Atheisium: Basteln mit Kai

Erinnert Ihr Euch noch an Atheisium? Damals gab es ja nur eine kleine Grafik von Hartmut, aber keine richtige Verpackung. Um die Stresslücke nach der Prüfung letzte Woche zu füllen, habe ich mich des Problems angenommen und eine einfache Bastelvorlage erstellt. Die entsprechenden Dateien findet Ihr unten. So sieht das Ergebnis aus, das aus technischen Gründen schwarz-weiß ausfällt, aber von Euch gerne weiterentwickelt werden darf:

Atheisium

Materialliste für ein Exemplar:

  • Aponorm-Dose 125ml aus der Apotheke
  • Bogen 7×2 Etiketten mit 100x38mm
  • DIN A4 Bogen 250g Papier
  • DIN A4 Bogen 80g Papier oder dünner
  • einige Dateien (siehe unten)
  • beliebiger Inhalt, z.B. Pfefferminzbonbons

Außerdem braucht Ihr:

  • Schere, Kleber, ggf. Handschuhe
  • Drucker
  • ggf. Grafik oder Office-Programm

Und so gehts:

Druckt einen Aufkleberbogen. Ggf. müsst Ihr, falls Ihr einem anderen Hersteller als ich vertraut habt, den Bogen neu setzen. Die SVG-Datei eines einzelnen Etiketts findet Ihr unten. Ich konnte mit meinem einfachen Bürodrucker nur die linke Spalte des Bogen brauchbar verwenden. Beim Ausdrucken ist es manchmal nötig mit den Einstellungen zu experimentieren und einfach gleich alle Druckränder auf 0 mm zu setzen, während man ignoriert, dass man damit in den nicht bedruckbaren Bereich kommt. Wer will, kann einen Testlauf mit normalem Papier machen und spart so die relativ teuren Bögen (25 Bögen beim Karstadt für 5,95€).

Klebt jetzt ein Etikett einigermaßen gerade auf die möglichst fettfreie Aponorm-Dose. Wenn Ihr das nicht direkt nach dem Essen macht oder die Dose übelst befingert habe, dürfte sich das von selbst ergeben. Ihr könnt natürlich jede andere Dose auch verwenden – Aponorm-Dosen gibt es für wenig Geld (hier: 0,70€/Dose) in der Apotheke und außerdem wirken sie schön medizinisch.

Jetzt kommt der schwierigere Teil: Druckt die Schablone aus. Aus hier empfiehlt es sich, mit 80g Papier einen Testlauf zu machen und erstmal einen wackeligen Prototypen zusammenzukleben. Für das eigentliche Produkt müsst Ihr, sofern Ihr es nicht selbst ausdrucken könnt, einen Copyshop Eurer Wahl bemühen. Leider können nicht alle Copyshops auf dickem Papier farbig drucken und einige haben dafür sogar nur Tintenstrahldrucker zur Verfügung. In diesem Fall müsst Ihr darauf achten, dass die Tinte wirklich trocken ist, bevor ihr anfangt und Ihr solltet beim Basteln Latexhandschuhe o.ä. tragen, damit Eure Fettfinger nicht die Tinte verwischen. Das lässt sich mit Latex zwar nicht vermeiden, aber doch vermindern. Kristin, der an dieser Stelle gedankt sei, gab mir den Tipp, den Bogen mit Haarspray vorzubehandeln. Mangels Haarspray konnte ich das aber nicht ausprobieren. Über Feedback würde ich mich freuen! 🙂

Bei Ausdrucken des Bogens ist darauf zu achten, dass der nicht skaliert wird, um auf eine DIN A4-Seite zu passen. Da an den äußeren Rändern nur Klebelaschen sind, macht es nichts, wenn diese nur unvollständig gedruckt werden. Man berücksichtigt dies dann einfach beim Ausschneiden – Dank an dieser Stelle sei Timo für diesen absurd naheliegenden Rat!

Beim Ausschneiden ist darauf zu achten, dass die Faltlaschen korrekt eingeschnitten werden. Zwar sind sie auf der Vorlage alle brav rechteckig, aber sie sollten beim Ausschneiden trapezförmig angeschnitten werden. Das macht das Zusammenfalten und -kleben leichter.

Nun wird gefaltet: Das kann jeder halten, wie er will. Ich habe verschiedene Reihenfolgen ausprobiert, fand aber keine wirklich überzeugend. Generell sollte man aber die langgestreckte Außenseite zuerst falten, dann die Klebe- und Faltlaschen, dann die Ober- und die Unterseite. Je ordentlicher ihr hier arbeitet, desto schöner ist auch das Ergebnis. Da die Grundfläche des Quaders quadratisch ist, kann man sich beim Falten gut an den Einschnitten für die Laschen orientieren. (Tipp von cato: Es faltet sich leichter, wenn man die Knickstellen vorher von außen leicht anritzt. Hierzu verwendet man ein Lineal und ein spitzes Küchenmesser.)

Falten 1/3

Nun werden die mit Wellenlinien aufgehüpschten und daher unansehnlichen Klebelaschen mit Klebstoff bestrichen. Man beginnt dabei mit der Seitenlasche (auf dem Ausdruck links außen). Nun kommen die unteren Klebelaschen an die Reihe:

Falten 2/3Falten 3/3

Damit ist die Verpackung im Prinzip fertig. Als kleine Fleißaufgabe schneiden wir nun noch den Knick der oberen Einstecklasche keilförmig ein. Die Packung schließt dadurch besser:

Keilförmiger Einschnitt

Nun könnt Ihr den Beipackzettel ausdrucken und die Aponorm-Dose mit pastillenartigen Objekten Eurer Wahl befüllen. Im Bild sind die Schokolinsen eines bekannten Herstellers zu sehen, die ich nur empfehlen kann, wenn man das Atheisium verschenken wollt. Vielleicht helfen diese etwas über die Schmerzen hinweg, in seinen religiösen Gefühlen gekränkt worden zu sein:

Dose mit Inhalt

Das Falten des Beipackzettels ist ein wenig tricky, wenn man diesen absurden Zustand normaler Medikamentenverpackungen reproduzieren möchte. Ich rate, sich einfach einmal mit den Beipackzetteln aus der eigenen Hausapotheke zu befassen und mir zu ersparen, die Falttechnik hier zu beschreiben.

Wer mag, kann gerne den Beipackzettel etwas umschreiben und an das jeweilige Opfer anpassen.

Ansonsten wünsche ich viel Spaß bei der Behandlung religiöser Wahnvorstellungen und empfehle Kants Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“. Kant hat sich damals mit seiner Rede über „Religionswahn“, „Pfaffentum“ und „Afterdienst“ ein Lehrverbot in Fragen der Religion eingehandelt. Ohne kluge und scharfzüngige Autoren wie Kant könnte man heute kein Atheisium basteln, ohne dass die zahlreichen sekundären Nebenwirkungen des Beipackzettels eintreffen könnten.

Und hier die versprochenen Dateien:

Disclaimer: Diese Anleitung darf gerne nachgebastelt, weitergegeben und verändert werden und solange auf diese ursprüngliche Version verwiesen wird. Es ist darauf zu achten, dass der satirische Charakter von „Atheisium retard“ offenbar bleibt und ein kritischer Umgang mit religiösen Ideen gefördert wird. Menschen, die sich durch „Atheisium retard“ beleidigt fühlen, sollten umgehend bei ihrem örtlichen Philosophen zwecks eine Beratung vorstellig werden.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
Dieser Beitrag wurde unter Krudes, Religion, Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen