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	<title>Kai Denker &#187; Weltherrschaft</title>
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	<description>Procrastination for Weisenheimers</description>
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		<title>Böser Kai!</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 06:39:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Weltherrschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern setzte ein Gremium, in dem ich einer der Studierendenvertreter bin, eine neue Berufskommission ein. Auf der Sitzung fragte der Vorsitzende uns als Statusgruppe, wen wir für die BK nominieren würden. Ich schlug zwei Studentinnen vor, von denen ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern setzte ein Gremium, in dem ich einer der Studierendenvertreter bin, eine neue Berufskommission ein. Auf der Sitzung fragte der Vorsitzende uns als Statusgruppe, wen wir für die BK nominieren würden. Ich schlug zwei Studentinnen vor, von denen ich wusste, dass sie von der Mehrheit der studentischen Vertreter unterstützt wird. Die unterlegene Minderheit, vertreten durch A, zischte natürlich gleich los, dass es nicht abgesprochen sei und dass ein gewisser B auch in die BK wollte und dass das nicht abgesprochen sei.</p>
<p>Nun muss man wissen, dass A und B in den letzten Wochen durch die Uni getingelt sind und Lügen über mich verbreitet haben (So hätte ich einen Mittelantrag durchgebracht, um mir ein Praktikum bezahlen zu lassen. Leider steht im Antrag explizit drin, dass es nicht um dieses Praktikum geht&#8230; man könnte ja mal den Antrag einfach lesen, nech?) oder dass ich A monatelang wegen einer Abrechnung hintergelaufen bin, für die es anscheinend keinen Zahlungsbeweis gibt, sodass andere Leute, natürlich nicht A, keine Erstattung kriegen (300€ sind für Studenten alles andere als wenig!) oder dass die äußerst unfreundliche E-Mail, die ich letzte Woche von B erhielt, nicht die erste ihrer Art war. Achja und dann haben wir noch B inflagranti dabei erwischt, wie er Plakate eines unserer Projekte manipulierte.</p>
<p>Ich hab nun wirklich keine Bringschuld gegenüber A und B! Wenn die etwas wollen, dann sollen sie zu mir kommen. Aber bevor ich einen von denen in einem Gremium unterstütze, friert eher die Hölle zu. Und anscheinend sehe nicht nur ich das so: C, der auf Mehrheitsseite bei den Studis im FBR steht, kommentierte As Einwand lapidar: &#8220;Also ich find&#8217;s gut.&#8221;</p>
<p>Ich hoffe ja doch, dass A und B irgendwann lernen, dass niemand die unterstützt, die einen letzte Woche noch angegriffen haben &#8211; noch dazu, wenn man ihre politische Auffassung für grundfalsch hält. Kooperation und Fairness sind immer nur wechselseitig zu haben. Und für eine Zusammenarbeit über politische Grenzen hinweg sind stets Kompromisse erforderlich und nicht der durchschaubare Versuch, mich alten Sozen in eine rechte Ecke zu stellen&#8230;</p>
<p><em><strong>Update:</strong> A schrieb mir in ihrer bekannten Art, dass sie den Zahlungsbeweis in mein Fach legen würde. Na endlich! Jetzt muss ich damit nur noch an der Verwaltung vorbei&#8230;</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=431&amp;md5=a32e8dab3d781e95099f6a0e49972338" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sprecht mit Aliens!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 08:33:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Weltherrschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[SPON berichtet mal wieder, dass Stephen Hawking uns davor warnt, mit Aliens zu reden, weil diese vielleicht nomadisch durch die Gegend ziehen und Planeten, die sie finden, ausplündern.

Das ist zwar möglich, aber was wird in diesen Überlegungen unterschlagen?

	Das Weltall ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>SPON <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,691115,00.html" target="_blank">berichtet</a> mal wieder, dass Stephen Hawking uns davor warnt, mit Aliens zu reden, weil diese vielleicht nomadisch durch die Gegend ziehen und Planeten, die sie finden, ausplündern.</p>
<p>Das ist zwar möglich, aber was wird in diesen Überlegungen unterschlagen?</p>
<ol>
<li>Das Weltall ist groß, also wirklich verdammt groß und die Suche nach Exoplaneten deutet darauf hin, dass es verdammt viele Körper gibt, unter denen sich auch eine Menge Körper befinden dürfte, auf denen es Rohstoffe gibt, deren Abbau sich lohnt. Und die bewohnbaren Planeten werden auch nicht alle mit intelligenten Wesen bevölkert sein, sondern die meisten solcher Planeten werden sich in einer Phase der Evolution befinden, in der Wesen existieren, die Pflanzen und einfachen Tieren ähneln &#8211; das vermutet ja auch Hawking. Wir sind also nicht ein besonderes Ziel, sondern vermutlich nur eines unter Millionen möglichen Zielen und wahrscheinlich nicht das attraktivste.</li>
<li>Es ist nicht ausgemacht, wieso eine Gesellschaft, die ein technologisches Niveau erreicht hat, um interstellare Reisen zu unternehmen, derartig homogen sein sollte, wie Hawking es notwendig unterstellen muss. Komplexe Systeme erfordern eine hoch arbeitsteilige Gesellschaft, die nicht einfach nur aus Arbeitern, sondern aus hochspezialisierten und ausgebildeten Individuen besteht. Es ist anzunehmen, dass eine solche Gesellschaft, die dazu noch nomadisch sein müsste, nicht von einem zentralen Willen gesteuert wird, sondern dass sie überaus heterogen ist. Gleichzeitig korreliert ein hohes technologisches Niveau nach unserem Wissen mit Wohlstand und einer Entwicklung von Kunst und Kultur. Es ist daher anzunehmen, dass sich in einer solchen Gesellschaft auch ethische Diskurse entwickelt haben, sodass es zumindest nicht unumstritten wäre, wenn die Alien-Regierung beschließt, die Erde auszuplündern, während man ebenso den Mars oder den Asteroidengürtel ausplündern könnte, während ein Haufen Exoethnologen sich diesen komischen dritten Planeten ansieht.</li>
<li>Überlegt man umgekehrt, dass die Aliengesellschaft unter starkem wirtschaftlichem Druck steht, sodass sie sich genötigt sieht, auf Wissenschaften wie Ethnologie, Kunstgeschichte oder Philosophie zu verzichten, dann gilt das gesagte um so mehr: Sicher hätten die Aliens technologisch die Möglichkeit, uns zu vernichten, aber dies wird mit einer guten Chance die Bewohnbarkeit unseres Planetens beenden (im Falle von Waffen, die den Planeten sterilisieren) oder riesige Kosten verursachen (im Falle von Terraforming-Waffen), sodass es wirtschaftlich bestimmt attraktiver erscheint, unbewohnte Planeten auszuplündern: Schließlich ist der Unterhalt einer Besatzungsarmee überaus teuer, was der Annahme der wirtschaftlichen Notlage widerspricht. Vermutlich also unterhält die Aliengesellschaft Geistes- und Kulturwissenschaften oder ist zu arm für Krieg und/oder Besatzung.</li>
<li>Und was ist mit Sklaven? Wieso könnten uns Aliens nicht einfach versklaven? Nun, wenn diese Gesellschaft technologisch so hoch entwickelt ist, dann wird ihr Bedarf an unausgebildeten Arbeitern gegen Null gehen. Wollte man uns also als Sklaven in eine Aliengesellschaft integrieren (mal angenommen, man würde uns nicht für zu dumm halten&#8230;), dann müsste man unsere Bevölkerung massenhaft ausbilden und an die Alientechnologie heranführen. Das ist, wie wir wissen, teuer und kommt also nicht in Frage, wenn die Aliengesellschaft in einer wirtschaftlichen Notlage befindet. Ist das nicht der Fall, dann werden wahrscheinlich Geistes- und Kulturwissenschaften bestehen und die Aliens werden sich für uns auf einer ganz anderen Ebene interessieren. Nehmen wir aber einmal an, dass sich die Aliengesellschaft doch dazu entschließt, uns als hochgradig ausgebildete Arbeiter in ihre Gesellschaft zu integrieren. Entweder würden wir es aufgrund des brillanten Geschicks der Aliens nicht merken oder wir würden merken, welche Rolle wir spielen. Merken wir es nicht, dann hätten wir uns nicht zu beklagen. (Wer sagt eigentlich, dass wir nicht längst eine Art interstellares Bollywood sind und massenhaft Soaps für einen verdammt großen Markt produzieren. Schließlich strahlen wir den ganzen Kram elektromagnetisch ab. RIAA, übernehmen Sie!) Nehmen wir also an, wir würden es merken. Dann hätten wir die Chance uns daraus zu befreien oder nicht. Nehmen wir an, wir wüssten um unsere Lage und dass wir uns nicht befreien können. Da wir nun aber hochausgebildete Sklaven sind, werden wir aufgrund unserer Kenntnisse stets in der Lage sein, die Forderungen unserer Herren zu unterlaufen, da wir eben langsamer forschen oder einfach keine Ergebnisse erhalten. Während nämlich das Abernten von Baumwolle leicht anhand der erhaltenen Menge Baumwolle gemessen werden kann, ist das Abschätzen der Qualität von Forschung viel schwieriger. (Wir dürfen hier nicht vergessen, dass wir nach Voraussetzung keine Arbeiten übernehmen, die automatisierbar sind.) Auch als Sklaven einer Alienrasse gilt für unsere Wissenschaftler: Angst und Stress hemmen Kreativität. Wer in nackter Angst lebt, kann an einem Fließband stehen, aber wohl nur schwerlich Subraumquantenphysik betreiben. Wirtschaftlich lohnender für die Aliens wäre es also, uns, sofern wir uns unserer Lage bewusst sind, als Arbeiter zu integrieren, die Chance zum Aufstieg haben, sodass wir stets Handlungsoptionen haben. Diese Handlungsoptionen können entweder real oder simulativ sein. Sind sie simulativ, werden wir das irgendwann merken oder nicht. Merken wir es nicht, bemerken wir unsere Lage nicht, was der Voraussetzung widerspricht. Merken wir, dass es simulativ ist, merken wir, dass wir in aussichtsloser Lage sind. (Zugegeben: Hier verläuft die schmale Linie zwischen blanker Not und einer aussichtslosen Lage. Kafka, übernehmen Sie!) Wir müssen also nun denken, dass wir unsere Lage einsehen und unsere Handlungsoptionen real sind. Dann werden wir auch die Möglichkeit zu einem realen Aufstieg haben und damit keine Sklaven mehr sein. Die Übersetzung in Begriffe mit fließenden Grenzen ist möglich und sei dem Leser zur Übung überlassen. (Wer diese Situation für eine unglaubliche Grausamkeit hält, mache ich sich bitte die Struktur unseres Wirtschaftssystems klar.)</li>
<li>Und was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn wir Kontakt zu einer Aliengesellschaft bekommen, die uns nicht ausplündern will (obgleich sie es vielleicht mit anderen Planeten tut) und die uns nicht versklaven will (obgleich sie uns als Arbeitskräfte akzeptieren würde)? Nun, dann würden auch wir uns verändern. Wir hätten die Chance sehr viel zu lernen und nach einer Reihe von Missverständnissen und wahrscheinlich auch Konflikten, würden wir lernen, miteinander auszukommen. Dass es Krieg gibt, halte ich nicht für sehr wahrscheinlich. Gegenwärtig wären wir nicht in der Lage, die Aliens vom Ausplündern des Mars abzuhalten und dies wäre für sie wohl billiger. Würden wir also über Kontakt mit ihnen verfügen können, dann wohl mit ihrem Willen und damit wohl auch mit ihrem Einsehen in die Schwierigkeiten eines solchen Kontakts. Ja und wenn unsere Gesellschaft dann in einer interstellaren Gesellschaft aufgeht? Nun, dann ist es eben so. Den ewigen Erhalt unserer Kultur in ihrer jetzigen Form zu fordern, ist allenfalls reaktionär und wer sich damit begnügt, die Erinnerung an unsere Kultur zu konservieren, der sollte sich für historisch arbeitende Wissenschaften aussprechen. Bücher, über die Geschichte unseres Planeten, werden sicher auch von anderen Spezies mit Interesse gelesen.</li>
<li>Sollen wir Aliens also mittels aktiver SETI anlocken? Natürlich! Ist die Aliengesellschaft in einer wirtschaftlichen Notlage, wird sie wohl nicht einen Umweg machen, um uns auszuplündern, sondern das tun, was wirtschaftlich geboten ist und das wird sie sowieso tun &#8211; ob nun mit oder ohne SETI. Kann die Aliengesellschaft sich aber den Luxus leisten, unserem Ruf Folge zu leisten, dann ist sie höchstwahrscheinlich keine Gefahr, sondern wird uns schlimmstenfalls erforschen. Und diese Folgen sind nun wirklich überschaubar.</li>
</ol>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=424&amp;md5=69996bfa14643ec339cb4489e0edf66b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ursulas Kampf gegen Windmühlen</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 14:46:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltherrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun da klar sein dürfte, dass die große Koalition das Zensurgesetz durchdrückt und die "neue Bürgerrechtsbewegung" (Zeit) sich frustriert von der Politik abwendet, ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme, was die Regierung hier eigentlich versucht hat und was sie ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun da klar sein dürfte, dass die große Koalition das Zensurgesetz durchdrückt und die &#8220;neue Bürgerrechtsbewegung&#8221; (<a href="http://www.zeit.de/online/2009/25/netzsperren-gegner-verdrossenheit" target="_blank">Zeit</a>) sich frustriert von der Politik abwendet, ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme, was die Regierung hier eigentlich versucht hat und was sie erreicht hat.</p>
<p>Die Regierung hat nicht versucht, Kinderpornographie aus dem Netz zu entfernen. Wäre dies ihr Ziel gewesen, hätte sie die Expertenvorschläge und praktische Erfahrungen aus anderen Ländern ernst genommen und wäre notwendig zu einem anderen Schluss gekommen. Es ist also ganz klar, dass der hochemotionalisierte Kampf gegen Kinderpornographie hier nur das U-Boot war, mit dem ein anderes Anliegen ohne &#8220;medial unerwünscht[e]&#8221; (SPD) Diskussion durchgepeitscht werden sollte. Dieses andere Anliegen scheint überall dort durch, wo sich Mitglieder des Bundestages, die den Mund nicht halten konnten, bereits zur Ausweitung der &#8220;Zugangserschwernis&#8221; auf sog. &#8220;Killerspiele&#8221; und Urheberrechtsverletzungen ausgesprochen haben. Die zahlreichen weiteren kleinen und großen Sperrinteressen brauchen hier nicht erwähnt zu werden, kulminieren aber in der gerade von der CDU oft geführten Rede, das Internet dürfe kein &#8220;rechtsfreier Raum&#8221; sein.</p>
<p>Nun muss ich als Nicht-Jurist zwar gestehen, dass mir das Konzept, dass die Gültigkeit von Gesetzen an etwas anderes als dem Aufenthaltsort des Täters gebunden sein soll, also der Rechtsraum nicht trivial-positivistisch an den Körper des Täters als dem Ort seiner Handlungen gebunden sein soll, etwas seltsam vorkommt, ich mir also das Vorliegen eines rechtsfreien Raums überhaupt nur beschränkt vorstellen kann, aber selbst wenn wir diese Metapher großzügig lesen, müssen wir doch zugeben, dass das Internet nie ein rechtsfreier Raum war. Tatsächlich macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob jemand eine illegale Datenverarbeitung mit Hilfe eines weltweiten Computernetzes vornimmt oder ob dieser jemand mit anderen zusammen ein globales Turnschuhnetzwerk organisiert, indem man sich etwa CDs postalisch zustellen lässt. Es wäre absurd, anzunehmen, ein Dokument, besondere urheberrechtliche Verwertungsrechte vielleicht einmal ausgenommen, wäre postalisch verteilt legal, elektronisch jedoch illegal. Mir ist bekannt, dass es derartige Normen im deutschen Recht gibt, aber nur dass der Bundestag sich eine solche Auffassung zu eigen gemacht hat, macht die Auffassung nicht weniger absurd. Letztlich ist das Internet also gegenüber Post oder Telefon nur eine Verdichtung der Kommunikation in verschiedenen Dimensionen (Zeit, Raum, Kosten), bietet aber trotzallem nichts <em>wesentlich </em>neues. Es ist einerlei, ob ich mich online oder telefonisch bei einem Versandhaus verschulde, ob ich online oder offline einem Betrüger aufsitze oder ob ich mittels Software an einem Kommunikationsmedium teilnehme oder ob ich mit Hilfe von Büchern XML-Dokumente auf Papier schreibe, die ich an <em>SOAP-Request, c/o XML-Dispatcher e.V., Postfach, 63500 Seligenstadt</em> sende. Jede Trennung zwischen beidem muss aus der Sicht des Rechts willkürlich sein: Sicher, es können mehr Leute an einer Kommunikation teilnehmen, wenn sie dazu nur einen Browser starten und nicht HTTP-Request mühselig selbst auf Postkarten aufbringen müssen, aber <em>noch</em> gelten für kluge und dumme Leute dieselben Gesetze&#8230;</p>
<p>Was die Regierung hier anscheinend bekämpft, ist Technik als solche, da sie sie nicht verstanden hat. Unserer Regierung ist anscheinend nicht klar, dass das Internet nichts wesentlich besonderes ist, sondern bestehende Praktiken lediglich erweitert und beschleunigt hat. (Dies ist überhaupt das Moment erfolgreicher Technologie: <em>Bestehende (Alltags)Praktiken erweitern und beschleunigen &#8211; das radikal Neue hat selten Erfolg.</em>) Für die Regierung (und ihre abgeordneten Erfüllungsgehilfen) ist &#8220;das Internet&#8221; offenbar doch noch immer eine gruselige Blackbox, die nicht freudig adaptiert und in ihren quantitativen Potentialen erkannt wird, sondern die mit einer schaurigen Faszination beobachtet wird, um schnell hinzuspringen, wenn etwas angeblich &#8220;böses&#8221; auftritt &#8211; <em>nicht wahr?</em></p>
<p>Vielleicht haben sie aber Technik nur zu genau verstanden: Es ist richtig, dass das Internet Abläufe massiv beschleunigt hat. Gleichzeitig haben sich die Gemüter von Menschen aber nur wenig verändert. Was ich meine ist: Die simple Beschleunigung und Enträumlichung von Kommunikation löst da, wo sie auf Menschen trifft, schließlich doch einen qualitativen Unterschied aus, wo dieser nämlich schon angelegt war und nun zutage tritt. Während nämlich die Kommunikation vergangener Zeiten langsam und räumlich begrenzt war, hat das Internet jeden mit einem Megafon ausgestattet, mit der jeder seine wirren oder vielleicht, obgleich seltener: klugen Gedanken der Welt mitteilen kann. Das Internet hat eine andere Art Öffentlichkeit geschaffen, in der es nur noch aufmerksamkeitsökonomisch möglich ist, einander zu übertönen, nicht aber mehr physikalisch. Während der aufgebrachte Mob offline durch die Staatsgewalt auseinandergetrieben werden kann, kann er sich online versammeln. &#8211; Damit ist klar: <em>Es geht um Macht!</em></p>
<p>In einem Raum, in dem man kaum jemanden physikalisch (oder aufgrund der Kostenstruktur: wirtschaftlich), sondern nur noch <em>juristisch</em> final zum schweigen bringen kann, greifen die klassischen Machtmittel der staatlichen Gewalt nicht mehr. Platzverweise, Vorbeugehaft, Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz codieren mühsam die staatliche Gewalt, sind für das Internet aber kaum anwendbar. Hier galt bisher tatsächlich noch die demokratische Rechtsauffassung einer (sicher auch vulgären) Interpretation des Grundgesetzes, nach der man sich nicht den Mund verbieten zu lassen braucht. So wenig die Rechte auf Meinungs- oder Vereinigungsfreiheit in der deutschen Rechtsordnung wirklich umgesetzt sind, so unbehelligt waren sie doch im Internet. <em>De jure</em> kann man in einem demokratischen Rechtsstaat niemanden zum Schweigen bringen, <em>de facto</em> ist nichts leichter als das.</p>
<p>So gesehen hat die Regierung die neue Technik sehr genau verstanden: Die Verkürzung von räumlicher und zeitlicher Struktur der Kommunikation, dieses simple <em>easy access</em>, macht die Kommunikation nicht nur spontaner und emotionaler, sondern auch dynamischer. Kann die Hundertschaft auf der Straße noch schnell eingreifen, steht der Staat im Netz schnell mit leeren Händen da: Wird der Zorn auf der Straße zur Praxis, ist es räumlich konzentriert. In der enträumlichten Kommunikation kann der Zorn, der nur an einem Ort praktisch werden kann, sich überall manifestieren. Man müsste schon jeden einzelnen Bürger überwachen, um sicher zu sein.</p>
<p>Die Regierung hat dies genau verstanden und sucht nach Möglichkeiten, ihre Machtmittel auch auf das Internet auszudehnen. Die Vorstellung eines freien und aufgeklärten Bürgers, der sich seine Informationsquellen selbst sucht und sich seines Verstandes &#8211; am End&#8217; gar meinungsbildend! &#8211; bedient, war den Mächtigen zu allen Zeiten ein Graus &#8211; und so musste zu allen Zeiten jede vernünftige Freiheit gegen die Macht erkämpft werden. Die Idee von der guten Regierung ist ebenso abstrus wie die Idee des guten Königs, für beide aber überlebensnotwendig. Glücklich, wer zufällig einen guten König hat. Möge er lange leben! &#8211; Denn sein Sohn ist ein Monster&#8230; Gute Regierungen sind nur zufällig und selten. In der Regel versuchen auch sie ihre Macht zu sichern, mit <em>beinahe </em>allen Mitteln. Dass dies ein &#8220;beinahe&#8221; ist, ist das Resultat der Revolutionen. Mehr haben diese nie erreichen können: In den Köpfen ist der Kopf des Königs noch lange nicht gerollt.</p>
<p>Wir müssen uns klar machen, dass es hier nicht um Dummheit oder Ungeschick der Regierung geht, sondern um den Plan, sich selbst Machtmittel für Kommunikationsnetze zu schaffen, die man mit den alten, unräumlichen Mitteln nicht mehr kontrollieren kann. Die Überwachung und die Zensur sind keine wesentlich neue Reaktion der Regierungsmacht , sondern <em>nur </em>eine Reaktion auf die Enträumlichung und Beschleunigung von Kommunikation. Da man nicht physisch dem praktischen Zorn entgegentreten kann, muss man die Entstehung des Zorns früh erkennen und neutralisieren: Ist der Zorn kollektiv, ist es bereits zu spät. Der Zorn muss erkannt werden, sobald er im Einzelnen erscheint. Dem Zorn durch Gerechtigkeit die Begründung zu rauben, wird jedoch durch andere Interessen verhindert. (Erinnert sich noch jemand an die Diskussion, ob bereits <em>eine einzelne Person</em> eine terroristische Vereinigung bilden kann? Damals schien es absurd, doch eigentlich war es visionär.)</p>
<p>Durch die Enträumlichung und Entzeitlichung von Kommunikation schrumpft der öffentliche Raum auf einen Punkt zusammen. Er ist nicht mehr verteilt über Café- und Wirtshäuser, in denen der Zugang zur Sprache physikalisch, zeitlich und wirtschaftlich begrenzt ist. Die Öffentlichkeit des Netzes ist punktförmig und allenfalls noch ihrer Sprache nach heterogen. Das Kollektiv des Netzes könnte in kürzester Zeit von Zorn erfasst werden, ohne dass eine Polizeisperre es verhindern könnte. Es gibt keine Provinzen mehr, die man absperren könnte. Es ist der natürliche Wunsch jeder Macht, auch der Regierungsmacht, keine Öffentlichkeit außerhalb ihrer Ordnung zuzulassen. Die Vorratsdatenspeicherung ist nur eine Antwort auf die Entzeitlichung, indem sie Zeit wiederherstellt. Die Zensur ist eine Antwort auf die Enträumlichung, da sie danach strebt, künstlich Barrieren aufzurichten und den Punkt auseinanderzutreiben. Das tut das Zugangserschwernisgesetz jetzt vielleicht noch nicht, aber es ist ein erster Schritt. Die zeitabhängige Zugangsbeschränkung der ZDFmediathek mag hier als unbeholfenes Beispiels dafür dienen, wohin die Reise gehen könnte.</p>
<p>Hannah Arendt hat, meine ich mich zu erinnern, als eine Eigenschaft der totalen Herrschaft herausgearbeitet, dass totale Staaten ihre Bevölkerung vereinzeln und kollektives Handeln unmöglich machen. Die Angst vor dem Kollektiv könnte ein Dispositiv bilden, in die sich nicht nur die Überwachungspolitik, sondern auch der Abbau des Sozialstaates einfügen lassen. Die Regierungsmacht will nur sich als kollektiv kennen (und ja, dazu gehört auch die Wirtschaftsmacht), nicht aber ein öffentliches kollektiv. Es ist die deutsche Tradition, dass jedes Kollektiv strengstens kontrolliert werden muss: Sogar der Kaninchenzüchterverein Klein-Wurzeldorf <em>e.V.</em> ist staatlich kontrolliert und überwacht. Die Macht will keine Grenzen kennen, solange sie anderen Grenzen setzen kann.</p>
<p>In diesem Sinne hat die Regierungsmacht die Technik äußerst präzise verstanden und nimmt Technik ernst. Wir müssen uns den Zynismus klar machen: Man ist nicht unfähig, Technik zu begreifen, sondern man hat begriffen. Es geht nicht um Kinder, sondern es geht um Macht. Es geht nicht um Diskussion, sondern um emotionale Manipulation. Dass die Regierungsmacht bereits in größter Gefahr ist, zeigt, dass die Manipulation nicht mehr so gut glücken will: Viele haben schon bemerkt, dass etwas am von der Leyenschen Kinderschutzwahn nicht stimmt. Ob es schon zu viele sind, muss sich erst noch zeigen. Noch glaubt die Regierungsmacht, sie könne den Kampf mit der Technik gewinnen.</p>
<p>Ihr muss aber klar sein, dass die Zeit drängt: Wenn Sie sich nicht beeilt, könnten die Widerstände zu groß werden und sie könnte sich verlieren. Wir dürfen uns, soviel ist sicher, ab September, egal unter welcher Koalition, auf weitere Überwachungs-, Sperr- und Kontrollbegehren einstellen. Das bedeutet aber auch, dass wir trotz aller Verdrossenheit nicht nachlassen dürfen. Wenn es eine metaphyische Aufgabe der &#8220;Generation C64&#8243; gibt, dann ist es vielleicht dies &#8211; nun, sie wäre die erste, die nicht scheitert.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=230&amp;md5=4f187679f04c5352125d52a79e226539" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hintergründe: Was Schäuble und von der Leyen wirklich wollen</title>
		<link>http://denker.net/2009/05/18/hintergrunde-was-schauble-und-von-der-leyen-wirklich-wollen/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 May 2009 15:52:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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		<title>Österreich schließt sich Deutschland an.</title>
		<link>http://denker.net/2008/06/16/osterreich-schliest-sich-deutschland-an/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Jun 2008 21:28:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Denker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wayne-Blogging]]></category>
		<category><![CDATA[Weltherrschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Offenbar hat die Deutsche Nationalelf gerade den Weltmeistertitel geholt, wir erhalten die Ostgebiete und das Elsaß zurück, Österreich kommt als "Ostmark" in den Bund und Angela Merkel hat beim Aufräumen so viel Geld gefunden, dass die Mineralölsteuer abgeschafft wird.

Anders ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Offenbar hat die Deutsche Nationalelf gerade den Weltmeistertitel geholt, wir erhalten die Ostgebiete und das Elsaß zurück, Österreich kommt als &#8220;Ostmark&#8221; in den Bund und Angela Merkel hat beim Aufräumen so viel Geld gefunden, dass die Mineralölsteuer abgeschafft wird.</p>
<p>Anders kann ich mir den Terror, den einige Leute da draußen veranstalten, jedenfalls nicht erklären&#8230;</p>
<p><em>PS: Ich hätte noch ein Foto vom Volksaufstand draußen, aber WordPress mag mich gerade nicht&#8230; <img src='http://denker.net/wp-includes/images/smilies/icon_sad.gif' alt=':-(' class='wp-smiley' /> </em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://denker.net/?flattrss_redirect&amp;id=45&amp;md5=427046acd0a926e74571974b956628f0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://denker.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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