Der unbestimmte Artikel

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die eine Geisteshaltung verraten. Diesmal ist es eine Artikelüberschrift:

London: Partner eines schwulen Journalisten festgehalten

Gemeint ist Glenn Greenwald, dessen Lebenspartner von britischen Beamten am Flughafen Heathrow schikaniert und ausgeplündert wurde. Das Medium, das diese denkwürdige Überschrift produziert hat, ist das schwule „Nachrichtenportal“ queer.de, das sich in den vergangenen Jahren vor allem dadurch hervorgetan hat, dass es die Piratenpartei hasste, Netzpolitik geringschätzte und sich tief ins Gesäß von Volker Beck und seiner Partei vergraben hat. Entsprechend ist queer.de hinsichtlich NSA-Skandals auch ein Totalausfall:

gayromeo.com sitzt mittlerweile in den Niederlanden, ist also „Auslandsdatenverkehr“. Der BND möchte die Überwachung von „Auslandsdatenverkehr“ ausbauen. recon.com, das sich an schwule Fetischisten wendet, sitzt in Großbritannien und wer in den letzten Monaten nicht unter einem Stein, sondern in der Nähe einer Zeitung o.ä. gelebt hat, hat mitbekommen, dass die Briten wenig Zurückhaltung bei der Massenspeicherung kennen. Hinzu kommt, dass recon.com kein HTTPS unterstützt und so alle Bilder der geneigten Gummi- und Lederfetischisten komplett unverschlüsselt durch die Abhörhardware läuft. Es gäbe also eine Menge schwuler Themen am Überwachungsskandal und es gäbe genug Grund, mal die eine oder andere Frage zu stellen – und sei nur, dass queer.de mal bei recon.com anfragt, wie es denn so mit HTTPS aussieht.*

Doch nichts davon auf queer.de. Anzahl Beiträge: NULL.

Grandioser kann man ein Thema nicht verkacken und ich kann mir nicht vorstellen, wie sich queer.de noch weiter blamieren will.

 

 

* Ja, es ist mir bekannt, dass HTTPS Geheimdienste nicht wirklich abhalten wird. Dennoch ist es ein kleiner Skandal, dass recon.com kein HTTPS unterstützt.

Über Kai Denker

Kai Denker studierte Philosophie, Geschichte und Informatik an der TU Darmstadt. Seitdem sitzt er an einer Promotion in Philosophie mit einem Projekt zu dem Problem der Mathematisierbarkeit von Sprache bei Gilles Deleuze. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Fortentwicklung interdisziplinärer Lehre und publiziert über Philosophie, Wissenschaft, Cybersecurity und Netzkultur.
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2 Kommentare zu Der unbestimmte Artikel

  1. Güldenklee sagt:

    Lakonischer kann man es nicht darstellen. Und gerade für mich, der zwar nicht unterm Stein, dafür aber meistens in Archiven und Depots lebt, sind derart Artikel notwendiger als sonstige Tageszeitungen.

  2. Pingback: https://recon.com/ | Kai Denker

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