Katholischer Weihbischof will ohne Computer auskommen…

Wie man dem schwulen Informationsportal queer.de entnehmen kann, tobt der katholische Weihbischof Andreas Laun über die Beteiligung homosexueller Menschen am Osnabrücker Katholikentag 2008. Zwar stimmt dieses Blog insofern mit dem Herrn Weihbischof überein, als dass es völlig unverständlich erscheint, wieso sich Lesben und Schwule immer noch einer so genannten Kirche anbiedern, die sie an allen erdenklichen Stellen schikaniert, aber der Artikel auf queer.de erlaubt einen weiteren Einblick in den geistigen Abgrund eines Mannes, der in seinem Hass gegenüber allem Homosexuellen einen Fanatismus offenbart, der, wenn er nicht religiös wohlbegründet wäre, die Grenze zur Volksverhetzung schon längst hinter sich gelassen hätte. Da aber religiös begründeter Schwulen- und Lesbenhass in unserer Gesellschaft nicht in dem Maße sanktioniert wird, wie dies meines Erachtens in einem demokratischen Staat geschehen müsste, ist es Herrn Laun erlaubt, uns, ohne Furcht vor rechtlichen Folgen haben zu müssen, mit allem Blödsinn und aller Falschheit seines christlichen Menschenbildes zu beglücken:

Dagegen stelle Homosexualität „keinen Nutzen für die Allgemeinheit dar, sondern eher im Gegenteil: homosexuelle Aktivitäten bergen ein Gesundheitsrisiko in sich, wie es für andere Menschen nicht besteht.“

Nun ist zwar hinlänglich bekannt, dass langfristige sexuelle Enthaltsamkeit und insbesondere der Verzicht auf etwa masturbativ herbeigeführte Ejakulationen vermehrt zu Prostataleiden und gar Krebs führen können und auch die katholische Enthaltsamkeit, vulgo: Zölibat, in diesem Sinne ein Gesundheitsrisiko katholischer Aktivitäten birgt, „wie es für andere Menschen nicht besteht.“ Allerdings fällt etwas über die gesundheitshygienische Betrachtung des institutionalisierten Ejakulationsboykottes der römisch-katholischen Kirche hinausgehendes an den Aus- und Einfällen des so genannten Weihbischofs auf:

Da dieser Mann den gesellschaftlichen Nutzen von Homosexuellen mit der fehlenden Reproduktion dieser Bevölkerungsgruppe qua fehlender Brutpflege begründet, was aber für katholische Priester nichtsdestoweniger auch gilt, kann der gesellschaftliche Nutzen eines Homosexuellen allenfalls jenseits der Brüterei zu finden sein. Gibt es keinen gesellschaftlichen Nutzen jenseits der Reduktion der Frauen auf Gebär- und der Männer auf Zeugungsmaschinen, so erschließt sich daraus zwingend die Nutzlosigkeit des Herrn Laun. Ich würde zwar dem Schluss auf dessen Nutzlosigkeit ohne weitere Vorbehalte zustimmen, muss aber einräumen, dass die Behauptung, der Nutzen eines Menschen bestünde nur in der Brutpflege doch eher falsch ist. Nehmen wir aber im Sinne Herrn Laues noch für einen Moment an, die Einschätzung, ein Mensch hätte einen Nutzen, wäre nicht faschistisch, sondern durchaus sinnvoll und ohne Religionswahn (Kant) vertretbar, so ist nur noch dieser Schluss zulässig:

Sofern ein gesellschaftlicher Nutzen von Menschen neben der Brutpflege besteht, wie Herr Laun einräumen muss, wenn er nicht die eigene Nutzlosigkeit annehmen will, so kann er nur dann den gesellschaftlichen Nutzen homosexueller Menschen verneinen, ohne dabei auf den jeweiligen Homosexuellen im Einzelnen zu sehen, wenn und zwar genau dann wenn sich der gesellschaftliche Nutzen eines Menschen genau aus seiner sexuellen Orientierung erschließt und somit die Eigenschaft eines Menschen homosexuell zu sein, eindeutig, hinreichend und vielleicht sogar notwendig, die Eigenschaft, einen gesellschaftlichen Nutzen zu haben, ausschließt. Oder kurz gesagt: Egal was die Schwuchtel tut, Schwuchtel bleibt Schwuchtel.

Von der Schwuchtel kommt also nichts Gutes, denn Nützliches ist ja immer Gut… Alan Turing war ein Homosexueller. Kein bekennender, wie die konservative Presse so schön formulieren könnte, sondern ein versteckter, der sich selbst tötete. Aber bevor sich dieser große Mathematiker mit einem vergifteten Apfel und aufgrund seiner Depressionen wegen der gesellschaftlichen Repression gegenüber Homosexuellen ins Grab beförderte, ermöglichten die turingschen Untersuchungen zur Berechenbarkeit überhaupt erst die Computer, die die Gesellschaft in den letzten Jahren so grundlegend geändert haben. Folgt man der Erkenntnis des Herrn Laun, dass vom Homosexuellen nichts Gutes und so nichts Nützliches kommt, so muss auch die Turing-Maschine gesellschaftlich nutzlos sein und mit ihr, da mathematisch beweisbar äquivalent, der von-Neumann-Rechner und somit sämtliche heute eingesetzten Computer. Es ist diesem Blog nicht bekannt, ob der so genannte Herr Weihbischof auf Computer verzichtet. Es ist ihm auch nicht bekannt, ob Herr Laue noch auf mehr kulturelle Errungenschaften homosexueller Menschen verzichtet. Tut er es aber nicht, ist er inkonsequent.

Da nun Herr Laun, will er nicht inkonsequent, also in seinen Äußerungen beliebig sein, im technologischen Nirwana zu leben hat und somit dieses nutzlose, da schwule Blog auch nicht zur Kenntnis nehmen kann, erlaube ich mir abschließend, mich an die anderen vielleicht ebenso nutzlosen Menschen zu wenden und ihnen meine Position zur Frage des Nutzens des Menschen klar zu sagen:

Menschen haben keinen Nutzen. Die Frage, ob ein Mensch Nutzen hat, sei es gesellschaftlich, sei es irgendein anderer, ist schlichtweg sinnlos. Jeder Mensch, ob schwul, ob brütend oder ob Mitglied irgendeines Ejakulationsboykottvereins, hat eine Würde, die sich durch nichts und niemanden negieren lässt. Wer – und sei es nur am Rande! – unterstellt, Menschen könnte in irgendeiner Art und Weise sinnvoll ein Nutzen zugeschrieben werden, ist in meinen Augen ein ehrloser Schuft, ein Feind des Menschengeschlechts. Grausam und böse! Wer in seiner Moral nicht die gesamte Menschheit in jedem einzelnen Menschen will, sondern nach irgendeiner Art von Nutzen fragt, ist kein Demokrat, kein Philanthrop, sondern ein reißender Wolf, der in den Abgründen seiner Wünsche und Gedanken der Moral, die zur Vernichtung des so genannten „lebensunwerten Lebens“ geführt hat, in einer Art und Weise ähnelt, die jeden rechtschaffenen und guten Menschen das Frühstücksbrot die Speiseröhre wieder nach oben treiben muss.

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