Molekularer Bürgerkrieg: Keine „plumpe“ Fälschung

Nicht wissend, ob Weidel diese wirre und dem Inhalt nach eindeutig faschistische E-Mail geschrieben hat, bleibt freilich statt der Attribution, die andere mit anderen Mitteln vielleicht vornehmen könnten, gerade nur die begriffliche Analyse übrig: Könnte diese E-Mail eine Fälschung sein, wie die AfD in einer geradezu panisch erscheinenden Vorwärtsverteidigung behauptet? (Vgl. die taz, die noch andere Gründe anführt, wieso die E-Mail echt sein könnte.)

Nun, „könnte vielleicht“, wenn es auch nicht sonderlich wahrscheinlich wäre, da sie gut, aber nicht allzu perfekt in das Bild anderer E-Mails und Chat-Nachrichten, die von dieser Partei bekannt wurden, passt. Wieso sollte jemand so etwas fälschen, wo doch schon so viel analoger Müll aus dieser Partei bekannt geworden ist? Wieso auf einen Haufen scheißen, der schon so groß ist? Man fälscht ja auch Hitler-Tagebücher und nicht den Einkaufszettel von Anneliese Meier.

Sicher ist es aber keine „plumpe Fälschung“, wie die Partei behauptete, sondern wenn es eine Fälschung ist, was mich doch sehr überraschen würde, dann ist es einerseits eine überaus gute Fälschung: Gerade die Rede vom „molekularen Bürgerkrieg“, die ich hier ausführlich analysiert habe, greift einen unter Rechtsradikalen und Rechtsextremisten beliebten Topos auf. Die Fälschung könnte dann nur von jemandem stammen, der sich in rechtsradikalen und rechtsextremen Diskursfeldern sehr gut auskennt.

Wer sich aber andererseits so gut auskennt, hätte vielleicht eine wirksamere Fälschung hergestellt, die ein jüngeres Datum trägt oder auf mehr Insiderwissen aus der AfD setzt, das einem solchen Experten sicher bekannt wäre. Wenn man schon einen solchen extremen, da durch und durch faschistischen Text fälschen wollen würde, wieso fälschte man ihn dann nicht auf eine Weise, die wirksamer wäre als eine vier Jahre alte E-Mail, zu der sich in den wirren Reichsbürgerkreisen, zu denen die E-Mail überaus deutlich passt, leicht irgendeine bescheuerte Verschwörungstheorie stricken lässt?

Wissend, dass das sowieso getan wird – und zwar auch dann, wenn Weidel selbst die Echtheit der E-Mail bestätigen sollte –, könnte man auch einfach noch einen drauf legen, ohne etwas zu verlieren. – Und wieso zur Hölle sollte jemand eine E-Mail mit kaputten Umlauten fälschen?

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Lust am molekularen Bürgerkrieg

TL/DR: Ich weiß nicht, ob Weidel diese E-Mail geschrieben hat, aber wer auch immer diese E-Mail geschrieben hat, ist ein Faschist; nicht proto- oder halb-, sondern ganz und gar faschistisch! Diese E-Mail als „rassistisch“ zu bezeichnen, ist eine Verharmlosung. Für „Wehret den Anfängen“ ist es zu spät.

Die Deutschen haben es sich bequem gemacht, was die Frage angeht, wie man Faschisten erkennt. Durch unzählige Geschichtsdokumentationen wissen die Deutschen genau, dass man einen Faschisten am Zweifingerbart erkennen kann. Klügere Zeitgenossen wissen hingegen, dass die Sprache schon lange vor den Vernichtungslagern Hinweise auf den Faschismus und seine protofaschistischen Vorformen liefert. Nicht zufällig darf bis heute Victor Klemperers LTI in keinem besseren Bücherregal fehlen. Sprachkritik ist eine der antifaschistischsten Denkübungen überhaupt: Es gilt denen, die mit Hetze, Hass und Lust an Gewalt flirten, gründlich aufs Maul zu schauen. Diese Aufgabe beginnt freilich damit, seltsamen Formulierungen nachzugehen, die dem ungeübten Auge allenfalls als wunderlich oder als Fehlleistung erscheinen. Wie kaum für einen anderen Politiker der AfD wurde dies für Bernd herausgestellt, dessen Gefasel von der „organischen Marktwirtschaft“ bereits alle Alarmglocken bei den geübten Sprachkritiker_innen schrillen lässt. Über eine ähnliche und sogar noch wunderlichere Formulierung konnten wir uns jüngst dank einer E-Mail wundern, die mutmaßlich von der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel 2013 verfasst wurde: Es ist nicht die schwachsinnige, da reichsbürgerhafte Rede von den „Marionetten der Siegermaechte[sic]“, sondern eine spezifische, eher subtile, aber lustvolle Referenz auf Gewalt. Die Aufgabe dieser „Schweine“, womit die mutmaßliche Autorin offenbar die deutschen Regierungen meint, sei es nämlich …

… das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen. (Quelle 1; Quelle 2)

Warum sollte die mutmaßliche Autorin Bürgerkriege „molekular“ nennen? Im eigentlichen Wortsinn können Bürgerkriege nicht „molekular“ sein. Es ist also offenbar irgendeine Form von Metapher. Nun sind Neuschöpfungen von Metaphern selten, sodass es sich lohnt zu fragen, ob die mutmaßliche Autorin Formulierung übernommen hat und wenn ja, woher. Die von ihr in der mutmaßlichen E-Mail verlinkte Webseite, die offensichtlich dem Denken der Reichsbürger zumindest nahe steht, liefert diese Formulierung jedenfalls nicht, zumindest nicht in dieser Form: Dass der Bürgerkrieg zwangsläufig kommen soll, behauptet diese Seite nämlich sehr wohl und weiß in den Flüchtlingen auch die Schuldigen auszumachen. Woher stammt also die Kombination von „Bürgerkrieg“ und „molekular“? – Die Frage ist nicht trivial: Ihre Antwort gibt uns einen Hinweis darauf, was die Autorin gelesen hat; mehr noch: Sie gibt uns einen Hinweis auf das ganze „Denkuniversum“ der Autorin. In diesem Fall ist die Antwort recht eindeutig, wie sie sich zeigen wird.

Ausblicke auf den Bürgerkrieg

Die Wendung taucht im Deutschen offenbar zum ersten Mal 1981 in einer Besprechung Carl von Linnés Nemesis Divina auf, die Hans Magnus Enzensberger für den Spiegel anlässlich deren Übersetzung ins Deutsche verfasst hat. Hier beschreibt Enzensberger einen paranoiden Linné, der sich der Zwangsvorstellung einer göttlichen Vergeltung angesichts gesellschaftlicher Unordnung – etwa durch korrupte Beamte – hingibt, eine Symmetrie zwischen Schuld und Vergeltung sucht und vielleicht seinen eigenen Sadismus nach außen projiziert. Das klingt nach einer schönen Quelle für die Wendung vom molekularen Bürgerkrieg, aber offenbar findet sich diese Wendung nicht bei Linné, sondern wurde von Enzensberger zur Charakterisierung der Akte von Rachsucht und Brutalität, in denen nach Enzensberger „nach Herzenslust gerädert, geköpft und gevierteilt“ wurde, von woanders her genommen. Bevor ich auf einen entsprechenden Verdacht eingehen möchte, lohnt es sich vielleicht, die Wendung bei Enzensberger selbst noch ein Stück zu verfolgen. Dieser hatte nämlich 1993 ebenfalls im Spiegel „Ausblicke auf den Bürgerkrieg“ gewagt, die sein hier mangels Verfügbarkeit nicht berücksichtigtes Buch Aussichten auf den Bürgerkrieg flankierten.

Vor dem geschichtlichen Hintergrund des Jugoslawienkriegs diskutiert Enzensberger den Aufstieg des Bürgerkriegs zur dominierenden Form des bewaffneten Konflikts nach dem Ende des Kalten Krieges. Nicht nur seien die Bürgerkriege aber zu einem Signum der neuen Weltunordnung geworden, so Enzensberger, sie unterschieden sich auch von den alten großen Bürgerkriegen, die noch von staatlichen Mächten angezettelt worden seien: Die heutigen Bürgerkriege, so schreibt er 1993, schienen sich spontan und von innen heraus zu entzünden. Auch sei es zu einer Selbsttäuschung geworden, Bürgerkriege nur in großer Entfernung von uns zu verorten:

In Wirklichkeit ist der Bürgerkrieg längst in die Metropolen eingewandert. Seine Metastasen gehören zum Alltag der großen Städte, nicht nur in Lima und Johannesburg, in Bombay und Rio, sondern auch in Paris und Berlin, in Detroit und Birmingham, in Mailand und Hamburg. Geführt wird er nicht nur von Terroristen und Geheimdiensten, Mafiosi und Skinheads, Drogengangs und Todesschwadronen, Neonazis und Schwarzen Sheriffs, sondern auch von unauffälligen Bürgern, die sich über Nacht in Hooligans, Brandstifter, Amokläufer und Serienkiller verwandeln. Wie in den afrikanischen Kriegen werden diese Mutanten immer jünger. (Ebd., 171)

Wer vermutet, dass Enzensberger hier eine Art der Paranoia beschreibt, liegt richtig, denn wir dürften uns nicht vormachen, es herrsche Frieden, so Enzensberger weiter, wenn wir Brötchen holen könnten, ohne dabei von Heckenschützen erschossen, „abgeknallt“ zu werden wie Enzensberger sagt. „Der Bürgerkrieg kommt nicht von außen, er ist kein eingeschleppter Virus, sondern ein endogener Prozeß.“ Dass die Barbarei in der Aufklärung noch angelegt ist, gehört spätestens seit der Dialektik der Aufklärung zu den Allgemeinplätzen unseres Denkens. Versuchen wir also nicht, diese Dialektik zu verfolgen, sondern bleiben bei der Paranoia. „Begonnen wird er (der Bürgerkrieg – KD) stets von einer Minderheit; wahrscheinlich genügt es, wenn jeder hundertste ihn will, um ein zivilisiertes Zusammenleben unmöglich zu machen.“ Enzensberger zeichnet große Linien vom Berliner Autonomen bis zum Dschungelkrieger in Kambodscha, was aber keine bloße Panikmache sei, da es auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sei: „Das ist, zum einen, der autistische Charakter der Täter und, zum anderen, ihre Unfähigkeit, zwischen Zerstörung und Selbstzerstörung zu unterscheiden. In den Bürgerkriegen der Gegenwart ist jede Legitimation verdampft. Gewalt hat sich von allen ideologischen Begründungen befreit.“ Dieser gemeinsame Nenner wirkt auf den ersten Blich zu abstrakt, um derartige weitgreifende Linien zu rechtfertigen. Es lohnt sich aber, die Abstraktion auszuhalten, die jenseits der Paranoia den Begriff entleert, diesseits aber zu einem interessanten Untersuchungsgegenstand macht. Zunächst sollten wir festhalten, wen Enzensberger als unsere eigenen (deutschen) Teilnehmer am molekularen Bürgerkrieg ausmacht, womit auch die Abstraktion als notwendig ausgewiesen ist:

Man nennt sie Rechtsradikale oder Neonazis; damit glaubt man zu wissen, was von ihnen zu halten ist. Aber auch hier ist die Ideologie bloße Maskerade. Der jugendliche Mörder, der Jagd auf Wehrlose macht, gibt, nach seinen Motiven gefragt, folgende Auskünfte: ‚Ich habe mir nichts dabei gedacht.‘ ‚Mir war langweilig.‘ ‚Die Ausländer waren mir irgendwie unangenehm.‘ Das genügt. Vom Nationalsozialismus weiß er nichts. Die Geschichte interessiert ihn nicht. […] ‚Deutschtum‘ ist ein Slogan ohne jeden Inhalt, der nur dazu dient, die Leerstellen im Gehirn zu besetzen. (Ebd.)

Nur ein Dummkopf würde hier „ich wusste es!“ aufschreien und verkünden, schon Enzensberger habe gewusst, dass es sich bei der AfD nicht um Faschisten handeln kann. Die analytische Präzision, die zur Einordnung dieser Stelle erforderlich ist, ist nicht sehr hoch, dürfte aber die meisten überfordern. Was Enzensberger beschreibt ist im Falle des molekularen Bürgerkriegs eine ideologische Entleerung, die eine nackte Lust an der Gewalt freilegt, die sich anschließend, nachdem sie sich in Gewalt aktualisiert hat, in einem geradezu postmodernen Zeichen- und Maskenspiel ex post als wahlweise Rassismus oder Behindertenfreundlichkeit oder sonst wie rationalisieren lässt. Dabei handelt es sich dann aber keineswegs, um eine Konkretisierung, sondern bloß um eine weitere Abstraktion: Dass diese Begriffe nämlich vollkommen ungeeignet sind, das Phänomen zu beschreiben, erkennt man leicht daran, dass mit ihnen Merkmale der tatsächlich beliebig gewählten Opfer zu Merkmalen der Motivationslage der Täter umcodiert werden. Die so weit von uns freigelegte Stärke des Begriffs des „molekularen Bürgerkriegs“ besteht darin, dass er die Gewaltbereitschaft und noch die Gewalt selbst abstrakt als eine Aktualisierung einer latent vorhandenen Gewaltlust zu deuten erlaubt. Dies ist freilich seine scheinbar offensichtlichste Schwäche, da er es erlaubt, konkrete politische Prozesse weitgehend auszublenden. Es handelt sich freilich um eine harmlose Schwäche, der mit intellektueller Disziplin zu begegnen ist, indem nämlich diese Frage trotzdem immer wieder aufgeworfen wird. Zuvor dürfen wir aber uns eine Pointe des Begriffs nicht entgehen lassen: Gerade da die Aktualisierung der Gewaltlust von Ideologie befreit ist, findet sich hier ein Medium, welches in bester Metapolitik faschistisch rekrutiert werden kann, sofern es gelingt, sich von der Abstraktion zu lösen. Weiß der Täter nämlich nichts vom Nationalsozialismus und interessiert ihn Geschichte nicht, so lässt sich ihm das alte faschistische Denken in identitärer Verpackung neu einflößen und aus dem dummen Schläger ein fröhlicher Soldat für das kommende Vierte Reich formen. Entsprechend ist es ein Irrtum, Radikalisierung schlicht dort zu sehen, wo jemand gewalttätig zu werden droht. Ich glaube, stattdessen sollten wir zugeben, dass die Gewalt auch hier meist das Ältere ist und, da wir wieder einfach zugesehen haben, von den neuen Faschisten für die eigenen Zwecke vereinnahmt werden konnte. Nicht umsonst haben wir immer wieder gesehen, dass Terroristen bereits zuvor eine unideologische Geschichte der Gewalt hatten. Wer hierbei an die Banalität des Bösen denkt, liegt richtig. Erst durchdringt der Hass und damit die Lust an der Gewalt „alle Poren des täglichen Lebens“ (Arendt?), bevor beide sich anlässlich irgendeines belanglosen Unterschieds lebensgefährlich entladen. Dies ist der endogene Prozess des molekularen Bürgerkriegs. Und wer statt an Arendt jetzt an Deleuze und Guattari denkt, liegt auch richtig. Aber ich muss auch hierfür noch für einen Moment um Geduld bitten. Es lohnt sich, den Begriff des „molekularen Bürgerkriegs“ noch ein Stück weiter zu verfolgen:

Nicht radikal genug

Enzensberger hat ihn neben dem Beitrag zum Spiegel von 1993 noch in einem Buch aus dem selben Jahr aufgegriffen, dass mir gerade leider nicht zur Verfügung steht, auf das sich aber ein gewisser Felix Menzel bezieht – seines Zeichens eine Schlüsselfigur der rechtsextremen Identitären Bewegung in Deutschland, wenn man der Wikipedia glaubt –, wenn er in einer Publikationsorgan namens Blaue Narzisse, auf das ich aus Gründen der Hygiene hier nicht verlinken werde, im Februar 2011 von westlichen Großstädten, in denen laut ihm mehrheitlich Ausländer leben, schreibt: „Es hört sich wie ein Horrorszenario an, das aber bereits Realität ist. Unweigerlich stellt sich die Frage, warum niemand in der Stadt aufbegehrt und warum das Pulverfaß nicht hochgeht?“ Menzel ist auf der Suche nach Anzeichen für „[s]tumme Kriegserklärungen, die jeder erfahrene Städter versteht und deshalb verschwindet“, wenn er auf einem „beliebte[n] intellektuelle[n] Ansatz, das Wesen der Überfremdung in europäischen Großstädten zu erfassen,“ zu sprechen kommt und wenig überraschend eine „Steilvorlage“ im molekularen Bürgerkrieg des Hans Magnus Enzensberger findet, den wir gerade besichtigt haben. Aus dessen Buch zitiert Menzel:

Der Anfang ist unblutig, die Indizien sind harmlos. Der molekulare Bürgerkrieg beginnt unmerklich, ohne allgemeine Mobilmachung. Allmählich mehrt sich der Müll am Straßenrand. Im Park häufen sich Spritzen und zerbrochene Bierflaschen. An den Wänden tauchen überall monotone Graffiti auf, deren einzige Botschaft der Autismus ist: sie beschwören ein Ich, das nicht mehr vorhanden ist. Im Schulzimmer werden die Möbel zertrümmert, in den Vorgärten stinkt es nach Scheiße und Urin. Es handelt sich um winzige, stumme Kriegserklärungen, die der erfahrene Städtebewohner zu deuten weiß.

Menzel deutet den molekularen Bürgerkrieg hier als einen „Indikator für Verfallserscheinungen“ und behauptet zugleich keine „vorschnelle Interpretation“ vorzunehmen, die „die Realität zu verschleiern“ drohe. Nun ist mir nicht bekannt, wo Menzel Begriffsarbeit gelernt hat, aber ich hoffe, dass er nichts dafür bezahlen musste, wenn er uns wissen lässt, dass das „Konstrukt“ des molekularen Bürgerkriegs (er meint wohl: Begriff) „rein auf die Wirklichkeit ausgerichtet ist und mit dem zunächst Phänomene wertfrei einzuordnen sind“. Aber das soll uns nicht weiter stören, denn er macht ja sofort einen Nachteil dieses „Konstruktes“ aus: Der Begriff liefert ihm nämlich zu wenig Möglichkeiten, Gewalt in Chemnitz von Gewalt in einem Ausländergetto in Rotterdam zu unterscheiden. Dieses angebliche Ausländer Getto in Rotterdam wird sodann für Menzel zu einem Phantasma, in dem „wöchentlich mehrere polygame Ehen … geschlossen werden.“ Natürlich nach dem Recht der Scharia. Schneiden wir die halberotisierenden Fantasien über das Fremde, die für rechte Autoren erstaunlich typisch sind, großzügig weg und versuchen Menzels Verwendung des Begriffs des molekularen Bürgerkriegs herauszuarbeiten: Menzel bemerkt richtig, dass für Enzensberger der molekulare Bürgerkrieg sich dadurch auszeichnet, dass die Lust an der Gewalt von jeder Ideologie entkleidet ist. Kurz, ihm ist der Begriff offenbar nicht radikal genug:

Der molekulare Bürgerkrieg ist eine romantische Vorstellung. Er tut niemandem entscheidend weh – am wenigsten dem Intellektuellen, der ihn entwirft. In diesem Konstrukt ist die Sehnsucht angelegt, das Pulverfaß der Überfremdung möge doch bald einmal platzen. Die Lage dagegen ist eine andere: Die Fremden richten sich in entortenden Verortungen ein, pflegen ihre Religion und ihre Überzeugungen – so gut es eben in einer für sie fremden Welt geht. Sie bauen Institutionen und eine Gegenkultur auf, die von der Dekadenz des Westens zwar beeinflußt wird, aber immer noch um ein Vielfaches vitaler ist als die gegenwärtigen Kulturleistungen der Europäer.

Menzels Empörung ist unübersehbar. Und er verzeiht es Enzensberger offenbar nicht, dass dessen Begriff nicht die Brutalität liefert, die Menzel sich wünscht. Wir können aus seinem Beitrag einiges lernen: Erstens erfahren wir, dass der Begriff sehr wohl Karriere gemacht hat und zwar in rechten Kreisen. Tatsächlich lassen sich hier und da entsprechende Diskussionen in Bezug auf Enzensberger in rechtsradikalen und rechtsextremen Foren finden. Die Recherche bleibt der Leser_in zur Übung überlassen! (Bitte eine Spucktüte zur Hand nehmen.) Zweitens, dass der Begriff gerne in einer Rede gegen den Islam eingesetzt wird, wozu er sich, wie Menzel richtig bemerkt, nicht eignet, zumal Enzensberger zumindest für Deutschland gerade die Neonazis als Begriffspersonen ausgemacht hatte. Drittens lernen wir, dass die Identitäre Bewegung – zumindest in der Gestalt Menzels – es gerne noch radikaler hätte, also darüber trauert, dass in diesem „Konstrukt“ die Sehnsucht nach Gewalt nur angelegt ist, aber über eine romantische Vorstellung nicht hinauskommt. Entscheidend ist hier nebenbei bemerkt, dass Menzel im Islam gerade kein Latenzphänomen sieht, wie es für eine Instantiierung des „molekularen Bürgerkriegs“ erforderlich wäre, sondern letztlich eine aus seiner Sicht natürlich abzulehnende Alternative zur eigenen Sehnsucht nach einer die „Dekadenz des Westens“ beseitigenden „Kulturleistung“. An anderer Stelle könnte dies Anlass zu einer Beschäftigung mit Carl Schmitt liefern, womit sich zeigen ließe, dass die Autoritätsliebe der Identitären dem radikalen Islamismus (nicht: dem Islam) nahe steht, während beide in ihrer Ablehnung der liberalen Gesellschaften übereinkommen, diese also beiden als absoluter Feind dient.

Vera Lengsfeld will auch

Bevor wir kurz zu Deleuze und Guattari und dann noch einmal zu mutmaßlichen Autorin kommen, lohnt es sich vielleicht, auf einen Text von Vera Lengsfeld einzugehen: Erst im März 2017, also nach der hier zu untersuchenden E-Mail und höchstwahrscheinlich ohne Kenntnis derselben, greift sie den Begriff des „molekularen Bürgerkriegs“ auf, zitiert den Titel des Buches von Enzensberger falsch und datiert es auch noch auf ein Jahr zu spät. Ähnlich präzise charakterisiert sie den Begriff des molekularen Bürgerkriegs mit konsequent falscher Interpunktion und ohne korrektes Zitieren. Tatsächlich wäre ihr Text deutlich zu dumm und verdiente keinerlei Aufmerksamkeit, wenn er nicht an einer entscheidenden Stelle symptomatisch wäre:

Die Aggressionen richten sich gegen Wehrlose. Die Täter, fast ausschließlich junge Männer, hacken wahllos auf Menschen ein, schubsen sie auf Gleise oder walzen sie mit einem Lastkraftwagen nieder. Inzwischen ist das eine fast alltägliche Meldung bei uns geworden. Enzensberger stellt ausdrücklich auch die ideologische Substanz des islamistischen Fundamentalismus infrage, der mit der historischen Hochreligion nichts zu tun habe. … Damit trachten sie (die Islamisten – KD), allen überflüssigen Menschen an die Gurgel zu gehen. Überflüssig ist, wer keine Waffe besitzt. (Quelle)

Dies ist das Symptom: Wo Enzensberger noch die Neonazis als Begriffspersonen ausmachte und wo ein Identitärer die fehlende Radikalität des Begriffs beklagte, wird der sich aus einer Vielzahl von Gründen fragwürdige Begriff Enzensbergers unbeschadet etwaiger Referenzen auf den Islam bei ihm selbst zu einem pseudointellektuellen Anlass zur billigsten Hetze gegen den Islam vulgarisiert – freilich nicht ohne die üblichen Topoi der Rechten zu bedienen (Lengsfeld: „Die Medien spielen eine verhängnisvolle Rolle, weil ihre Berichterstattung den Bürgerkrieg fördert.“) und die eigene Lust an der Gewaltfantasie herauszustellen: „Vor der Aggression liegt die Phase der Resignation, die wir im Augenblick erleben. Je deutlicher die Anzeichen für einen heißen Bürgerkrieg werden, desto stiller wird es im Land. Es scheint aber nicht die Stille vor dem (Protest-)Sturm, sondern die Stille vor dem Schuss zu sein.“ (Ebd.) Wo Lengsfeld noch kommentarlos und vielleicht unabsichtlich an einer Stelle Enzenbergers ursprünglichen Hinweis auf rechtsextreme Schläger mitzitiert, verdummt ein anonymer Schmierfink auf einer Webseite, die sich explizit dem Islamhass widmet, den Begriff noch weiter und dreht die Gewaltlustspirale vom Molekularen ernsthaft auf das Atomare: „Ich wäre mir da nicht ganz so sicher, dass es stets bei diesen ‚molekularen‘ Bürgerkriegen bleibt, ich könnte mir nämlich auch sehr gut vorstellen, dass daraus ein atomarer Flächenbrand werden könnte“ – auch hier aus hygienischen Gründen kein Link.

Deleuze und Guattari

Kommen wir zu Deleuze und Guattari: Der gerade zitierte Verweis auf das Atomare zeigt, wie wenig die Rede vom Molekularen selbst von den Rechten verstanden wurde und wird. Ich hatte sie oben zwar bereits als eine Art Latenzphänomen charakterisiert, möchte sie nun aber noch einmal gründlicher in den Blick nehmen, um die Faschismustheorie, die Deleuze und Guattari in den Tausend Plateaus abgelegt haben und zu der ich schon seit Jahren etwas schreiben möchte, wenigstens in aller Kürze anzureißen. Dort geben sich Deleuze und Guattari nämlich nicht der bequemen Illusion hin, der Faschismus komme als ein vollständig entwickeltes totalitäres Makrosystem über uns, sondern sie versuchen zu zeigen, wie sich der Faschismus aus Mikro-Faschismen entwickelt, die sich in den winzigsten Löchern, Nischen, vielleicht Poren des alltäglichen Lebens festsetzen können (TP, 292), sodass es sehr wohl möglich ist, auf makroskopischer Ebene, d. h. molarer Ebene, sogar noch ein Antifaschist zu sein, aber auf mikroskopischer, also molekularer Ebene einen Faschismus zu pflegen, der noch das eigene Begehren, die Lust, die Sehnsucht besetzt und in eine zerstörerische Kraft verwandelt, die dazu treibt die eigene Unterdrückung zu wünschen. Es ist diese mikroskopische, molekulare Besetzung, die den Faschismus für Deleuze und Guattari auszeichnet: „Der Faschismus wird durch seine mikro-politische oder molekulare Macht gefährlich, denn er ist eine Massenbewegung: eher ein krebsbefallener Körper als ein totalitärer Organismus.“ (TP, 293) Der Makro-Faschismus kristallisiert sich aus den Mikro-Faschismen heraus. (TP, 311) Und hier finden beide ein Paradox des Faschismus, durch das er sich vom Totalitarismus unterscheiden lässt: Wo der Totalitarismus eine Angelegenheit des Staates ist, also vom Staat ausgeht, entwickelt sich der Faschismus gewissermaßen von unten nach oben, sodass der Faschismus existiert lange bevor er sich den Staat einverleiben kann: (TP, 314)

Diese Verkehrung der Fluchtlinie [hier: eine Art Abstraktions- und Konkretisierungsprozess – KD] in eine Destruktionslinie belebte schon alle molekularen Unruheherde des Faschismus und ließ sie eher in einer Kriegsmaschine zusammenwirken als Resonanz in einem Staatsapparat finden. Eine Kriegsmaschine, deren einziges Ziel der Krieg war und die eher dazu bereit war, ihre eigenen Diener zu vernichten, als der Zerstörung Einhalt zu gebieten. Gegenüber dieser Gefahr sind alle Gefahren der anderen Linien nur gering. (TP, 316)

Die Kriegsmaschine ist präzise nichts anderes als die Aktualisierung der latenten Gewaltlust, die Enzensberger durch den molekularen Bürgerkrieg zu markieren suchte. Auch er beschrieb nichts anderes als eine eher erratische als organisierte Gewalt, für die Ideologie zunächst eine bloße Maskerade ist, die sich aber – so können wir jetzt sehen – für den Faschismus jederzeit vereinnahmen lässt, wodurch er gerade kristallisiert. Das, was uns an der Oberfläche vielleicht als ein Rassismus entgegentritt, der eine deutsche Politikerin „entsorgen“ möchte oder von einer „organischen Marktwirtschaft“ ohne alle Freiräume träumt, ist gerade nichts anderes als das Sprachspiel, in dem diese Kristallisierung stattfindet. Noch einmal: Was Bernd und die anderen von sich geben, ist nicht der Faschismus selbst oder ein Zeichen des Faschismus, sondern das Sprachspiel, dass den Faschismus aus dem Molekularen heraus erschafft. Wäre das Molekulare nicht bereits verheert und von Hass trunken gemacht, fände diese Hetze keinerlei Resonanzboden. Es ist dabei völlig unerheblich für den Faschismus, wer der Feind ist, solange sich der Feind in einer bestimmten Form als Feind markieren lässt, wie es mit im Fall des Antisemitismus jederzeit möglich ist und was uns wieder auf das Problem führt, was erst im Zusammenhang mit Carl Schmitt zu untersuchen sein wird.

Diese E-Mail

Entscheidend ist an dieser Stelle, die Form des Übergangs vom Molekularen zum Molaren. Was die mutmaßliche Autorin tut und zwar nicht nur in dieser E-Mail, ist der Versuch die Mikro-Faschismen, die im Molekularen bereits angelegt sind, zueinander in eine Resonanz zu bringen, indem sie deren quasi beliebiges Feinddenken auf einen Brennpunkt hin ausrichtet: die „Ueberfremdung“. Es ist gerade doch der Kummer dieses Identitären gewesen, dass der Begriff vom molekularen Bürgerkrieg die Gewaltlust auf Mikroebene zu beschreiben vermochte, es aber nicht leistete, diese Gewaltlust auf seinen Feind zu fokussieren. Das hält hingegen die Faschisten nicht davon ab, diese Fokussierung gewissermaßen manuell vorzunehmen, indem sie den Begriff vulgarisieren, wozu sie ständig wiederholen, dass es eigentlich um den Islam ginge, der – wie gesehen – bei Enzensberger 1993 eine kleinere Rolle spielte als die rechtsextremistischen Schläger. Dieses Sprachspiel ist Begriffspolitik vom Feinsten: Man nimmt einen mehr oder minder funktionierenden Begriff, der ein Phänomen beschreibt, dass man sich zunutze machen möchte, und konnotiert ihn so um, dass der gewünschte Zweck in ihn eingeschrieben wird. Dies gelingt nicht durch Argumente, sondern nur durch beständige Wiederholung. Und diese Wiederholung ist es dann schließlich, die eine scheinbare Wahrheit produziert, die in einer perversen Form von Vernunft den Faschismus als Antwort erscheinen lässt. – Werfen wir vielleicht noch mal einen Blick auf die mutmaßliche E-Mail:

Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden. Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen.

Hier finden wir genau das wieder, was wir gerade herauszuarbeiten vermochten: Das Projekt einer Refokussierung der Gewaltlust und zwar weg von beliebigen Opfern hin zu präzise ausgemachten Feinden: Angebliche Fremde und eine angeblich verfassungsfeindliche Regierung. Dass diese den „molekularen Bürgerkrieg“ (begriffswidrig) „induzieren“ wollten, ist freilich nichts als der Versuch davon abzulenken, dass die Autorin den Rahm einer von ihr selbst bespielten Paranoia abschöpfen möchte. Es spricht den Faschisten der AfD zu viel Macht zu, ihnen alleine die Schuld an der zunehmenden Gewaltlust in der Bevölkerung zu geben. Dieses Problem ist unendlich komplexer und sehr viel älter als die AfD. Das sollte freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die AfD alles tut, um die Gewaltlust in der Bevölkerung zu fördern. Sie tun damit etwas, was mich an etwas erinnert, was mein Professor, bei dem ich Nationalsozialismus gehört habe, immer über die Nazis sagte: Sie seien sehr gut darin gewesen, günstige Gelegenheiten für sich auszunutzen. Die gebrochenen Biografien nach der Wiedervereinigung, die Perspektivlosigkeit nach der Deindustrialisierung der neuen Bundesländer, die Entwürdigung durch Gesetze wie Hartz IV, … – All das hat neben vielem anderen zu einer latenten, aber nichtsdestoweniger höchst destruktiven Aggression beigetragen, die die AfD nun mobilisiert, um den Faschismus, den sie sich erträumt, zum Kristallisieren zu bringen. Entsprechend sind die entscheidenden Kriterien, an denen wir den Faschismus erkennen können, nicht der Zweifingerbart, sondern das Fördern, das Unterhalten, das Abschöpfen, das Fokussieren und Ideologisieren von Lust an Gewalt. Ihre Fans, kurz für: Fanatiker, sind bereits unfähig, zwischen Zerstörung und Selbstzerstörung zu unterscheiden. Die blutigen Träume von den Schießbefehlen an der Grenze oder der Ermordung von Politiker_innen sind daher keine Einzelfälle, sondern Wesensmerkmal der AfD. Sie dienen der Kristallisierung, die nichts anderes als die oben gesuchte Konkretisierung ist. Wir wissen alle, dass die Distanzierung von solchen Ausbrüchen zum bloßen Schein erfolgen und von denen, die an der Gewaltlust bereits besoffen sind, richtig verstanden werden. Die AfD berauscht sich hieran. Die mutmaßliche Autor_in haben wir jetzt mit den Fingern in der braunen Keksdose erwischt. Das ist sicher kein Einzelfall und es wird keine Konsequenzen haben. Dazu ist es bereits zu spät: Die TV-Auftritte sind schon gebucht.

 

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Grund- und Erfahrungssätze

TL/DR: Homöopathie ist ab der ersten Zeile dogmatisch gesetzter Betrug und Hahnemann hat es selbst zugegeben.

Es komme jemand daher und sage:

similia similibus curentur – von diesem Grundsatz geht die Homöopathie aus.“

Der Satz ist dumm genug, so dass er eigentlich keinen Widerspruch verdient. Nur leben wir nicht in dummen, sondern in dümmsten Zeiten. Wir müssen also darauf antworten, um wenigstens in einem kurzen und glücklichen Moment der Dummheit Schaden anzutun. Antworten könnten wir vielleicht so:

„Ähnliches möge durch ähnliches geheilt werden“? Ja, „curentur“, also Konjunktiv Präsens Passiv, nicht „curantur“, was der entsprechende Indikativ wäre. Die Quacksalberei schmiert es einem so deutlich aufs Brot, dass niemand die Lüge übersehen kann: Der Konjunktiv markiert hier keinen Erfahrungssatz, sondern eine zum Grundsatz aufgeblasene Annahme. Die Quacksalberei setzt also die Selektionsstrategie dogmatisch. Ein Irrsinn, den man kaum zu deutlich als verlogen und betrügerisch herausstellen kann, der als ernsthaft vorgetragene Auffassung freilich nur mit ausgiebiger Fäkalsprache angemessen gewürdigt werden könnte. – Aber langsam und in des Betrügers eigenen Worten:

Im Gegentheile hievon lag die Wahrheit, der ächte Heilweg, zu welchem ich in diesem Werke die Anleitung gebe: wähle, um sanft, schnell und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (ὅμοιον πάϑος) vor sich erregen kann, als sie heilen soll (similia similibus curentur)! Diesen homöopathischen Heilweg lehrte bisher niemand.[1]

Nun, vermutlich hat dies bereits deshalb bisher niemand gelehrt (und danach auch nie wieder jemand, der alle Tassen im Schrank zu haben pflegte), weil es schlicht Dünnschiss ist. Der springende Punkt ist aber tatsächlich das „e“, wo ein „a“ sein müsste. Man könnte ja auf die Idee kommen, dass „similia similibus curantur“ gelte, wenn man sagte, dass Ähnliches durch ähnliches geheilt würde. Dann hätte man einen prüfbaren Satz: Man wende zur Prüfung diese Selektionsstrategie („wähle, um sanft, schnell und dauerhaft zu heilen, …“) an und bewerte die Ergebnisse im Vergleich zu einer anderen Strategie, etwa dieser: „wähle, um sanft, schnell und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche der Erfahrung nach das Leiden sanft, schnell und dauerhaft zu heilen vermag“). Hahnemann scheißt auf die Erfahrung, ja, er lehnt die Erfahrung ab, er will feststehende Gründe, wie er selbst schreibt:

Man kurirte bisher die Krankheiten der Menschen nicht rationell, nicht nach feststehenden Gründen, sondern nach sehr verschiednen Heilzwecken, unter andern auch nach der palliativen Regel: contraria contrariis curentur.[1]

Es lohnt sich diesen Dünnschiss einmal sehr langsam zu lesen: Bisher kurierte man „nicht rationell“ und „nicht nach feststehenden Gründen“. Selbst wenn man die Behauptung, es habe eine palliative oder allopathische Regel gegeben, zugesteht, ist bereit in den ersten drei Zeilen des „Organon der rationellen Heilkunde“ das Verbrechen gegen die Heilkunde angelegt und fast schon ausgeführt: Die Gründe sollen, so der Betrüger, „rationell“ und „feststehend“ sein. Wer – wie die meisten Heilpraktiker*innen – keinerlei ernsthafte Ausbildung genossen hat, mag „rationell“ vielleicht mit viel Glück als „wirtschaftlich“ lesen, was es heute tatsächlich bedeutet. „Rationell“, also „wirtschaftlich“, bezieht sich auf den sparsamen Einsatz von Mitteln und heute insbesondere auf die Maximierung des Gewinns. Tatsächlich verspricht fast nichts eine größere Gewinnspanne, als Zucker zum 400-fachen Preis zu verscherbeln, wie es im Homöopathie-Betrug Mode ist. Es lohnt sich hingegen, das Wort hier einmal probeweise als „rational“ zu lesen, was schlicht „vernünftig“ bedeutet. Und tatsächlich können wir um 1810 die beiden Wörter noch sehr viel näher zueinander stellen. Selbst wenn nicht, kann man das Folgende genauso aus den „feststehenden Gründen“ ziehen, man muss nur – wenig rationell – einen kleinen Umweg im Denken machen. Bleiben wir aber bei „rational“ und überlassen den Umweg anderen: Bekannt ist vielleicht der Streit zwischen Rationalismus und Empirismus, zwischen der Priorisierung der Vernunfterkenntnis gegenüber den Erfahrungstatsachen im ersten Fall bzw. deren Unterordnung unter diese im zweiten Fall. Nun wäre es völlig abwegig, einem Heini wie Hahnemann eine profunde Kenntnis der Philosophie zu unterstellen, zumindest ohne dabei in wirres Kichern verfallen zu wollen, und es wäre auch für 1810 schon etwas veraltet, an einer solchen Unterscheidung im Ernst festzuhalten, aber es trifft doch dieses und es trifft es gut: Hahnemann will nicht von Erfahrungssätzen, die beschreiben, was wir in der Welt beobachtet haben, ausgehen, sondern von dogmatischen Setzungen, Gründen nämlich, die nicht mehr hinterfragt werden dürfen. Es ist keine Erfahrung, dass Ähnliches ähnliches heilt. Erfahrungswissen ist entsprechend zu verbieten, da sie den feststehenden Grund angreift und empirisch (vulgo: evidenzbasiert), also gerade nicht „rationell“ ist. Und das schreibt er tief in sein Delirium ein: „e“ statt „a“. An die Stelle der widerlegbaren Behauptung tritt die dogmatische Forderung – und bekanntlich ist die Erfahrungstatsache, dass sich der Homöopathie-Betrug auf keine Weise wissenschaftlich zu bewähren vermag, für die Anhänger*innen des Betrugs der Markel der Wissenschaft: „Wir haben noch nicht herausgefunden, wie man die Wirksamkeit beweisen kann.“

Ab ovo ist die Homöopathie gegen Erfahrung, gegen Lernen, gegen Wissen (im alten wie erst recht im neuen Sinne) gerichtet. Sie ist eine dogmatische Heiligenverehrung, ein Fest der Autoritätsargumente, eine narzisstische Lust am Leiden im Namen der eigenen Ideologie. Sie ist Anti-Wissenschaft im härtesten, scheußlichsten und tödlichsten Sinn.

 

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Soll man Nazis töten? Notizen zum Problem der offenen Debatte

TL;DR/DU: Die Rechten fordern nur zum Schein eine »offene Diskussionskultur«. Man darf ihnen nicht auf den Leim gehen.

Es kommen ja immer mal wieder Leute mit der Position an, man müsse das Recht auf eine offene Debatte gegen diejenigen verteidigen, die „immer gleich“ „Nazi!“ rufen. Diese Position ist natürlich Käse, allein da niemand „immer gleich“ „Nazi!“ ruft, auch wenn sich die Nazis das natürlich so einbilden, so einbilden müssen: Sie ruft man ja tatsächlich immer gleich „Nazi!“ – was denn auch sonst? Waschmaschine? Diese subjektive Erfahrung aber generalisieren zu wollen, hätte etwas davon, dass ich mir einbildete, ausnahmslos alle Menschen würden als dick bezeichnet werden, da ich so bezeichnet würde. Man könnte also das Geheule einfach Geheule sein lassen, wäre die genannte Position nicht so lästig wie eine unerwartet flinke Obstfliege. (Zur ausgewachsenen Schmeißfliege reicht es angesichts ihrer argumentativen Schwachbrüstigkeit nicht.) Lässt man das Geheule also nolens volens nicht einfach Geheule sein, so müsste man wohl etwas antworten wie:

Selbst wenn man die Position verträte, dass das Recht auf eine offene Debatte jederzeit und gar schrankenlos zu verteidigen sei, so müsste man doch zugeben, dass wir einige Anforderung zu stellen hätten, damit eine Debatte auch Debatte zu nennen sei. Stellte man überhaupt keine Anforderungen an die Form der Debatte, wäre auch die Verweigerung zur Debatte eine solche, aber die Inhaber*innen der genannten Position könnten dies gerade nicht so sehen, ohne ihrer Inhaberschaft derselben verlustig zu gehen. Es gibt also Anforderungen an die Form der Debatte. Ich schlage zwei weitere Anforderungen vor, die insbesondere auch offene Debatten auszuzeichnen haben: Sie müssen erstens ergebnisoffen sein, und es muss sich zweitens um Debatten unter Gleichen handeln. Es ist keine offene Debatte, wenn von vornherein eine Asymmetrie zwischen den an der Debatte beteiligten Personen besteht oder das Ergebnis – zumal aus logischen Gründen – bereits festliegt. Einverstanden? – Gut, denn: Was die Nazis unter dem Deckmantel einer offenen Debatte fordern, ist in diesem Sinne keine offene Debatte, da sich bereits aus der vorgeblich offen zu debattierenden Fragestellung eine Asymmetrie zwischen den beteiligten Personen ergibt, aus denen bereits das Ergebnis folgt: In Frage stehen bei dem, worüber die Nazis eine offene Debatte fordern, nämlich die Rechte nur einer Seite, die gerade nicht die ihre ist. Es geht um die Frage, ob diese oder jene Gruppe die vollen Menschenrechte verdiene, ob diese oder jene Gruppe deportiert werden solle, ob diese oder jene Gruppe gar den Tod verdiene. Es steht nicht in Frage, ob die Nazis die vollen Menschenrechte verdienten (tun sie mit den dort formulierten Einschränkungen für Leute, die die Menschenrechte bekämpfen), ob sie deportiert werden sollten (wohin denn bitte?) oder man sie gar ums Leben bringen sollte (Nein). Die Fragestellung der Nazis legt von vornherein eine Seite auf eine existentielle Frage fest, ohne dass sich die Nazis selbst auf eine existentielle Frage festlegen müssen. Damit führen sie eine Asymmetrie ein, durch die eine Seite nicht mehr auf (angebliche) Argumente reagieren kann, da jede Abwägung eines Arguments bereits die Abwägung des eigenen (Existenz-)Rechts beinhaltet. Wenig überraschend können die Nazis damit die Karte spielen, sie selbst seien offen für diese Debatte, aber die andere Seite nicht – schließlich wird niemand ernsthaft an der Diskussion teilnehmen, ob er oder sie selbst ums Leben gebracht werden solle. Es gibt keinen Kompromiss, es kann keinen geben: niemand kann „offen“ für selbstmörderische Vorschläge sein. Es ist keine offene Debatte: Sie ist weder ergebnisoffen, noch findet sie unter Gleichen statt. Sie ist ab ovo einseitig, asymmetrisch, geschlossen und existentiell bedrohend – kurz: Sie ist Gewalt.

Es wäre ein riesiger zivilisatorischer Fortschritt, würden die, die den Nazis deren angeblich offene Debattenkultur zugute halten, dies endlich kapieren. Man müsste vielleicht gar nicht die eigene Position ändern. Man müsste nur akzeptieren, dass in Konsequenz auch Debatten mit Nazis über die Frage, warum man sie nicht alle auf die Rheinwiesen deportieren sollte, als offene Debatten zu führen wären. Ich verspreche: Das Geheule der Nazis wäre gewaltig!

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Follow your dreams oder so

Vor 20 Jahren oder so brachte ich einmal das Thema auf, ob ein System evakuierter Röhren nicht mangels Luftwiderstand eine spannende Idee für ein Transportsystem sei. Ich wurde damals für diese „schwachsinnige“ Idee prompt verarscht und da ich weder über die nötige Ingenieursqualifikation verfügte (damals wie heute übrigens nicht), noch die Idee wirklich durchdacht hatte, zog ich den Schwanz ein und brachte das Thema nicht mehr auf. Ich will nun nicht implizieren, ich sei damals genial gewesen, hätte irgendeine Substantiierung für die Idee vorbringen können, die über wirres Gerede hinausgegangen wäre, oder gar dass, es überhaupt eine sonderlich gute Idee ist, aber ich finde es witzig, wenn ich nun von Hyperloop lese:

Der Hyperloop ist ein Konzept für ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem technisch ähnlich wie der Transrapid aber in evakuierten Röhren. Es sollen nach dem Konzept der Rohrpost durch Solarenergie elektrisch getriebene Transportkapseln mit Reisegeschwindigkeiten von bis zu etwa 1125 km/h auf Luftkissen durch eine teilevakuierte Röhre befördert werden. [Wikipedia]

Vielleicht hätte ich bei Ideen, die andere als „schwachsinnig“ qualifiziert haben, nicht immer so schnell zurückstecken sollen? 😉 – Im Ernst: Die meisten Ideen, die man mal so nebenbei hat, sind tatsächlich blödsinnig, aber dennoch sollte man sich nicht von der ersten Kritik, zumal polemischer Kritik, entmutigen lassen. Manchmal lohnt es sich, stur zu sein, solange man nicht zu stur ist und von sachlichen Einwänden nichts hören will. Follow your dreams but please try to wake up sometimes oder so.

Wie so oft steckt eine zweite Geschichte in dieser ersten: Als ich Vorstandsmitglied von our generation in Frankfurt/Main, einem Verein für (damals) lesBiSchwule Jugendliche, war (von 2000 bis 2005), hatte ich ebenfalls eines Schnappsidee: Man solle doch ein eigenes Jugendzentrum anstreben – die Idee war freilich vom anyway (Köln) geklaut, war also nicht schlechterdings unrealistisch. Ich habe damals viel, auch institutionellen Widerstand erfahren und musste mir mehr als einmal anhören, was für eine blöde und unrealistische Idee das sei. Während der Planung einer entsprechenden Kampagne an einem Wohnzimmertisch eines Vorstandskollegen im hessischen Hinterland kam dessen Freund herein und sprach: „Kai, Du glaubst doch nicht im Ernst, dass Dir mal jemand Geld für diesen Schwachsinn gibt! Bist Du so arrogant, dass Du Dir das einbildest!?“ – Ich bin freilich nicht der einzige gewesen, der am Ende dieses Zentrum wollte und ich will nicht im geringsten andeuten, die Kampagne und alles, was ihr folgte, sei eine one man show gewesen – das genaue Gegenteil war der Fall, es gehörte außerdem noch viel Glück dazu und ich war ab 2005 auch nicht mehr dabei gewesen. Ich will nur sagen: Es brauchte den Anfang eines sturen Bocks, der sich ausnahmsweise mal nicht hat beirren lassen. Zwar dauerte es noch bis 2010, bis das Kuss 41 in Frankfurt eröffnet wurde, ich rechne mir aber an, dass dies ohne die immer wieder vorgebrachte Forderung nicht möglich gewesen wäre – allein da schon der Verein selbst von dieser Forderung überzeugt werden musste, wie etwa ein damaliger Vorstandskollege: „Kai, man muss erst laufen können, bevor man rennen lernt“, worauf ich sagte: „Man lernt laufen, um rennen zu können.“

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Ungleiches ungleich, Gleiches gleich behandeln

Wenn jemand das Denken nur auf der Latrine geübt hat, braucht es nicht zu wundern, dass alles, was dieser jemand als Gedanken ausgibt, erbärmlich stinkt. So verhält es sich auch mit denen, die sagen, dass man gleichgeschlechtliche Paare in der Lebenspartnerschaft der BGB-Ehe völlig gleichstellen solle, den Namen „Ehe“ aber nicht zuschreiben solle, denn dieser bedeute ja irgendetwas und das schon seit ungefähr drölfzigtausend Jahren. Zwar habe er in dieser Zeit gewiss so ziemlich alles bedeutet, aber dass er irgendwann auch einmal eine „gleichgeschlechtliche Ehe“ bedeutet habe, davon haben diese Jemande auf der Latrine freilich noch nichts gehört. Also pressen sie als Produkt auf oder aus ihrer einfachen Toilettenanlage ohne Spülung etwas heraus, was sie mangels Sauerstoffs als kritischen Gedanken imaginieren: Man müsse gleich stellen, aber dürfe nicht gleich nennen. Denn es sei nicht das gleiche. Aber was gleich sei, müsse man gleich behandeln, aber was ungleich sei, das müsse man ungleich behandeln. Deswegen ist ihnen auch so wichtig, dass sie völlig auf der Seite der völligen rechtlichen Gleichstellung stehen, es also nach ihnen gnadenvollst keine Ungleichbehandlung mehr geben solle. Die Lebenspartnerschaft solle in allen rechtlichen Folgen gleich der Ehe behandelt werden, aber da man nur das, was gleich sei, gleich behandeln dürfe, und jene dieser nicht gleich sei, dürfe sie nicht gleich behandelt werden. In allem sei sie also gleich zu behandeln, aber doch bitte wenigstens nicht im Namen. Das ist nun also der einzige Moment ihrer Ungleichheit, der sich daran rechtfertigt, dass sie ungleich ist, was man nach der völligen rechtlichen Gleichstellung, die auch von der Latrine aus gefordert wird, allerdings nur noch am Namen ersehe. Der Name müsse ungleich sein, weil… der Name ungleich sei. Der Name dürfe nur gleich sein, wenn… er schon gleich wäre. Bekanntlich verändert sich auch das Brot, wenn man es über die Grenze nach Frankreich trägt. Es mag ein und dasselbe Brot sein, heißt nun aber pain und ist damit etwas anderes geworden. Kommt es auf den Namen an, dann ist die Ungleichheit trivial und nur Dummköpfe glauben an sie. Kommt es nicht auf den Namen an, darf er nicht als Grund der Ungleichheit herhalten, aber dann darf sich die Ungleichbehandlung auch nicht in ihm erschöpfen. Dann müssten diese Latrinendenker eine Ungleichbehandlung jenseits des Namens fordern. De facto tun sie das zwar, weil sie natürlich homophobe Scheißer sind, aber das bestreiten sie freilich gänzlich. Es ist ihnen wohl genug, dass man ihre Nähe zu braunen Massen bereits olfaktorisch auf die Nase gebunden bekommt. Bestritten sie uns aber diese Diagnose, müssten sie zugeben, dass sie etwas, was von ihnen als ungleich definiert wurde, als gleich zu behandeln forderten. Das ist unlogisch genug, dass nur jemand, der an besagtem Ort das Denken geübt hat, es für argumentativ vertretbar hielte, während doch alle anderen daran zu erinnern hätten, dass man das Denken, wennschon einem natürlichen Bedürfnis folgend, doch bitte nicht auf einer Latrine, sondern auch einem WC, das der Latrine schließlich doch auch völlig ungleich sei, üben möge, damit man, wenn man allzu große Scheiße fabriziert hätte, sie wenigstens wegzuspülen im Stande wäre. Es gilt doch: Gleiches solle man gleich, Ungleiches aber ungleich behandeln. Der hier vorgeführte Unrat ist einem jeden möglichen und einem jedem realen Gedanken ungleich. Die Latrinendenker sollten also nicht verlangen, dass ich ihre Verbalexkremente mit der gleichen Ernsthaftigkeit bedenke, wie ich es bei wirklichen Gedanken zu tun pflege.

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Vor großen Fragen wird gewarnt…

Ich habe mir erzählen lassen, dass die Philosophie außerhalb der Elfenbeintürme gerade eine Renaissance erlebe, da es wieder eine Lust auf große Fragen gebe und es schließlich die Philosoph*innen seien, die hier Antworten wüssten, die man nicht mal eben googlen könnte. – Stellen wir dazu eine mittelgroße Frage: Ist das ein Problem?

Die Antwort lautet: Ja.

Die großen Fragen sind ein Problem, weil sich Probleme immer auf eine bestimmte Weise stellen. Und es sind immer die Fragen, die fundamental sind und deren Antworten nur trivial oder radikal sein können. Sie sind fundamental, weil sie, wenn man sie ernst nimmt, grundsätzliche Fragestellung danach berühren, wie wir unser Leben, unser Gemeinwesen, unsere Institutionen etc., also überhaupt die ganze Macht organisieren wollen. Nehmen wir beispielsweise die Frage nach der Gerechtigkeit, die sich nicht ernsthaft stellen lässt, ohne unser ganzes System von Eigentum mit all seinen Facetten in Frage zu stellen. „In Frage stellen“ ist dabei wörtlich zu nehmen: Es geht nicht darum, dass die Frage nur gestellt werden kann, indem das, was „in Frage gestellt“ wird, verworfen wird. Es geht darum, dass die ernsthaft gestellte Frage allem, was sie „in Frage stellt“ einen Moment der Offenheit, der Kontingenz zumutet, so dass die Antwort auch lauten kann, dass die Anarchist*innen, die jedes Eigentum von vornherein als Diebstahl abgelehnt haben, schon immer Recht hatten – und es kann eben auch bedeuten, dass die Anarchist*innen, die jede Besteuerung für Diebstahl und das Eigentum für das einzige Naturrecht halten, schon immer Recht hatten. Die Frage, so sie ernsthaft gestellt ist, reißt einen Raum der Antwort auf, die auch radikal sein kann, sein können muss. Es ist klar, dass in einem geordneten demokratischen Gemeinwesen bestimmte radikale Positionen von vornherein nicht in Frage kommen können. Sie müssen von vornherein ausgeschlossen werden. Wir dürfen die Gerechtigkeit diskutieren, aber alles Eigentum in Volkseigentum überführen zu wollen, das ist vorab fein säuberlich ausgeschlossen. Das Ergebnis ist eine sozialdemokratische Philosophie – als ob die sozialdemokratische Politik, die vorauseilendes Umfallen mit „staatstragenden“ Kompromissen zu verwechseln pflegt, nicht schon genug Schaden angerichtet hätte…

Die große Frage ist von vornherein vergiftet, wenn die möglichen Antworten bereits vorstrukturiert sind. Es ist gerade die Pointe an den großen Fragen, dass sie nicht vorstrukturiert und vorstrukturierend sein dürfen. Als solche sind die höchstens mittelgroße Fragen. Und das legt die möglichen Antworten auf „radikale“ und „triviale“ Antworten fest: Die radikalen werden ausgeschlossen, damit die Ordnung nicht Frage gestellt wird. Die trivialen Antworten sind erlaubt, die die Ordnung, also die bestehenden und daher stets vernünftigen Verhältnisse, jederzeit bestätigen und wieder errichten.

Wenn sich die Philosophie auf dieses Spiel einlässt, die Fragen also „ordentlich“ beantwortet und eben nicht „radikal“, stellt sie sich in den Dienst der geordneten Verhältnisse. Damit leiht sie dem status quo etwas von ihrer Legitimation. Das kann man machen, klar, sollte aber nicht so tun, als hätte man sich nicht der doxa unterworfen. Und man sollte sich nicht wundern, wenn die Renaissance ein kurzer Hype ist, der endet, sobald das Publikum die Antworten wieder langweilig findet. Schließlich sollte man nicht vergessen, dass man die großen, fundamentalen Fragen damit denen überlässt, die sich gerne aus politischen und nicht aus philosophischen Gründen radikal geben.

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Der Herr der Maschinen

Ich muss gerade daran denken, wie ich mich mal über eine sehr sehr dumme Bemerkungen über den Windows-Update-Mechanismus in einem Text, von dessen redaktioneller Betreuung ich nicht unendlich weit entfernt war, beklagte, aber nicht erhört wurde. Ich muss auch daran denken, wie mal jemand auf einer Veranstaltung aus dem Publikum fragte, ob man zulassen solle, dass Windows Updates einspiele, man wisse doch gar nicht, was da durch die Leitung komme. Es wäre doch gewiss sicherer, Updates abzulehnen.

Ein wesentliches Problem an Updates ist nicht, dass es sie nicht oder nicht rechtzeitig gäbe, sondern das sie die hochnotbescheuerte Fiktion durchbrechen, man beherrsche auch nur Ansatzweise, was auf der Maschine stattfindet. Da der Technikpessimismus in seinen dümmlicheren Formen das Problem mit der Technik auf ein triviales Autonomie-Problem reduziert, verhindert er einen differenzierten Umgang mit dem Problem und setzt an die Leerstelle, an der eine gute Lösung sein sollte, einen Cargo-Cult, in dem die sachliche Entscheidung durch die alternativ-sachliche Entscheidung ersetzt wird: Ich beherrsche die Maschine, ich lehne Updates ab! Sie gehorcht, also beherrsche ich sie und nicht sie mich. – Dass das an Impfkritik erinnert, ist kein Zufall.

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Deutscher Hochschulverband goes AfD?

Der Deutsche Hochschulverband hat eine Resolution zur Streit- und Debattenkultur an deutschen Universitäten verabschiedet. Es geht, wenig überraschend, um die „Political Correctness“. Man ist besorgt, dass die freie Welt der Debatten- und Streitkultur an den Universitäten erodiert, weiß aber glücklicherweise genau, wer daran Schuld hat: Es ist das Streben nach Toleranz, das auf die Forderung nach „Political Correctness“ hinausläuft. Wissenschaftlich, wie man es von einem Hochschulverband erwarten darf, gönnt uns die Pressemitteilung des Hochschulverbands zunächst keine Definition, sondern beschränkt sich auf das bekannte Geheul gewisser rechter Parteien: Sicher sei das Anliegen, einen sensiblen Umgang mit Minderheiten zu pflegen, berechtigt, erklärt man uns, bevor man aber das Wasser nicht mehr halten kann und das Lieblingswort aller neuen Rechten in den Mund nimmt: „Tugendterror“, der es nämlich sei, in dem abweichende wissenschaftliche Meinungen als unmoralisch stigmatisiert würden, womit jede konstruktive Auseinandersetzung bereits im Keim erstickt werde, was zu Feigheit und Anbiederung führe. – Das jenseits von Feigheit und Anbiederung der Mut zur Wahrheit liegt, sei hier nur als Korollar notiert. – Entsprechend sind auch die Studierenden als Schuldige auszumachen, die im Land des großen Sittenverfalls – den USA nämlich – eine „Deutungshoheit für vermeintlich politisch korrekte Lehrinhalte“ reklamierten. Diese Studierenden dürfen, so viel ist wohl klar, nicht als Studierende bezeichnet werden. Die, die sich gegen den hier wie dort an den Universitäten grassierenden (Hetero-)Sexismus wehren, sind, so stellt die Pressemitteilung klar, „studentische Aktivisten“. Damit niemand auf die Idee kommt, der Wunsch von Studierenden, an den Universitäten respektiert zu werden, brauche uns in unserer Komfortzone nicht zu stören, da es ja bloß ein amerikanisches Phänomen sei, informiert uns der Hochschulverband sicherheitshalber, dass es bereits erste Anzeichen auch hierzulande gäbe und damit wir nicht vergessen, in welcher Gefahr die deutschen Universitäten schweben, sind diese Anzeichen: „alarmierend“. Und alarmierend sind diese Anzeichen tatsächlich, denn schließlich würden Wissenschaftler durch Proteste gehindert, in Universitäten aufzutreten und ihre wissenschaftlichen Thesen vorzutragen, so erklärt man uns, und zwar lediglich da sie einer „Political Correctness“ zuwider liefen. Nun muss freilich klargestellt werden, dass das berechtigte Anliegen, an den Universitäten respektiert zu werden, durch die „studentischen Aktivisten“ „in das Gegenteil“ verkehrt würde, denn diese „Political Correctness“ ist: „selbst definiert“. Dies ist in der Tat ein grauenhafter Vorwurf, der klarmacht, warum die „Political Correctness“ bereits von vornherein keinerlei Kredit besitzt, denn schließlich ist nichts schlimmer als eine selbst gemachte Definition. Bekanntlich dürfen nur natürliche Definitionen, wie man sie etwa wohl in Bergwerken findet, neben den Definitionen, die man der Tradition entnimmt, also artig und mit Quellennachweis wiederholt, anerkannt werden. Man mag sich nicht ausdenken, was mit der „Universität als Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden“ geschehen würde, wenn diese nicht „ein Ort des freien und offenen Meinungsaustausch“ bliebe, sondern durch „studentische Aktivisten“ und ihren „selbst definierten“ Vorstellungen mit „Denk- und Sprechverboten“ durchsetzt würden. Entsprechend, so erfahren wir, dürfte es für Studierende keine „geistigen oder ideologischen Komfortzonen“ an den Universitäten geben, denn schließlich verlange das „kritische Denken, das an der Universität gelehrt und eingeübt wird, … die Fähigkeit zur Selbstkritik“. Wer eine Universität betrete, müsse bereit sein, so heißt es weiter, „mit Vorstellungen konfrontiert zu werden, die dem persönlichen Weltbild zuwiderlaufen, und in der Lage sein, sich mit ihnen sachlich auseinanderzusetzen“. Es ist erfreulich, dass der Deutsche Hochschulverband so deutlich darstellt, dass all dies auch grammatikalisch nur für Studierende gilt, die offenbar nur dann Studierende sind, wenn sie die Herren und Damen Professorinnen und Professoren nicht in ihrer geistigen oder ideologischen Komfortzone stören, sondern akzeptieren, dass die Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden nur dann ein Ort des freien und offenen Meinungsaustausch sein kann, wenn diese artig die Klappe halten und nicht an den Definitionen jener zweifeln. Schließlich gilt: „Die Antwort auf die einseitige, pointierte, vielleicht auch verzerrende Rede ist nicht das Ende der Debatte, sondern die angemessene Gegenrede“, was aber als angemessene Gegenrede durchgeht und was zu Denk- und Sprechverboten, zu Tugendterror, zur Stigmatisierung (der Professorinnen und Professoren, denn um die Stigmatisierung irgendwelcher Minderheiten geht es hier ja nicht!), zur Feigheit und zur Anbiederung führt, das dürfen freilich nicht die „studentischen Aktivisten“ selbst definieren. Es wäre wahrlich ein alarmierendes Anzeichen, wenn nicht mehr Professorinnen und Professoren entscheiden dürfen, was andere erträglich zu finden haben.
Ich weiß nicht, was den Ausschlag gab, eine derartige Resolution zu verabschieden. Waren es vielleicht die Proteste, in denen „studentische Aktivisten“ den bestimmt hochwissenschaftlichen Beitrag eines rechtsradikalen Apparatebauers verhinderten, der von bekannten gewaltbereiten Rechtsextremisten begleitet seine sicher einer sachlichen Auseinandersetzung auf jede Weise würdigen Thesen aus seinem Fachgebiet – der Genderforschung nämlich – dem freien und offenen Meinungsaustausch zuführen wollte? Zeugt es von Tugendterror studentischer Aktivisten, wenn sie Formulierungen wie „Linksextreme Lumpen sollen und müssen von deutschen Hochschulen verbannt und statt eines Studienplatzes lieber praktische Arbeit zugeführt werden. … Nehmen Sie die linksextreme Bedrohung ernst und beteiligen Sie sich an allen möglichen Maßnahmen, um diese Wucherung am deutschen Volkskörper endgültig loszuwerden.“ an ihrer Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden verhindern wollen? Zeugt es von Charakterschwäche, wenn Minderheiten, die sich mühsam ihre Rechte erkämpfen mussten, derartige „konkurrierende Meinungen“ nicht respektieren und aushalten wollen? Zeugt es von Linksextremismus, wenn Studierende, pardon: „studentische Aktivisten“ sich hier solidarisch erklären? Oder zeugt es von einer Störung des moralischen Kompasses und zwar nicht auf Seiten der Studierenden?
Wie sollen wir hierauf antworten? Glücklicherweise weiß der Hochschulverband Rat und lässt uns durch seinen Präsidenten wissen: „Differenzen, die zu Andersdenkenden bestehen, sind im argumentativen Streit auszutragen.“ Was könnte uns helfen, die Differenzen, die wir hier empfinden, in einem argumentativen Streit auszutragen? – Wie so oft reicht es aus, ein bisschen genauer zu lesen, was der Gegner so schreibt oder über sich schreiben lässt: Blicken wir nämlich nicht in die Pressemitteilung auf der Webseite des Deutschen Hochschulverbandes, sondern in die Darstellung der Resolution auf academics.de, die der aktuellen Ausgabe der Haus-Zeitschrift „Forschung & Lehre“ des Hochschulverbandes entnommen wurde und dem Hochschulverband eine Autorenschaft attribuiert, so finden wir unter Punkt 2, der mit „‚Political Correctness‘ und Konformitätszwang“ überschrieben ist, eine Beschreibung der „Political Correctness“ aus dem Duden zitiert: Diese sei, so definiert also der Duden, eine Einstellung, „die alle Ausdrucksweisen und Handlungen ablehnt, durch die jemand aufgrund seiner ethnischen Herkunft, seines Geschlechts, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht, seiner körperlichen oder geistigen Behinderung oder sexuellen Neigung diskriminiert wird“. Freilich ist das nichts, dem irgendein wohlmeinender Mensch widersprechen würde, und so muss gleich klargestellt werden, dass sich diese Haltung größtenteils und in gleicher Weise aus ethischen, rechtlichen und religiösen „Wurzeln“ herleiten lasse, die überdies älter seien als die „Political Correctness“. Diese ist also anscheinend nur eine billige Kopie der weitaus älteren Quellen für anständiges Benehmen und die immense Toleranz gegenüber Frauen oder sexuellen Minderheiten seitens des Rechts oder der Religion sind offenbar so bekannt, dass sie dem Hochschulverband keines Kommentars wert sind. Die „Political Correctness“ lässt sich also mithilfe des Dudens definieren, der sie eine „Haltung“ nennt, wobei es in meiner Ausgabe des Duden heißt: „von einer bestimmten Öffentlichkeit als wichtig eingestufte Gesinnung, Haltung (die zum Ziel hat, alles zu vermeiden, was andere als diskriminierend empfinden könnten)“. Nun mag es verschiedene Auflagen des Dudens geben, nur leider gönnt uns der Deutsche Hochschulverband nicht den Luxus eines Quellennachweises. Das tut aber nichts zur Sache: Denn nachdem nachgewiesen wurde, dass es sich um eine Haltung handelt, die sich „in gleicher Weise“ aus weitaus älteren Quellen herleiten lässt, muss schnell ein Problem her, um den „studentischen Aktivisten“ ihre „selbst definierte ‚Political Correctness‘“ vorzuhalten: „In der Annahme einer engen Verbindung von Sprache, Denken und Handeln propagieren meinungsstarke Gruppierungen Sprachreglementierungen, mit denen der Gebrauch bestimmter Worte und Redewendungen geächtet und ‚Political Correctness‘ als Vehikel für die Durchsetzung politischer Interessen genutzt werden soll.“ – Übergehen wir die spannende Frage, wer wohl diese meinungsstarken Gruppierungen sein mögen, da sie doch offensichtlich nicht mit den Studierenden zusammenfallen und mindestens die Bösartigkeit der virulenten Homolobby erreichen dürften. Übersehen wir großzügig die Bemerkung, der Zusammenhang von Sprache und Denken beziehungsweise Denken und Handeln, sei bloß eine Annahme. Lassen wir auch das Faszinosum beiseite, dass die „studentischen Aktivisten“ die „Political Correctness“ selbst definiert haben, was ihr jede Legitimation entzieht, während der Duden sie als eine Haltung definiert, die irgendwie mit einer bestimmten Öffentlichkeit zu tun hat, während sie „in gleicher Weise“ sowieso viel älter sei, weswegen die Studierenden sowieso keinerlei Anspruch auf das haben, was sie selbst definiert haben. Es liegt aber wohl auf der Hand, was der Deutsche Hochschulverband mit der Sprachreglementierung und dem Ächten bestimmter Wörter und Redewendungen meint. Es ist tatsächlich an der Zeit, diese linksextreme Bedrohung ernst zu nehmen, den Tugendterror studentischer Aktivisten zu beenden und diese praktischer Arbeit zuzuführen, um diese Wucherung am deutschen Volkskörper endgültig loszuwerden. Schließlich wollen wir doch niemanden in seiner ideologischen Komfortzone stören. Und Wucherung, das sind doch sowieso immer die anderen.

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Erziehung zum altersgerechten Hass

Kennt Ihr schon die neuste wissenschaftliche Methode von ganz rechts außen? Natürlich tut Ihr das: mit den „alternativen Fakten“ kommt die „alternative Wissenschaft“ – da nämlich zu wenig ernsthafte Wissenschaftler_innen bei den grotesken Lügen der „Demo für alle“ mitmachen wollten, man also in den seriösen Institutionen der Wissenschaft mit dem nur mühsam verkleideten Hass nicht nachhaltig punkten konnte, musste man sich ein eigenes Symposium veranstalten. Nun ist die Methode, sich einfach eine eigene Institution zu basteln, damit man von Kritik nicht gestört wird, weil sowieso alle anderen doof… böse… pervers… gekauft… fremdgesteuert… moralisch verkommen… was auch immer sind, bekanntlich die wissenschaftlichste Methode schlechthin, also „schlechthin“ in der Faschosphére und angrenzenden rechten Paralleluniversen. Zur Reinhaltung der eigenen „wissenschaftlichen“ Position, also zur Abschirmung vor Kritik, ist es offenbar erforderlich, auch jenseits des „Sexualpädagogik-Symposiums“, das die rechtsextreme Bewegung „Demo für alle“ letztes Wochenende in Wiesbaden unter dem Deckmantel einer „wissenschaftlichen“ Auseinandersetzung inszeniert hat, jede Form von Kritik auf Facebook schnellstmöglich zu löschen. Da ich mich bisher zu wenig über deren pseudowissenschaftlichen Mist geäußert habe, dokumentiere ich nun meinen dortigen Kommentar, bevor er noch gelöscht wird, um den Untergang des Abendlands zu verhindern:¹

Als zur Wissenschaftstheorie forschender und gelegentlich lehrender Philosoph sei mir der Hinweis gestattet, dass Sie mit dieser Auffassung von „Wissenschaft“ bei mir keinen Schein kriegen würden. Etwas ist Wissenschaft, wenn es sich systematisch nach an Untersuchungsgegenständen methodisch gemachten Beobachtungen selbst korrigiert. Wenn es darum geht, die eigene Menschenfeindlichkeit in hübsche Sätze zu verpacken, ist es keine Wissenschaft. Zeigen Sie mir doch mal einen Fall, in dem Sie eine gegen lgbtiq-Menschen gerichtete Aussage aufgrund einer methodisch gemachten Beobachtung an lgbtiq-Menschen zu deren Gunsten revidiert haben. Was sind Ihre Methoden? Was sind Ihre Beweisstandards? Wo setzen Sie sich systematisch, methodisch und argumentativ mit Positionen auseinander, die nicht die Ihren sind? Wo ist auch nur das kleinste öffentliche „Darin haben wir uns geirrt!“? Wo ist überhaupt irgendeine „Hypothese“, die Sie erst angenommen und dann aufgegeben haben? Sie betreiben keine Wissenschaft, sondern Sie haben alles „von Anfang an“ gewusst und versuchen nun einem Cargo-Cult ähnlich Ihrer irrationalen Abneigung gegen Menschen, die nicht so sind wie Sie, ein seriöses Äußeres zu geben. Es ist aber „Wissen-schaft“, nicht „Recht-haben-wollen“. Und da ich weiß, dass auch Kollegen meines Fachs bei Ihnen herumspringen, sei ergänzt: Es ist „Philo-sophie“, nicht „Philo-doxie“ und schon gar nicht „Ortho-doxie“.

¹ Ich konnte quasi live dabei zusehen, wie Kommentare gelöscht wurden. Die Behauptungen, dass „Unbelehrbare“ (vermutlich: lgbtiq-Menschen) durch „moralischen Verfall“ „über 70 Hochkulturen“ durch „noch nie so viel []poppe[n], verhüte[n] und ab[trei]ben“ garniert mit „verharmlosender Demagogie“ zum „EXIT“[sic] getrieben hätten, während die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ ein einem „päderastischen Milieu[]“ von „schwülen“ „Sexphantasien“ („Ein übles Milieu von dem sich Menschen distanzieren, die der Wissenschaft offen gegenüberstehen und die sich nicht erkenntnisresistent zeigen.“[sic]) basiere, sind freilich so hochwissenschaftlich, dass sie wohl stehenbleiben werden.

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