Was die Spackeria (nicht) versteht

Um uns herum die Zukunft: Soziale Netze, Datensammler, Suchmaschinen, digitale Sprachverarbeitung, Bilderkennung, Vorratsdatenspeicherung. Das verängstigte Individuum wirft sich den Datenschützern an den Rock. Nur eine kleine, verwirrte Spackeria spricht es offen aus: Der Datenschutz ist tot!

Ist er das wirklich? Ja. Aber anders als die Spackeria behauptet.

Deren Texte kreisen beständig um negative Aussagen: Der Aufwand, private Daten zurückzuhalten, sei unverhältnismäßig hoch, erklärte Julia Schramm heute Spiegel Online. Datenschutzinteressen durch die Union hinreichend verschreckter Bürger erklärt die Spackeria in ihrem Blog mit einem eigentlich der Hackkultur vorbehaltenen Wort: „paranoid“. Dem entgegen steht der letztlich nicht weniger negative Begriff der „Transparenz“ (ebd), der Abwesenheit von allem blickversperrendem:

Doch muss das wesentlich als Chance begriffen werden, einen wirklich transparenten Staat zu schaffen. Dass dies auch die Transparenz der Akteure bedeutet ist ein Schritt, den viele noch nicht geistig gegangen sind. Und für die politischen Akteure heißt dies, ihr Handeln und die möglichen Konsequenzen radikaler zu Ende zu denken. Doch wer im öffentlichen Raum politisch agieren will, darf nicht anonym sein, darf nicht Teile seiner Identität löschen oder löschen lassen, sondern muss vielmehr mit dem Getanen leben lernen. Anonymität und politische Verantwortung schließen einander aus. Vergebung ist hierbei wohl das entscheidene.

In diesem Zitat findet sich in geradezu idealtypischer Weise die Grundlage des Spackerismus: „Chance“, „radikaler zu Ende […] denken“, „leben lernen“, „Verantwortung“ und schließlich „Vergebung“. Der ganze Spackerismus atmet eine Fortschritts- und Fundamentalitätslogik, die sich gegen das Vergessen in Form der Schaffung einer Vergangenheit als Vergangenheit wendet und schließlich, da zeitlogisch Zukunft, „Ende“ und digitale Ewigkeit verkreuzt werden, in den christlichen Begriff der Vergebung gipfelt. Sicher ist eine Theorie, die sich zu ihrer Rettung christlicher und pseudolebensphilosophischer Vokabeln bedient, entlarvt, doch liegen die Dinge nicht ganz so einfach.

Zur Konstruktion des Arguments bedient sich die Spackeria eines übersteigerten und ins Positive gewendeten Panoptismus, der seiner disziplinierenden Funktion gerade durch die Allgemeinheit der Transparenz beraubt ist. War der von Foucault vorgestellte (und bis zum Erbrechen in Netzdebatten wiederholte) Panoptismus Bentham’scher Prägung noch geprägt von einem Gefälle zwischen intransparentem Beobachter und dadurch umso transparenteren Subjekt, verliert der spackereske Beobachter ob seiner totalen Transparenz jeden Sonderstatus. Basierte die Disziplinierung dort auf der potentiell jederzeit stattfindenden Beobachtung, verschwindet sie hier in der aktual jederzeit und nun stets gegenseitig stattfindenden Beobachtung. Sieht man für einen Moment von der völlig fehlenden Differenzierung zwischen Beobachtung in Sinne von Anglotzen, Beobachtung im Sinne von Verstehen und schließlich Beobachtet-haben im Sinne von gewusst werden ab, die zweifellos eine eigene Betrachtung verdient und zahlreiche weitere Aporien spackeresken Denkens sichtbar und transparent machen wird, übersieht die Spackeria die Konsequenzen der unbegrenzten Kapilarisierung panoptistischer Mechanismen – ob nun symmetrisch und aktual jederzeitig oder nicht.

Foucault und im Anschluss daran Deleuze zur Kontrollgesellschaft beschrieben die Implikationen einer beliebig feinen Verteilung der Beobachtung und deren Umschlag in eine Selbsttechnik. Insofern ist es bizarr, wenn die spackereske Theoriebildung Anleihen bei Simmel nehmend die Privatsphäre, Öffentlichkeit und Gesellschaft in verschobenes Ganzes setzt und die „Identität“ mit einem Abstand daneben stellt. Wer Christian Heller auf mancher Tagung des CCC zuhört, hat ohnehin das Gefühl, die subjektivierungstheoretische Debatte der letzten fünfzig Jahre hätte nicht stattgefunden. (Tatsächlich stammt der erwähnte Simmel-Text von 1908.) Zugegeben: Ein Konzept wie „Vergebung“ oder ein mit Getanem „leben lernen“ vermag vielleicht die Disziplinierung aufzuheben, doch haben diese Konzepte, wie wir alle wissen, in den letzten 2000 Jahren grandios funktioniert.

Aber selbst wenn man sich die recht überraschende These, dass es es jetzt endlich einmal funktionieren müsse, zu eigen machte, übersieht die Spackeria völlig, dass nunmehr vollständig öffentliches, vollständig transparentes Wissen aller über alle auch gewusst werden muss, um als Wissen gelten zu können. Für Wissen ist eben nicht Wahrheit und Begründetheit ausreichend, sondern sie muss auf von einer Wissensträgerin als Meinung gehabt werden, um Wissen zu sein. Dass ob der schieren Menge an Daten einer vollständigen Transparenz stets nur ein (vermutlich kleiner) Teil gewusst werden kann, liegt auf der Hand. Ebenso gehört es aber zum Gemeinplatz der digitalen Gegenwart, dass mittels Computertechnik Daten verarbeitet werden können und müssen, bevor sie in einer kondensiertes, gefilterten, ausgewählten und zweckmäßig zugerichteten Form Wissen werden können. Auch hier erfolgt eine spackereske Selbstentlarvung:

Natürlich gibt es aus unserer heutigen Perspektive die angebliche Problematik der Zusammenführung von Informationen (Data Mining) und auch die Bewertung (Scoring) dieser, um neue Erkenntnisse in die bunte Welt der Werbebranche und Kreditinstitute zu bringen, doch welchen gesellschaftlichen Mehrwert haben diese Daten wenn sie zwar vor der einen Personengruppe geschützt, der Anderen aber durch Verkauf – wenn auch in anonymisierten Form – zugeführt werden?

(Hervorhebung von mir.)

Angesichts computerlinguistischer Methoden und ihrer staatlich geförderten Erforschung zum Zwecke der Überwachung (INDECT), nimmt es sich einigermaßen seltsam aus, von einer angeblichen Problematik zu sprechen und diese auch noch auf die Zusammenführung von Informationen zu verenden. (Dass Data Mining als Mechanismus des Information Retrieval eine ganz eigene Problematik besitzt, ist zwar richtig, soll hier jedoch übergangen werden.) Aber auch hier nimmt die Spackeria einen Ausweg und bringt den ominösen gesellschaftlichen Mehrwert in Anschlag – ein Begriff, dem sie in ihren Texten nicht gerecht wird. Aber selbst wenn man dies akzeptierte, wäre die Problematik, dass Wissen nur als gewusstes Wissen auch Wissen ist, noch immer uneingelöst. Oder um es modisch-plakativ zu sagen: Was nutzt es mir, der Gesellschaft oder wem-auch-immer, wenn Googles, Facebooks oder Friedrichs Daten offen zugänglich sind? Muss ich nicht immer noch die Algorithmen kennen, mit denen ich diese Daten sinnvoll verwenden kann? Und selbst wenn ich dieses Expertenwissen habe, muss ich dann nicht noch über die Rechenzeit und den Speicherplatz verfügen, der nötig ist, um die Algorithmen sinnvoll ablaufen zu lassen? Ist es nicht vielmehr so, dass all diese Daten ein gewaltiges Rauschen darstellen, solange ich nicht schon über diese, in unserer Gesellschaft so exklusive Wissens- und Computerressourcen verfüge?

Und selbst wenn all dies kein Problem wäre, stellte sich doch die Frage, ob die völlige Kenntnis aller Daten, aller Algorithmen und aller Möglichkeiten nicht doch nur die Machtinfrastruktur der Kontrollgesellschaft verdoppelte, indem ich nicht mehr von außen beobachtet und diszipliniert werden, sondern ich mich selbst auf diese Algorithmen hin optimiere, um einen möglichst großen Teil einer relevanten Ressource – sei es Geld, sei es Glückseligkeit – zu erreichen? Muss man nicht schon gehörig einen an der protestantischen Klatsche haben, um zu glauben, dass die völlige Offenheit befreit und das allumfassende System der Algorithmen schließlich dem vergibt, der rechten Glaubens an die Weisheit der Algorithmik ist? – Man verzeihe mir diese Redeweise, aber einer gewissen Komik entbehrt die Angelegenheit ja nicht.

Der kurzen Fassung des spakeresken Credos, der Datenschutz sei tot, ist zuzustimmen. Das Grundrecht, das vor 30 Jahren erfunden wurde, passt nicht mehr in eine Zeit, deren bestimmende Infrastruktur informationstechnisch geworden ist. Der Spackeria mag zu verdanken sein, dass sie die Diskussion befördert, doch das eigene Heil mittels religiösen Vokabulars und unter völliger Ignoranz zeitgenössischer philosophischer Diskussionen im Ende des Datenschutzes und in der totalen Offenheit aller gegenüber allen zu suchen, geht am Kern des Problems vorbei.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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10 Kommentare zu Was die Spackeria (nicht) versteht

  1. Hallo Herr denker, hallo Kai,

    eine hervorragende Replik! Achtung. Die Kollegen und Kolleginnen Datenschützer und Spackeristen werden oder besser sollten diesen Aufsatz lesen, verstehen und in ihren Überlegungen bzw. in der öffentlichen Diskussion einbeziehen. Die Theoretische Wahrheit spricht für sich.

    Was mir allerdings an diesem Aufsatz aber auch an den (bisherigen) Publikationen der Spackeristen fehlt, ist den – leider unter Deutschen Wissenschaftler und Politiker (pfui, das sollten man nicht in einem Atemzug nennen) häufig fehlenden – Praxisbezug.

    Die Realität – und nicht nur die Digitale Realität – hat vieles bereits Transparent gemacht, was in früheren Tagen einfach nicht in Relation gesetzt wurde oder werden konnte. Datenschutz oder besser Datentransparenz ist nicht nur ein konsolidiertes Wissen sondern vor allem auch die Vernetzung von Wissensfragmenten.

    Datenschutz in herkömmlichen Sinnen versucht einzelnen Fakten aus dem Puzzle zu schützen was dazu führt, dass diesen White Spots algorithmisch gefüllt werden um ein Gesamtbild entstehen zu lassen. Daraus folgenden Ergebnissen oder Schlußfolgerungen müssen demnach nicht zwangsläufig richtig sein. trotzdem werden diese Ergebnissen als „Faktisch“ bezeichnet und so behandelt.

    Die wirkliche Gefahr einer Auflösung des Datenschutzes besteht folgerichtig darin, dass bisherigen – auf Algorithmik gestützen – Ergebnissen ggf. korrigiert werden müssen. Das wiederum bedeutet Transparenz. Eric Schmidt, hat vor eineger Zeit in einem Vortrag gesagt, das man im Internet nichts von sich freigeben muss was man nicht im realen Leben für ethisch angemessen oder richtig hält, ist es diese Transparenz die wir fürchten?

    Ja, es wird einiges ans Licht kommen was vielleicht das Tageslicht beim zweimaligen Hinsehen besser nicht gesehen hat, aber es wird auch sehr viel wertvolles zu Tagen bringen.

    Klar, ein jeder wird sich diese Transparenz hin optimieren oder zumindest optimieren wollen. Was ist daran so tragisch? Soziale Kontrolle hat die Gesellschaft nicht nachhaltig verstört sondern den Mangel an sozialer Kontrolle ist faktisch einer der größten Problemen in unserer zeit und nicht zu letzt im Internet.

    Sie beziehen sich auf verfügbaren Ressourcen – Geld, Technologie, Zeit, Knowhow etc. – ja, Sie haben recht, Datenschutz ist ein Thema der Ressourcen und diesen sind bekanntlicherweise nicht sehr gleich verteilt.

    Ich bin weit davon entfernt zu einer Umverteilung der Ressourcen aufzurufen, aber im Sinnen einer sozialen Gesellschaft sollte zumindest den Zugang zu Wissen halbwegs offen sein. Und das erfordert letzten Endes, dass Datenschutz ressourcenunabhängig sein muss. Eine faktische (ggü. die heutige Defakto Situation) Auflösung des Datenschutzes führt zumindest zu Chancengleichheit.

    Politiker haben auf Grund Ihrer Tätigkeit als Volksvertreter keine Privilegien auf Staatswissen, Kommunikationsunternehmen haben keinen Vorteil von Internetbewegungsdaten, Wettbewerber in der Industrie müssen wieder mit den eigentlichen/ tatsächlichen Produktvorteilen Werbung machen und nicht auf grund von „Insider“-Wissen, Personalchefs können fair und ohne Vorbehalten einen Bewerber überprüfen und last but not least auch im persönlichen, privaten Umfeld muss man wieder Gesellschaftlichen Regeln einhalten.

    Sie halten das für eine Utopie? wahrscheinlich haben sie sogar recht. Trotzdem, ich persönlich ziehe es tatsächlich vor die sprichwörtlichen Hüllen fallen zu lassen um zu diesem Preis Chancengleichheit zu gewinnen.

    Zum Abschluß, selbstverständlich ist mir bewusst, dass auch ich mich hier die Rethorik bediene und mich so zu sagen den Vorrednern anschliesse. Ich hoffe dennoch einen Beitrag in dieser Diskussion zu leisten und diese Diskussion vom Theoretischen in der praxis zu überführen.

    Geert Peeters

  2. Hallo Kai,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich muss gestehen, mich bisher nur mit meinem eingeschränkten Vokabular und den mir bekannten Texten auseinandersetzen zu können und natürlich finde ich es beachtenswert, dass jemand gemerkt hat, wie ich Simmels Text teilweise aus seinem Kontext gerissen habe. Insgesamt ist dein Beitrag für mich persönlich eine Bereicherung, da es Dinge aufzeigt die bedacht und genutzt werden müssen.

    Foucault und Deleuze sind für mich Personen, die bisher anscheinend nicht die Zeit gefunden haben, die sie verdient hätten. Ich gebe dir recht, dass „die Spackeria“ mit ihren bisherigen daran beteiligten Personen noch viele Dinge übersieht, vieles differenziert – teilweise utopisch, teilweise atopisch – betrachtet und ihrem gewählten Begriff einer Form von „Post-Privacy“ noch nicht gerecht wird, doch dass macht diese Sammlung von bisherigen Eindrücken der teilnehmenden Personen aus.

    Dein Ansatz das „vollständig öffentliches, vollständig transparentes Wissen aller über alle auch gewusst werden muss, um als Wissen gelten zu können“ ist absolut interessant doch in seiner Aussage auch wieder nicht ausreichend, wenn ein „zu Ende denken“ versucht werden sollte und überhaupt ermöglicht werden kann. Dieser Ansatz und deine Aussage, dass mittels Computertechnik Daten verarbeitet werden können und müssen ist ja da nur ein weiterer Ansatz. Ich sehe eben nicht die Problematik durch die Zusammenführung von Informationen, sondern wenn die daraus entstehende Form von Wissen der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird, ist sie ein gesellschaftlicher Mehrwert. Dass der Begriff „Mehrwert“ in meinem Text noch nicht gerecht wird liegt an der Tatsache, dass die Sammlung der Texte bisher nur in einem ungefähren Zeitrahmen seit Mitte Februar entstanden sind und es überhaupt noch keinen Konsens gibt, was überhaupt Mehrwert ist, was eine Forderung oder eine gemeinsame Idee ist.

    Die Problematik, dass Wissen nur als gewusstes Wissen auch Wissen ist, noch immer uneingelöst ist, ist aber vielleicht möglich in meinem Gedankenansatz zu klären. Der Zusammenhang könnte der sein, dass durch die freiwillige Bereitschaft veröffentlichter Daten die der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden auch gefordert werden kann, dass diese nicht vor anderen zu schützen sind, sondern im Gegenzug erwartet wird, die daraus entstandene Form von Wissen wieder öffentlich zugänglich gemacht wird und ein Bestandteil der Allgemeinheit wird. Man muss also nicht die Algorithmen kennen, um die entstandenen Ergebnisse verwenden zu können. Basiert der Mehrwert einer Gesellschaft nicht darauf, dass es Spezialisten gibt, die in ihrer Art von Wissen anderes Wissen und Informationen auswerten können und die gewonnenen Ergebnisse der Allgemeinheit wieder zugänglich machen? Selbst ein persönliches Interesse an all dem gewonnenen Wissen ist nicht notwendig, aber die Möglichkeit es zu hinterfragen, selber zu erfahren und durch eventuell beigebrachte Kenntnisse selbstständig belegen zu können ist definitiv eine gesellschaftliche Bereicherung und somit ein Mehrwert.

    „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“ zeigt ja schon, dass private Daten eigentlich nur die Daten sein können, die von einer Person erhoben werden und die man nicht bereit war der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sind sie aber in der Öffentlichkeit gibt es keinen Weg mehr diese Daten nachträglich zu schützen, weil sie öffentlich geworden sind.

    Dein Abschluss, dass das „spakereske Denken“ bisher philosophische Ansätze ignoriert, vieles bisher ausklammert und bisher so wirkt, als sei lediglich die totale Offenheit der heilige Gral den sich die bisherigen Teilnehmer wünschen, ist in soweit falsch, weil es eben noch nichts greifbares, nichts fertig ausgearbeitet gibt. Doch durch deine Beitrag und deine Bereitschaft sich kritisch mit den bisherigen Texten auseinanderzusetzen, hast du mir jedenfalls geholfen und hast somit eigentlich belegt was ich im von dir zitierten Text ausdrücken wollte. Du hast deine Informationen, einen Teil deiner Person und auch ein bisschen Wissen mit mir geteilt, mir somit die Möglichkeit gegeben mich besser mit meinem Text auseinanderzusetzen und mir gezeigt, was definitiv noch fehlt.
    Wäre dein Blogbeitrag nicht öffentlich, ohne die vorhandene Vernetzung die durch Technik – die ich nicht begreifen kann – weitergetragen worden und über Dritte zu mir gelangt, hätte ich darauf verzichten müssen.

    Also, liefer mir Lektüre, setz dich mit den bisherigen Teilnehmern zusammen und helf dabei, religiöses Vokabluar verschwinden zu lassen und völlige Ignoranz von dir bedachten Dingen verhindern zu können.

  3. Firebug sagt:

    Sehr schöne Zusammenfassung, auch wenn man in dem Thema noch nicht so involviert ist gibt dein Eintrag einen guten Überblick.

    Ich finde den Ansatz der Spackeria in so fern gefährlich als dass sich viele Menschen denen die Thematik sowie so lästig ist sich darauf beziehen und ausruhen werden. Er ist in hohem Maße missbrauchsfähig, so wie privates öffentlich und abspeicherbar machen ohnehin schon. Auch wenn man sich durch Zitate von Simmel oder anderen versucht einen seriösen Anstrich zu geben, so kann ich mich dennoch nicht gegen den Eindruck wehren dass wir es schlicht mit den überspannten Ausläufern der „Spaßgesellschaft“ zu tun haben. Es ist schlicht weg zu anstrengend, zu schwierig, zu langweilig auf Datensparsamkeit zu achten. Also schafft man eine pseudo-Rechfertigung es nicht zu tun und zählt auf den Staat und die Unternehmen, die hoffentlich nicht die Kapazität haben alles aus zu werten und denen es auch einfach zu anstrengend, zu schwierig und zu langweilig ist.

    Aber dieses Überwachungsstaatmärchen ist wahrscheinlich nur Propaganda und ich sollte mich da nicht so reinsteigern.

  4. Pingback: Überall Spackos! « Freidaten's Random Ramblings

  5. Ich — der ich mich selbst durchaus zu den Spackeria-Sympathisanten zähle — freue ich über diesen Beitrag, weil er die weltanschaulichen Unterschiede, die hier aufeinanderprallen, so exemplarisch illustriert.

    Was mich traurig stimmt, ist, dass es auch hier wieder zu Beschimpfungen und Verunglimpfungen kommt, die zwar ironisierend und in gewählterer Ausdrucksweise daher kommen, anders, als es in vielen Online-Medien üblich ist, die aber doch erkennen lässt, das man den, der da anderer Ansicht ist, recht abschätzend beurteilt. Ich persönlich fände es schön, wenn die Diskussion über diese Thematik irgendwann einmal einen Punkt erreichen würde, bei dem man dem Gegenüber grundsätzlich zugesteht, dass seine Ansicht nicht zwangsläufig Ausdruck von Dummheit, Ignoranz, Geldgier, Machtgier, Naivität und/oder Böswilligkeit sein muss.

    Ich glaube nicht, dass alle Mitglieder der Spackeria – oder andere, die durch sich selbst oder von Dritten mit dem Etikett Post-Privacy versehen werden – jede Sinnhaftigkeit von Datenschutz verneinen. Und von denen, die das tun, geschieht es meist aus Gründen der Provokation. Ich selbst mag es nicht, diese rhetorische Keule zu verwenden, aber sie hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung, um Denkmuster aufzubrechen. Ein solches Muster ist meines Erachtens der Begriff „Datenschutz“ in der Form, wie er heute in der öffentlichen Diskussion genutzt wird. Datenschutz ist ja keine Primärtugend sondern lediglich Mittel zum Zweck. Und ich denke, grundsätzlich darf man hinterfragen, ob dieses Mittel wirklich das beste ist, um den gewünschten Zweck zu erreichen oder, welche Nebenwirkungen dieses Mittel bei seiner Anwendung zeigt.

    Ich habe da gewisse Zweifel, da die vergangenen 40 Jahre m.E. deutlich gezeigt haben, dass von der Einhaltung des Datenschutzes – mit unterschiedlichsten, immer neuen Vorwänden – stets staatliche Institutionen ausgenommen wurden. Das waren ausgerechnet immer Institutionen, die das, was meines Erachtens in diesem Zusammenhang am schützenswertesten ist – die sog. „Bürgerlichen Freiheiten“ – am stärksten bedrohen. Tatsächlich denke ich, dass diese heutzutage am besten verteidigt werden können, indem ein Höchstmaß an Transparenz geschaffen wird – gerne auch unter Zuhilfenahme des Internets. Leider scheint es mir, dass das durchaus ehrenwerte Ziel der Hackerethik „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.“ in seiner kategorischen Trennung nicht funktioniert. Es sind gerade die Mächtigen, die den „Datenschutz“ gerne dazu missbrauchen, diese Transparenz zu verhindern.

    Hinsichtlich der Bedrohungen des Konsumenten aus dem kommerziellen Bereich fällt es mir bis heute nicht leicht, Beispiele für konkrete Schäden zu finden, die Privatpersonen beispielsweise durch das allseits verpönte „Tracking“ zugefügt wurden. Tracking, Profiling etc. sind Worte, die in dieser Diskussion gerne verwendet werden – und die vollkommen selbstverständlich negativ belegt sind – aber … welche konkrete Bedrohungen dabei auf den Einzelnen zukommen, habe ich selten am Beispiel belegt bekommen. Und diese Technologien sind nicht neu sondern seit vielen Jahren im Einsatz. Die einzigen plausiblen Beispiele, die mir einfallen, sind die Auswüchse des Scorings – das aber ebenfalls schon seit langem und vollkommen ohne Beteiligung des Internets praktiziert wird. Hier kann ich wenig konkrete Bezüge zur aktuellen Diskussion entdecken. Ein großes Problem beim Scoring ist/war exakt die mangelnde Transparenz. Die Benachteiligten haben/hatten stets allergröße Schwierigkeiten, herauszufinden, aufgrund welcher Fakten es zu negative Auskünfte n kam. Sie hatten deshalb beispielsweise auch keine Chancen, Fehler in den Daten zu korrigieren.

    Damit keine Missverständnisse auftreten: ich rede hier über „Bedrohungen“ aus dem privatwirtschaftlichen Bereich, die in der öffentlichen Diskussion komischerweise den breitesten Raum einnehmen. Die Bedrohung der bürgerlichen Freiheiten durch totalitäre oder autoritäre Regime unter Zuhilfenahme moderner Digitaltechnologie halte ich für durchaus real. Diese sind aber durch Bemühungen für mehr „Datenschutz“ nicht aus der Welt zu schaffen. Solche Regime schaffen sich ihre eigenen Gesetze. Das tun übrigens auch demokratische. Das penetrante Beharren vieler „westlicher“ Regierungen auf der Datenvorratsspeicherung zeigt das sehr deutlich.

    Ich denke, das alles sind Aspekte, über die man diskutieren darf oder sogar sollte, und die man nicht einfach mit Denkverboten belegen darf bzw. Vertretern anderer Ansichten die intellektuelle oder moralische Satisfaktionsfähigkeit absprechen muss.

  6. Deef sagt:

    Hallo Kai,

    ich glaube, ich bin auf deiner Seite. Genauer wüsste ich es, wenn der Text nicht so viele Fremdwörter beinhaltete. Wär schön, wenn du es beim nächsten Mal auf mein Spiegelleserniveau runterbrechen würdest.

    Danke und viele Grüße

    Deef

  7. Oh, verkenne mich nicht! Ich verstehe das sehr gut 😉 Und du hast auch einen guten Punkt. Inwiefern die Religiösität jedoch auch eine Projektion ist, sei dahingestellt. Ich bitte um direkte Diskussion.

    Auf Bald.

  8. Timo Mika Gläßer sagt:

    Julia, so lange Du mir direkter Diskussion jetzt nicht Email und also damit privat meinst, wäre die Diskussion sicher wünschenswert. Sonst… einfach nur sehr inkonsequent.

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  10. Pingback: Die Spackeria und das heraufziehende Zeitalter der Transparenz « Stefan Münz

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