Weitgehend ausgeprägt…

Nachdem die Frankfurter Buchmesse unter peinlichem Journalismusversagen allzu vieler Medien im Namen irgendeiner Debatte gewisse „neu-rechte“ Positionen normalisieren half, liest man heute in der neuen APuZ (42-43/2017, 16. Oktober 2017) einen Artikel des Hamburger Historikers Volker Weiß unter dem Titel „Faschisten von heute? »Neue Rechte« und ideologische Traditionen“. Der ganze Text, auch wenn ich nicht allen Bewertungen zustimmen würde, lohnt, wie vielleicht schon zwei Zitate zeigen:

Weitgehend ausgeprägt ist die faschistische Form bei den sogenannten Identitären. Sie wurden aus dem Umfeld der Zeitschrift „Sezession“ nach dem Vorbild des französischen Bloc identitaire aufgebaut und stehen inzwischen besonders unter dem Einfluss von österreichischen Kadern wie Martin Sellner. Dieser ist zugleich Autor der „Sezession“ und hat eine einschlägige Vergangenheit: Er sammelte seine ersten politischen Erfahrungen im Kreis um den österreichischen Neonazi Gottfried Küssel. [S. 7]

Sowie:

In diesem Sinne [gemeint ist die Verbindung zum Denken des italienischen Faschismus –KD] kann vor allem der harte Kern um das IfS [Institut für Staatspolitik] durchaus in der Tradition des Faschismus gesehen werden. [S. 9]

Wem hatte die Buchmesse da noch gleich eine Bühne gegeben? Waren das nicht der genannte Martin Sellner, der Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik Götz Kubitschek, der ebendort über „Reproduktionsstrategien“ referierte Björn Höcke und die sich zur Identitären Bewegung zählende und in Kubitscheks Verlag veröffentlichende Caroline Sommerfeld?

Es drängt sich doch die Idee auf, man sollte der Buchmesse die APuZ empfehlen – das wäre sicher ein spannender und interessanter Beitrag zur… Debatte.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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