Neuer Datenschutzskandal bei Reality®

Wie empirische Datenschützer berichten, verbreitet der Wirklichkeitsdienst Reality® massenhaften Daten von öffentlich nackt herumlaufenden Personen. Die Bundesverbraucherverblödungsministerin kündigte bereits eine umfassende Skandalisierungskampagne an. Sie fordert Reality® auf, den Bürgern eine Widerspruchsmöglichkeit einzuräumen:

Jeder soll das Recht haben, der unverpixelten Übertragung von Geschlechtsteilen durch Realitätsmedien zu widersprechen.

Der Aufforderung, doch in der Öffentlichkeit einfach nicht nackt herumzulaufen, wie sie etwa vom chaotischen Nacktheitsheitsverein erhoben wurde, erteilte die Ministerin eine Absage:

Wir können nicht von jedem Bürger erwarten, dass er oder sie weiß, wie man sich so anzieht, dass die Geschlechtsteile öffentlich nicht beobachtet werden können. Ich sehe hier die Ankleidungsexperten von Reality® eindeutig in der Pflicht. Es kann nicht sein, dass arglose Bürger nackt über die Straße gehen und dabei gesehen werden. Reality® hat dafür zu sorgen, dass seine Mitarbeiter auf den Straßen offen zugängliche Geschlechtsteile verpixeln und sich deren Aussehen nicht merken.

Mit seinem neuen Dienst Reality-LightView® erlaubt der größte physikalische Realitätsanbieter die Übertragung von sich strahlenförmig ausbreitenden Informationsquanten. Diese werden im Sprachgebrauch der Firma „Licht“ genannt. Skeptiker kritisieren schon einige Zeit, dass Reality® nicht darüber informiert, ob „Licht“ nun aus Wellen oder Teilchen besteht und dass dessen genaue Natur noch nicht wissenschaftlich ausreichend erforscht sei. Dermatologen weisen darauf hin, dass sich im Tierversuch ein Zusammenhang von intensiver Licht-Bestrahlung und Hautkrebs ergeben hat.

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Von Fröschen

Eine antidemokratische, homophobe, sexistische, ausländische Organisation, die in der Vergangenheit durch ihre Verstrickungen in Faschismus und durch die Vertuschung von Kindesmissbrauch aufgefallen ist, kritisiert eine Arbeitsgruppe in einer demokratischen Partei, die sich kritisch mit der erstgenannten Organisation auseinandersetzen will. (Link)

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Homohasser Raab

Ich schrieb ProSieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

http://www.queer.de/detail.php?article_id=12925
http://rtl-now.rtl.de/comedypreis.php?player=1&play_now=1 bei 1:29

Ist Ihnen bekannt, dass im Nationalsozialismus homosexuelle Männer von „Ärzten“ „behandelt“ wurden? Ist Ihnen bekannt, dass homosexuelle Männer seit der Medikalisierung des Sexualitätsdiskurses in den 1860er Jahren bis Ende des 20. Jahrhunderts verschiedene „Behandlungen“ wie Kastrationen, Hormontherapien, Elektroschocks, Drogenverabreichungen, Hodentransplantationen, Gehirnoperationen, Psychotherapien aber auch staatliche Verfolgung in Gefängnissen, Psychiatrien, Zwangs- und Arbeitslagern, Konzentrationslagern, aber auch Enteignungen und Verbannungen über sich ergehen lassen mussten? Ist Ihnen bekannt, dass homosexuelle KZ-Häftlinge KZ-Ärzten für besonders grausame, oft tödliche Experimente überlassen wurden? Ist es Ihnen bekannt, dass die Bundesrepublik die Entschädigung der Opfer noch immer ablehnt und die Aufarbeitung der Verbrechen jahrelang behindert hat? Ist Ihnen bekannt, dass fundamentalistische christliche Sekten noch heute die „Heilung von Homosexualität“ gegen jede wissenschaftliche Evidenz durch „Psychotherapie und Gebet“ propagieren? Dass diese Behandlungen praktisch immer Depressionen auslösen? Ist Ihnen bekannt, dass u.a. dadurch die Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen die  unter heterosexuellen Jugendlichen um das 3-4fache übersteigt und dass die Rate psychischer und körperlicher Schädigungen durch derartige „(christliche) Heilversuche“ bizarre und erschreckende Werte annimmt?

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Äußerung Ihres Moderators Stefan Raab aufs schärfte zu verurteilen und als das zu bezeichnen, was sie sind: als zynisch und pervers. Angesichts der Verbrechen, die in den letzten 2000 Jahren, insbesondere in den letzten 150 Jahren seitens der Medizin an homosexuellen Menschen verübt wurden, ist ein solcher „Witz“ ebenso unangemessen wie eine Beschimpfung von jüdischen Menschen. Hätte Herr Raab gesagt, er habe sich für den Preis extra beschneiden lassen, könnte er sich wohl nach einer neuen Sendeanstalt umsehen. Ich kann nur hoffen, dass Sie den Mut besitzen, diese entsetzliche Äußerung durch eine Identifikationsfigur Ihres Hauses nicht zu dulden.

Hochachtungsvoll,
Kai Denker

Dass gilt „Bad news is good news“ ist mir schon klar, aber dennoch sollte jeder wissen, was dieser Typ von sich gibt.

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Piratenpartei: Auf beiden Augen blind?

Ich komme gerade aus der Mensa zurück (Der Fisch war mittelmäßig, de Bratkartoffeln peinlich.) und was muss ich lesen?

Die Piratenpartei Hessen fordert einen sofortigen Sendestopp der Sendung „Tatort Internet“, nachdem die Identität eines Mannes aufgedeckt wurde.

Äh ja, sagt mal, Leute, geht’s noch? Wie kann man im Netz von Zensur rumjaulen und im TV de facto Zensur fordern? Natürlich ist „Tatort Internet“ ein scheußliches, geschmackloses Format, aber dessen Ende zu fordern, passt ja nun nicht wirklich ins Konzept. Hätte es eine ausgiebige Skandalisierung der mangelnden Anonymisierung und daraus folgender Kritik an der völligen Abwesenheit von journalistischer Professionalität und jeden Anstands in der Sendung nicht auch getan? Musste man gleiche den Sendestopp fordern? Vermutlich ist es einfach nur ein Beißreflex Richtung Frau Guttenberg:

„Frau zu Guttenberg ist offensichtlich bereit, das Leben vieler Menschen zu zerstören, nur um die Stoppschild-Propaganda für Internetsperren wieder salonfähig zu machen.“

Genau! Stoppschilder für Stoppschild-Propaganda! Grandioses Eigentor!

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Ungeschickte Firmennamen

Hier in Darmstadt ist ein neuer Friseur, der auch Kinowerbung macht und sich als Logo Sweeney Todd ausgesucht hat.

Wer die Geschichte nicht kennt: Sweeney Todd hat als BArbier an seinen Feinden schreckliche Rache genommen und sie zu Pastete verarbeiten lassen. Da gibt es ein wunderschönes Video mit Angela Lansbury:

Was kommt als nächstes? Zahnärzte mit Bohrmaschinenlogos? 😉

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Facebook geht gegen Homophobie vor

Zugegeben: Ich habe ja immer ziemliche Bauchschmerzen, wenn sich Web-Anbieter in die Meinungsäußerungen ihrer Kunden einmischen. Diesmal ist es gegen Homophobie sein, das nächste Mal könnte es gegen Religionskritiker sein. Bedenkt man aber die Gewaltwelle, die die US-Community derzeit offenbar in Form von Selbstmorden, Entführungen, Folter erlebt, dann kann ich nicht anders, als mich über Facebook zu freuen, die laut Queer.de gegen Homophobie vorgehen. Wenn die europäische Wahrnehmung der US-Hassprediger nicht völlig verzerrt ist, dann war es ja nur eine Frage der Zeit, bis sich deren Hetze so aktualisieren würde.

PS: Ich habe übrigens „Social Network“ im Kino gesehen. Es geht um die Gründung von Facebook und wird an den Prozessen, denen sich Facebook ausgesetzt sah, entlang erzählt. Dadurch wirkt der Film zunächst etwas sprunghaft, lohnt aber durchaus.

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Tatort Internet

Ich wollte eigentlich etwas zu dieser Sendung schreiben, aber es gelingt mir nicht. Bei jedem Versuch habe ich sofort wieder die klammheimlich-laute Freude der Journalistin vor Augen, die in widerlichster Ästhetik ihren persönlichen Triumph feiert, einen pädophilen Mann in einem Chat solange heiß gemacht zu haben, bis sie ihn vor die Kamera bringen konnte, und ich will kotzen. Die ganze Sendung ist so krank, dass man einfach nicht mehr zu ihr sagen kann.

Sagen lässt sich allenfalls noch zu einigen beteiligten Personen dieses: Es ist eine unglaubliche Beruhigung, dass sich die „Schützt endlich unsere Kinder vor dem Internet!“-Heulbojen bei RTL2 selbst zerlegen. Wer auf einem solchen Sender mit Kindesmissbrauch Quote und höchstwahrscheinlich Kohle machen will, disqualifiziert sich für jede sachliche Diskussion.

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Es räumelt gar sehr (Stipendium)

Ich wurde ja in einem Kommentar vor einigen Tagen gefragt, was für ein Stipendium ich denn hätte. Ich bin im Graduiertenkolleg »Topologie der Technik« an der TU Darmstadt und arbeite dort zu einem Promotionsprojekt im Fach Philosophie, das sich mit Macht in virtuellen Räumen beschäftigt. Das Kolleg wurde vor einiger Zeit begangen, d.h. wir hatten DFG-Gutachter im Haus, die uns auf Herz und Nieren geprüft haben. Deren Votum entscheidet aber nicht alleine über unsere Finanzierung, sondern dies wird letztlich im November von der DFG höchstselbst vorgenommen. Ich will und kann der Entscheidung nicht vorgreifen, aber wir sind so gut bewertet worden, dass es ganz gut aussieht.

Bevor ich nun aber noch lange herum rede, verbreite ich lieber unsere neue Ausschreiben – vorbehaltlich der Entscheidung im November 😉

Das interdisziplinäre Graduiertenkolleg

Topologie der Technik

ist am Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften der Technischen Universität Darmstadt angesiedelt. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Forschungsgegenstand des Graduiertenkollegs ist das Spannungsfeld von Technik und Raum. Das Forschungsprogramm zielt – jenseits direkter „Technikfolgen“ – auf die Situiertheit, auf die Raum verändernde und Raum bildende gesellschaftliche Wirkungsmacht insbesondere sogenannter „neuer“ Technologien. Techniktheoretischer Ausgangspunkt ist ein nicht gerätegebundenes Grundverständnis von Technik als „materiellem Dispositiv“. Raumtheoretisch wird beim relationalen Charakter von Räumen angesetzt. Die Beteiligten des Kollegs untersuchen die Topologie der Technik auf vier Ebenen: alltagsräumliche Persistenz, Disposition von Handlungsräumen, Planungs- und entwurfsbasierte Raumkonstruktion sowie simulationstechnische Modellierung.

Näheres zum Forschungs- und Lehrprogramm sowie Informationen über die Gruppe der beteiligten Professor/innen finden Interessierte unter http://www.ifs.tu-darmstadt.de/gradkoll-tdt

Vorbehaltlich einer noch ausstehenden Bewilligungsentscheidung werden zum 01.12.2010 ausgeschrieben:

6 Doktorand/innen-Stipendien
und
2 Postdoc-Stipendien

Promotionsstipendiaten (max. 3 Jahre) werden in erster Linie für die folgenden Fächern gesucht: Informatik, Literaturwissenschaft, Maschinenbau, Philosophie, Raumplanung sowie Sportwissenschaft. Für die Postdoc-Stipendien (max. 2 Jahre) können sich auch Historiker/innen und Soziolog/innen gerne bewerben.

Zum Konzept des Kollegs gehört es, die interdisziplinäre Zusammenarbeit unter den beteiligten Nachwuchs-wissenschaftler/innen zu unterstützen – unter anderem durch die Bereitstellung von gemeinsamen Räumlichkeiten. Es wird verlangt, dass die Stipendiat/innen während der Förderzeit ihren Wohnsitz in Darmstadt mit Umgebung nehmen. Die Teilnahme am Lehrprogramm des Kollegs ist verpflichtend; die Möglichkeit eines längeren Auslandsaufenthaltes ist gegeben.

Bewerbungen werden erbeten in elektronischer Form an
topologie@ifs.tu-darmstadt.de bis zum 01. November 2010

Beizufügen sind (1) ein Lebenslauf, (2) die aka¬dem¬ischen Zeugnisse, (3) eine Ideenskizze von bis zu fünf Seiten für ein Promotionsprojekt und (4) die Nennung von mindestens zwei HochschullehrerInnen als Referenz. Das Bewerbungsschreiben soll die sachlichen Gründe und die persönliche Motivation für die Bewerbung beinhalten. Die eingereichten Ideenskizzen
sollen sich auf Themen und Thesen des Forschungsprogramms beziehen.

Für Nachfragen stehen die Sprecher/innen des Graduiertenkollegs zur Verfügung: Prof. Dr. Petra Gehring (gehring@phil.tu-darmstadt.de) und Prof. Dr. Mikael Hård (hard@ifs.tu-darmstadt.de).

Den meisten Doktorand/innen werden ein Stipendien von 1.365 € angeboten (für Eltern und Postdocs gelten höhere Sätze). Nähere Informationen zu den Förderbedingungen finden Sie unter www.dfg.de

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Zweites BKA-Geheimpapier

Von der Presse unbeachtet gibt es ein zweites internes Geheimpapier des BKA, das nur für den Dienstgebrauch bestimmt ist, keine politischen Forderungen enthält und derzeit vom BKA von einer undichten Stelle im BKA an alle Redaktionen gefaxt wird. Darin beklagt das BKA, dass es aufgrund verfassungsrechtlicher Hürden nicht alle Straftaten aufklären kann. So weit das BKA darauf hin, dass

  • eine flächendeckende Videoüberwachung in Wäldern, Kommunen und Privaträumen derzeit grundgesetzlich verboten sei, aber viel zur Aufklärung von Straftaten beitrage. Es dürfe keine unüberwachten Stellen geben, so das Papier.
  • eine durchgehende Aufzeichnung aller Äußerungen und Wahrnehmungen eines jeden Bürgers als ergänzende Maßnahme unabdingbar sei. So stünden mittlerweile die technischen Möglichkeiten zur Verfügung, um alle Lebensäußerungen und alle Wahrnehmungen eines Menschen ab der Geburt aufzuzeichnen. Das BKA veranschlagt hierzu in einer konservativen Schätzung 500 TB pro Bürger und Leben. Leider verbietet Karlsruhe noch eine gesetzliche Pflicht, permanent Aufzeichnungsgeräte am Körper zu führen.
  • eine permanente Erfassung von GPS-Daten ebenso von Karlsruhe verboten, für eine effektive Strafverfolgung aber unverzichtbar sei. Hierzu schlägt das BKA vor, jeden Bürger ab Geburt mit einer Ortungswanze auszustatten, die Aufenthaltsorte mit dem GPS-System ebenso aufzeichnet, wie die ID von anderen Ortungswanzen in der unmittelbaren Umgebung sowie örtliche Bluetooth- und WLAN-Geräte. Diese Daten könnten über das Mobilfunknetz an das BKA übertragen werden und dort für die Strafverfolgung permanent bevorratet werden. Das BKA schlägt vor, in einem zweiten Schritt alle Konsumprodukte, alle Tiere und alle Lebewesen mit einem RFID-Chip auszustatten, um etwa Straftaten wie das Zurücklassen von Müll an Autobahnen effizient aufklären zu können.

Das BKA verspricht sich von den Maßnahmen eine effektive Aufklärung von bisher de facto straffreien Verbrechen wie Kinderpornographie, Falschparken, Mord, Demonstrationsrechtausübung, Regierungskritik, Raubmordkopie, Müllabladen, Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Terrorismus, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Kindesmord, Kinderpornographie, Terrorimus, Linksterrorismus, Chaotentum, Urheberrechtsverletzungen und KANN DENN NICHT NUR EINMAL JEMAND AN DIE KINDER DENKEN?!

Derzeit gehe die Aufklärungsquote von Verbrechen in Deutschland gegen Null, was vor allem auf die grundgesetzlichen Hürden zurückzuführen sei. Die Sicherheit der Bevölkerung und insbesondere der Kinder sei nicht gewährleistet. Das BKA regt an, die grundgesetzlichen Hürden bei der Strafverfolgung abzubauen, um wieder eine effektive Strafverfolgung on- wie offline zu ermöglichen. Es könne nicht sein, dass den Strafverfolgungsbehörden dringend notwendige Ermittlungsinstrumente mit Hinweis auf Freiheitsrechte vorenthalten würden, heißt es in dem ausdrücklich unpolitischen, internen Geheimpapier. Die Politik müsse unbedingt auf die zunehmend linkssubversive Beschränkungspolitik Karlsruhes reagieren und hierzu auch zu einer Änderung des Grundgesetzes bereit sein.

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Wie Sie sehen, sehen Sie…

Ich bin gerade auf einer Summerschool zur Visualisierung des Raums. Eigentlich hat das recht wenig mit meiner gegenwärtigen Arbeit zu tun, aber da man die Teilnahme von mir erwartete und außerdem die Kosten übernommen wurden, verbringe ich diese Woche nun doch in einer evangelischen Begegnungsstätte in Rheinland-Pfalz. Hier hat man mich gleich mit protestantischer Kochkunst und Zimmerbibeln verwöhnt, aber das nur nebenbei.

Wir haben jetzt so ungefähr die Hälfte dieser interdisziplinären Summerschool hinter uns und ich frage mich immer mehr, was ich hier soll. Mit einer Kollegin hatte ich gestern in einem Beitrag versucht, die Repräsentationskritik bei Deleuze/Guattari mit einem starken Raumbezug aufzubereiten und schließlich auf ein Beispiel technisch konstituierter Räume zu beziehen. Die anschließende Diskussion hing dann weitgehend an unserem technischen Beispiel fest und war, wie ich finde, ziemlich enttäuschend. Es gab nur recht wenige Wortmeldungen, die allesamt nicht auf unseren theoretischen Unterbau eingingen. Zwar haben uns später noch Leute angesprochen und unseren Beitrag als „erfrischend“ und „inspirierend“ bezeichnet, aber dass wir brillant sind, wussten wir vorher ja eigentlich auch schon… 😉

Um die Visualisierung von Raum geht es auf dieser Summerschool selbst aber kaum: Etwa 70% der Beiträge beschäftigen sich mit der Frage, wie Daten visualisiert werden können und einige auch damit, wie so eine Visualisierung auf unsere Lernprozesse zurückwirkt. Das mag für sich genommen ja durchaus interessant sein, hat aber nun nicht so sonderlich viel mit dem Raum zu tun – witzigerweise ein Vorwurf, der andersherum unserem Beitrag gemacht wurde: Man fragte uns, wo denn bei uns bitte die Visualisierung stecke. Gut – dass Repräsentation nicht so eng mit Visualisierung zusammenhängt (gleichwohl auch nicht getrennt ist), ist ja nun richtig, aber was soll ich als sprachanalytisch denkender Philosoph auch groß zur Visualisierung sagen? Da hätte man eher einen Phänomenologen fragen sollen. Allerdings haben die bisherigen Vorträge, soviel sie auch zur Visualisierung gesagt haben, recht wenig theoretisch substantielles zum Raum gesagt.

Das Problem der geschickten Visualisierung von Daten ist zwar nun durchaus ein komplexes und für viele Forschungsfragen sicher auch interessantes Thema, doch zeigt das Verschwinden des Raums als eigentlich Untersuchungsgegenstand im weiteren Sinne eine Schwierigkeit dieser ganzen Summerschool: Der Raumbegriff bleibt gänzlich unbestimmt. Zwar sind sich alle irgendwie einig, dass wir einen relationalen Raumbegriff haben wollen, der einer bestimmten Mode folgend „topologisch“ heißt, aber damit hat es sich auch wieder. Das ist überhaupt ein Problem dieser ganzen Raumdiskussionen, sobald sie sich in einem interdisziplinären Umfeld bewegen: Aus dem topologischen Minimalkonsens folgt wenig konkretes und spannende Kooperationen ergeben sich allenfalls für einzelne Themen mit wenigen, nahe beieinander stehenden Fächern. Der Versuch, die Raumforschung immer gleich zur großen Interdisziplinarität aufzublasen, überzeugt dagegen immer weniger. Vollends schwierig wird es, wenn so ein groß-interdisziplinär unterbestimmter Raumbegriff auf etwas dagegen deutlich konkreteres wie Visualisierung bezogen werden soll. Fast alles, was es innerhalb der einzelnen Fächer zu sagen gibt, konzentriert sich auf Visualisierung eines eigenen, fachspezifischen Raumkonzepts – Das ist keine Kritik! – verliert aber aufgrund des ebenso unterbestimmten Visualisierungsbegriffs jede groß-interdisziplinäre Anschlussfähigkeit (Das ist die Kritik.).

Der naheliegende Vorschlag lautet, sich auf einen Begriff der Visualisierung zu einigen. Nun, was ist denn das allgemeinste, was man sieht? Um das Ende der Debatte gleich vorweg zu nehmen: Letztlich landet man wieder beim Text oder bei etwas, was einem Text in bestimmter Hinsicht gänzlich ähnelt. Man denke nur einmal an die Begriffsschrift Freges, die auch nicht ausdrucksmächtiger war als die Notation Peanos. Dann aber zwischen einer abstrakten Topologie, die letztlich nur eine strukturierte Menge ist, einem relationalen Raum, also einem Raum von Relationen zwischen Dingen, oder einer Visualisierung, etwa Tinte auf einem Stück Papier, zu unterscheiden, wirkt beinahe künstlich, beinahe wie eine Verlegenheitslösung. Und das finde ich, obwohl mich das Visualisierungsproblem so gar nicht interessiert, dennoch etwas unfair gegenüber der Visualisierung.

Also machen wir es kurz: Man hat zwar von mir erwartet, dass ich hier mitfahre, aber ich gehöre hier fachlich einfach nicht hin. Manchmal bringen Stipendien eben komische Konstellationen mit sich…

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