Enttäuschte Liebe?

In der FR können wir zur Demo gegen den Homo-Heiler-Kongress in Marburg folgendes lesen:

Der Vorsitzende der ausrichtenden Akademie, Martin Grabe, kann die massive Kritik nicht verstehen. Bei der Kongresseröffnung am Mittwochabend sprach er von einer „Großkampagne, die nahezu ohne realen Aufhänger“ gestartet worden sei. Homosexualität werde während des Kongresses höchstens am Rande thematisiert. Der Akademie gehe es „wie einer Insel im Frühjahrssturm“. Er rief die 1000 Kongressteilnehmer dazu auf, für die Demonstranten zu beten: „Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.“

Daran sind zwei Sachen interessant:

  1. Die Christen haben schon wieder gelogen: Erst erzählen sie uns wochenlang, dass Homosexualität auf ihrem Kongress kein Thema sei und jetzt wird es „höchstens am Rande thematisiert“. Zwischen „gar nicht“ und „marginal“ besteht aber ein deutlicher Unterschied, den auch ein Theologe kennen sollte, so er ernsthaft behaupten können will, eine Wissenschaft zu betreiben. Dass es ein zynischer Witz ist, über Identität, nicht aber über Homosexualität sprechen zu wollen, ist jedem redlich denkenden Menschen ohnedies klar. Dass die Teilnehmer des Kongresses zu einem erheblichen Teil schlicht unredlich sind, allerdings auch.
  2. Es steckt ein ganz erheblicher Teil Realitätsverlust in Sätzen wie „Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.“ Dazu erkläre ich:

Nein, wir hassen Euch nicht. Uns geht der Hass auf Christen vollkommen ab: Ob Ihr gesund oder krank seid, ob ihr Freude habt oder leidet, ob ihr tanzt oder bettnässt, ob Ihr lange lebt oder früh in der Kiste vergammelt, ist uns vollkommen egal. Ihr seid uns vollkommen egal. Das einzige, was uns interessiert, ist, dass man Euch daran hindert, zu tun, was Ihr nämlich tut, wenn man Euch nicht hindert: Frisbee mit den Psychen anderer Leute zu spielen, ihnen systematisch metaphysischen Blödsinn vorzulügen, ihre Ängste und Nöte zu missbrauchen, ihnen Schuldgefühle und Selbsthass einzureden, sie schließlich in den Selbstmord zu treiben. Das ist schon alles.

Die einzigen von uns, die sich mit einer enttäuschten Liebe auseinandersetzen müssen, seid dagegen Ihr: Ihr könnt es einfach nicht verknusen, dass wir Euch Eure Rede von der Liebe Gottes nach 2000 Jahren Mord und Totschlag, der sich auch gegen uns gerichtet hat, einfach nicht mehr glauben. Ihr habt unsere Liebe Jahrtausende lang verfolgt, zerstört und uns an Leib und Seele vernichtet. Ihr habt uns zu Eurem moralischen Vergnügen gequält und unseren Tod als den Willen Eures Gottes verkündet. Und da sollen wir Euch auch nur noch ein Wort glauben, da Eure Taten doch Eure angebliche Läuterung täglich Lügen strafen? Das ist die Wahrheit: Wir lehnen Euch und Euren Gott ab, weil Ihr die Kinder von Mördern seid, die deren Schrecken nur mühsam verborgen weitertreiben. Das ist kein Hass, das ist Notwehr: Ihr seid diejenigen, die pathologisch Hass mit Liebe verwechseln. Und dafür und nur dafür hasst man Euch.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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Ein Kommentar zu Enttäuschte Liebe?

  1. HarryB sagt:

    Gut gebrüllt, Löwe!

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