Dann verbrenn ich halt ne Bibel

Klar, jeder Glaube ist mies. Das gilt ausnahmslos, aber, liebes Christenpack, muss denn wirklich eine Koranverbrennung sein? Ist das wirklich nötig? Nicht nur, dass das unnötig CO₂ freisetzt, es zieht auch völlig unnötig Stress nach sich. Sicher: Hassprediger finden immer einen Grund, Leute aufzuhetzen, aber muss man ihnen den Grund denn wirklich frei Haus liefern? Es ist doch eigentlich gerade Markenzeichen der Hassprediger, dass sie sich ihren Unfug mit aller Gewalt an den Haaren herbeischmieren müssen. Wenn man ihnen jetzt einen einfachen Grund liefert, dann geht doch der ganze Spaß verloren! Wieso dem anderen noch Paidiophagie andichten, wenn man Gewalttaten auf Video hat?

Oder handelt es sich etwa um eine neue Form der Ökumene? „Ich liefer Dir einen Grund, dann lieferst Du mir einen Grund.“ Vielleicht handelt es sich einfach um ein Geschäft in einer Zorn-Bank, wie Sloterdijk sie beschrieb? Müssen wir ein bisschen Hass investieren, damit der mittlere Osten den Westen wieder gründlich zurückhasst und Ihr dann um so mehr Hass investieren könnt? Es stimmt tatsächlich, dass Ihr Eure Energie aus dem Hass zieht und so ein Feld will gut bestellt sein. Aber wäre es zur Abwechslung nicht mehr was neues, man würde die eigenen Schriften ernst nehmen und nicht mehr zum Hass aufstacheln? Sicher, wäre es, das wäre tatsächlich das erste Mal in 2000 Jahren und nur so ein Gedanke von mir, und über diese Naivität muss ja sogar ich lachen…

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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