Topologie der Kontrolle? Mathematisierbarkeit mit Deleuze

Zwischenzeitlich ist meiner Dissertation Topologie der Kontrolle? Mathematisierbarkeit mit Deleuze, die ich am 19. Februar 2018 bereits erfolgreich verteidigt hatte, publiziert worden und als PDF bei TUprints verfügbar.

Kurzbeschreibung:

Deleuze erweist sich in dieser Arbeit als einer der systematischsten Denker des Poststrukturalismus. Übernahmen aus der Mathematik durchziehen seine gesamte Philosophie – eine radikal immanent denkende Prozessphilosophie, die durchgehend um das Problem von Differenz und Wiederholung kreist. Deleuze liefert dabei weder eine Philosophie der Mathematik im Sinne einer Grundlegung, noch soll die Mathematik zur Methode der Philosophie werden. Stattdessen ist sie eine Gegenspielerin der Philosophie: Die Philosophie liefert der Mathematik Widerstände und die Mathematik droht Themen der Philosophie ständig zu vereinnahmen.

Für Deleuze ist Mathematik in erster Linie Differentialrechnung. Diese ist nicht von ihren Anwendungen zu trennen: Biologie, Thermodynamik, Informationstheorie, Linguistik, … und dabei reicht die Perspektive auf die Mathematik von Topologie über Wahrscheinlichkeitsrechnung bis hin zu metamathematischen Problemen. Fluchtpunkt von Deleuzes Untersuchung ist das Problem der Kontrolle. Strukturen, so dynamisch sie auch begonnen haben mögen, altern. Sie verlangsamen sich, werden rigider, steifer, bestimmter und bestimmender. Deleuze sucht in der Philosophie nach Waffen für den politischen Kampf gegen die Kontrolle, deren Griff sich dank Mathematisierbarkeit immer mehr ausweitet. Kurz: Deleuzes radikaler Ansatz lässt sich systematisch bis an die Schwelle dessen entwickeln, was wir heute Algorithmenkritik nennen würden.

Methodisch nimmt die Arbeit dabei eine systematische Rekonstruktion vor, wobei Verbindungslinien zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen bewusst ernstgenommen werden. Die mit ihnen verbundenen Argumente werden entwickelt und gezielt weitergetrieben, um nachzuweisen, dass sie sich systematisch zusammenfügen lassen. Es zeigt sich schließlich, dass sich auf Überlegungen in Deleuzes Spätwerk und den gemeinsam mit Félix Guattari verfassten Texten aus Deleuze früheren Texten entwickeln und ausdeuten lassen: Deleuzes Philosophie erlaubt eine neue, kritische Perspektive auf algorithmische Kontrollregime.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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