Kurzkritik: Kant reloaded

Gerade flimmerte eine Sendung namens „Kant reloaded“ (3sat) über meinen Bildschirm. In der sehr modern anmutenden und eigentlich nur dem optischen Zeitgeist ergebenen Sendung wurde der Frömmelei der Eltern Kants etwas Raum gegeben, der theoretischen Philosophie Kants kaum, der praktischen Philosophie einiges an Raum. Kein Wort aber verlor die Sendung über Kants späte Religionsschrift, die ihm ein Lehrverbot einbrachte und die ganze Schärfe der kantischen Philosophie an einem beliebten Streitthema durchdekliniert. Ich war ein wenig enttäuscht und wunderte mich, wieso man eine so schöne Blüte des kantischen Schrifttums einfach überginge.

Am Ende der Sendung wurde mir alles erklärt:

Redaktion: Gert Scobel

Demnächst sollte ich vielleicht eine Sendung über die katholische Kirche moderieren. Das wäre dann ähnlich objektiv. Denn wie Wikipedia schreibt:

Scobel studierte Philosophie und katholische Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, wo er 1983 das Diplom ablegte […].

Wenn man einen Teich trocken legen will, sollte man nicht die Frösche fragen.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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Ein Kommentar zu Kurzkritik: Kant reloaded

  1. Oscar sagt:

    Ich finde es viel schlimmer, wie Kants Philosophie mystifiziert wird. Ich gestehe dem Film zu, dass viel Ästhetisches an Kants Philosophie ist; aber das Ganze wirkt schrecklich affektiert und dringt nicht zu den Textstellen durch, die zitiert werden. Diesen Affen beim Ablesen des Teleprompters zuzusehen ist eine Beleidigung Kants!

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