Am Kaffeetisch mit Ursula

Tja, da frohlockte die Ursula. Sie hatte sich es am sonntäglichen Kaffeetisch so schön ausgedacht, wie sie das Netz von Unrat befreien könnte und Wolfgang, der sich gerade das vierte Stück Apfelkuchen mit Schlag reinschaufelte, sah seine Chance gekommen, noch mehr Daten im Netz zu sammeln. Erfreut rieben sich beide die Hände, warfen sich diabolische Blicke zu und kicherten vergnügt ob der bevorstehenden Unterwerfung des Internets unter ihre Kontrolle…

Schade nur, dass ihr Plan völlig wirkungslos sein wird: Der Wunsch, das Internet mit Manipulationen am DNS-System zu zensieren, ist so offenkundig zum Scheitern verurteilt, dass die ganze Aufregung um den Zensurfetischmus von der Laien eigentlich überflüssig ist. Nicht nur rechtlich ist die ganze Sache auf Sand gebaut, auch technisch ist eine solche Sperre trivial zu umgehen. Von der Laien beweist damit nur, dass sie den technischen Sachverstand einer Krabbelgruppenleiterin hat und macht sich damit nichts weiter als lächerlich.

Lassen wir der Ursula doch ihre Rassel. Bald lesen wir dann in der Zeitung, dass das Leyensche Zensursystem wirkunglos ist. Kurz darauf wird es in Karlsruhe beerdigt. Was soll also die Aufregung? Dass Wolfgang nicht viel von freiem Medienzugang hält, ist wohlbekannt und wenn Frau von der Laien sich gezielt blamieren will, ja, dann lasst sie doch. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Letztlich ist es doch nur wieder eine gute CDU-Show, die uns zeigt, wie weit man mit Ignoranz, Verblendung und pathologischem Hass kommen kann. Das ist alles nichts Neues. Schade ist allenfalls, dass Ursula durch die Diskussion weniger Zeit hat, um mit Wolfgang Apfelkuchen zu spachteln. Für sinnvolle Projekte im Kinderschutz würde die Vizepräsidentin der Symbolpolitik ihre Zeit ja sowieso nicht einsetzen. Über harte und gute Arbeit redet es sich eben nicht gut am Sonntagnachmittag – und überdies hätte Ursula da ja auch nicht viel zu erzählen…

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen