Nur Wählen reicht nicht

Geht wählen und entscheidet möglichst nach Inhalten, notfalls mittels Wahl-O-Mat, aber vergesst nicht: Es reicht nicht, einfach nur zur Wahl zu gehen, um den Faschisten zu schaden. Ihr müsst …

  1. … auch gültig wählen, damit die Schwelle steigt, ab der eine Partei 5% der Stimmen hat. Ungültige Stimmen zählen nicht zu dieser Schwelle hinzu. Einfaches Beispiel: Wählen insgesamt 101 Leute und wählt einer davon ungültig, aber fünf davon die AfD, kommt die AfD rein. Wählt jener nicht ungültig, sondern irgendeine andere Partei als die AfD, kommt die AfD nicht rein.
  2. … eine Partei wählen¹, die ziemlich sicher über 5% kommt. Das ist nach der reinen Lehre der Demokratie freilich blöd, klar, aber da die AfD laut Umfragen ziemlich sicher reinkommt, senkt eine gültige Stimme für eine Partei, die unter 5% landet, die Zahl der Stimmen, die nötig sind, um einen Sitz im Bundestag zu erobern. Die Sitze im Bundestag werden bekanntlich nur unter den Parteien, die einziehen dürfen, verteilt. Beispiel: Das hat bei der letzten Bundestagswahl dazu geführt, dass die CDU mit 41,5% der Stimmen 311 von 631 Sitzen bekommen hat, 311 von 631 sind aber ca. 49,3% der Sitze im Bundestag. Da man Ausgleichsmandate eingeführt hat, liegt das nicht an den Überhangmandaten. Nebenbei: Je mehr Parteien unter 5% landen, desto niedriger ist der Zweitstimmenanteil, den eine Partei einfahren muss, um auf die absolute Mehrheit zu kommen.

(¹ Mit der Zweitstimme natürlich.)

Klar soweit?

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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