Von Grünen, Piraten und Rechten

Auf meinen Post, der sich über den politischen Umgang im Piratenchat wundert, blieb die Resonanz nicht aus. Neben ein paar Kommentaren hier führte ich auch einige Gespräche mit Parteifreunden und -sympathisanten und bin beruhigt:

  • Ja, die Piratenpartei hat in ihrem starken Wachstum einige Idioten angelockt, die sich jetzt in ihrem Chat herumtreiben.
  • Nein, diese Leute geben nicht die Meinung der Partei oder die der Mehrheit ihrer Mitglieder wieder. Tatsächlich beäugt man die wenigen rechten Gesellen argwöhnisch.

Haben die Piraten einen Fehler gemacht? Nein!

  • Herbert, ein damaliger Grüner der ersten Stunde, erzählte mir, dass sich auch einst bei den frühen Grünen rechte Ratten herumtrieben, die den deutschen Wald schützen wollten. Es ist offenbar ein normaler Effekt bei neuen, schnell wachsenden Organisationen, die sich inhaltlich noch nicht bis ins letzte Detail gefunden haben.
  • Meine Schwester fragte mich, ob es die Piraten nicht diskreditieren würde, wenn sie ihren Chat nicht kontrollierten. Die Antwort lautet: „Nein.“ – Sie würden sich diskreditieren, wenn sie ihren Chat zensierten. Freiheit kann man nur als universelle Idee fordern und nicht nur für eine ausgewählte Gruppe. Die Ansichten von Nazis sind inhaltlich gewiss widerwärtig, aber in einer Demokratie müssen wir dulden, dass sich jeder selbst von Bild von deren Unsinn machen kann und muss.
  • Die Idee einer auf Freiheit und Selbstbestimmung gerichteten Werteordnung ist mit den Ideen der Rechten offensichtlich unvereinbar. Wenn die Idee der Freiheit sich gegen den rechten Mist nicht durchsetzen kann, dann ist ihre Zeit vorbei. Aber: Sie kann es!
  • Die Piraten machen keinen Fehler, wenn sie bereit sind, den Rechten Argumente entgegen zu setzen. Gewiss wäre es falsch, jeden rechten Schwachkopf in seinem Diskursterrorismus ernst zu nehmen und Stunden lang jeden noch so kleine Lüge zu widerlegen. Das ist gegenüber einem geschlossen rechten Weltbild sicher Zeitverschwendung. Es ist aber kein Fehler, die Ideen der Rechten nicht einfach zu ignorieren, sondern ganz klar zu sagen, was man diesen entgegensetzt. Gegen das Gedankengift von Rechts helfen keine Verbote, sondern nur eine klare und vernünftige politische Agenda, die einen Inhalt bietet, den die Partei selbst ernst nimmt. Die Piraten nehmen aber, das ist nun wahrlich mein Eindruck, die Idee der Freiheit ernst und ich glaube, die Idee der Freiheit ist tatsächlich, trotz und vielleicht gerade angesichts der Geschichte des 20. Jahrhunderts, eine Idee, die deren Zeit und Wirkungskraft noch lange nicht zu Ende ist.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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Ein Kommentar zu Von Grünen, Piraten und Rechten

  1. daMax sagt:

    YAY! Herzlich Willkommen zurück an Bord. Freut mich, dass du das dunkle Wellental der Zweifel hinter dir gelassen hast, und bereit bist zu neuen Ufern aufzubrechen. Als der Thiessen-Scheiß losging, ging’s mir genau so wie dir gerade eben.

    Als kleine Ermutigung:
    http://todamax.kicks-ass.net/blog/piratenparteistand-auf-dem-ud-2009/

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