die was in der Birne hätten, würden die ja nicht nen Master in &#8220;Geschichte, Umwelt, Stadt&#8221; machen<br />
&lt;Phaidros&gt; E: allwissend genug, um mich impfen zu lassen und nicht einfach so Zeichenketten zu verändern, die von einer dummen Maschine verarbeitet werden <img src='http://denker.net/wp-includes/images/smilies/icon_razz.gif' alt=':P' class='wp-smiley' /><br />
&lt;B&gt; wieso impfen?<br />
&lt;E&gt; B: gegen schweinegrippe<br />
&lt;Phaidros&gt; gegen überhaupt<br />
&lt;E&gt; schade kann man noch nciht gegen dummheit impfen, sonst wäre Phaidros der erste ders machen würde<br />
&lt;Phaidros&gt; ja, ich will ja nicht so enden wie Du <img src='http://denker.net/wp-includes/images/smilies/icon_razz.gif' alt=':P' class='wp-smiley' /><br />
&lt;E&gt; Phaidros: du bist ein arschloch, ein dummschwätzer, und ein idiot!!<br />
&lt;E&gt; Phaidros: und DU WEISST GAR NICHT WAS DU SAGST!!!!!</p></blockquote>
<p>Bin ich böse, fiese und gemein? JA! <img src='http://denker.net/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=351&amp;md5=ddddb451e7bb957ac4d0773b694cbaf2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Von Grünen, Piraten und Rechten</title>
		<link>http://denker.net/2009/08/17/von-grunen-piraten-und-rechten/</link>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 15:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstkorrektur]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf meinen Post, der sich über den politischen Umgang im Piratenchat wundert, blieb die Resonanz nicht aus. Neben ein paar Kommentaren hier führte ich auch einige Gespräche mit Parteifreunden und -sympathisanten und bin beruhigt:

	Ja, die Piratenpartei hat in ihrem ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf meinen Post, der sich über den <a href="http://www.the-distraught-queen.de/2009/08/15/piraten-am-rechten-rand/" target="_blank">politischen Umgang im Piratenchat</a> wundert, blieb die Resonanz nicht aus. Neben ein paar Kommentaren hier führte ich auch einige Gespräche mit Parteifreunden und -sympathisanten und bin beruhigt:</p>
<ul>
<li>Ja, die Piratenpartei hat in ihrem starken Wachstum einige Idioten angelockt, die sich jetzt in ihrem Chat herumtreiben.</li>
<li>Nein, diese Leute geben nicht die Meinung der Partei oder die der Mehrheit ihrer Mitglieder wieder. Tatsächlich beäugt man die wenigen rechten Gesellen argwöhnisch.</li>
</ul>
<p>Haben die Piraten einen Fehler gemacht? Nein!</p>
<ul>
<li>Herbert, ein damaliger Grüner der ersten Stunde, erzählte mir, dass sich auch einst bei den frühen Grünen rechte Ratten herumtrieben, die den deutschen Wald schützen wollten. Es ist offenbar ein normaler Effekt bei neuen, schnell wachsenden Organisationen, die sich inhaltlich noch nicht bis ins letzte Detail gefunden haben.</li>
<li>Meine Schwester fragte mich, ob es die Piraten nicht diskreditieren würde, wenn sie ihren Chat nicht kontrollierten. Die Antwort lautet: &#8220;Nein.&#8221; &#8211; Sie würden sich diskreditieren, wenn sie ihren Chat zensierten. Freiheit kann man nur als universelle Idee fordern und nicht nur für eine ausgewählte Gruppe. Die Ansichten von Nazis sind inhaltlich gewiss widerwärtig, aber in einer Demokratie müssen wir dulden, dass sich jeder selbst von Bild von deren Unsinn machen kann und muss.</li>
<li>Die Idee einer auf Freiheit und Selbstbestimmung gerichteten Werteordnung ist mit den Ideen der Rechten offensichtlich unvereinbar. Wenn die Idee der Freiheit sich gegen den rechten Mist nicht durchsetzen kann, dann ist ihre Zeit vorbei. Aber: Sie kann es!</li>
<li>Die Piraten machen keinen Fehler, wenn sie bereit sind, den Rechten Argumente entgegen zu setzen. Gewiss wäre es falsch, jeden rechten Schwachkopf in seinem Diskursterrorismus ernst zu nehmen und Stunden lang jeden noch so kleine Lüge zu widerlegen. Das ist gegenüber einem geschlossen rechten Weltbild sicher Zeitverschwendung. Es ist aber kein Fehler, die Ideen der Rechten nicht einfach zu ignorieren, sondern ganz klar zu sagen, was man diesen entgegensetzt. Gegen das Gedankengift von Rechts helfen keine Verbote, sondern nur eine klare und vernünftige politische Agenda, die einen Inhalt bietet, den die Partei selbst ernst nimmt. Die Piraten nehmen aber, das ist nun wahrlich mein Eindruck, die Idee der Freiheit ernst und ich glaube, die Idee der Freiheit ist tatsächlich, trotz und vielleicht gerade angesichts der Geschichte des 20. Jahrhunderts, eine Idee, die deren Zeit und Wirkungskraft noch lange nicht zu Ende ist.</li>
</ul>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=292&amp;md5=2e2f3c53bd5a4bc974f2be7882d3296a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Piraten am rechten Rand?</title>
		<link>http://denker.net/2009/08/15/piraten-am-rechten-rand/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/08/15/piraten-am-rechten-rand/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 08:03:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor langer Zeit bin ich wegen einer kleinbürgerlichen Bevormundungspolitik aus der SPD ausgetreten und habe mich lange aus der Politik gänzlich raushalten wollen. Ich war so etwas wie politikverdrossen. Zwar beobachtete ich die Grünen ständig fasziniert, aber irgendwie konnte ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor langer Zeit bin ich wegen einer kleinbürgerlichen Bevormundungspolitik aus der SPD ausgetreten und habe mich lange aus der Politik gänzlich raushalten wollen. Ich war so etwas wie politikverdrossen. Zwar beobachtete ich die Grünen ständig fasziniert, aber irgendwie konnte ich mich mit einigen technophoben Subtexten der Partei nie recht anfreunden.</p>
<p>Als die Piratenpartei aber stärker und bekannter wurde und mich die Überwachungs- und Zensurpolitik der großen Koalition zunehmend repolitisierte, trat ich in die Piratenpartei ein und war einige Zeit positiv angetan und freute mich, dass sich eine junge Bewegung bildete, die sich nicht irgendeine Revolution, sondern eine Politik der Freiheit auf die Fahne geschrieben hatte.</p>
<p>Ich entschied, dass ich mich mehr für die Partei engagieren wolle und abonnierte Mailinglisten und nahm am Chat der Piraten teil. Letzter ist aber entsetzlich und ich stelle meine Parteimitgliedschaft plötzlich überhaupt in Frage:</p>
<ul>
<li>Für einige dort gilt Freiheit nur, wenn es die eigene ist. Fordert beispielsweise ein CDU-Politiker ein Verbot von &#8220;Killerspielen&#8221;, da diese &#8220;sittenwidrig&#8221; seien, hat man Schaum vorm Mund. Gleichzeitig lehnt man aber die Gewährung vollständiger Grundrechte für Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle ab. Freiheit ist diesen nur dann das grundlegende Dispositiv des Handelns, wenn es um die eigene Freiheit geht. Die Freiheit des anderen darf ruhig weiter irgendwelchen Moralvorstellungen unterworfen werden. &#8220;Solange meine Computerspiele frei sind, schert mich das Menschenrechten von Lesbenpaaren einen Dreck.&#8221;</li>
<li>Auch die in der öffentlichen Diskussion vorgetragene Orientierung an der Wissenschaft, dass man sich erst begründete Meinungen bilden müsse, dass man unvoreingenommene Experten hören müsse, dass man nicht ideologisch, sondern wissenschaftlich vorgehen wolle, trägt im Chat nicht weit: Zwar betont man das eigene Wissen zur Technik, wenn es um die Abwehr technophober, externer Positionen geht, aber intern, wenigstens im Chat, sinkt dies zu einer überaus vulgären Wissenschaftsfeindlichkeit herab. Antiintellektualismus ist im Chat der Partei eine üble Mode. So soll ein studierter Historiker etwa sich ernstlich zur Geschichte des deutschen Antisemitismus von einem Schüler belehren lassen, der keine Argumente hören will, sondern sich im äußersten Zweifel auf seine Meinungsfreiheit(!) und die Arroganz des Historikers beruft. Dass sich die Geschichte des Antisemitismus nicht mit einer Sündenbocktheorie beschreiben lässt, ist bekannt und unter Demokraten und Wissenschaftlern Konsens, in den Köpfen einiger Schüler aber noch nicht angekommen. Nun, sollen diese wenigstens lernen und ihr Halbwissen nicht mit einer Meinung verwechseln.</li>
<li>Überhaupt ist der Antisemitismus in seinen verschiedenen Ausdrucksformen das größte Problem im Piraten-Chat: In wenigen Tagen bin ich dort nicht nur der Homophobie, sondern auch &#8220;Unannehmlichkeiten&#8221; von strukturellem Antisemitismus bis hin zu Schuldabwehrantisemitismus begegnet. Hier einige Kostproben in abstracto: in Israel gelten Rassengesetze im Ehe-Recht; damals waren es die Juden &#8211; heute die Manager; die Juden waren nur zufällig Sündenböcke der Nazis; der Antisemitismus ist eine religiöse Frage; es gibt keine tieferen Wurzeln des Antisemitismus in der Geschichte; es muss auch mal Schluss sein; der Holocaust ist schon so lang her&#8230; &#8211; Jedem gestandenen Demokraten müssen hier die Haare zu Berge stehen und ich bin noch immer sprachlos. Ein anderer Pirat sagte, ich solle nicht denken, dass der Kern der Partei das so sehe, aber mein Entsetzen ist deutlich.</li>
<li>Entsetzt bin ich auch über die Ablehnung jeder politischen Selbstreflektion: Das Topos der Ideologie tritt nur negativ auf, da man vehement jede Form von Ideologie ablehnt und sich darin so gründlich selbst bestätigt, dass man die eigene ideologische Verblendung, die in den genannten und weiteren Vorurteilen beständig blüht, gänzlich übersieht. Ideologen sind immer nur die anderen. Arrogant und überheblich, eingebildet und &#8211; gar schlimm! &#8211; gebildet(!) ist immer nur der andere. Man selbst sonnt sich in der Überwindung aller Ideologie und versinkt in einem Fest der Dummheit, die niemals über die eigene unmittelbare Vorverurteilung hinaus kommt. Dass die Rede von der Freiheit selbst eine Ideologie ist und zwar mit Notwendigkeit, wird nicht eingesehen und so wird nicht gedacht, sondern gewurschtelt. Wie die göttliche Linke geht man den politischen Topoi der anderen auf den Leim, lässt sich die politische Agenda vorgeben, findet sich selbst avantgardistisch und schafft es doch nicht, die kleinen Pflänzen einer eigenen politischen Idee zu einer politischen Vision heranzuziehen. Einige Leute, die sich im Piratenchat tummeln, sind nicht einfach nur nicht klug oder nicht gebildet, sondern ganz veritabel dumm. Es handelt sich um den Typus Mensch, der &#8220;Meinungsfreiheit!&#8221; für ein Argument hält, der Wissenschaft misstraut und unter dem Deckmantel einer Partei, die völlig zu recht Freiheit fordert, die Abwehr jeder Kritik an der eignen Position betreibt. Es mag dabei kaum zu beruhigen, dass diejenigen, die zu den Dummen gehören, praktisch ohne Ausnahme Rechte sind: Die anderen politischen Positionen, so es sie ernstlich im Chat gibt, schweigen zu sehr.</li>
</ul>
<p>All das, was im letzten Punkt angesprochen wurde, gilt für die deutsche Gesellschaft im Allgemeinen. Pseudotechnophober wissenschaftsfeindlicher Antiintellektualismus wird nicht ohne Grund der Sargnagel der deutschen Demokratie sein. Der Untergang unserer Demokratie hat den Überwachungswahn der Regierung nicht als Ursache, sondern dieser ist kaum mehr als ein Symptom der fehlenden Bereitschaft der Bevölkerung zum klaren Denken und des geheimen Wartens auf den Führer, der einem endlich wieder gestattet, zum Stadium der romantischen Kindheit zu retadieren, in der man glauben konnte, was die Mama sagt.</p>
<p>Für die Funktionsträger der Piratenpartei gilt aber eines: Sie muss umgehend klar Stellung beziehen und der eigenen Basis deutlich machen, was von verstecktem oder offenem Antisemitismus, von Homophobie oder Wissenschaftsfeindlichkeit zu halten ist. Andernfalls eröffnet die Partei eine Flanke, die es den etablierten Parteien leicht machen wird, sie von der politischen Bühne zu fegen. In Deutschland werden Parteien, die keine klare Abgrenzung zum rechten Rand finden, völlig zurecht beargwöhnt und erlaubt man sich, den Chat der Piraten pars pro toto als repräsentativ für die Partei zu nehmen, dann wäre eine Repolitisierung der Jugend durch die Piratenpartei, wie sie sich hier zeigt, eine Katastrophe.</p>
<p>Zuzugeben ist, dass ein solcher Schluss pars pro toto den Aktivitäten auf den von mir abonnierten Mailinglisten nicht gerecht wird: Dort habe ich bisher nur (bis auf eine geradezu lachhafte Ausnahme) engagierte und rationale Menschen erlebt, die sich mit einer Freiheitsideologie zwar nicht rhetorisch, aber umso mehr der Form und dem Prinzip nach identifizieren. Wahrscheinlich hat Ramon also recht und der Chat ist für die Piraten nicht repräsentativ, aber das entbindet die Partei nicht von der Notwendigkeit, klar gegen rechts außen Stellung zu beziehen. Freiheit taugt als Idee für moderne Sozialisten, Sozialdemokraten, Libertäre, Liberale und Konservative, nicht aber für Faschisten und deren Proto- und Kryptoformen. Das kann nicht laut und oft genug gesagt werden.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=290&amp;md5=58a56cf32b026f3dbf2ec8cb9ed0167b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gegen Vermachtung?</title>
		<link>http://denker.net/2009/08/02/gegen-vermachtung/</link>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 16:37:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krudes]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Bremer Grüne Matthias Güldner, der dem Netz seit kurzem für sein unsachliches Lospoltern gegen die Netzbewegung bekannt geworden ist, hat seinen Kritikern geantwortet und damit die Kritik an ihm bestätigt. Eine kurze Analyse seiner Einlassungen wird dies zeigen:
Ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Bremer Grüne Matthias Güldner, der dem Netz seit kurzem für sein unsachliches Lospoltern gegen die Netzbewegung bekannt geworden ist, hat seinen Kritikern <a href="http://netzpolitik.org/2009/matthias-gueldner-antwortet-seinen-kritikern/" target="_blank">geantwortet</a> und damit die Kritik an ihm bestätigt. Eine kurze Analyse seiner Einlassungen wird dies zeigen:</p>
<blockquote><p>Ich bin denjenigen, die sich mit dem Thema Internet befassen, auf die Füße getreten. Viele haben sich provoziert und beleidigt gefühlt. Das mit der Provokation, das hat jedeR gemerkt, war beabsichtigt. Die Beleidigung nicht. Das entspricht nicht meinem eigenen Anspruch, tut mir leid und hat die Diskussion in eine völlig falsche Richtung gelenkt.</p></blockquote>
<p>Es ist der bekannte und beliebte Topos, sich nach einer unüberlegten und unmöglichen Äußerung auf den Standpunkt des &#8220;Ich wollte im Interesse der Diskussion provozieren!&#8221; zurückzuziehen und sich für die Beleidigung zu entschuldigen. Diese Position ist unglaubwürdig, weil sie zu nichts anderem dient, als die eigene Ungezogenheit als &#8220;sachliche Provokation&#8221; auszugeben und zugleich die eigene Bescheidenheit zu behaupten, da man sich ja doch entschuldigt habe. Matthias Güldner verarscht uns an dieser Stelle aber, wie die folgende Analyse zeigt. Als nächstes erzählt er uns nämlich, dass er nicht nur überlegt handelte, sondern auch noch ein beinahe aufdringlich guter Mensch ist:</p>
<blockquote><p>Viele haben geglaubt, es handele sich um eine spontane und unüberlegte Äußerung. Dem war nicht so. Ich war und bin Teil der Bürgerrechtsbewegung, habe mich u.a. gegen die Volkszählung 1984, gegen die Verschärfung der Polizeigesetze in Bund und Land nach dem 11. September, für die Aufklärung der Verwicklung der deutschen Geheimdienste in die Haft des Bremers Murat Kurnaz in Guantanámo eingesetzt.</p></blockquote>
<p>Das ist so dick aufgetragen und aktiviert alle linken Systemkritiktopoi, dass man schon eine gehörige Portion Naivität beim Leser erwarten muss, um davon auszugehen, dass dieser dem Autor auf den Leim geht. Interessant ist übrigens, dass es die Volkszählung 1984(!) war und nicht 1983 oder 1987, wie Wikipedia <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volkszählung" target="_blank">referiert</a>. (Wikipedia kennt 1984 eine Volkszählung in Äthiopien. Wahrscheinlich ist Herr Güldner auch noch ein besonderer Freund der dritten Welt.) Der supi-gute Herr Güldner hat sich also gründlich mit den Argumenten der Familienministerin auseinandergesetzt&#8230;</p>
<blockquote><p>Bei der Frage der Internetsperren kam ich nach Abwägung aller Argumente zu einem anderen Schluss als vor allem der netz-affine Teil dieser Bewegung.</p></blockquote>
<p>&#8230; und ist eben zu einem anderen Ergebnis gekommen als die netzaffine Bevölkerung. Nachdem er also schon so ein guter Mensch ist, kommt er nun zu einem anderen Ergebnis. Natürlich ohne uns den Luxus eines Arguments zu gönnen. Dafür war die Provokation viel zu wichtig. Argumente hätten da ja nur gestört &#8211; nicht wahr, Herr Güldner? Aber bevor ich der Versuchung erliege, den berühmten Satz von den tausend Geisterfahrern zu schreiben, gehen wir lieber schnell zum nächsten Gutmenschtum über:</p>
<blockquote><p>Der Umgang mit denjenigen, die diese abweichende Meinung auch geäußert haben, hat mich erschreckt und zu meiner Provokation motiviert. Ich war immer der Überzeugung, dass (Meinungs-)Freiheit nicht nur gegen &#8220;die da oben&#8221; verteidigt, sondern auch in den eigenen Reihen einer Bewegung praktiziert werden muss.</p></blockquote>
<p>Herr Güldner verteidigt also nicht nur die armen Kinder mit seiner Provokation, sondern auch Frau von der Leyen und Herrn Guttenberg in ihrer Meinungsfreiheit gegen die bösen Zumutungen der Bewegung (und sich, welch Zufall, natürlich gleich mit!). Neu ist mir zwar, dass Politiker, die täglich in der Springer-Presse hochgejubelt werden, in ihrer Meinungsfreiheit gefährdet sind, aber schließlich ist doch kein Effekt zu billig, um in einer Diskussion zu verstecken, dass man nicht gewillt ist, ein Argument aufzubringen. Mich erinnert das ja an die Auseinandersetzung mit den Homo-Heilern in Marburg, die ihren krankhaften Menschenhass mit der Meinungsfreiheit verteidigen wollten und den Schwulen und Lesben &#8220;totalitäre Tendenzen&#8221;(sic!) vorwarfen. Es ist ein beliebter Effekt, dem Gegner Totalitarismus vorzuwerfen. Nun, Herr Guttenberg sagt, wir unterstützten Kinderpornos, Herr Güldner sagt, wir würden Meinungen unterdrücken und mehr muss man dazu nicht sagen. Lustiger ist nämlich dieses:</p>
<blockquote><p>Kampf für Bürgerrechte ist meines Erachtens auch Kampf gegen jegliche Vermachtung von politischen Prozessen.</p></blockquote>
<p>Sagen kann man dazu eigentlich nichts als Schmähungen und deswegen versuche ich es auch nicht sehr: Bullshit! Der Witz an politischen Prozessen ist gerade die Macht und wer sich einbildet, es gäbe ernsthaft die Möglichkeit eines machtfreien Diskurses in der Politik, hat sich wohl in seiner Anti-Volkszählungs-Anti-AKW-Kuschelgruppe das Gehirn rausgekuschelt. &#8211; Oh, Entschuldigung, ich wollte nicht beleidigen. Ich wollte nur provozieren! *augenverdreh*</p>
<p>Und als wäre das Geschwafel vom Kampf gegen &#8220;jegliche Vermachtung von politischen Prozessen&#8221; nicht schon genug, wird uns nach einem ermüdend langweiligen und unreflektierten Exkurs in die &#8220;digitale Spaltung&#8221; endlich dann das Wort &#8220;Metaebene&#8221; an den Latz geknallt:</p>
<blockquote><p>Netzpolitik ist meines Erachtens nicht nur Einsatz für eine bestimmte Kommunikationsebene. Als Metaebene betrifft und beeinflusst sie unglaublich viele andere Bereiche der Politik und des Alltags. Netzpolitik.org hat das Ziel, &#8220;über politische, gesellschaftliche, technische und kulturelle Fragestellungen auf dem Weg in eine Digitale Gesellschaft zu schreiben&#8221;. Im Kern geht es also auch um eine kritische Verständigung über soziale, ökologische, rechtliche, ökonomische, gender Aspekte in der Folge der Digitalisierung. Werden bestimmte Gruppen von Menschen in diesem Prozess besser und andere schlechter gestellt? Hat die große Chance der Verbreiterung und Vertiefung von Demokratie auch Verlierer, zum Beispiel bei Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht im Netz bewegen (können), und die sich in Zukunft (noch) weniger als bisher in Meinungsbildungsprozesse einklinken können? Diese und viele andere Fragen können nur gemeinsam beantwortet werden.</p></blockquote>
<p>Nach der kommunikationspsychologischen Großkampfvokabel &#8220;Metaebene&#8221;, die nie etwas anderes als das Fehlen der Bereitschaft zum Streit anzeigt, werden endlich wieder alle Register des Kaputtkuschelns aller Debatten gezogen: Gesellschaftlich (gut), Technik (böse), Kultur (ganz toll), Sozial (wichtig), Ökologie (Oh ja, grün muss es sein!), rechtlich (und Rechtsstaat bitte schön!), Ökonomie (Da müssen wir kritisch sein!) und &#8211; endlich! &#8211; Gender! Wenn alles nichts mehr hilft, hilft in der linken Diskurslatrine am Ende das Wort &#8220;Gender&#8221; und alle, die irgendwie dagegen sind, sind ganz schnell sexistisch. Endlich haben wir wieder alle Schauplätze des Kuschel(dis)kurses beisammen und können schließlich feststellen, dass die die Frage nach den negativen Seiten der Demokratie nur &#8220;gemeinsam&#8221;(!) beantwortet werden können &#8211; ja, wie bitte? Sollen wir etwa alle im Chor sprechen? Ok, auf drei: 1 &#8211; 2 &#8211; 3 &#8211; &#8220;Wir haben uns alle das Hirn rausgetwittert.&#8221; und jetzt der Herr Güldner: &#8220;Ich nicht!&#8221;</p>
<blockquote><p>In diesem Sinne geht es zunächst vor allem um die Überwindung der Sprachlosigkeit. Die laufende intensive Diskussion der ExpertInnen in Wissenschaft, Netzgemeinde und Politik bietet da viele Anknüpfungspunkte. Allerdings scheint eine Verbreiterung der Diskussion dringend nötig zu sein. Viele Leute müssen an vielen Orten, online und offline, besser und ernsthafter ins Gespräch kommen über den digitalen Graben hinweg. Seit dem Erscheinen des Artikels gab es auf lokaler Ebene gute, sehr intensive Gespräche mit digital kundigen Leuten. Wir versuchten zunächst uns gegenseitig unsere Positionen zu erklären und besser zu verstehen. Das hat erstaunlich gut geklappt.</p></blockquote>
<p>Ja, wir müssen die Sprachlosigkeit überwinden! Ganz dringend! Es kann einfach nicht mehr sein, dass wir Frau von der Leyen und die Kinder so sprachlos machen. Das sind die bösen totalitären Tendenzen der Netzbe&#8230; wie? Es geht schon um Demokratie, digitale Spaltung und die großen Fragen? Achso, ja, stimmt, zeigt aber nur eines: Herr Güldners Antwort auf seine Kritiker hat nichts, aber absolut auch gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Thema zu tun. Es ist nichts weiter als eine weinerliche Replik eines selbsterklärten Gutmenschen auf seine Kritiker, die einfach nicht verstehen wollen, dass diese ganzen Fragen alle <em>toooooootal wichtig</em> sind. Deswegen ist auch die &#8220;laufende intensive Diskussion der ExpertInnen in Wissenschaft, Netzgemeine und Politik&#8221; so wichtig. Wir müssen wieder mehr aufeinander hören und wenn die Wissenschaft mal wieder unisono sagt, dass die Zensurgesetze kontraproduktiv sind, dann hat sie sich eben ganz schnell wieder das Hirn rausgetwittert.</p>
<p>Ach nein, ernsthaft müssen wir miteinander reden. Es gab ja schon intensive Gespräche und wir müssen unsere Position nur besser erklären. (Das versucht die SPD mit HartzIV schon seit sechs Jahren!) Dann verstehen wir einander besser. Dann verstehen wir endlich, was die Zensursula will. Dass sie nämlich gar keine verlogene Zensurfetischistin ist, die vom Netz keine Ahnung hat, sondern dass es ihr wirklich um die Kinder geht. Ganz ehrlich! Noch einen Tee? Der ist aus fairem Handel!</p>
<blockquote><p>Wenn wir das Gewicht des Themas ernst nehmen, wird dabei kein schneller Konsens heraus kommen. Ich finde das nicht schlimm.</p></blockquote>
<p>Ach, es menschelt, ich könnte kotzen vor Glück! Wir müssen miteinander streiten und zwar für die Meinung des anderen, weil das ja sonst totalitär wäre. Bloß kein schneller Konsens bei dem Thema. Wir müssen ganz intensiv diskutieren, wie wir das Netz sperren können. Denn jeder, der was anderes will, hat sich längst das Gehirn rausgetwittert und ist ein böser Mensch, der totalitär die Meinungsfreiheit unterdrücken will! Jawohl! Netzsperren für Meinungsfreiheit!</p>
<p><em>Ach, kehren wir noch einmal zu Habermas zurück: Habermas sprach vom machtfreien, weil rationalen Diskurs. Das setzt voraus, dass die Diskursteilnehmer schon ein Interesse an einem rationalen Gespräch haben und sich nicht erst gegenseitig Beleidigungen an den Kopf werfen, damit man dann, wenn man merkt, dass der andere die Beleidigung auch noch persönlich nimmt, erst das Verständnis und die intensiven Gespräche rausholen muss. Wenn man vorher denkt, muss man sich am Ende weniger entschuldigen, Herr Güldner. Und wenn man sich dann wenigstens aufrichtig entschuldigt, dann wird man danach auch vielleicht noch ernst genommen. Wer aber gleich die große Keule rausholt und dann nur noch rumheult, der ist einfach kein rationaler Diskursteilnehmer mehr, besonders dann nicht, wenn sein Rumgeheule auch noch so durchschaubar ist. Herr Güldner, trinken Sie noch einen Tee, führen Sie intensive Gespräche mit ihren Gegnern der äthiopischen Volkszählung, aber verbrauchen Sie bitte nicht unsere Luft!</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Les ich &#8220;KiPo&#8221; in der Nacht, bin ich um den Verstand gebracht&#8230;</title>
		<link>http://denker.net/2009/07/07/les-ich-kipo-in-der-nacht-bin-ich-um-den-verstand-gebracht/</link>
		<comments>http://denker.net/2009/07/07/les-ich-kipo-in-der-nacht-bin-ich-um-den-verstand-gebracht/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 12:36:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das entsetzlich blödsinnige und kryptofaschistische Gegreine, man dürfe X nicht "X", sonder nur "unglaublich grauenhaftes Xylophon" nennen, greift nun anscheinend noch weiter um sich. Nicht nur, dass Zensursula offenbar erfolgreich das absurde Wort "pädokriminell" im Wortschatz der Deutschen Journaleska ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das entsetzlich blödsinnige und kryptofaschistische Gegreine, man dürfe X nicht &#8220;X&#8221;, sonder nur &#8220;unglaublich grauenhaftes Xylophon&#8221; nennen, greift nun anscheinend noch weiter um sich. Nicht nur, dass Zensursula offenbar erfolgreich das absurde Wort &#8220;pädokriminell&#8221; im Wortschatz der Deutschen Journaleska verankert hat, greift man nun beim Umgang mit der Piratenpartei zu immer schwachsinnigeren Mitteln. Ich zitiere die Ruhrbarone:</p>
<blockquote><p>Das Anhänger der Piraten hier in den Kommentaren Kinderpornographie lässig mit &#8220;KiPo&#8221; abkürzten fanden wir alle widerwärtig. (Und wir haben beschlossen solche Kommentare nicht mehr freizuschalten)</p></blockquote>
<p>Dass sich erwachsene Menschen <a href="http://www.ruhrbarone.de/das-war-es-mit-den-piraten/" target="_blank">erblöden</a>, so etwas zu schreiben, lässt tief in die Abgründe Deutscher Gehirne blicken: Der Vorwurf, der hier ja so widerlich explizit impliziert ist, sagt doch nichts anderes als, dass man Dinge, so sie der Zensor nur hinreichend scheisse findet, nicht mehr abkürzen darf. Was an der Verwendung einer Abkürzung für &#8220;pornographische Schriften, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zum Gegenstand haben,&#8221; bitte in irgendeiner Form &#8220;widerwärtig&#8221; sein soll, erschließt sich einem halbwegs gesunden Gehirn nicht. Genauso könnte man sich darüber beklagen, die Abkürzung &#8220;KZ&#8221; für &#8220;Konzentrationslager&#8221; oder &#8220;NS&#8221; für &#8220;Nationalsozialismus&#8221; relativiere die Verbrechen des Faschismus. Wer ernsthaft diese Position vertritt, hat sich längst aus dem Kreis humaner Intelligenzbegabtheit verabschiedet. Um es kurz zu machen: <em>Ich denke, wer sich auf diesen Standpunkt stellt, ist ein Idiot.</em></p>
<p>Warum?</p>
<p>Nun, dazu muss ich etwas ausholen: Es erscheint mir schon länger als Missbrauch zweiter Ordnung, die Anfertigung von <em>pornographischen Schriften, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zum Gegenstand haben</em>, über alle Maßen zu dämonieren und zugleich <em>sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vorzunehmen oder an sich von dem Kind vornehmen zu lassen</em> mit der <em>Tötung eines Menschen aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, </em>gleichzusetzen: Man ignoriert damit die spezifische Problematik eines sexuellen Missbrauchs von Kindern und verhindert deren Genesung.</p>
<p>Wie bitte?</p>
<p>Ja: Wer Kindesmissbrauch, so schrecklich und abstoßend er zweifelsohne mit absoluter Sicherheit ist, mit Mord gleichsetzt oder von einem &#8220;Mord an der Seele&#8221; spricht, verlängert das Leiden der Opfer unnötig. Wer ermordet wurde, ist tot. Das ist endgültig und unumkehrbar. Es gibt für das Opfer des Mordes keine weiteren Handlungsoptionen. Dies auf ein minder- oder volljähriges Vergewaltigungsopfer zu übertragen, gibt dem sexuellen Missbrauch einen ontologisch-psychologischen Status der Unabschließbarkeit. Natürlich ist das historische Faktum des Missbrauchs unabänderlich. Das gilt aber für Handtaschendiebstahle und Autounfälle mit und ohne Personenschaden genauso wie für Lottogewinne oder Blogeinträge. Alle diese historischen Ereignisse haben aber nicht den Charakter der Unabschließbarkeit: Es ist den Opfern, zumindest solange sie ihre Wunden nicht durch eifriges Lecken an der Heilung hindern, möglich, mit diesem Ereignis abzuschließen, es als negatives, aber nun einmal faktisches Ereignis in die eigene Biographie zu integrieren und damit zu leben. Ja, so schrecklich und unglaublich pervers es für viele Menschen klingen mag: Auch die Opfer von Kindesmissbrauch haben die Chance, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und dennoch ein glückliches Leben zu führen.</p>
<p>Natürlich muss ich ein perverses, abstoßendes Schwein sein, dass nicht nur Abkürzungen wie &#8220;KiPo&#8221; benutzt, um in einer sowieso schon ermüdenden Debatte ein wenig Schreibarbeit zu sparen, sondern tatsächlich auch noch das Recht der Kinder auf Genesung verteidigt. Wer nämlich behauptet, die missbrauchten Kinder hätten, <em>notwendig </em>ein unabänderlich unabschließbares Los gezogen, woran sie ihr ganzes Leben kümmerlich zu tragen hätten, verdoppelt und verlängert die Missbrauchssituation: Er vollzieht einen Missbrauch zweiter Ordnung und missbraucht das Ereignis des Missbrauchs für eine fesselnde Fürsorge, die die Kinder nicht nur nicht in eine mögliche, obgleich höchstwahrscheinlich schmerzhafte Freiheit entlässt, sondern sperrt sie auch in das Ereignis des Missbrauchs ein: &#8220;DU BIST MISSBRAUCHT WORDEN! DU LEIDEST JETZT FÜR IMMER!&#8221;</p>
<p>Diese angeblich mitfühlende, in Wirklichkeit aber jede Emanzipation und Reifung hemmende Sichtweise zeugt nicht nur von mangelnder emotionaler Reife und tiefster moralischer Verkommenheit beim Sprecher, sondern von einer Bereitschaft, Opfer in einer Verdoppelung zu stigmatisieren: Der Täter lässt sie zum Opfer <em>werden</em>, der angeblich mitfühlende, sekundäre Missbrauchsprofiteur lässt sie ein Opfer <em>bleiben</em>.</p>
<p>Die Zeitstruktur von Mord ist eindeutig: Historisch unabänderlich und für das Opfer &#8211; tautologisch! &#8211; nicht mehr abschließbar: Ein Mordopfer kann das Ereignis des Verbrechens nicht verarbeiten und in seine eigene Biographie integrieren. Der Weg zu einem glücklichen Leben ist für das Mordopfer auf alle Zeit versperrt. Mord ist unabschließbar.</p>
<p>Die Anfertigung von <em>pornographischen Schriften, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zum Gegenstand haben</em>, über alle Maßen zu dämonieren und zugleich <em>sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vorzunehmen oder an sich von dem Kind vornehmen zu lassen</em> mit der <em>Tötung eines Menschen aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, </em>gleichzusetzen, ist also der Versuch, die Zeitstruktur eines psychologisch zumindest im Prinzip abschließbaren Ereignisses durch eine endgültig-unabschließbare Zeitstruktur zu ersetzen. Wer ernsthaft diese Auffassung vertritt, misshandelt die Opfer mit Liebe.</p>
<p>Die &#8220;KiPo&#8221;-Hysterie der Ruhrbarone steht genau in dieser Tradition, beim Thema <em>&#8220;sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornehmen oder an sich von dem Kind vornehmen lassen&#8221;</em> sowie der Dokumentation den Verstand auszuschalten und so laut &#8220;Faschist! Faschist!&#8221; zu schreien, dass alle anderen aus purer Angst einfach nur mitschreien. Ich glaube das aber einfach nicht. Ich glaube nicht, dass ein Missbrauchsopfer niemals wieder zu einem glücklichen Leben gelangen kann, sowenig wie ich glaube, dass man nie den frühen Verlust der Mutter oder sonst ein schreckliches Ereignisses verarbeiten kann. Ich behaupte natürlich nicht, dass das leicht sei und es ist ganz sicher nichts, was irgendwem, aus egal welchem Grund auch immer, zu wünschen wäre und es ist natürlich ganz eindeutig so, dass die Täter zu stellen und im Sinne des Gesetzes zu bestrafen sind. Darüber herrscht ein so offensichtlicher Konsens, dass es mich ärgert, dass man sich angesichts der Kinderschänderhysterie ständig dazu bekennen muss. Also nochmal für die Schaum-vorm-Mund-Keifer:</p>
<blockquote><p>§§176, 176a, 176b, 184a StGB sind richtig. Soll ich Euch&#8217;s auf Brot schmieren?</p></blockquote>
<p>Eure dümmliche Hysterie aber ist kontraproduktiv, verstärkt und verlängert das Leiden der Opfer, verhindert eine Genesung, ist penetrantester Diskursterrorismus, ist emotional unreif und moralisch verkommen. Für Euer notgeiles Aufmerksamkeitsgegreine ist Euch das Mittel &#8220;KiPo&#8221; indirekt doch nur recht. Ihr ekelt mich an! Merkt Euch das!</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=245&amp;md5=1ff83298bef612bfb2d297f39606196f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>One Day in Münte-World</title>
		<link>http://denker.net/2009/06/27/one-day-in-munte-world/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 10:40:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Franz Müntefering, Vorsitzender der Verräterpartei, hat der Welt am Sonntag erzählt, was der Spiegel so zitiert:
In der Menschheitsgeschichte gebe es zwei ganz große Fortschritte, die sich beide mit der Idee der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie verbänden: "Das ist die ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Franz Müntefering, Vorsitzender der Verräterpartei, hat der Welt am Sonntag erzählt, was der Spiegel so <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,632940,00.html" target="_blank">zitiert</a>:</p>
<blockquote><p>In der Menschheitsgeschichte gebe es zwei ganz große Fortschritte, die sich beide mit der Idee der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie verbänden: &#8220;Das ist die organisierte Solidarität, sprich der Sozialstaat. Und das ist die Demokratie, die ausgeht von der Gleichwertigkeit aller Menschen.&#8221; Beides seien hohe Güter, die nicht gesichert seien. &#8220;Man muss dafür streiten&#8221;, mahnte Müntefering.</p></blockquote>
<p>Sozialstaat und Demokratie sind sicher große Fortschritte, vielleicht nicht die ganz großen der Menschheitsgeschichte, aber meinetwegen. Nur: Merkt Müntefering eigentlich noch, was er da von sich gibt? Sozialdemokratie, Sozialstaat und Demokratie? Nun, vielleicht hat die SPD auch nur einfach nichts mit Sozialdemokratie zu tun.</p>
<p>Es ist wirklich bizarr, dass die SPD bzw. deren Vorsitzender noch glaubt, sie könne sich nach Hartz IV, VDS, Zensur, maßloser Geldverschwendung und anderen Überwachungsgesetzen noch auf Werte wie Demokratie oder Sozialstaat berufen. Man muss wohl schon sehr tief in Münte-World verstrickt sein, um diesen Unsinn  zu glauben oder zumindest so gut lügen zu können, dass man dabei nicht rot wird. Ach, rot ist Münte ja schon. Nun, die Schamesröte stünde ihm sicher besser zu Gesicht als die rote Fahne.</p>
<p>Die SPD hat sich ihre Internet-Kompetenz ja schon die die Haare schmieren können. Die Sozial- und Demokratiekompetenz liegt ohnedies schon in Trümmern, aber nun bläst die SPD auch noch zum Angriff auf das vernünftige Denken?</p>
<p>Vielleicht handelt es sich aber auch um ein weiteres Lehrbuchbeispiel für das, was ich dialektische Ethik nenne. Die These der dialektischen Ethik lautet, dass man sich nicht ethische Maximen nicht danach gibt, ob man sie haben <em>soll</em>, sondern danach, ob man sie <em>braucht</em>. So wie sich das kaffige Bonn &#8220;Bundesstaat&#8221;, das Odenwälder Bauernnest Darmstadt &#8220;Wissenschaftsstadt&#8221;, das provinzielle Frankfurt &#8220;Europastadt&#8221; und das um geraubte Leichenteile angeblicher Heiliger herum gebaute Seligenstadt &#8220;selig&#8221; nennt, muss die SPD sich jetzt als &#8220;internetfit&#8221;, &#8220;Sozialstaat erhaltend&#8221; und &#8220;Demokratie verteidigend&#8221; benennen. Sicher wären das Maximen, die der SPD gut zu Gesicht stünden und die sie vielleicht sogar haben <em>sollte</em>, aber vorallem ist festzustellen, dass die SPD diese Maximen <em>braucht</em>. Braucht aber jemand etwas, so hat er es nicht. Hätte er es nämlich, so brauchte er es nicht. Und so gilt mutatis mutandis das für die SPD, was dazu führte, dass mein Großvater die CDU den &#8220;Club der Unchristen&#8221; nannte. So wie der CDU nämlich wörtlich verstandene &#8220;Nächstenliebe&#8221; und überhaupt alle Werte ihrer tollen Religion gänzlich abgehen, so ist die SPD längst nicht mehr sozial oder ein Garant der Demokratie.</p>
<p>Die SPD ist personell und inhaltlich am Ende. Sie hat unterdessen auf praktisch allen Wählergruppen, die auch nur entfernt für sie in Frage kämen, herumgetrampelt und jetzt greift sie in ihrer Not zur dialektischen Ethik. Das Hölderlin-Wort, dass da, wo die Gefahr sei, auch das Rettende wachse, gilt nicht für die SPD. Für sie gilt das Marx-Wort, dass ein System, das dem Untergang geweiht ist, instinktiv alles tut, um seinen Untergang zu beschleunigen.</p>
<p>Doch für unsere Demokratie gilt, so wage ich wieder zu hoffen, das genannte Wort Hölderlins: Gewiss, man sollte nicht den Fehler machen, die Piratenpartei metaphysisch zu überhöhen und da ich vielleicht auch einmal Geld mit meinen Urheberrechten verdienen könnte, ist deren Programm zur Urheberrechtsreform wenigstens aufmerksam zu prüfen, aber ihr gelingt es, gegen einen Trend anzugehen, den alle anderen, nicht nur die etablierten, Parteien nur zu fördern vermochten: Unter der Piratenfahne scheint eine Repolitisierung der Jugend stattzufinden. Dass diese Repolitisierung sich auf die Grundwerte unseres Gemeinwesens und auf die Freiheit beruft, beruhigt mich.</p>
<p>Nichts ist, historisch gesehen, gefährlicher als eine frustrierte Jugend und wir können in allzu vielen Fällen beobachten, wie sich eine zornige Jugend politisch missbrauchen lässt: Kommunisten wie Faschisten profitierten von ihrer jungen Garde und die Erfolge der Neo-Faschisten in Ost-Deutschland sind immer auch im Kontext ihrer Jugendarbeit zu sehen. Für ein Staatswesen, egal ob islamisch-totalitär, demokratisch oder monarchistisch, gibt es nichts gefährlicheres als eine politisch abgekoppelte Jugend. Wir sehen gerade im Iran, wie die Jugend auf der Straße steht (Der Erfolg sei mit ihnen!), 1968 waren es überwiegend Studenten und Benoît Camille Desmoulins, einer der Führer der französischen Revolution, war 1789 gerade einmal 29 Jahre alt. Mao hetzte in der Kulturrevolution die Jugend auf und die Nazis bildeten eine der altersmäßig jüngsten Regierungen überhaupt.</p>
<p>Für unsere heutige Situation gilt etwas ähnliches: Durch die Digitalisierung unseres Lebens, die unsere politische Kaste bovinidesk nicht lebensweltlich, sondern, wenn überhaupt, nur ordnungspolitisch wahrgenommen hat, indem sie antitechnologischen Hetzungen von Emma bis Maria einerseits, eindimensional-wirtschaftlichen Lobbyismus andererseits blinder auf dem Leim gehen, als Fliegen dem Band, entstand eine tiefe Spaltung zwischen den digitalen Eingeborenen der &#8220;Generation C64&#8243; und jenen, die auch nicht durch ein bisschen obamaneskes Getwittere gefüllt werden kann. Längst vollzogen ist die politische Abspaltung der Jugend, die nicht nur verständnislos ihre Kriminalisierung erdulden soll, sondern sich auch angesichts mieserabler Karriereaussichten, unangreifbar saturierter Bürgerschichten, dümmlichst als notwendige oder gar gerechte Reform ausgegebener Plünderung von Schulen, Hochschulen und deren Angehörigen, Beschränkung oder Abschaffung von Freiheiten und die Etablierung von Angst, Unsicherheit und Zweifel ebenso entsetzt, wie durch die einseitige Änderung des Generationenvertrag zu ihren Ungunsten durch Rentenkürzung qua &#8220;Rente mit 67&#8243; für die Jungen und unwirtschaftlicher Rentengarantien für die Alten, sowie der wenigstens teilweise vorsätzlichen Vernichtung sozialer Sicherungssysteme und der maßlosen Geldverschleuderung auf Kosten späterer Generation zur einseitigen Förderung einer unzeitgemäßen, zukunftsblinden und umweltzerstörerischen Automobilindustrie oder zur Rettung vorsätzlich ruinierter Banken ohne konsequente Enteignung der Profiteure, sich angewidert von den etablierten Parteien abwendet.</p>
<p>Die Krise unseres Gemeinwesen findet sich längst nicht mehr nur in einer durch unreflektiert-neoliberale Ideologie heraufbeschworenen Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern längst in der innergesellschaftlichen Spaltung, nicht mehr nur zwischen Arm und Reich, da die Armen sich längst in ihr Schicksal ergeben haben und auf dem menschenverachtenden Verschiebebahnhof des SGB II müde und resigniert der Mindestrente entgegen dämmern, sondern längst zwischen Jung und Alt, da diese aus Dummheit, Apokalypseblindheit und vermutlich aus simpelstem Egoismus die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen verschleudern. Dass wir in einer tiefen Krise stecken, die noch längst nicht von den angeblich verantwortungsvollen, aber gänzlich verantwortungslosen, weil ohne Abstriche schuldigen Politikern erkannt wurde, wird auch nicht durch die wenigen mahnenden Stimmen der Opposition oder der zum Verkündigungsjournalismus degenerierten vierten Gewalt auch nur ansatzweise eingeholt. Der Krieg der Jungen gegen die Alten wird kommen müssen, solange sich das Problem nicht biologisch reguliert. Dass er kommen wird, ist nicht die Schuld einer unzufriedenden Jugend, deren anthropologisches Vorrecht Aufruhr oder Widerstand sei, wie ich selbst einmal unterstellte, sondern eines saturierten Bürgertums, das in seinen Dörfern, Kleinstädten und Charity-Abenden sich selbst beim Verteilen von Almosen feiert. Dass es einen Unterschied zwischen Arm und Reich gibt, ist dabei längst nicht mehr ein Problem, sondern ein im Kapitalismus von der Bevölkerung weitgehend akzeptierter Umstand. Es kann vielleicht akzeptiert werden, dass man arm ist, es kann aber nicht akzeptiert werden, dass Lebensgrundlage, Umwelt, Karriereaussichten und Freiheitsrechte aller zukünftiger Generationen zur Verteidigung raffgieriger Privilegien des saturierten Bürgertums verschleudert werden!</p>
<p>Die gesellschaftlichen Widersprüche zeigen sich nicht mehr in den Produktionsverhältnissen, wie die Linke immer noch glaubt, sondern in der Besetzung von Zeit und Raum. Nicht mehr das Geld ist das Dispositiv des Konflikts, dafür hat der Sozialstaat sicher gesorgt, sondern die Zeit, da die Jungen <em>morgen</em> für den Reichtum der alten Bürger <em>heute</em> werden arbeiten müssen. Der Punkt ist nicht die ungerechte Verteilung jetzt, sondern die Hypothek auf die Zukunft. Der Punkt ist auch nicht der wellenförmige Wechsel von Gentrifikation und Prekarisierung, sondern die Errichtung räumlicher Grenzen, die vom Zugang zu sozialen, kulturellen oder kognitiven Ressourcen im hier und jetzt abhält. Das Urheberrecht gehört ebenso in diese Grenzsetzung wie die Förderung privater Universitäten, in die man eher aufgrund von sozialem Kapital, denn aufgrund von Leistung gelangt &#8211; bei gleichzeitiger Austrockung staatlicher Universitäten; damit verbunden ist die Parzellierung der Ausbildung nach exakten Plänen, die akademische Freiheiten ebenso vernichtet, wie sie teure Auslandsaufenthalte in prestigeträchtigen Ländern erfordert, um sich vermeintlich überhaupt noch im zum Krieg aller gegen alle verschärften Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Gleichzeitig wird der kulturelle Austausch reglementiert, unbekanntere Künstler durch GEMA&amp;Co de facto enteignet, die Jahrtausende alte Technik der kulturellen Aneignung, Reproduktion und Zirkulation zur Urheberrechtsverletzung im Namen eines virtuell überdehnten Eigentumbegriffs auf eine Raumtopologie übertragen: Singe ich privat ein urheberrechtlich geschütztes Lied, ist es legal. Nehme ich mich auf und stelle es auf Youtube, könnte die Abmahnung hageln. Dies ist eine Ausbreitung von Macht in den Raum hinein, da Regeln nun nicht mehr einfach nur für alle gelten, sondern deren Gültigkeit räumlich formatiert wird. Dass unsere Bewegungen längst qua VDS überwacht und protokolliert werden, ist da wohl nur noch das Vorspiel für einen Prozess, in dem gerichtlich die Frage zu klären sein wird, in welcher Zelle ein Handy eingebucht war, als es eine Musik wiedergab, ob also GEMA-Gebühren anfallen oder nicht, sofern nicht gleich eine Urheberrechtsverletzungsklage droht.</p>
<p>Man muss sich das klar machen: Die gesellschaftlichen Widersprüche finden nicht mehr im Geld ihr Dispositiv, um sie zu beschreiben. Geld ist hier nur ein Sanktionsmittel, das gilt aber für Raum und Zeit qua Gefängnis nicht weniger. Neu ist nur, also der Wahrnehmung nach neu, unterschwellig ist es schon älter. Neu ist nur, dass Raum und Zeit die umkämpften Felder sind: Das gilt für die Zirkulationssphäre von Kultur und Wissen an sich ebenso wie der Zugang zu entsprechenden Einrichtungen Schulen oder Universitäten. Das gilt für die Verteilung von Zeit nicht weniger, da Lebende jetzt Ressourcen verbrauchen, die erst nach deren Tod zu erwirtschaften sind.</p>
<p>Wenn man so will, befinden wir uns entlang der ausgemachten Bruchlinie an einem temporalen und topologischen kalten Krieg. Die Waffe des Gegners ist die Kriminalisierung und Prekarisierung der jugendlichen Lebensverhältnisse: Wer um eine Lehrstelle oder um einen optimalen Lebenslauf kämpft, weil man ohne diese &#8220;nicht durchkommen&#8221; könne, findet kaum Gelegenheit, sich gegen die Knüppel, die das saturierte Bürgertum zwischen die sprichwörtlichen Beine schmeißt, zu wehren: Die Regeln des SGB II sind ebenso kompliziert und sie einzuhalten, erfordert nicht weniger Schläue als die Bewerbung auf ein Stipendium. Aber durch beide Sperrmechanismen wird Zugang reguliert (Raum) und Zeit verbraucht, die für Politik notwendig wäre. Das saturierte Bürgertum gestaltet keine bessere Bildungspolitik, weil es dazu nicht fähig wäre, sondern weil es kein Interesse an ihr hat. Das gleiche gilt für Freiheitsrechte. Die Jungen aus der Tretmühle der bürgerlichen Sozialisation, an deren Ende nur der gute Bürger oder der deviante Verbrecher stehen, in die Freiheit zu entlassen, würde den kalten Krieg der Generationen beenden und die Plünderungen offenbar werden lassen, für die die Alten rein biologisch keine Verantwortung mehr übernehmen müssen.</p>
<p>Die SPD hat, in 11 Jahren Regierungszeit im Bund, wie aber auch immer zuvor, die Schwachen dieses Krieges im Stich gelassen und durch symbolische Aktionen wie die genannte münteferingsche Sonntagsrede, aber auch durch heißluftige Aktionen wie den von Jusos mitgetragenen Bildungsstreik, der dürftige zeitliche Ressourcen bindet, aber nichts bewirkt, den notwendigen Aufstand der Jungen gelähmt. Das Versprechen der Sozialdemokratie war es, durch schrittweise Reformen eine gerechte Gesellschaft zu erreichen. Die Lähmung, die sich damit ergibt, ist klar. Durch ihren Anspruch als Volkspartei aber, ist die SPD gar nicht in der Lage, den kalten Krieg zum Thema zu machen, sie würde sich damit nur selbst spalten. Die SPD kann der gegenwärtigen Krise nicht begegnen. Sie steht ihrer Überwindung aber eben durch die Lähmung im Weg. Die Linke lähmt nicht minder, da sie über das Kapitaldispositiv nicht hinaus kommt. Beide Parteien sind daher nicht weniger Gegner der jungen Generation als etwa das rechte Lager.</p>
<p>Die Piratenpartei hätte, eben da sie zur Zeit nur Themen hat, die praktisch nur bei der Jugend als drängend wahrgenommen werden, die Chance, ihren Charakter als Jugendbewegung de facto ernst zu nehmen und gleichsam de jure zur Jugendbewegung zu werden, die sich aller Themen bedient, die die Jugend zurück zur Politik führen können. Dies gilt für kulturelle und politische Freiheitsrechte ebenso wie für Bildungsgerechtigkeit, Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlage ohne antiatomare beziehungsweise antitechnologische Ideologie und die Wiederherstellung einer ausgeglichenen, d.h. nicht einseitig belastenden Finanzpolitik durch zeitliche Verknüpfung von Ressourcenverbrauch und -produktionsverpflichtung. In der Rolle einer links-liberalen Partei der Jugend kann die Piratenpartei das Risiko wagen, eine metaphysische Verpflichtung einzugehen. Sie kann damit grandios scheitern oder überhaupt erst zum Erfolg gelangen. Sie kann die temporale und topologische Konfliktlinie zum Thema machen, indem sie sie ernst nimmt. So gesehen muss die Piratenpartei ideologischer werden. Dass sie sich unideologisch nennt, ist ist angesichts der Universalität dialektischer Ethik ein Hoffnungsschimmer.</p>
<p>Sollte es der Piratenpartei gelingen, sich zur Partei der Jugend zu machen, wird die Repolitisierung der Jugend die Folge sein. Damit kann sie zum Garanten der Demokratie werden.</p>
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