10 questions that every intelligent Christian must answer

Ich mag dieses Video – auch wenn es einige Macken enthält. So differenziert es nicht zwischen der wörtlichen Auslegung der Bibel und einer „Gott ist Liebe!“-Schwärmerei, die durchaus bereit ist, die wörtliche Auslegung der Bibel zurückzuweisen und zugleich dennoch einen „Geist“ (womöglich auch noch einen heiligen!) beizunehmen, der uns zur christlichen Religion inspiriere. Hierin liegt genau der Moment, an dem sich formal intelligente Christen dem rationalen Argument entziehen: Da dieser heilige Geist nichts greifbares oder meßbares ist, kann jedes noch so üble Ereignis zurückgewiesen werden, da es ja auf den „Geist“ ankomme, in dem Gott eben trotz allem die ewige, wissende und gütige Quelle der Liebe und des ganzen Seins ist.

Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir diesen Unterschied bemerken und entsprechend würdigen, wenn wir unser Projekt, die Religion für alle Zeit auszulöschen, ernst nehmen wollen. Weder historisch-materielle Argumente, noch derartige Kohärenzargumente wie in diesem Video können Christen überzeugen, die eine solche Essentialisierung der Religion betreiben. Solche Diskussionen sind nur fruchtlose proxy wars. Wir müssen vielmehr direkt in das Herz des Dispositivs einer Religion der Liebe zielen und die Rede von der Liebe Gottes an sich entlarven. Wir müssen zum Einen historisch-materiell analysieren, ob und wie die Verbrechen der Religion mit einem Diskurs der Liebe gerechtfertigt wurden, indem wir etwa prüfen, welche Rede vom Seelenheil aktiviert wurde, um über Ketzter- und Hexenverbrennungen zu sprechen. Zum Anderen müssen wir diese Liebe formal-logisch untersuchen und zeigen, was sicher möglich ist, dass sie ein Ausdruck von Gewalt und Hass notwendig ist. Wir brauchen in diesem Sinne eine Dialektik der Liebe.

Solange wir nämlich auf die Folgen der Religion blicken, kann der religiöse Fanatiker, der selten in zentralasiatischen Bergen und viel häufiger an westlichen Küchentischen sitzt, all unsere Angriffe zurückweisen und für sich in Anspruch nehmen, seine Interpretation seiner Religion wäre wahrer, schöner, besser, richtiger und man würde jetzt erst den wahren Willen Gottes entdecken usf. – Wir müssen den Wahnsinn aufsuchen und stellen, wo er stattfindet! Es ist in der Rhetorik von Güte, Liebe und Mitgefühl.

Es sind nicht satanische Verse, die jemand hineingeschmuggelt hat, sondern es sind die göttlichen Verse selbst. Wir müssen nichts weniger tun, als klarzulegen, dass ihr Gott an sich ein Teufel ist.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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