Der Herr der Maschinen

Ich muss gerade daran denken, wie ich mich mal über eine sehr sehr dumme Bemerkungen über den Windows-Update-Mechanismus in einem Text, von dessen redaktioneller Betreuung ich nicht unendlich weit entfernt war, beklagte, aber nicht erhört wurde. Ich muss auch daran denken, wie mal jemand auf einer Veranstaltung aus dem Publikum fragte, ob man zulassen solle, dass Windows Updates einspiele, man wisse doch gar nicht, was da durch die Leitung komme. Es wäre doch gewiss sicherer, Updates abzulehnen.

Ein wesentliches Problem an Updates ist nicht, dass es sie nicht oder nicht rechtzeitig gäbe, sondern das sie die hochnotbescheuerte Fiktion durchbrechen, man beherrsche auch nur Ansatzweise, was auf der Maschine stattfindet. Da der Technikpessimismus in seinen dümmlicheren Formen das Problem mit der Technik auf ein triviales Autonomie-Problem reduziert, verhindert er einen differenzierten Umgang mit dem Problem und setzt an die Leerstelle, an der eine gute Lösung sein sollte, einen Cargo-Cult, in dem die sachliche Entscheidung durch die alternativ-sachliche Entscheidung ersetzt wird: Ich beherrsche die Maschine, ich lehne Updates ab! Sie gehorcht, also beherrsche ich sie und nicht sie mich. – Dass das an Impfkritik erinnert, ist kein Zufall.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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