Brief an McDonalds

Phaidros hat mal wieder einen Brief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Erschrecken habe ich heute den Medien entnehmen können, dass Sie Ihre Unterstützung für die Einführung gleicher Rechte für homosexuelle Menschen aufgrund des Drucks fundamentalistischer Sekten aufgegeben haben.

Ich möchte Sie gerne daran erinnern, dass es bei unserem Kampf um gleiche Rechte nicht darum geht, eine kulturelle Revolution auszulösen, bestehende gesellschaftliche Institutionen aufzulösen oder Glaubensgemeinschaften das Recht auf freie Religionsausübung streitig zu machen. Es geht darum, einer Gruppe von Menschen, denen genauso wie Juden, Schwarzen und Frauen teils Jahrtausende lang ihre elementaren Grundreche vorenthalten wurden, endlich die gleichen Rechte wie der Mehrheit der Bevölkerung einzuräumen. Sie vergessen offenbar, dass homosexuelle Menschen, gerade durch religiösen Fundamentalismus motiviert, verfolgt, eingekerkert, gefoltert, öffentlich zur Schau gestellt und bestialisch ermordet wurden. Mit ihrer Entscheidung spucken Sie auf die Schicksale dieser Menschen!

Dass sich McDonalds durch religiöse Fundamentalisten unter Druck gesetzt sieht und seinen Anspruch, elementare Menschenreche zu verteidigen, einfach aufgibt, erschüttert mich zutiefst und ist meiner Ansicht nach ein Armutszeugnis für Ihre Unternehmensethik.

Mit freundlichen Grüßen,
Kai Denker

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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Ein Kommentar zu Brief an McDonalds

  1. André sagt:

    Ich kenne nicht die genauen Hintergründe Kai, aber welcher Art könnte denn der Druck sein, dem sich Mc Doof da ausgesetzt sieht, wenn jene ihre moralischen Ansprüche ad acta legen? Etwa Terroranschläge mit fundamental christlichen Flüchen?

    Ich erinnere mich, dass Du mal in dem Zusammenhang sagtest, der Kapitalismus sei das beste, was uns (Homos) passieren konnte. In gewisser Hinsicht stimme ich Dir da zu – und nicht nur weil das Konsumland in Berlin-Adlershof von 0700 bis 2200 geöffnet hat und sich so mit meinen prekären Arbeitszeiten vereinbaaren lässt…

    Denn womöglich motiviert sich McD’s Intension zur Gleichberechtigung weniger aus moralischen, denn aus Image-Gründen, also indirekt aus Kapitalinteresse.

    Um nun den Bogen zu schließen: Hier ist nach meiner Auffassung der Kapitalismus Fluch und Segen zu gleich. Denn nicht zu vergessen sind sowohl das Christentum, wie auch dessen halbseitige Lähmung – der Protestantismus – nach wie vor wohl weltlich Institutionalisiert. $$$

    Beste Grüße aus dem Berliner Elektronen-Subversions-Sychrotron

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