Australisches Bundesgericht rettet Demokratie?

Wie verschiedene Medien berichten, hat das australische Bundesgericht das Gesetz zum Schutz der Christen vor der Wahrheit und der Meinung anderer Menschen für verfassungswidrig erklärt. Es stellt damit die Demokratie über das devote „Benedetto“-Gekeife transzendenztrunkener Jugendlicher, die sich in einer Woche sowieso wieder einen Dreck um Nächstenliebe und Vergebung der Sünden scheren, womit sie einmal mehr beweisen, dass sich Metaphysik und Schwärmerei einfach nicht vertragen. Das Gericht hat aber ein Verkaufsverbot für provozierende T-Shirts bestätigt. In Australien steht also auch zukünftig die Demokratie über der Religion, aber die Religion steht über dem Kapitalismus und der Gewerbefreiheit.

Was für eine brilliante Idee: Seine Meinung darf man sagen, aber es ist dem Gesetzgeber erlaubt, den Verkauf von meinungausdrückenden Gegenständen zu unterbinden. Jetzt sind es ja nur T-Shirts, aber vielleicht sind es beim nächsten Papst-Besuch dann Bücher? Man stelle sich das bitte vor: „Du darfst Deine Meinung sagen, aber Du darfst nichts verkaufen, wo sie draufsteht.“

Brilliant. Die Meinung ist frei, aber der Markt, auf dem Medien (T-Shirts sind auch Medien.) zirkulieren, ist nicht frei. So schwachsinnig Milton Friedmans „Kapitalismus und Freiheit“ meistenteils ist, so recht hätte er doch hier.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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