Ich bin wirr

Kein Verständnis für Nazis (Symbolbild)

Ich schätze es ja durchaus, wenn in einer Diskussion geschickt und mit Witz von Ironie und Polemik Gebrauch gemacht wird. Leider teilen nicht alle diesen Geschmack, sondern einige gehen der verführerischen Rede vom besseren Argument vollkommen auf den Leim, da sie weder wissen, was ein Argument ist, noch wie Ironie oder Polemik funktionieren. Ganz besonders übel wird es aber, wenn diese in einem falsch verstandenen Meinungsfreiheitsgerede sich selbst vollkommen entpolitisieren und ihre daraus resultierende geistige Leere mit einer geradezu kleinbürgerlichen Gartenzaun-Moral kompensieren, die sie auf eine Mission schickt.

Nett zu Nazis: Wenn Du die Nazis nicht tolerierst und respektierst, wie kannst Du dann erwarten, dass sie Dich tolerieren und respektieren? Dass sie Dir nach dem Leben trachten, hast Du Dir selbst zuzuschreiben!

Auf dieser Mission scheinen sich einige Anhänger_innen der Facebook-Gruppe #ichbinhier zu befinden, womit sie sich – zumindest soweit mir ersichtlich – zum Werkzeug böswilliger Kreaturen machen lassen. Alle Fälle nämlich, in denen ich mit Vertreter_innen dieser Mission – gewissermaßen selbst ernannten Kreuzfahrer_innen der Moral – zu tun hatte, liefen darauf hinaus, dass nach einem scharfen, vielleicht sogar polemischen Kommentar gegen die blauen Faschisten ein Fan derselben eben jene Fußtruppe des freundlichen Austauschs auf den Plan rief, die sodann ausgiebig betonten, dass und wieso man bitte schön nett zu Nazis sein müsse. Wer aber glaubt, dass man nett zu Nazis sein müsse, hat meiner Ansicht nach jeden moralischen Kompass verloren und sollte sich was schämen. Ich habe daher für die Anhänger_innen, die immer hier sind, um Nazis zu verteidigen, eine neue Regel eingeführt: Ich blocke sie sofort.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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Ein Kommentar zu Ich bin wirr

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