Ungleiches ungleich, Gleiches gleich behandeln

Wenn jemand das Denken nur auf der Latrine geübt hat, braucht es nicht zu wundern, dass alles, was dieser jemand als Gedanken ausgibt, erbärmlich stinkt. So verhält es sich auch mit denen, die sagen, dass man gleichgeschlechtliche Paare in der Lebenspartnerschaft der BGB-Ehe völlig gleichstellen solle, den Namen „Ehe“ aber nicht zuschreiben solle, denn dieser bedeute ja irgendetwas und das schon seit ungefähr drölfzigtausend Jahren. Zwar habe er in dieser Zeit gewiss so ziemlich alles bedeutet, aber dass er irgendwann auch einmal eine „gleichgeschlechtliche Ehe“ bedeutet habe, davon haben diese Jemande auf der Latrine freilich noch nichts gehört. Also pressen sie als Produkt auf oder aus ihrer einfachen Toilettenanlage ohne Spülung etwas heraus, was sie mangels Sauerstoffs als kritischen Gedanken imaginieren: Man müsse gleich stellen, aber dürfe nicht gleich nennen. Denn es sei nicht das gleiche. Aber was gleich sei, müsse man gleich behandeln, aber was ungleich sei, das müsse man ungleich behandeln. Deswegen ist ihnen auch so wichtig, dass sie völlig auf der Seite der völligen rechtlichen Gleichstellung stehen, es also nach ihnen gnadenvollst keine Ungleichbehandlung mehr geben solle. Die Lebenspartnerschaft solle in allen rechtlichen Folgen gleich der Ehe behandelt werden, aber da man nur das, was gleich sei, gleich behandeln dürfe, und jene dieser nicht gleich sei, dürfe sie nicht gleich behandelt werden. In allem sei sie also gleich zu behandeln, aber doch bitte wenigstens nicht im Namen. Das ist nun also der einzige Moment ihrer Ungleichheit, der sich daran rechtfertigt, dass sie ungleich ist, was man nach der völligen rechtlichen Gleichstellung, die auch von der Latrine aus gefordert wird, allerdings nur noch am Namen ersehe. Der Name müsse ungleich sein, weil… der Name ungleich sei. Der Name dürfe nur gleich sein, wenn… er schon gleich wäre. Bekanntlich verändert sich auch das Brot, wenn man es über die Grenze nach Frankreich trägt. Es mag ein und dasselbe Brot sein, heißt nun aber pain und ist damit etwas anderes geworden. Kommt es auf den Namen an, dann ist die Ungleichheit trivial und nur Dummköpfe glauben an sie. Kommt es nicht auf den Namen an, darf er nicht als Grund der Ungleichheit herhalten, aber dann darf sich die Ungleichbehandlung auch nicht in ihm erschöpfen. Dann müssten diese Latrinendenker eine Ungleichbehandlung jenseits des Namens fordern. De facto tun sie das zwar, weil sie natürlich homophobe Scheißer sind, aber das bestreiten sie freilich gänzlich. Es ist ihnen wohl genug, dass man ihre Nähe zu braunen Massen bereits olfaktorisch auf die Nase gebunden bekommt. Bestritten sie uns aber diese Diagnose, müssten sie zugeben, dass sie etwas, was von ihnen als ungleich definiert wurde, als gleich zu behandeln forderten. Das ist unlogisch genug, dass nur jemand, der an besagtem Ort das Denken geübt hat, es für argumentativ vertretbar hielte, während doch alle anderen daran zu erinnern hätten, dass man das Denken, wennschon einem natürlichen Bedürfnis folgend, doch bitte nicht auf einer Latrine, sondern auch einem WC, das der Latrine schließlich doch auch völlig ungleich sei, üben möge, damit man, wenn man allzu große Scheiße fabriziert hätte, sie wenigstens wegzuspülen im Stande wäre. Es gilt doch: Gleiches solle man gleich, Ungleiches aber ungleich behandeln. Der hier vorgeführte Unrat ist einem jeden möglichen und einem jedem realen Gedanken ungleich. Die Latrinendenker sollten also nicht verlangen, dass ich ihre Verbalexkremente mit der gleichen Ernsthaftigkeit bedenke, wie ich es bei wirklichen Gedanken zu tun pflege.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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