17 Tage Wahnsinn

„Kai, Dein Hass auf Religion ist irrational!“ – Nö, ist er nicht. „Irrational“ wäre er, wenn er unbegründet wäre, aber zur Begründung reichen 17 Tage schwuler Boulevard-Journalismus locker aus. Es ist ganz klar: Religion, jeder Art, ist schlecht, böse und verdirbt die Menschen. Es gibt nichts gefährlicheres für Vernunft, Rechtsstaat und Menschenrechte als die Religion. Und es gibt ebensowenig anständige Gläubige wie es anständige Antisemiten gibt:

Manche rechtfertigten die Umpolungsversuche mit dem christlichen Glauben: „Wenn jemand einen starken Glauben hat, hat er Angst, er könnte Gott verlieren und das Leben sei wertlos, wenn er sich nicht ändert“, sagte ein Befragter. [1]

Die serbisch-orthodoxe Kirche hat lautstark gegen das Gesetz protestiert. Sie verlangte, dass das Merkmal sexuelle Orientierung entfernt und der Schutz von Christen gestärkt werden müsse. [2]

Der Veranstalter des Kongresses, die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e.V. in Frankenberg, ist dafür bekannt, antihomosexuelle Angebote zu unterstützen. Die Referenten kommen aus der evangelikalen Glaubensrichtung von so genannten Ex-Gay-Gruppen. Diese sehen Homosexualität als Defekt an, der „geheilt“ werden müsse. [3]

Dieser hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für ein Homo-Verbot ausgesprochen und das Anliegen auch mit seinem Glauben begründet; Nkurunziza bezeichnet sich als „wiedergeborenen Christen“. [4]

Nigeria unternimmt einen neuen Anlauf, das Homo-Verbot zu verschärfen – auch schwulen ausländischen Geschäftsleuten würde dann Haft drohen, selbst wenn sie im Land keine sexuellen Kontakte haben – die anglikanische Kirche erklärte, mit dem Verbot könne der „soziale Holocaust“ verhindert werden. [5]

Der muslimische Extremist Anjem Choudary hat bei einer Pressekonferenz in London die Steinigung von Homosexuellen gefordert. [6]

Der lettische Kardinal Janis Pujats hat Ungläubige und wenig interessierte Christen für die Verbreitung von Homosexualität verantwortlich. Die Kirche müsse aber die Wahrheit über Schwule sagen, die genauso lasterhaft seien wie Drogenabhängige, Alkoholiker und Raucher. Gewalt gegen Homosexuelle sei daher verständlich. [7]

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einer Rede vor der Katholischen Akademie in Berlin klargestellt, dass die verschiedengeschlechtliche Ehe in Deutschland besonderen Schutz genieße und gegenüber anderen Lebensgemeinschaften bevorzugt werden müsse[.] [8]

Tja, wer soll da nicht zu dem Ergebnis kommen, Christen und anderes religiösen Gesindel sei nicht ein großer Haufen Arschlöcher? Ach, halt? Das ist ja nur das Führungspersonal? Schön, wenn Ihr tollen Christen so anständig seid, ja dann macht doch mal einen Aufstand der Anständigen! Wo ist der denn? Na? Wo ist die tätige Reue? Siehste. Alle in einen Sack stecken und draufschlagen – man trifft immer den richtigen!

Und jetzt noch eine Hasspredigt eines biederen Hetzers von ganz unten:

Man beachte die Tags auf der entsprechenden Youtube-Seite: „Christenverfolgung“! Man muss schon geistig ganz besonders tief gesunken sein, um sich einzubilden, die „professionellen Homosexuellen“ würden eine neue Christenverfolgung anzetteln wollen, wenn sie ihre Menschenrechte einfordern. Mit der gleichen Logik könnte man auch sagen, dass die Juden das Deutsche Volk vernichten wollten.

Menschenrechte sind keine Frage der Religionsfreiheit und wenn Religion und Menschenrechte sich ausschließen, was hier an vielen Beispielen erwiesen sein mag, nun, dann ist Religion eben ein Verbrechen. Das Böse ist überall und es lebt in der Religion.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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2 Kommentare zu 17 Tage Wahnsinn

  1. Der kleine Vampir (André) sagt:

    Kant und fäkale göttliche Weitsicht

    Aber, aber Kai, wer sagt denn, ein Christ könne seine Homophobie nicht ebenso rational begründen? Einst stand ein junges Pärchen christlicher Missionare an meiner Tür und wir diskutierten über Gott und christliche Moral.

    Der junge Hering, wohl kaum von der Schule, meinte zu Beginn des Gespräches, es hätte ja nun schon eine Menge kluge Köpfe gegeben, z.B. Immanuel Kant, und keiner hätte so recht eine Antwort auf die Frage nach Gott gefunden.

    Nach dem ich Ihn fragte, wieso er gerade Kant nennt, der doch ausführlich „Statement“ zu dem Thema gegeben und in einer Reihe mit Schopi und Nietzsche dem alten Nichtnazi, Gott den Todesstoß versetzt, musste er zugeben, dass er Kant nur mal kurz in der Schule gehabt habe – aha!

    Als ich dann das Thema auf Homosexualität lenkte, kam die übliche Abwehrreaktion. Meiner Aufforderung nach einer Begrundung, folgte jene innovative Argumentation unseres ambitionierten Jungchristen:

    Gott sei ja sehr weitsichtig und wisse dem Menschen die rechte Anleitung im Leben zu geben, um ihn vor Gefahren zu behüten, die er selbst nicht sähe, so auch vor Homosexualität.

    Beispiel: Die Ägypter legten ja bekanntlich viel Wert auf Körperpflege und Kosmetik. Sie hätten sich dazu unteranderem Kot (!) ins Gesicht gerieben! Das hatte natürlich gesundheitliche Konsequenzen. Moses? hätte nun seinen Gefolgsleuten den von Gott empgfangenen Rat gegeben, dies nicht zu tun, um jene Folgen zu vermeiden.

    Ergo: Schwuchteln sind einfach Scheiße!

  2. André sagt:

    Nachtrag: Werbung der Atheisten (There’s probably no god)
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/761/463370/text/

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