Sprecht mit Aliens!

SPON berichtet mal wieder, dass Stephen Hawking uns davor warnt, mit Aliens zu reden, weil diese vielleicht nomadisch durch die Gegend ziehen und Planeten, die sie finden, ausplündern.

Das ist zwar möglich, aber was wird in diesen Überlegungen unterschlagen?

  1. Das Weltall ist groß, also wirklich verdammt groß und die Suche nach Exoplaneten deutet darauf hin, dass es verdammt viele Körper gibt, unter denen sich auch eine Menge Körper befinden dürfte, auf denen es Rohstoffe gibt, deren Abbau sich lohnt. Und die bewohnbaren Planeten werden auch nicht alle mit intelligenten Wesen bevölkert sein, sondern die meisten solcher Planeten werden sich in einer Phase der Evolution befinden, in der Wesen existieren, die Pflanzen und einfachen Tieren ähneln – das vermutet ja auch Hawking. Wir sind also nicht ein besonderes Ziel, sondern vermutlich nur eines unter Millionen möglichen Zielen und wahrscheinlich nicht das attraktivste.
  2. Es ist nicht ausgemacht, wieso eine Gesellschaft, die ein technologisches Niveau erreicht hat, um interstellare Reisen zu unternehmen, derartig homogen sein sollte, wie Hawking es notwendig unterstellen muss. Komplexe Systeme erfordern eine hoch arbeitsteilige Gesellschaft, die nicht einfach nur aus Arbeitern, sondern aus hochspezialisierten und ausgebildeten Individuen besteht. Es ist anzunehmen, dass eine solche Gesellschaft, die dazu noch nomadisch sein müsste, nicht von einem zentralen Willen gesteuert wird, sondern dass sie überaus heterogen ist. Gleichzeitig korreliert ein hohes technologisches Niveau nach unserem Wissen mit Wohlstand und einer Entwicklung von Kunst und Kultur. Es ist daher anzunehmen, dass sich in einer solchen Gesellschaft auch ethische Diskurse entwickelt haben, sodass es zumindest nicht unumstritten wäre, wenn die Alien-Regierung beschließt, die Erde auszuplündern, während man ebenso den Mars oder den Asteroidengürtel ausplündern könnte, während ein Haufen Exoethnologen sich diesen komischen dritten Planeten ansieht.
  3. Überlegt man umgekehrt, dass die Aliengesellschaft unter starkem wirtschaftlichem Druck steht, sodass sie sich genötigt sieht, auf Wissenschaften wie Ethnologie, Kunstgeschichte oder Philosophie zu verzichten, dann gilt das gesagte um so mehr: Sicher hätten die Aliens technologisch die Möglichkeit, uns zu vernichten, aber dies wird mit einer guten Chance die Bewohnbarkeit unseres Planetens beenden (im Falle von Waffen, die den Planeten sterilisieren) oder riesige Kosten verursachen (im Falle von Terraforming-Waffen), sodass es wirtschaftlich bestimmt attraktiver erscheint, unbewohnte Planeten auszuplündern: Schließlich ist der Unterhalt einer Besatzungsarmee überaus teuer, was der Annahme der wirtschaftlichen Notlage widerspricht. Vermutlich also unterhält die Aliengesellschaft Geistes- und Kulturwissenschaften oder ist zu arm für Krieg und/oder Besatzung.
  4. Und was ist mit Sklaven? Wieso könnten uns Aliens nicht einfach versklaven? Nun, wenn diese Gesellschaft technologisch so hoch entwickelt ist, dann wird ihr Bedarf an unausgebildeten Arbeitern gegen Null gehen. Wollte man uns also als Sklaven in eine Aliengesellschaft integrieren (mal angenommen, man würde uns nicht für zu dumm halten…), dann müsste man unsere Bevölkerung massenhaft ausbilden und an die Alientechnologie heranführen. Das ist, wie wir wissen, teuer und kommt also nicht in Frage, wenn die Aliengesellschaft in einer wirtschaftlichen Notlage befindet. Ist das nicht der Fall, dann werden wahrscheinlich Geistes- und Kulturwissenschaften bestehen und die Aliens werden sich für uns auf einer ganz anderen Ebene interessieren. Nehmen wir aber einmal an, dass sich die Aliengesellschaft doch dazu entschließt, uns als hochgradig ausgebildete Arbeiter in ihre Gesellschaft zu integrieren. Entweder würden wir es aufgrund des brillanten Geschicks der Aliens nicht merken oder wir würden merken, welche Rolle wir spielen. Merken wir es nicht, dann hätten wir uns nicht zu beklagen. (Wer sagt eigentlich, dass wir nicht längst eine Art interstellares Bollywood sind und massenhaft Soaps für einen verdammt großen Markt produzieren. Schließlich strahlen wir den ganzen Kram elektromagnetisch ab. RIAA, übernehmen Sie!) Nehmen wir also an, wir würden es merken. Dann hätten wir die Chance uns daraus zu befreien oder nicht. Nehmen wir an, wir wüssten um unsere Lage und dass wir uns nicht befreien können. Da wir nun aber hochausgebildete Sklaven sind, werden wir aufgrund unserer Kenntnisse stets in der Lage sein, die Forderungen unserer Herren zu unterlaufen, da wir eben langsamer forschen oder einfach keine Ergebnisse erhalten. Während nämlich das Abernten von Baumwolle leicht anhand der erhaltenen Menge Baumwolle gemessen werden kann, ist das Abschätzen der Qualität von Forschung viel schwieriger. (Wir dürfen hier nicht vergessen, dass wir nach Voraussetzung keine Arbeiten übernehmen, die automatisierbar sind.) Auch als Sklaven einer Alienrasse gilt für unsere Wissenschaftler: Angst und Stress hemmen Kreativität. Wer in nackter Angst lebt, kann an einem Fließband stehen, aber wohl nur schwerlich Subraumquantenphysik betreiben. Wirtschaftlich lohnender für die Aliens wäre es also, uns, sofern wir uns unserer Lage bewusst sind, als Arbeiter zu integrieren, die Chance zum Aufstieg haben, sodass wir stets Handlungsoptionen haben. Diese Handlungsoptionen können entweder real oder simulativ sein. Sind sie simulativ, werden wir das irgendwann merken oder nicht. Merken wir es nicht, bemerken wir unsere Lage nicht, was der Voraussetzung widerspricht. Merken wir, dass es simulativ ist, merken wir, dass wir in aussichtsloser Lage sind. (Zugegeben: Hier verläuft die schmale Linie zwischen blanker Not und einer aussichtslosen Lage. Kafka, übernehmen Sie!) Wir müssen also nun denken, dass wir unsere Lage einsehen und unsere Handlungsoptionen real sind. Dann werden wir auch die Möglichkeit zu einem realen Aufstieg haben und damit keine Sklaven mehr sein. Die Übersetzung in Begriffe mit fließenden Grenzen ist möglich und sei dem Leser zur Übung überlassen. (Wer diese Situation für eine unglaubliche Grausamkeit hält, mache ich sich bitte die Struktur unseres Wirtschaftssystems klar.)
  5. Und was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn wir Kontakt zu einer Aliengesellschaft bekommen, die uns nicht ausplündern will (obgleich sie es vielleicht mit anderen Planeten tut) und die uns nicht versklaven will (obgleich sie uns als Arbeitskräfte akzeptieren würde)? Nun, dann würden auch wir uns verändern. Wir hätten die Chance sehr viel zu lernen und nach einer Reihe von Missverständnissen und wahrscheinlich auch Konflikten, würden wir lernen, miteinander auszukommen. Dass es Krieg gibt, halte ich nicht für sehr wahrscheinlich. Gegenwärtig wären wir nicht in der Lage, die Aliens vom Ausplündern des Mars abzuhalten und dies wäre für sie wohl billiger. Würden wir also über Kontakt mit ihnen verfügen können, dann wohl mit ihrem Willen und damit wohl auch mit ihrem Einsehen in die Schwierigkeiten eines solchen Kontakts. Ja und wenn unsere Gesellschaft dann in einer interstellaren Gesellschaft aufgeht? Nun, dann ist es eben so. Den ewigen Erhalt unserer Kultur in ihrer jetzigen Form zu fordern, ist allenfalls reaktionär und wer sich damit begnügt, die Erinnerung an unsere Kultur zu konservieren, der sollte sich für historisch arbeitende Wissenschaften aussprechen. Bücher, über die Geschichte unseres Planeten, werden sicher auch von anderen Spezies mit Interesse gelesen.
  6. Sollen wir Aliens also mittels aktiver SETI anlocken? Natürlich! Ist die Aliengesellschaft in einer wirtschaftlichen Notlage, wird sie wohl nicht einen Umweg machen, um uns auszuplündern, sondern das tun, was wirtschaftlich geboten ist und das wird sie sowieso tun – ob nun mit oder ohne SETI. Kann die Aliengesellschaft sich aber den Luxus leisten, unserem Ruf Folge zu leisten, dann ist sie höchstwahrscheinlich keine Gefahr, sondern wird uns schlimmstenfalls erforschen. Und diese Folgen sind nun wirklich überschaubar.
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Schwule Schuld

Während woanders unzureichend vermummte Frauen für Erdbeben sorgen, sind die Schwulen und Lesben in Deutschland für ganz andere Probleme verantwortlich: Weil wir Menschenrechte wollen, wollen sich Muslime nicht integrieren.

Dass die Schwulen Schuld am Übel der Welt sind, hätte man ja auch schon wissen können, als wir den 11. September, Madrid oder London angezettelt haben. Wie? Radikale muslimische Terrorzellen seien das gewesen? Ja, schon, aber wenn wir Schwulen sie mit unserer unverschämten Forderung nach Menschenrechten nicht provoziert hätten…

So neu ist dieses Argument übrigens gar nicht: Als ich im letzten Jahrhundert in meiner Schule gegen einen Filter im HTTP-Proxy protestierte, der neben skandalösen Wörtern wie „Brüste“ und „Vagina“ auch „Schwul“, „Gay“, „Lesbian“ etc. aus den URLs(sic! Es lebe die Wirkungslosigkeit!) aussortierte, wurde mir vom verantwortlichen Lehrer attestiert, ich solle auch Rücksicht auf muslimische Schülerinnen nehmen, die sich durch sowas vielleicht gestört fühlten. Insofern muss ich mich schon fragen: Hätte ich kein Coming Out gehabt, sondern mich brav weiterhin versteckt oder vielleicht sogar umgebracht, wäre der Iran heute säkular?

Update: Ich sehe gerade, dass Uganda ein Gesetz zur Beförderung des interreligiösen Dialogs und zur Integration von Minderheiten beschließen will. Deutschland kann wohl von Uganda lernen!

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Vom Hokuspokus zum Aspirin und zurück

Habt Ihr diesen unsäglichen Jubel-Artikel über „alternative Heilmethoden“ in der Zeit gesehen? Wenn man den so liest, kann man eigentlich den Eindruck bekommen, dass Globuli die Antwort auf alle Fragen sind und dass Heilpraktiker einen uralten Schatz phantastischen Wissens horten. Wenn man sich aber auch nur ein bisschen auskennt und genauer liest, kommt man um folgende Feststellungen nicht umhin:

  • Pflanzliche Arzneien und Hokuspokus wie Homöopathie werden mal wieder in einen Topf geworfen. Dass die Medizin durchaus auch pflanzliche Substanzen einsetzt wird unterschlagen und stattdessen wird in einer unglaublich blödsinnigen Formulierung behauptet, die Pharma-Industrie entwerfe gefährliche Chemiekalien am Reißbrett.
  • Das, was die Schulmedizin von „alternativen Heilmethoden“ lernen kann, läuft letztlich auf „Nimm Dir mehr Zeit für Deinen Patienten!“ hinaus. Zur Untermauerung wird darauf verwiesen, dass Ärzte in Deutschland sich im Durchschnitt nur wenige Minuten Zeit für ihre Patienten nehmen. Nur was fließt alles in den Durchschnitt ein? Ja, auch Menschen, die aus Langeweile zum Arzt gehen und daher völlig zurecht in wenigen Minuten abgefertigt werden und natürlich auch Menschen, die in einer Grippe-Saison mit eindeutigen Grippe-Symptomen in eine mit Grippe-Patienten überfüllte Arztpraxis gehen. Soll der Arzt sich da wirklich um die Geschichte des Stuhlgangs der Großmutter väterlicherseits bemühen oder soll er einfach das machen, was allen anderen mit dem offenbar gleichen Virus auch geholfen hat? Wenn sich unsere Ärzte wirklich auf so eine beknackte Erhebung der Krankengeschichte einließen, wäre der Kassenbeitrag noch höher und das Geschrei noch größer.
  • Das, was die „Alternativmediziner“ von der Schulmedizin lernen könnten, ist, was ja auch richtig ist, die wissenschaftliche Methode. Natürlich ist auch der bis zum Erbrechen kolportierte Einwand der Hokuspokus-Praktiker nicht weit, man könnte ihren ganzheitlichen Ansatz eben nicht untersuchen. Natürlich kann man nicht mit wissenschaftlichen Standards den Einfluss großelterlicher Stuhlkontinenz auf eine Knabenurin-Therapie bei Vollmond untersuchen. Und wieso nicht? Weil es einfach nur Geschwafel und Geschwätz ohne jene sinnvolle Struktur ist.
  • Was auch nicht fehlt, ist der Vorwurf an die Schulmedizin, sie behandele ja nur Symptome und interessiere sich nicht für die „tiefere Ursache“ einer Erkrankung. Nun, bei einer Erkältung, die der Körper selbst bewältigen kann, mag sie das so handhaben und nur die Symptome lindern. Aber nehmen wir doch mal das Beispiel Krebs: Wo untersucht die Wissenschaft denn die Ursachen dieser Erkrankung genauer und wo hat sie es bisher gründlicher vermocht, hochspezialisierte Behandlungsmethoden zu entwickeln. Oder das Beispiel AIDS: Antivirale Medikamente, die Millionen Menschen das Leben retten können, sind in Laboren entstanden und nicht von irgendeinem durchgeknallten Schmierfinken Ende des 18. Jahrhunderts zusammengeschwurbelt worden. Ohja, die Homöopathie enthält gar kein „altes“ Wissen von irgendwelchen Naturvölkern, was uns einige – Achtung: größtmögliche Beleidigung der menschlichen Vernunftbegabtheit voraus! – schamanische Vollpfosten so gerne einzureden suchen. Vielmehr wurde sie Ende des 18. Jahrhunderts erdacht – erfunden will man nicht sagen, da da zuviel an „Suchen“ drin steckt. Und was tut diese Homöopathie? Sie verdünnt giftige Substanzen wie Arsen und Tollkirsche astronomisch klein, wählt sie nach dem Kriterium aus, ob die Substanz unverdünnt die Symptome auslösen kann, die behandelt werden sollen und verabreicht diese zusammen mit einer hohen Rechnung. Wer mir nicht glaubt, sollte sich mal die Mühe machen, den Wikipedia-Artikel zu Homöopathie zu lesen. Ich hab mir das alles nicht ausgedacht. Die waren es.
  • Neu ist mir allerdings die Abgrenzung des Homöopathen-Geschwurbels von nicht weniger bizarren Praktiken anderer Quacksalber. Vergleicht man den Unfug der Homöopathie mit dem des Ohrkerzen-Gurus, dann erscheint die Homöopathie tatsächlich sinnvoller. Aber eben nur solange man nicht zu genau hinsieht und sich nicht klar macht, dass die bizarren Theorien der Homöopathie nur dann funktionieren können, wenn sich die Wissenschaft über die physikalische Natur des Universums gründlich irrt. Da aber Homöopathie in wissenschaftlichen Tests nie einen belastbaren Behandlungserfolg vorweisen konnte, aber dafür mehr als die Hälfte unserer Volkswirtschaft auf den Erkenntnissen der Quantenmechanik aufsetzt, bin ich sicher, dass ich nur ein verblendeter Fundamentalist bin, wenn ich der empirisch überprüfbaren Physik einen gewissen Vorzug einräume. Die Zeit nimmt allerdings den anderen Ausweg und schwafelt mal wieder von Pflanzen, wenn sie Hokuspokus meinen. Und zur Untermauerung dieses blödsinnigen Geschwätzes erdreistet sich der Autor auch noch auf den Erfolg einer Vitamin-C-reichen Ernährung bei Skorbut zu verweisen. An diesen Stellen wünscht man sich dann immer, dass vorsätzliche Verdrehung offensichtlicher Tatsachen hart bestraft würden und hat Mühe, den Sinn der Meinungsfreiheit noch einzusehen. * Nun aber, wo der Leser mit einer absurden Gleichsetzung von Hokuspokus mit von Pflanzen hergestellten Chemiekalien ausreichend benebelt ist, kann der Autor endlich das Beispiel Aspirin bringen, das ja ein weiterentwickeltes Extrakt der Weidenrinde sei. Ratet mal, wieso man es weiterentwickelte! Na, weil die natürliche Version harte Nebenwirkungen (z.B. Magenblutungen) hat und die am Reißbrett der bösen chemischen Industrie entwickelte Modifikation besser verträglich ist. Was passiert dann erst, wenn die chemische Industrie in Globuli richtige Wirkstoffe reinmacht? Wäre das nicht grandios? Stellt Euch mal vor, man könnte in der Apotheke kleine, weiße Kapseln oder Perlchen kaufen, die einen Sotff enthalten, der sich in wissenschaftlichen Studien als wirksam gegen bestimmte Erkrankungen erwiesen hat. Ich schlage vor, wir nennen diese verbesserten Globuli „Tabletten“. Dass da früher niemand drauf gekommen ist!
  • Gegen Ende des Artikels wird der Autor dann wieder versöhnlich und lobpreist den Gewinn, den die wissenschaftliche Medizin aus der Untersuchung natürlicher Substanzen ziehen kann. Er verweist darauf, dass auch diese Substanzen Nebenwirkungen haben und nicht gedankenlos eingenommen werden sollten. Das ist ja alles richtig und eigentlich möchte man zustimmen, würde man aufgrund der zuvor verbreiteten Lügen nicht noch kotzend über der Schüssel hängen. Es ist ein altbekannter rhetorischer Trick, einem Zuhörer eine bizarre Lüge durch noch mehr Lügen schmackhaft zu machen und ihm am Ende eine so offensichtliche Wahrheit zu unterbreiten, dass er den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit nicht mehr erkennt. Das funktioniert meistens deshalb gut, weil es nicht so plump ist, dass es von wirklich jedem nachgeahmt werden könnte. Für die Freunde formaler Argumentationsschemata: Der Trick geht etwa so: Man behauptet immer wieder, A sei B, betont, dass A aber nicht C sei und verdammt C, obgleich die Argumente hierfür auch auf A zutreffen. Anschließend lobpreist man B solange, dass der Zuhöhrer sich nur noch Vage an den angeblichen Unterschied zwischen A und C und an die Gleichsetzung von A und B erinnert, die ja auch irgendwie plausibel klang. Nachdem nun die Sympathie für B bereitet wurde, schlüpft man in das Gewand des Kritikers, mäkelt ein bisschen an B herum, kommt aber doch zu einem positiven Bescheid. In dieser zunächst kritischen Bewegung gegenüber B vergisst der Zuhörer alle Zweifel an der Kategorisierung von A/B/C und bei der anschließenden Rückkehr zum positiven Bescheid über B reißt man in der Wahrnehmung des Zuhörers A wieder mit. – Da übrigens aus dem Falschen das Beliebige folgt, eignet sich dieses Schema für praktisch alle Augenwischereien.
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Der ganzen Christenheit reicher Gnadensegen

In den ersten März-Tagen des Jahres 1933, also vor 77 Jahren, erlebte die Republik Österreich eine Parlamentskrise, die die Regierung unter dem Kanzler Engelbert Dollfuß zur Beseitigung der Demokratie und zur Installation eines am faschistischen Italien orientierten Ständestaates nutzte (Austrofaschismus). Mit der Mai-Verfassung vom 1. Mai 1933, die nicht rechtmäßig zustande kam, wurden schließlich demokratische Elemente weitgehend beseitigt.

Während aber bei der etwa zeitgleichen Installation des deutschen Faschismus die katholische Kirche keine große Rolle spielte, sah dies im katholischen Österreich anders aus. So heißt es im Weihnachtsbrief der österreichischen Bischöfe von 1933:

Das Jahr 1933 hat der ganzen Christenheit reichen Gnadensegen, unserem Vaterland Österreich überdies viele Freuden gebracht […]. Sie (die Regierung, Anm.) kann schon jetzt auf eine Reihe von segensreichen Taten hinweisen, die das wahre Wohl sichern und fördern[.] [zit. nach Wolfgang Huber Die Gegenreformation 1933/34 in Neuhäuser, 2004, S. 47], hier zit. nach [1]

Der Katholikentag im Oktober 1933 flankierte den katholischen Jubel mit dem Motto „Niemals zurück“ und am 16. August 1933 schl0ß Österreich mit dem heiligen Stuhl ein Konkordat, das unter anderem den Austritt aus der Kirche erschwerte, indem es den Austrittswilligen eine Prüfung des „Geistes- und Gemütszustands“ auferlegt.

Und sogar der Piux XI., der ebenso wie sein Nachfolger Pius XII. durch Schweigen zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, erteilte Dollfuß den apostolischen Segen. Schon im Oktober 1933 nannte genannter Pius XI. die Diktaturregierung Dollfußens eine von:vornehmen Männern, die Österreich in dieser Zeit, in diesen Tagen regieren, die Österreich so gut, so entschieden, so christlich regieren“ [Ebd.] Zwar ist richtig, dass sich Puis XI. mit der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ 1937 vom deutschen Faschismus distanzierte, aber angesichts seiner ebenso brennenden Zustimmung für den Austrofaschismus lässt sich wohl nur feststellen, dass die „brennende“ Sorge weniger dem Faschismus, als vielmehr dem Verhältnis der jeweiligen Faschisten zu seiner Kirche galt.

Die Pontifikate kamen und gingen über die Jahrhunderte, aber dieses ist eine der wenigen historischen Konstanten, die insbesondere auf die katholische Kirche zutreffen: Egal was für ein Schwein der Andere ist, solange er Deine Macht hofiert und Dir den Arsch leckt, ist er Dein Freund. – Nicht auszudenken, wenn der Stalinismus ein klerikales Regime gewesen wäre! – Wie dem auch sei: Für einen Historiker ist diese Diagnose trivial und wenig überraschend, dem kirchenkritischen Beobachter zeigt sich nur wieder einmal, wie wenig Platz für Moral in der katholischen Kirche ist: Wäre das Christentum, von einigen wenigen Irren einmal abgesehen, wirklich aus moralisch integeren Menschen, hätte die christliche Lehre tatsächlich irgendeinen moralisch-ethischen Gehalt, wäre die Geschichte vielleicht nicht im Großen und Ganzen, aber doch in unzähligen Nebenschauplätzen anders verlaufen.

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Maischberger schnüffelt an der Mülltonne

OH MEINE GÖTTIN!

Hat jemand Maischberger am Dienstag gesehen? Ich hatte besseres zu tun, habe aber gerade den Spiegel-Artikel zu der Sendung gefunden – und was muss ich lesen?

„Ich will einen kleinen Zwischenruf machen“, sagt der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, aber Maischberger lässt es nicht zu, dass er Wittenbrink unterbricht, noch nicht, erst darf der Musiker noch in Ruhe die Kopfnüsse und die eingerissenen Ohren beschreiben, die er als Kind in Regensburg erlebt hat, dann kommt der Bischof zu Wort. Und erzählt von seinem Vater. Der habe ihn ja auch geschlagen. Gewalt in der Erziehung habe eine lange Geschichte, die habe es nicht nur in der Kirche gegeben. So sieht das auch die Schriftstellerin Gabriele Kuby. Sie trauert um die Kirche, sagt sie. Denn die Kirche habe doch eine wunderbare Botschaft zu verkünden von der Liebe Gottes, die werde jetzt ja völlig verdeckt. Missbrauch gebe es überall, in der ganzen Gesellschaft, das sei kein kirchliches Problem.

Sag mal, Sandra, geht’s noch? Willst Du wirklich jedes Niveau unterbieten? Du bist ja nicht gerade bekannt dafür, nur auf höchstem Niveau zu diskutieren, aber mussten die Hetzer Laun und Kuby wirklich sein? Reicht es denn nicht, dass sich Laun und Kuby schon im Netz als obsessive Homo-Hasser dartun, die allem, was nicht in ihr klerikal-faschistoides Weltbild passt, demokratische Grundrechte absprechen? Muss man wirklich solche einschlägig bekannten Crackpots auch noch ins Fernsehen lassen? Reicht es denn nicht aus, dass perverse Katholiken Kinder missbraucht und misshandelt haben und der Rechtsstaat qua Verjährungsfristen der menschenverachtenden Vertuschungsmaschinerie der Kirche auch noch weitgehend machtlos gegenüber steht? Muss man auf deren Schicksal auch noch von Laun und Kuby herumtrampeln lassen?

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Hemmungslos verblöden – in 10 einfachen Schritten

Wollen Sie nicht auch hemmungslos verblöden? Es ist doch klar: Der Ehrliche ist der Dumme und wer will schon ein Lügner sein? Und heißt es nicht, dass glücklich die sind, die dumm sind und nicht merken was passiert? Geben Sie es doch zu! Auch Sie wollen hemmungslos verblöden und jedes Gerücht von humaner Intelligenzbegabtheit gnadenlos bloßstellen.

Jetzt fragen Sie sich sicher: „Wie kann auch ich hemmungslos verblöden?“ – Stimmt, das ist gar nicht so einfach, aber jetzt gibt es endlich einen klaren Plan mit nur 10 Punkten, der auch Sie hemmungslos verblöden lässt:

  1. Erweitern Sie ihre Sprache um den Ausruf „Ich habe ein Recht auf eine Meinung!“. Möglich sind auch Begründungen wie „Wir leben in einem freien Land!“ und „Wir haben doch Meinungsfreiheit!“ Machen Sie sich  klar, dass Sie ein von der Verfassung geschütztes Recht auf ihre Dummheit haben und dass niemand Ihnen verbieten kann, eine völlig verblendete Kackbratze zu werden. Üben Sie also die Sätze: Wenn das nächste Mal jemand widerspricht, bestehen Sie einfach auf Ihrer verfassungsrechtlich geschützten Meinung!
  2. Beschäftigen Sie sich mit politischen Themen und abonnieren Sie hierzu politische Tageszeitungen aus dem Hause Hüpfer. Wer ernsthaft hemmungslos verblöden will, kann es sich nicht leisten, sich ständig eine eigene Meinung zu bilden. Sie können auch einfach aus einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften abschreiben. Das Urheberrecht verbietet Ihnen nicht, eine fremde Meinung ungeprüft zu übernehmen und sie (siehe Punkt 1) bis aufs Blut zu verteidigen. Lesen Sie keinesfalls Zeitungen mit komplizierten Titeln. Alternativ können Sie auch lokale Zeitungen von kleinen Verlagen wie den „Froschhausener Boten“ lesen. Diese drucken oft das gleiche wie Hüpfer, nur einen Tag später.
  3. Plappern Sie alles nach, was ein populistischer Politiker gerade so herausposaunt. Hetzen Sie wahlweise gegen Schwule, Ausländer, Arbeitslose, Frauen, Verfassungsrichter, Terrorkommunistennazis oder die SPD. Sie erkennen populistische Politiker leicht daran, dass sie Ihnen absurde Steuerentlastungen und staatliche Wohltaten versprechen, während sie anderen Dekadenz vorwerfen. Achten Sie insbesondere auf den Signalsatz „Man wird das ja wohl noch sagen dürfen!„. Je öfter ein Politiker diesen Satz sagt, desto sicherer haben Sie eine politische Schmeißfliege ausfindig gemacht, der Sie hemmungslos folgen können. Lassen Sie alle von Ihrer neuen Entdeckung wissen und rufen Sie: „Herr Osterei hat Recht!“
  4. Lassen Sie sich von seriösen Berechnungen zu populistischen Aussagen nicht beirren. Machen Sie sich klar, dass unabhängige Forschungsinstitute nur von dekadenten Arbeitslosen bezahlt werden, die verhindern wollen, dass Ihre Vorbilder die Wahrheit sagen. Sie müssen sich auch von Logik oder irgendwelchen Ausgeburten der Vernunft nicht beirren lassen. Die Verfassung schützt Ihre Zustimmung zu Herrn Osterei auch dann, wenn Sie selbst staatliche Leistungen, z.B. aus dem Bankenrettungsfond, erhalten.
  5. Machen Sie sich klar, dass an Universitäten nichts praktisches gelehrt wird. Dort arbeiten nur weltfremde Sesselfurzer, die keine Ahnung haben, was Sie wirklich bewegt. Aus den Universitäten ist noch nie etwas gutes herausgekommen, sondern dort herrschen Kartelle, die die Wahrheit unterdrücken wollen. Ziehen Sie daher alle Menschen mit akademischen Graden, die Ihnen begegnen, auf, werfen ihnen Versagen auf dem Arbeitsmarkt vor und bedenken Sie, dass sie schon seit dem 16. Lebensjahr in die Rentenkasse einzahlen. Sie haben den Vorsprung auf dem Arbeitsmarkt! Sie haben etwas von Ihrem Leben! Sie haben Freunde! – und: Sie wissen Bescheid!
  6. Verbieten Sie Ihren Kindern das Abitur: Nur akademische Rabeneltern zwingen ihre Kinder durch die Hölle des Gymnasiums und anschließend auf einen feindlichen Arbeitsmarkt in der Nähe des Spitzensteuersatzes. Sie schlagen schließlich dem Steuerstaat ein Schnippchen und verdienen zur Strafe einfach weniger! Ihre Kinder sollen es einmal genauso gut haben und dazu reicht ein normaler Schulabschluss völlig aus. Ihr Vater war schließlich auch nur auf der Volksschule und der ist jetzt sogar im öffentlichen Dienst befördert worden, wo er jetzt die Fahrpläne für die Kehrmaschinen schreibt.
  7. Gehen Sie nicht zum Arzt! Ärzte sind Teil des universitären Kartells zur Verschleierung der Wahrheit. Erstens können die Ihnen nicht helfen und zweitens wollen die das auch gar nicht, sondern nur an Ihr Geld, um Sie mit der Hilfe der Pharmaindustrie zu vergiften. Fügen Sie Ihrem Wortschatz die folgenden Phrasen und Wörter hinzu: „Scheininnovation“, „Gift“, „menschenverachtende Geschäftspraktiken“. Verlassen Sie sich lieber auf alternative Heilmethoden wie Homöopathie, Knabenurin und dem besonders beliebten Sich-mit-der-Pfanne-auf-den-Kopf-schlagen nach Prof. Dr. Abronsius. Vergessen Sie niemals, dass Prof. Dr. Abronsius nur deshalb ein Verfahren wegen Missbrauchs akademischer Grade am Hals hat, weil das universitäre Machtkartell nicht will, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Prof. Dr. Abronsius hat nämlich die Lehre vom telefonischen Fernheilen mit Licht und der Krebstherapie mit Zuckerperlen entwickelt. Dass die Pharmaindustrie um ihre Einnahmen fürchtet ist doch klar! – Achten Sie auch auf andere Menschen, die sich belustigen, dass sie dumm seien. Sie sind nicht nur auf dem richtigen Weg, sondern haben auch einen Agenten der menschenverachtenden Pharmalobby identifiziert, der sie mit Studien und Metastudien zur Wirkungslosigkeit von Homöopathie von Ihrem Weg abbringen will. Vergessen Sie niemals: Homöopathie wirkt zweifelsfrei. Das haben die Studien von Prof. Dr. Abronsius (ggw. JVA Göttingen) gezeigt.
  8. Kaufen Sie sich Geräte, um Benzin und Wasser in Ihrem Haus zu magnetisieren. Magnetisiertes Benzin ist sparsamer und magnetisiertes Wasser ist gesünder. Lassen Sie Ihre Wohnung nach Erdstrahlen vermessen.
  9. Schreiben Sie einen Leserbrief, der fordert, dass der LHC in Genf abgeschaltet wird, weil Sie Angst haben, dass die Welt untergeht. Schreiben Sie überhaupt viele Briefe, besonders an das Bundesverfassungsgericht. Heben Sie sämtliche Eingangsbestätigungen des Bundesverfassungsgerichts sorgfältig auf. Diese werden Ihnen, wenn Sie, weil Sie an Prof. Dr. Abronsius (ggw. Nervenheilanstalt Bad Kissingen) glauben, einem Richter vorgeführt werden. Schreiben Sie insbesondere auch an die Bundesregierung und den Bundespräsidenten. Kein Richter wird es wagen, Sie zu verurteilen, solange Herr Köhler sich mit Ihrem Fall beschäftigt.
  10. Gründen Sie ein Blog im Internet und teilen Ihre Erfahrungen mit anderen Menschen. Jeder wird ein überragendes Interesse an Ihrem Weg zur hemmungslosen Verblödung haben und fleißig in Ihrem Blog kommentieren. Meiden Sie Blogs, in denen nur wenig kommentiert wird oder die gar von Akademikern betrieben werden. Folgen Sie insbesondere keinen Verblödungsanleitungen aus solchen Blogs!
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Fäkale Gleichberechtigung

Wir sitzen hier ja etwas weiter weg vom Uni-Zentrum in einem angemieteten Büro. Jedenfalls kann man leicht beobachten, wer wann welche Toilette  benutzt. Nach mehrmonatigen Untersuchungen kann ich jetzt Folgendes festhalten:

Es gibt einige Herren, die konsequent die Toilette benutzen, deren Tür mit einem „D“ gekennzeichnet ist, während eine Damen konsequent die Toilette benutzen, die mit einem „H“ gekennzeichnet ist.

Nun habe ich ja gar kein Problem mit Unisex-Toiletten, gerade da ich die Aufgabe, einigen Leuten das archaische Stehpinkeln auszutreiben, so leicht externalisieren und die Damen lösen lassen kann, aber eine offizielle Regelung hätte ich da schon erwartet. 😉

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Vorratsdatenspeicherung: verschoben

Die Vorratsdatenspeicherung wurde in der vorliegenden Form vom Verfassungsgericht gekippt. Bereits erhobene Daten sind unverzüglich zu löschen. Für alle, die sich gegen das Gesetz eingesetzt haben, ist das eine gute Nachricht und ein wichtiger Etappensieg, der überdies noch größer ausfällt, als erwartet: Gestern hatten noch Beobachter vermutet, dass die Vorratsdatenspeicherung unter harten Auflagen genehmigt wird. Jetzt aber hat das Gericht das ganze Gesetz für mit der Verfassung unvereinbar erklärt.

Gleichwohl hat das Verfassungsgericht Grenzen aufgezeigt, in denen sehr wohl eine Vorratsdatenspeicherung mit dem Grundgesetz zu vereinbaren ist und es kann davon ausgegangen werden, dass die CDU/CSU sich jetzt warm läuft, um die EU-Vorgabe doch noch zu erfüllen. Wir werden also in Deutschland wohl eine Neuauflage der Proteste gegen eine Vorratsdatenspeicherung 2.0 erleben, die aber vermutlich kleiner ausfallen werden als bisher, da sich einige Bürger mit den Grenzen des Verfassungsgerichts zufrieden geben dürften.

Interessant ist aber, dass es in der EU wieder rumort: Durch den von vielen so hart kritisierten Vertrag von Lissabon hat das Parlament und die Kommission in der Angelegenheit ein Mitspracherecht gewonnen und es besteht somit die, zumindest bescheidene, Hoffnung, dass die Speicherpflicht seitens der EU entschärft wird.

Die Chancen stehen also gut, dass sich der Etappensieg nicht ganz als Pyrrhussieg entpuppt.

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Die homöopathische Notfallapotheke

Bei der Vorbereitung eines kleinen Vortrages über Hokuspokus an Universitäten bin ich über einen spannenden Text gestolpert:

Belladonna, ist das bekannteste homöopathische Arzneimittel, da es oft bei Fieber und Fieberkrämpfen eingesetzt wird und es darf in keiner homöopathischen Notfallapotheke fehlen.

Ihr Wirkungsspektrum ist sehr groß, sie ist angezeigt bei fast allen entzündlichen Prozessen, Überhitzung durch Sonnenstrahlen, bei Tollwut und es ist das Mittel der Wahl bei Scharlach.

Die Homöopathen sind ja noch bekloppter, als ich dachte: „homöopathische Notfallapotheke“? Sind die wund? Was sind da Notfälle? Ein vages Unbehagen? Oder meinen die echte Notfälle? Gibt’s vielleicht homöopathische Notfallkrankenhäuser? Was machen die dann, wenn beispielsweise Ösophagusvarizen aufgehen und die arme Sau verblutet? Cumarin in D500? Ich bin wirklich sprachlos!

Übrigens ist Tollwut eine äußerst gefährliche Virus-Erkrankung, die Gehirnentzündung auslöst und fast immer tödlich verläuft. Und das wollen die mit unendlich verdünntem Nichts behandeln? Allein Hoffnungen darauf zu machen, ist schön eine perverse Obszönität.

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Wissenschaftsdefinition

Gestern starte DRadio Wissen und legte gleich einen Fehlstart hin. Ich schrieb der Redaktion hier:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Angebote des DRadios sind die einzigen Sender, die mich überhaupt noch das Radio einschalten lassen. Umso trauriger bin ich natürlich, dass sich DRadio Wissen gleich am ersten Tag dem Vernunftausverkauf der anderen Sender anschließt und den Hörern Astrologie als Wissenschaft verkauft. Aus zweiter Hand habe ich dann erfahren, dass man Ihre Reaktion in der Sendung „Redaktionssitzung“ auch nicht gerade als selbstkritisch einstufen kann. Man sagte mir, sie wollten der Astrologie – trotz fehlender Belege und fehlender Falsifizierbarkeit – nicht den Status einer „Wissenschaft“ absprechen.

Ich muss Sie jedoch enttäuschen: Astrologie ist keine Wissenschaft. Sie macht Aussagen über die empirisch zugängliche Welt und schafft es nicht, Aussagen zu treffen, die über Trivialitäten hinausgehen und die mehr als zufällig richtig sind. Hieraus leitet sie aber nicht eine Modifikation ihrer Thesen oder Methoden ab, sondern ignoriert jede Widerlegung, um bei der nächsten Gelegenheit erneut mit einem zusammengeschwurbelten Horoskop anzusetzen. Ihr fehlt jedes Instrument der systematischen Selbstkorrektur, wie es alle richtigen Wissenschaften – empirische wie nicht-empirische – auszeichnet.

Wenn Sie das ernstlich als Wissenschaft bezeichnen wollen, dann rate ich Ihnen dringend, ein einschlägiges wissenschaftstheoretisches Einführungsseminar aufzusuchen. Wenn Sie nämlich bei Ihrer gegenwärtigen, eher postmodernen Auffassung von Wissenschaft bleiben, werden Sie wohl auch nicht anders können, als Esoterik, Homöopathie, Verschwörungstheorien oder ähnlichen Blödsinn als wissenschaftlich fundiert aufzufassen. In diesem Fall wäre DRadio Wissen leider eine Totgeburt.

Mit lieben Grüßen aus Darmstadt,

Kai Denker

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