Pharmazeutische Gerüchte

Angeblich arbeitet der Pharmamulti LogosSan an einem Medikament zur Behandlung religiöser Wahnvorstellungen. Das Mittel, das unter dem Namen „atheisium“ auf den Markt kommen soll, enthält das hochwirksame Antimetaphysikum Illuminafin. Es dämpft die Funktionsweise einer chemischen Wirkungskette in älteren Gehirnschichten, die Störungen in der Signalverarbeitung der Hirnrinde auslösen kann. Insbesondere im parietalen Assoziationskortex können verschiedene Störungen ausgelöst werden, zum Beispiel:

  • Wahrnehmung eines Raums hinter dem Raum (Störung der räumlichen Orientierung)
  • Religionswahn, Sprechen in Zungen (Störung der Sprachbildung)
  • unberechtigte Bedeutungszuschreibung z.B. zu „Gott“, „Sünde“, „Schöpfung“ (Störung der lexikalischen Sprachfähigkeit)
  • Logische Beweislastumkehr (Störung des formal-logischen Denkens)

Auch im limbischen Assoziationskortex finden sich Störungen von Funktionen wie der Zuordnung von Sinneseindrücken zu Personen, etwa indem zunächst unverständliche oder überraschende Phänomene dem Einfluss eines durch die Störung der lexikalischen Sprachfähigkeit herbeiphantasierten Wesens zugeschrieben werden.

Der Hersteller verspricht sich von seinem neuen Medikament eine große Erleichterung für die Betroffenen. Die unter dem Begriff der Religiösität (ICD10: F22.0, F60.2-4, F60.7, F66.0) gefasste multimorbide und stets degenerative Erkrankung führt langfristig zu einer völligen Entfremdung des Betroffenen von der Gesellschaft. Gleichwohl neigen die Betroffenen zur Gruppenbildung, versammeln sich regelmäßig und bemühen sich, die Inhalte ihrer Wahnstörung untereinander anzugleichen. Historische Langzeitbeobachtungen haben dabei gezeigt, dass sie dabei zunehmend zu Gewalt untereinander und gegen Fremde neigen und ein kompliziertes System von Kapitalflüssen entwickeln, was Außenstehende oft für sich zum Vorteil nutzen können (Ablasshandel, Kirchensteuer).

Als Problematisch gilt, dass die Betroffenengruppen ab einer bestimmten Größe zu systematischer Gewalt gegenüber von ihnen als Fremd empfundenen Menschen neigen und so nach der Beseitigung staatlicher Schutzvorschriften oder Gewaltmonopole in ihrem eigenen Interesse fordern. Zunehmend ist auch von Selbstjustiz und endemischem Querulantenwahn (F22.8) berichtet worden.

PS: Danke an Hartmut für ein Bild der Produktverpackung.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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3 Kommentare zu Pharmazeutische Gerüchte

  1. Pingback: Atheisium: Basteln mit Kai « The Distraught Queen

  2. Ralf schmidt-steuernagel sagt:

    verrückte idee, aber interessant

  3. Pingback: Atheisium: Basteln mit Kai | Kai Denker

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