Böse, böse Hacker!

Ich bin gerade zurück von der Techno-Topologies. Spatial Perspectives – Spatial Practices-Tagung in Darmstadt, wo ich über Hacker in der Kontrollgesellschaft gesprochen habe. Gab eine gute Diskussion und ich glaube, es lohnt sich den Vortragstext (leicht überarbeitet) online zu stellen. Wir haben sehr schön herausarbeiten können, dass und wie Hacker die Kontrollgesellschaft fördern, indem sie sie bekämpfen (über den „Mäh! Ihr schließt ja nur Sicherheitslücken!“-Kram hinaus) und sich dabei zu Komplizen der Kontrolle machen.

Veröffentlicht unter Wissenschaft | Schreibe einen Kommentar

Der Traum vom roten Knopf

Zwischenzeitlich war ich hier aktiv und habe mir Gedanken über rote Knöpfe gemacht, mit dem man das Internet ausknipsen könnte.

Veröffentlicht unter Politik | Schreibe einen Kommentar

Deleuze, la traduction infidèle oder so

In der deutschen Version von Deleuze „Postscriptum über die Kontrollgesellschaft“ heißt es, dass elektronische Viren und Computer-Hacker eine aktive Gefahr für die Informationsmaschinen der Kontrollgesellschaft darstellen. Dass mich diese Stelle reizt, dürfte klar sein, aber da ich eher faul bin, habe ich es bisher nicht allzu genau genommen, stets auch die französische Version zu lesen. Als ich kürzlich anfing, einen englischsprachigen Beitrag für eine Deleuze-Tagung zu planen, der sich auf diese Stelle beziehen sollte, war ich entsetzt, in der englischen Fassung von „computer piracy“ zu lesen. War ich also der Faulheit in die Falle gegangen und einer schlechten Übersetzung aufgesessen?

Ein Blick in den französischen Originaltext schien das zu bestätigen: Dort nennt Deleuze „le piratage“, die Piraterie. Ist die deutsche Übersetzung also einfach nur schlecht und war ich zu naiv? Vermutlich nicht: Die Franzosen nennen Computer-Hacker unter anderem auch „les pirates informatique“. Beide Übersetzungen sind also nicht abwegig, gleichwohl spricht Deleuze von der aktiven Gefahr der Sabotage, als er weniger Zeilen über der problematischen Stelle aktive Gefahren für die energetischen Maschinen der Disziplinargesellschaften diskutiert. Weiters nennt er die Störung als eine passive Gefahr für die Informationsmaschinen der Kontrollgesellschaft. Während computer piracy also durch die Copyright-Diskussion der letzten Jahre eher an den so genannten Diebstahl geistigen Eigentums denken lässt, bezog sich Deleuze an dieser Stelle also offenbar auf eine Variante der Sabotage und nicht auf das bloße Kopieren. Alles andere würde auch keinen Sinn ergeben, wenn man bedenkt, dass es Deleuze im Postskriptum an dieser Stelle offenbar um Phänomene des Widerstands geht. Die Übersetzung mit Computer-Hacker erscheint mir also genauer, wenn auch weniger wörtlich.

Die Stelle offenbart aber auch die Ambivalenz und Komplexität der Hacker-Diskurse in den drei Ländern: Wo es ständig um negative Fremd- und positive Selbstzuschreibungen geht, müssen Wörter so problematisch werden, dass man mit ihnen fabelhaft Politik machen—nur wird meine Arbeit dadurch auch nicht gerade leichter… 😉

Veröffentlicht unter Philosophie | Schreibe einen Kommentar

Feine Atheisten

Gestern wurde ich zu einem Stammtisch gottloser Gesellen geschleppt.

Eigentlich fühlt man sich unter seinesgleichen ja wohl, aber ich bin dann doch immer wieder enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass die anderen auf dem Weg zum Atheismus auf halbem Weg stehen geblieben sind: Es ist das eine, einen singulären, ewigen, personalen Grund allen Seins zu betreiten, aber es ist ärmlich, eine singuläre, ewige, formale Theorie an dessen Stelle zu setzen.

Sicher, wenn man die personale Gottheit und die Bedeutung Jahrtausende alter Wüstenethiken für die heutige Gesellschaft bestreitet, begeht man keine Eselei. Man begeht auch keine solche, wenn man sich stattdessen auf Pragmatismus beruft. Das ist zwar voraussetzungsreich, tut aber philosophisch nicht so weh. Es ist dagegen aber nur schwer erträglich, wenn die Setzung von Logik als ewig wahre, transzendentale Quelle aller Vernunft und allen Wissens unkritisch, ja geradezu dogmatisch akzeptiert wird.

Ich meine nicht, Logik als erfolgreiches Tool in der wissenschaftlichen Arbeit einzusetzen oder in Diskussionen auf Schlussfiguren zu achten. Das ist schlimmstenfalls pragmatisch und funktioniert.

Was mich stört ist dieses: So zu tun, als Stecke die Logik hinter allem, ist schlicht lächerlich. Spricht mein Gegenüber nun von den logischen Axiomen der Wahrnehmung, kann ich meinen Spott nur noch mit Mühe zurückhalten. Gelingt es mir nicht und frage, was denn bitte die Axiome der Wahrnehmung seien, höre ich regelmäßig einen Bullshit über Spiegelneuronen, Evolutionspsychologie etc. — wohlgemerkt: Ich habe nicht nach einer Begründung dieser Axiome der Wahrnehmung gefragt, sondern einfach nur danach, welche es sind. Die Antwort blieb man mir auch diesmal schuldig. Der Hinweis, dass die Logik die Explikation aller Voraussetzungen verlangt und man nicht später Voraussetzungen dazu erfinden darf, will man nicht in einen pragmatischen Logikbegriff fallen, mit dem ich kein Problem hätte, wurde übrigens ebenso ignoriert, wie der Vorwurf, man könne die Rechtfertigung einer Menge von Axiomen der Wahrnehmung nicht aus der Wahrnehmung oder aus hieraus abgeleiteten Theorien gewinnen, ohne zum Pragmatiker zu werden. Der Glaube an die grundlegenden, ewigen Axiome (der Wahrnehmung und der Sprache — sind die eigentlich konsistent?) wurde beschworen.

Damit war es aber noch nicht genug. Nachdem klar wurde, dass man sich als Atheist lächerlich macht, wenn man sagt, dass die logischen Axiome „halt gesetzt“ wurden, wurde hilfsweise pragmatischer abgestellt, dass die Menschen sich halt auf die Axiome geeinigt hätten. (Klar: Die Axiome der Logik sind ewig und transzendental, aber gleichzeitig Verhandlungsmasse.) Nun, wenn die Logik, wie die Voraussetzung es forderte, hinter allem steckt und, was auch explizit behauptet wurde, auch die Bedingung der Möglichkeit aller (rationalen) Verständigung ist, ist es dann nicht völlig rätselhaft, wie man sich ohne die Logik, also ohne die Möglichkeit rationaler Verständigung, auf die Logik rational einigen konnte? Dabei ist doch längst klar, dass das Ei vor der Henne da war — nur dass es eben nicht von einer anderen Henne gelegt wurde. 😉

Die Sehnsucht nach einer ewigen Logik, die hinter allem steckt, ist nichts anderes als der Rest eines Gottesglaubens. Sicher, man hat den Alten vertrieben und kann nun endlich ehebrechen, aber insgeheim wünscht man sich doch noch, in einem logischen Kosmos aufgehoben zu sein, in dem alles einen Platz hat, allerdings nicht in den Händen einer Gottheit, sondern im Raum der Gründe. So gesehen ist jeder Buddhist ein ehrlicherer Atheist als die Ex-Christen, die sich noch immer nach dem einen Grund für allen sehnen. Will man Gott töten, darf man nicht nur praktisch, sondern muss auch theoretisch die Guillotine aufziehen.

Veröffentlicht unter Philosophie | 7 Kommentare

Errata :-(

Und wie soll es anders sein? Kaum ist mein Buch Wittgenstein liest Frege. Formale und nicht-formale Sprachen (Graal-Müritz: Parerga, 2010) gedruckt, finde ich natürlich Fehler. Besonders ärgerlich, dass ich diese Fehler gemeldet hatte, aber der Verlag sie nicht mehr berücksichtigt hat.

  • Auf dem Umschlag hinten, erste Zeile, muss es es natürlich „Tractatus“ heißen.
  • Ebenda, letzte Zeile, ist ein Punkt zu viel.
Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreibe einen Kommentar

Frohes Konsumfest

Ich wünsche allen Lesern ein frohes Konsumfest. Ich hoffe, Ihr drei macht fette Beute und überlebt alle Familiendramen und subtilen Beleidigungen.

Dieses Jahr war für mich ziemlich stressig. Ich konnte einige Projekte nicht so weit voranbringen, wie ich es mir gewünscht habe und musste einige andere aufgeben, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat. Es ist immer hart, eigene Beschränktheit zu erfahren, wenn man am liebsten noch mehr anfangen und auch zu Ende bringen möchte. Das Jahr ist aber nicht völlig perdu: Mein Buch ist endlich gedruckt (auch wenn der Verlag es noch nicht im Handel oder bei der DNB angekündigt, habe ich doch schon meine Belegexemplare erhalte) und ich habe einige Fortschritte in meiner wissenschaftlichen Arbeit gemacht. Die sehen zwar größer aus als sie sind, aber das soll uns nicht stören. 😉

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreibe einen Kommentar

Meldung

Hinter mir liegt eine extrem arbeitsintensive Woche in Berlin. Erst drei Tage Treffen des Projektteams „Cybersecurity„, dann Arbeit im Parlamentsarchiv. Ich habe die Gesetzesdokumentation zum 2.WiKG gelesen, mit dem 1986 die ersten „Hackergesetze“ in Deutschland eingeführt wurden und habe mich durch die Protokolle des Bundestagausschusses für das Post- und Fernmeldewesen bzgl. des Btx-Hacks gewühlt. Beide Termine waren sehr ergiebig und es wird Wochen dauern, das Material auszuwerten. Als Vorgeschmack gibt es aber ein Zitat aus einem Schreiben des Bundesjustizministeriums an den Rechtsausschuss im Jahr 1985. Am 11.6.1985 schlug das Ministerium die Aufnahme weiterer Strafvorschriften in die bereits laufenden Verhandlungen vor und erklärte in seiner Formulierungshilfe zu §202a StGB:

Tatbestandsmäßig handelt z.B. wer nach wiederholtem Eingeben von Zahlen- und Buchstabenkombinationen in die Tastatur seines Heimcomputers („Hacking“) Zugangsicherungen überwindet und sich damit Zugriff auf nicht für ihn bestimmte Daten ermöglicht.

Allerliebst, nicht wahr? 😉

Veröffentlicht unter Wissenschaft | Schreibe einen Kommentar

Der Btx-Hack und die Gesetze

Da sich in der Nacht vom 16. auf den 17. November der Btx-Hack zum 26. mal jährt, lohnt es, einen kurzen Blick in die wilden 1980er zu werfen, als Hacker noch jung waren und der CDU-Abgeordnete Götz in der Aussprache zum Zweiten Gesetz zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität großzügig erklärte:

Die Absicht, das Eindringen in fremde Computersysteme unter Strafe zu stellen, hat in der Öffentlichkeit eine breite Diskussion ausgelöst, weil damit auch das Problem der sogenannten Hacker angesprochen wurde. In diesem Zusammenhang waren sich erfreulicherweise alle Fraktionen darin einig, daß nur eine Regelung in Betracht kommen könne, die nicht gleich jeden jugendlichen Computer-Freak bei der Ausübung seines Hobbys zum Kriminellen stempelt. […] Sogenannte Hacker, die sich mit dem bloßen Eindringen in ein Computersystem begnügen, sich also nicht unbefugt Daten verschaffen, sollen dagegen von Strafe verschont bleiben.

Allerdings war diese Rhetorik schon damals Augenwischerei, wie sich in der Rechtsprechung bald zeigen sollte – aber das ist eine andere Geschichte…

Veröffentlicht unter Geschichte | Ein Kommentar

Wittgenstein

Ich mag Wittgensteins Philosophie ja. Sie ist so absolut bedeutungslos und primitiv. Man kann stundenlang damit herumsophisten, sich an winzigen Scheinproblemen aufhalten und die Realität völlig vergessen. Ich glaube wirklich, die Lust an Wittgenstein, ja der ganzen analytischen Philosophie überhaupt, kommt von ihrer absoluten Irrelevanz. Diese Entlastung von den Problemen der Welt erlebt man sonst nur unter Alkohol…

Veröffentlicht unter Philosophie | Schreibe einen Kommentar

Theorie des Hacktivism

Tja, man hat meinen Beitrag zum 27c3 abgelehnt. Schade eigentlich, aber andererseits bin ich über die frei werdende Zeit auch nicht böse. Wenn aber dafür Beiträge im Programm sind wie auf den anderen CCC-Tagungen, die die Theorie des Netzes und des Hacktivism weiter auf diesem bescheidenen Niveau besprechen, dann bin ich schon etwas böse… 😉

Veröffentlicht unter Alltag in der Wissenschaft | Schreibe einen Kommentar