Die Gemeinschaft des bigotten Gesindels

Mir war ja schon immer klar, dass diese tollen radikalen Christen eigentlich ein bigottes Gesindel sind, deren supermoralische Regeln für andere gelten, aber auf deren Einhaltung man für sich nicht so genau achten muss:

  • Diese tolle Christin, die in Englang erfolgreich klagte, dass sie keine bösen Arschficker verheiraten muss, hat ein uneheliches Kind. Sie hatte also vorehelichen Sex. Sehr christlich, sehr erlaubt, sehr gut. Hoffentlich kann die britische Regierung ihr daraus einen Strick drehen und gewinnt in der nächsten Instanz. Das Maul mit der eigenen Religion aufreißen, aber sich selber nicht dran halten. Ja, das gefällt uns.
  • Dieselben Christen, die noch vor kurzem McDonalds boykottieren wollten, weil der Burgerbrater sich auf die Seite der Arschficker geschlagen hat, haben jetzt nichts gegen eine Spende einer offenkundig schizophrenen, da zugleich homophoben wie homophilen, Hotelkette an die Homo-Hasser. Was bei McDonalds noch lautes Gekeife nach „Neutralität“ im Kulturkampf hervorbrachte, ist bei Hyatt offenbar eine willkommene Spende. Für das Pack gibt es offenbar nur Homohass und Neutralität. Dass sie nicht ertragen können, dass jemand nicht ihrer Meinung ist, offenbart ja schließlich auch das tolle Demokratieverständnis dieser Menschenhasser. Wenn sie auch nur ein Quentchen so moralisch und so rein wären, wie sie gerne behaupten, dann würden sie Spende nicht annehmen. Ach nein, sie brauchen ja das Geld, es ist ja Gottes Wille!

Dagmar Herzog hat in einem sehr lesenswerten Beitrag zu den Queer Lectures die religiöse Rechte in den USA als „illegitimes Kind“ der sexuellen Revolution entlarvt. (Herzog, Dagmar: „Illegitimes Kind der sexuellen Revolution. Die Religiöse Rechte in den USA, Sex und Macht“, in: Queer Lectures 1-4, 2008, S. 9-42.) Sehr deutlich wurde, wie notgeil und sexbesessen sich die neuen Christen in ihren Ehen geben und der ständigen Optimierung(!) ihrer sexuellen Lust verpflichtet sind und wie panisch und hassend sie alles bekämpfen, was nicht der heterosexuellen Ehe entspricht, der ausschließlich die sexuelle Lust vorbehalten sei.

Es geht den Christen gar nicht um Sexualmoral. Ginge es ihnen tatsächlich um einen Viktorianismus (Okay, die Foucaultianer würden jetzt skeptisch dreinschauend die Hand heben.), in dem es nicht akzeptabel ist, sich die ganze Zeit mit Sex zu beschäftigen, dann würden die Christen nicht daheim entweder permanent den Kindern das Onanieren verbieten, sich mit Hilfe von Büchern und christlichen Eheberatern ausführlich Gedanken um die eigene Orgasmusfähigkeit und in der Öffentlichkeit um das Sexualleben anderer Leute machen. Diese Christen reden permanent über Sex. Sie haben kein anderes Thema mehr, da alles sexualisiert wurde. Die Kindererziehung entspricht nur noch einer Sexualerziehung, das Eheleben der Optimierung der eigenen Lust und das politische Leben der Bekämpfung fremder Lüste. Sex wohin man schaut.

Ich habe selten eine so sexbesessene Schwuchtel erlebt wie diese Christen.

Epilog: Die Freiheit, die die sexuelle Revolution, diese so genannte, uns spätestens gebracht hat, war eine Freiheit, in der der Gebrauch der Lüste nicht mehr unter der Kontrolle einer pastoralen Sexualmoral stand, d.h. in der der Sex nicht mehr fremd kontrolliert werden musste. Die so genannte sexuelle Revolution war zunächst eine Zurückweisung staatlicher und gesellschaftlicher Sexualaufsicht. Während es den meisten Menschen aber gelang, zu einem reifen Umgang mit ihren Lüsten zu gelangen, d.h. dass es ihnen gelang, ihre Lüste zu beherrschen und sich nicht von diesen beherrschen zu lassen, sind diese Christen darin großartig gescheitert. Sie haben alle ihre Diskurse sexualisiert, ja, Sexualität ist überhaupt ihr einziges Dispositiv und damit haben sie das hervorgebracht, was ihre Rhetorik immer gefürchtet hat: die vollkommen sexualisierte Welt. Sie täten gut daran, andere Leute Arschficker sein zu lassen und sich wieder um andere Dinge zu kümmern. Es wäre eine sexuelle Befreiung für dieses Pack.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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