Außenminister Westerwelle? Ja, bitte!

Natürlich sollte ein Außenminister manierliche Englischkenntnisse haben und natürlich sollte ein Außenminister etwas seriöser sein als Guido Westerwelle und natürlich sollte man, sofern man nicht völlig den Verstand verloren hat, die FDP nicht wählen.

Aber jetzt, wo wir in der Scheisse sitzen, sollten wir doch Guido Westerwelle in seinem möglicherweise vorhandenen Bestreben, Außenminister zu werden, unterstützen. Dies hat mehrere Gründe:

  1. In diesem Amt kann er weniger Schaden für unseren Staat anrichten als in einem Finanz-Wirtschafts-Superministerium. Die Außenpolitik wird tatsächlich in großen Linien von der Kanzlerin bestimmt und es gilt: Westerwelle braucht Kontrolle – und da ist Merkel besser als gar niemand.
  2. Schon Joschka Fischer hat bewiesen, dass man ohne formale Qualifikation ein guter Außenminister werden kann. Ich finde, man sollte nun endlich den Versuch wagen, ob man dies auch ohne materiale Qualifikation hinbekommt und ich denke, wir können sicher sein, dass Westerwelle jetzt weniger in Talk-Shows und mehr hinter Englisch-Lehrbüchern sitzen wird.
  3. Aber der wohl wichtigste Grund ist dieser:

Eine Rolle bei den Vorschlägen spielt möglicherweise auch, dass man in Wirtschaftskreisen hinter vorgehaltener Hand fürchtet, offen zur Schau getragene Homosexualität eines deutschen Außenministers könne vor allem im arabischen Raum dazu führen, dass lukrative Geschäfte im Zweifelsfall eher nicht an deutsche Firmen vergeben werden.

Wenn es tatsächlich, was nicht unwahrscheinlich ist, ein Problem für unsere Wirtschaftsbosse darstellt, dass ein Außenminister mit seinem Mann anreist und daheim im Büro vielleicht mit dem Referenten, statt der Referentin, knutscht, dann verdient dieser Außenministerkandidat jede Unterstützung, die man eben als schwuler Mann verdient, der ob seiner Sexualität vom Zugang zu einem Posten ausgeschlossen werden soll. Gerade dann soll dieser schwule Außenminister ein Stachel im Fleisch derer sein, denen Menschen- und Bürgerrechte höchstens sonntags wichtig sind und die fleissig mit den widerlichsten Menschenschlächtern Geschäfte machen wollen. Wenn die Menschenrechte einem Geschäft im Wege stehen, dann muss eben das Geschäft scheitern. Dass Homosexualität, die ein Menschenrecht ist, Geschäften mit homophobern Mördern, Hetzern, Hasspredigern, Terrorfinanzierern, Despoten, Diktatoren, Monarchen und ähnlichem Gesindel im Wege stehen soll, sagt viel über dieses und noch mehr über jene aus, die sich dann nicht über das Gesindel, sondern über das Privatleben eines Ministers sorgen. Das sind diejenige, die auch Lager betreiben, wenn es der Bilanz dient.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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