Wie Licht die Motten…

Ich habe schon länger das Gefühl, dass ich Idioten verschiedenster Art anziehe wie das Licht die Motten. Ich habe lange gerätselt, woran das liegen mag, denn ich suche diese jämmerlichen Kreaturen gewiss nicht auf, um mich an ihrer Dummheit zu ergötzen. Ich versuche ja sogar noch, diese Wesen nach Kräften zu vermeiden, aber jeden Tag finden sich ein oder zwei dieser Wesen, die mir beharrlich nachstellen, bis ich Ihnen mit aller Breitseite übers Maul fahre. Dann bin ich zwar – mal wieder – das arrogante Arschloch, hab aber wenigstens meine Ruhe.

Nur wieso folgen mir diese Idioten?

Ich habe jetzt eine Theorie! Es muss an meinem Nachnamen liegen: Denker. Das ist mein „Mädchenname“, denn ich habe nie geheiratet oder sonst Anlässe gehabt, meinen Namen zu ändern. Wieso sollte ich auch? Eigentlich ist er ja ganz schön und passt lustigerweise zu meinem Beruf, den ich mir gewiss nicht aufgrund des Namens ausgesucht habe.

Ich vermute aber, dass es am Namen liegt und möchte eine Erklärung versuchen. Der Grund ist, dass den Idioten im Deutschunterricht immer wieder eingetrichtert wurde, in verhassten Dramen und Trauerspielen trügen Charaktere ihren Namen nie aus Zufall. Man denke doch nur an den „Wurm“ aus Schillers Kabale und Liebe. Da es aber nun den gemeinen Idioten auszeichnet, nicht eigenständig denken zu können beziehungsweise bloß für sich denken zu können, also in einer Art Wahnsinn des Eigendünkels ohne jede Möglichkeit der externen Korrektur zu ersaufen, merken sie nicht, dass das Leben sich trotz Hollywood und ultimativ perverser Kunstform (Žižek) nicht dem Drama gleicht und im Realen nicht hinter jeder Ecke der Witz eines Autors oder Autorenkollektivs lauert, sondern schnödester Zufall. Und so nehmen diese Idioten „nomen est omen“ für wahr, sehen Denker und fühlen sich sogleich provoziert – als ob es schon schlimm genug sei, dass jemand so heiße, aber wehe er sei auch noch auch nur einen Gran klüger „als wie der Normalo“(sic!), der man selbst sei.

Und so sülzte mich gerade mal wieder eine Frau voll und als ihr „Argument“ ihr schneller abhanden kam als einem Unionspolitiker die Wahrheitsliebe, schleimte es aus ihr heraus, wie es aus so vielen Idioten so schnell herausschleimt: „Na, Dein Name…“

I rest my case.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
Dieser Beitrag wurde unter Wayne-Blogging veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Wie Licht die Motten…

  1. Ich glaube einfach das es deine unglaubliche Ausstrahlung ist die diese Menschen anzieht 😉

  2. Pingback: Homöopathika idiotensis | Kai Denker

Kommentar verfassen