Wahlverhalten

Ich habe etwas Schreckliches getan! Ich habe ungültig gewählt! Schock!

Allerdings nicht bei der Bundestagswahl, wo jeder, der ungültig wählt, billigend das Erstarken faschistischer Kräfte in Kauf nimmt, sondern bei der Sozialwahl meiner Krankenkasse.

Wieso?

Ich hatte mir vorgenommen, ein simples Kriterium zu nehmen, um die Listen in „wählbar“ und „unwählbar“ zu sortieren. Erst danach wollte ich weitere Fragen nach deren „Programm“ stellen. Dieses Kriterium lautete jedenfalls, ob die Liste Betrugsmaschen wie Homöopathie ablehnt. Lehnt sie es ab, ist sie grundsätzlich wählbar. In allen anderen Fällen ist sie es nicht.

Das klingt nach einem leichten Kriterium – allerdings war es ziemlich schwierig, teils völlig unmöglich, klare Ansagen von diesen Listen, die dort zu Wahl antreten, zu bekommen. Einige haben unumwunden zugegeben, dass sie „alternative Heilmethoden“ toll finden und waren damit sofort raus – ärgerlich, dass es ausgerechnet gewerkschaftsnahe Listen waren.

Andere haben online zu dieser Frage keine Stellung genommen und dann auch meine Frage per E-Mail nicht beantwortet, so dass es keine einzige Liste in die Rubrik „wählbar“ geschafft hat. Und so wurde es ungültig – was ich noch immer besser finde, als gar nicht zu wählen, aber dennoch höchst unbefriedigend.

Bei der Bundestagswahl gehe ich artig gültig und gegen den Faschismus wählen – und Ihr bitte auch, gell?

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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