Kleines Inzest-Manifest

Die Online-Presse hat heute das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Fall eines jungen Mannes, der mit seiner Schwester einvernehmlich mehrere Kinder hat, verbreitet. Hierzu ein kurzes Manifest:

Den Staat geht es einen feuchten Dreck an, was seine Bürger im Bett machen, so lange alle Beteiligten einverstanden sind und wissen, was sie tun. Die eugenische Einstellung, man müsse erbkranken Nachwuchs verhindern, ist nicht nur lächerlich, da sonst auch ältere Frauen keine Kinder mehr austragen dürften, sondern ist obendrein biologistisch-kryptofaschistisch. Irgendein Volksempfinden, ein Tabu oder ein Was-auch-immer ist keine Entschuldigung für die Einmischung des Staates in das Sexualleben seiner Bürger. Solange das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nicht gefährdet ist, hat jede Form von Sexualität erlaubt zu sein. Ein Pönalisierung einvernehmlicher Sexualität unter Erwachsenen, egal welcher Art, verstößt gegen den Gedanken der Freiheit und untergräbt das Individuum. Der Staat hat sich so wenig wie möglich und nur so viel als unbedingt nötig in das Leben seiner Bürger einzumischen. Das Verbot von einvernehmlichem Sexualkontakt unter Blutsverwandten ist nicht unbedingt nötig.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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