Schwuler Sport

Gestern saß ich in Darmstadt im F-Bus vom Schloss zum Hauptbahnhof. Am Luisenplatz stieg ein junger Typ, blaues Shirt, ein, fing sofort an zu telefonieren und berichtete so laut, dass der ganze Bus es hören könnte, von seinem tollen neuen wissenschaftlich begründbaren Hochintensitätsfettverbrennungssport namens „Tabata“:

Der heißt Tabata… ja, ich weiß, das klingt total schwul. Der ist aus Japan. Die haben doch alle so Namen.

Mir schräg gegenüber saß eine Speckbarbiejunge Frau, die sich über die Bezeichnung eines japanischen Nachnamens als schwul sichtlich amüsierte. Ich schaute sie streng an und schüttelte den Kopf. Sie verstummte und schaute verschämt weg – offenbar wissend, dass ihr Amüsement unangemessen war.

Warum ich das erzähle? Weil ich mich über mich selbst ärgere. Ich hätte dem Typen sofort ein „Ey!“ an den Kopf knallen sollen. Hätte. Andererseits habe ich keine Lust, jedesmal, wenn irgendein (vermutlich heterosexueller) Vollidiot irgendwo seine Arschlochigkeit zelebriert, zu widersprechen. Ich habe überhaupt keine Lust, mit solchen Menschen überhaupt irgendwas zu tun zu haben. Wer mag schon Arschlöcher? Und wer mag dann mit diesen Leuten auch noch reden wollen? Und sei es nur ein „Ey!“…

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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Ein Kommentar zu Schwuler Sport

  1. Güldenklee sagt:

    Ist das Partyvolk wochenends betrunken, müssen junge Schwule in Schwerin um ihre körperliche Sicherheit bangen. Mit Bestimmtheit ist es nicht nötig, alle Wikingernachkommen hier im Norden sufurt in die rechte Ecke einzusortieren, mit Sicherheit sogar ist das Problem viel größer: Die sind einfach doof und haben Spaß an der Provokation und an einem Sozialverhalten, das seit Römers Zeiten als barbarisch betitelt wird. – Ja, es ist ein ein trauriges Zeugnis das der Bildungspolitik in MV und dem sozialen Korrektiv hinsichtlich dessen auszustellen ist. In dieser Hinsicht habe auch ich manchmal in „Mitarbeit“ nur eine 3 verdient. Dafür aber dass z.B. notwendige Sozialarbeiterstellen unbesetzt bleiben, ist dem zuständigen Ministerium eine Ohrfeige zu erteilen. Auf diese Art, Herr Brodkorb, wird dat nich besser, nech!?

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