Gott ist ein „four letter word“

In der Cicero polemisiert Hans Christoph Buch gegen den (perversen) Zeitgeist und bejubelt den Papst, der sich nicht diesem Geist anbiedere und somit dem aggressiven und religösen Islam noch etwas entgegen zusetzen habe. Es ist zwar mal wieder die gleiche langweilige Kakophonie, der schwachen europäischen Gesellschaften, die aufgrund ihrer Amoralität und Dekadenz sich der Sturmflut „Islam“ nicht erwehren können und eigentlich wäre dazu nichts weiter zu sagen, aber da dieser Blödsinn von einigen Leuten tatsächlich geglaubt wird, habe ich einen kurzen Leserbrief geschrieben:

Herr Buch geht fehl, wenn er einen Antagonismus zwischen christlicher Moralvorstellung und den so genannten Perversionen sieht. Er lobt Joseph Ratzinger, dass dieser nicht dem Zeitgeist nachrenne und impliziert zugleich, dass die Berufung auf christliche Werte die europäischen Gesellschaften vor einem „aggressiven und intoleranten Islam“ schütze.

Der eigentliche Antagonismus verläuft aber nicht zwischen Religion und Perversion, sondern zwischen Religion und liberaler Gesellschaft. Es ist auffällig, wie einig sich die großen Glaubensgemeinschaften im Bezug auf die so genannten Perversionen sind und etwa auch die Debatte um die von-der-Leyenschen Reformen zeigt, dass die Frauenbilder zwischen Scharia und Mixa oft nur zu ähnlich sind.

Gerade die unreflektierte Toleranz gegenüber der regelrechten Hetze einiger katholischer Würdenträger (Kardinal Meißner: „Die europäischen Gesellschaften müssen die Sünde der Homosexualität ausschwitzen.“) schwächt die offene Gesellschaft, da sie diese Äußerungen nicht nur nicht zurückweist, sondern ausdrücklich auch noch als Freiheit des religiösen Bekenntnisses schützt.

Der Katholizismus schützt nicht vor dem Islam, da die Unterschiede zwischen beiden nichts als kontingent sind. Das Christentum hat, wo es sich als moralkonservativ gibt, dem Islam nichts entgegenzusetzen.
Der Graben verläuft also nicht zwischen den Religionen, sondern zwischen den Religionen und der offenen Gesellschaft. Das Rezept gegen einen aggressiven und intoleranten Islam ebenso wie das Rezept gegen den zunehmend um sich greifenden christlichen Fundamentalismus, ist nicht der Rekurs auf den Katholizismus, sondern das selbstbewusste Bekenntnis zur offenen Gesellschaft, zu ihrem Liberalismus und ihrem Antitotalitarismus.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
Dieser Beitrag wurde unter Homosexualität, Liberalismus, Politik, Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Gott ist ein „four letter word“

  1. Richard sagt:

    richtig so !

Kommentar verfassen