Die EKD mag keine Schwulen und Lesben

Man lese und staune:

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“internet@ekd.de”:
SMTP error from remote server after transfer of mail text:
host: mail.ekd.de
5.7.1 MAIL VERSTOESST GEGEN EMPFAENGER-SICHERHEITSRICHTLINIE / email was rejected because it violates our security policy
5.7.1 Found prohibited words in the mail: gay, lesbian
— The header of the original message is following. —

Received: …
From: Kai Denker <…>
To: internet@ekd.de
Subject: Testmail gay lesbian
Date: Fri, 17 May 2013 15:58:06 +0200
Message-ID: <1882037.u5YdfAiUKp@deleuze>

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Hier wird Suppe gegessen!

Da sich immer mal (aus meiner hier ja maßgeblichen Sicht) erhaltenswerte Bemerkungen ergeben, die zu lang für Twitter, aber zu kurz und eigentlich zu unbedeutend für mein Blog sein, habe ich mir einen Account auf soup.io geklickt, der über http://soup.denker.net/ erreichbar ist. Für mich ist das natürlich auch ein Experiment mit einem Medium, das ich noch nicht kenne und von daher hat meine Verwendung von soup.io durchaus explorativen Charakter. Ich bitte um Aktualisierung der RSS-Reader :-)

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Die unhöfliche Übersetzung

Ich habe mir für dieses Wochenende vorgenommen, Deleuzens Proust und die Zeichen (zuerst 1964 als Proust et les signes) zu lesen. Da mein Französisch nicht ausreicht, um solch einen Text schnell zu lesen, da ich ständig etwas nachsehen müsste, habe ich mich für Henriette Beeses Übersetzung entschieden, die 1993 im Merve-Verlag erschienen ist. Wie zu erwarten war, zitiert Deleuze ständig Proust (es ist ja schließlich ein Buch über Proust!), aber leider hat Beese sich dagegen entschieden, die teils länglichen Zitate in der deutschen Übersetzung im Fließtext anzugeben, sondern diese nur in den Endnotenapparat aufnehmen. Ich darf also ständig blättern.

Eine Frage drängt sich auf: Mal davon abgesehen, dass ich mein Französisch wirklich aufpolieren sollte, ist es dann nicht trotzdem unhöflich, eine Übersetzung so zu arrangieren? Wenn ich Französisch halbwegs mühelos lesen könnte, wieso sollte ich dann nicht gleich den Originaltext lesen? Ich ärgere mich über Beese, aber auch über den achtlosen Verlag etwas. Lesen werde ich das Buch trotzdem, aber eben mit unnötiger Mühe.

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Twitter ist nicht totalitär, Du Honk!

Anscheinend springen schnell noch einige auf den abfahrenden Lauer-Zug auf und schimpfen auf Twitter. Besonders lustig (und fabelhaft falsch) finde ich ja Katrin Rönickes Rant, dass Twitter wie die DDR sei. Das klingt lustig und interessant, ist aber leider ziemlicher Blödsinn.

Von einigen anekdotischen Bemerkungen abgesehen scheint mir Rönickes Argument darauf hinauszulaufen, dass die Diskursformation auf Twitter abweichende Meinungen sanktioniere und daher totalitär (=DDR) sei. Akzeptieren wir die Behauptung, die DDR sei totalitär gewesen, unhinterfragt, obgleich sie, wenngleich wahrscheinlich grob richtig, eine ziemlich unterkomplexe Beschreibung der Herrschaftsformen im DDR-Sozialismus darstellt. Es bleibt also zu zeigen, dass die Sanktionierung von Meinungen auf Twitter totalitär ist.

Nun, dieser Versuch scheitert: Für die Totalität fehlt die totale ideologische Konstitution einer gemeinsamen Idee von der materialistisch-historisch aufgeladenen Revolution der Arbeiterklasse o.ä. – Die Herstellung von Totalität in einer Diskursformation hängt aber genau am Vorhandensein einer totalitären Ideologie, die sich in den einzelnen Aussagen ihrer Anhänger bloß aktualisiert. Was prima facie totalitär erscheint, muss aber nicht notwendig im engeren Sinne totalitär sein. Tatsächlich beschreibt Rönicke auch keine Totalität, die die ganze Diskursformation auf Twitter erfasst, sondern umkreist ein nur anekdotisch verankertes Problem. Totalität hat seine Wurzel im lateinischen: „totus“ bedeutet „ganz“. Damit kann es in der lokalen Filterblase sicher totalitäre Ideologien geben, die abweichende Meinungsaktualisierung sanktioniert, aber damit ist noch lange keine Aussage über alle Aussagen auf Twitter und schon gar keine Aussage über Twitter selbst erbracht. Würde dieses Argument funktionieren, dann wäre die Menge der natürlichen Zahlen nämlich prim und insbesondere alle natürlichen Zahlen selbst wären prim, denn schließlich gibt es unendlich viele konkrete einzelne Primzahlen: von den Eigenschaften einer Teilmenge ist aber weder auf die Extension der Grundmenge noch gar auf die Intension derselben zu schließen.

Stattdessen ist Twitter vom Totalitären maximal weit entfernt. Twitter bildet etwas, was man als ein fragmentarisches Ganzes charakterisieren kann. Es gibt keine durchgehende Diskursformation, sondern es gibt je lokale Diskursformationen, die lokal sicher totalitär sein können. Nun, man kann auch einfach die falschen Freunde haben. Die korrekte Beschreibung ist daher nicht die Totalität, sondern die Meute. Die übergreifende (Familien)Ähnlichkeit der Twitter-Diskursformationen findet sich allenfalls im Konzept der Meute, das ohne gemeinsame Regel auskommt. Es ist eine Ansammlung (keine Versammlung!) von Benutzer*innen, die nicht auf der Basis von Argumenten oder Ideen, sondern auf der Basis von Affekten operieren: Interessant ist, was über die Bewusstseinsschwelle kommend aus dem schnellen Strom der Tweets heraus einen Affekt auslöst, der beispielsweise belustigen oder empören kann. Das ist aber nichts besonderes für Twitter mehr. Twitter macht es nur besonders offensichtlich. Die Meute, die sich von Argumenten zugunsten von Affekten verabschiedet hat und von diesen treiben lässt, ist auch die Meute, die Blogs liest und von einer Aussage wie „Twitter ist totalitär!“ empört wird, um darauf zu reagieren – etwa mit einem gezielten „Du Honk!“ Das Kesseltreiben der Meute könnte aber nicht weiter entfernt sein von der Inszenierung Orwells oder der Planung eines DDR-Zentralkomitees. Sowas sollte man™ eigentlich wissen.

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Telefo-nie

Ich habe gerade von einem Kollegen erfahren, dass unser Bürotelefon gestört ist und daher seit Montag Anrufe an uns nicht durchgehen. Drei Bemerkungen:

  1. Ich bin so faul, dass ich es nicht gemerkt habe.
  2. Ich bin so unwichtig, dass es ich es nicht gemerkt habe.
  3. Es war angenehm ruhig im Büro.

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Was völlig falsch ist, wird wieder wahr

Ich glaube, ich bin auf einen Argumentationstrick gestoßen, der mir bisher so nicht klar war:

Da kaum jemand beim Lesen von Texten auf den argumentativen Zusammenhang achtet, brauchst Du auch nicht zu argumentieren, sondern bloß die äußere Form des Arguments einzuhalten. Hierdurch kannst Du eine beliebige Folgerung in eine beliebige Folge von Sätzen einbinden. Willst Du nun eine politisch motivierte Behauptung (z.B. dass die Evolution eine Lüge ist) verteidigen, dann behaupte nur, dass sie aus der Folge der übrigen Sätze ableitbar ist, arrangiere aber in die übrigen Sätze einen Unsinn der folgenden Art: Der Unsinn muss der Form nach klug klingen, muss dem Laien aber völlig unverständlich sein. Der Unsinn muss so ein dermaßen bizarrer Unsinn sein, dass daran nichts wahr oder richtig ist. Er muss wirklich völlig falsch und aus fachlicher Sicht geradezu abwegig sein. Dabei behaupte beständig, dass Wissenschaftler, die Dir nicht zustimmen, dies aus ideologischen Gründen nicht tun, ja, dass sie überhaupt schlimme Ideologen sind, die die Wahrheit unterdrücken wollen. (Vielleicht kann man einen von ihnen noch sinnentstellend zitieren?) Wenn nun ein Wissenschaftler Deine Unsinns-Sätze als solche bezeichnet, werfe ihm vor, er sei ideologisch und verwerfe Deine Rede nur deshalb völlig, weil er sich nicht im einzelnen damit beschäftigen wolle. Mit etwas Glück wird der Wissenschaftler darauf sogar böse reagieren. Für das Publikum hast Du dann bewiesen, was für ein Arschloch der Wissenschaftler ist und da nur Arschlöcher die Wahrheit bezweifeln, die Du so gekonnt abgeleitet hast, muss Deine Behauptung stimmen.

Man könnte diese Methode vielleicht auch Beweis durch provokativ verkauften hirnzerfräsenden Dünnschiss nennen und sie ist in der Esoterik sehr beliebt.

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Wenn ich nie gechattet hätte…

Christopher Lauer lässt uns via FAZ wissen, dass er Twitter nicht mehr benutzen mag. So ein Kummer! Lustig ist aber seine Begründung, nämlich wie viele Gastbeiträge für Tageszeitungen er hätte produzieren können, hätte er nicht getwittert.

Ich habe vor einigen Monaten mal ausgerechnet, was ich hätte an Büchern veröffentlichen können, wenn mein gesamter Mist, den ich ins IRC schreibe, stattdessen in solche Bücher geschrieben worden wäre. Ich schätzte, dass ich schon ein gutes Dutzend mittelgroßer Monografien produziert hätte. Wenn ich mir dann aber überlege, was für einen Bockmist ich in meinem Leben schon im IRC von mir gegeben habe, wird mir klar, dass wohl niemand diese Bücher gelesen hätte. Und dann kann man sich auch überlegen, von welcher Qualität Lauers Gastbeiträge gewesen wären, wenn seine Tweets dahin gegangen wären.

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