Big Data und KI bei der Polizei

Bild des Buchdeckels

Pünktlich zu Weihnachten erscheint ein weiterer Sammelband, an dem ich beteiligt bin – natürlich Open Access:

Bäuerle, Michael/Denker, Kai/Geminn, Christian/Schöndorf-Haubold, Bettina (Hg.): Big Data und KI bei der Polizei. Das Palantir-Urteil in der interdisziplinären Diskussion, Frankfurt/New York: Campus, 2025. [Link]

Darin gibt’s zwei Beiträge von (u.a.) mir:

  • Denker, Kai: „Neue Informationen, neue Erkenntnisse, alte Daten“, S. 117–136.
  • Brenneis, Andreas/Denker, Kai/Gehring, Petra: „Data is Power – Code is Ideology: Selbstmarketing und politische Positionierungen an der Spitze von Palantir“, S. 225–250.

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„Lustiger Faschismus?“ – Beitrag zu einer Gedenkstunde

Die SPD Zwingenberg hatte mich anlässlich ihrer Gedenkstunde zum 9. November für einen Vortrag angefragt: Ich war, zugegeben, erst ziemlich skeptisch, ob man zum 9. November nicht lieber einen Historiker (w/m/d) fragen wolle, aber man bestand darauf, einen Vortrag zu aktuellen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus haben zu wollen. Kurz: Ich konnte irgendwie doch nicht „Nein“ sagen und so sprach ich dort zu extrem rechten Strategien. Natürlich unter Aufmerksamkeit der Presse (leider hinter einer Paywall). – Der Vortrag war gut besucht, kam angeblich gut an (was mir nicht zusteht, zu bewerten) und führte auf beiden Seiten zu einem gewissen Erschrecken: Auf Seiten des Publikums darüber, wie subtil und geschickt extrem rechte Inhalte im Netz zirkuliert werden – auf meiner Seite darüber, wie wenig darüber oft bekannt ist. Dabei scheint mir noch immer das beste Mittel zu sein, diese Form der extremistischen Netzkommunikation leichter erkennbar zu machen. Schließlich ist sie auch gerade deshalb so erfolgreich, weil sie von denen, die lustige Meme weiterleiten, oft einfach nicht erkannt wird.

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Digitale Bilderkämpfe

In der Literaturliste zwar geführt, aber hier nicht angekündigt: Dieses Jahr ist der Nick Nestler und mir zusammen herausgegebene Sammelband Digitale Bilderkämpfe. Zur politisch-strategischen Kommunikation mit Memen (Bielefeld: transcript 2025) erschienen – natürlich OpenAccess.

Darin gibt es zwei Beiträge, an denen ich beteiligt bin:

  • Denker, Kai; Nestler, Nick: „Eine kurze (Problem-)Geschichte des Mems“, S. 7–38.
  • Denker, Kai: „Internet-Bild-Meme als komplexe Zeichen“, S. 71–92.

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Athene-Sonderpreis Interdisziplinäre Lehre

Die Ringvorlesung „(Digitaler) Faschismus?„, die im Rahmen des Verbundforschungsvorhabens „Meme, Ideen, Strategien rechtsextremistischer Internetkommunikation (MISRIK)“ organisiert wurde, hat den Sonderpreis Interdisziplinäre Lehre der Carlo und Karin Giersch Stiftung an der TU Darmstadt zur Folge gehabt. Es gab natürlich eine feierliche Preisverleihung. Aufzeichnungen der Vorlesung gibt es auch und zwar in der OpenLearnWare der TU Darmstadt.

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Gefährliche Texte

Nach langer langer Zeit ist es endlich erschienen:

Denker, Kai: „Gefährliche Texte: Lems Waffensysteme des 21. Jahrhunderts“, in: Friedrich, Alexander et al. (Hrsg.): Kosmos Stanisław Lem. Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2021 (=Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, Band 36), S. 127–144.

Der Text hat mir viel Spaß gemacht. Umso mehr freue ich mich natürlich, dass er jetzt endlich im Druck vorliegt. Er basiert nämlich auf einem Vortrag von 2017. 🙂

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Topologie der Kontrolle? Mathematisierbarkeit mit Deleuze

Zwischenzeitlich ist meiner Dissertation Topologie der Kontrolle? Mathematisierbarkeit mit Deleuze, die ich am 19. Februar 2018 bereits erfolgreich verteidigt hatte, publiziert worden und als PDF bei TUprints verfügbar.

Kurzbeschreibung:

Deleuze erweist sich in dieser Arbeit als einer der systematischsten Denker des Poststrukturalismus. Übernahmen aus der Mathematik durchziehen seine gesamte Philosophie – eine radikal immanent denkende Prozessphilosophie, die durchgehend um das Problem von Differenz und Wiederholung kreist. Deleuze liefert dabei weder eine Philosophie der Mathematik im Sinne einer Grundlegung, noch soll die Mathematik zur Methode der Philosophie werden. Stattdessen ist sie eine Gegenspielerin der Philosophie: Die Philosophie liefert der Mathematik Widerstände und die Mathematik droht Themen der Philosophie ständig zu vereinnahmen.

Für Deleuze ist Mathematik in erster Linie Differentialrechnung. Diese ist nicht von ihren Anwendungen zu trennen: Biologie, Thermodynamik, Informationstheorie, Linguistik, … und dabei reicht die Perspektive auf die Mathematik von Topologie über Wahrscheinlichkeitsrechnung bis hin zu metamathematischen Problemen. Fluchtpunkt von Deleuzes Untersuchung ist das Problem der Kontrolle. Strukturen, so dynamisch sie auch begonnen haben mögen, altern. Sie verlangsamen sich, werden rigider, steifer, bestimmter und bestimmender. Deleuze sucht in der Philosophie nach Waffen für den politischen Kampf gegen die Kontrolle, deren Griff sich dank Mathematisierbarkeit immer mehr ausweitet. Kurz: Deleuzes radikaler Ansatz lässt sich systematisch bis an die Schwelle dessen entwickeln, was wir heute Algorithmenkritik nennen würden.

Methodisch nimmt die Arbeit dabei eine systematische Rekonstruktion vor, wobei Verbindungslinien zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen bewusst ernstgenommen werden. Die mit ihnen verbundenen Argumente werden entwickelt und gezielt weitergetrieben, um nachzuweisen, dass sie sich systematisch zusammenfügen lassen. Es zeigt sich schließlich, dass sich auf Überlegungen in Deleuzes Spätwerk und den gemeinsam mit Félix Guattari verfassten Texten aus Deleuze früheren Texten entwickeln und ausdeuten lassen: Deleuzes Philosophie erlaubt eine neue, kritische Perspektive auf algorithmische Kontrollregime.

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Strategien des Nichtverstehens

Ich bin in Hubig, Christoph: Dialektik und Wissenschaftslogik. Eine sprachphilosophisch-handlungstheoretische Analyse (Berlin/New York: de Gruyter 1978, hier: S. 5f) auf eine kleine Schelmerei gestoßen: Strategien des Nichtverstehens.

Hubig möchte eine meta-metasprachliche Analyse von Methodenstreits, also metasprachlichen Auseinandersetzungen über die Methoden in jeweiligen Fachwissenschaften, vornehmen und markiert dazu unter jenem Titel einige Kennzeichnen solcher Methodenstreits. Des geht also um Nichtverstehen in wissenschaftlichen Diskurssystemen, aber vielleicht kann man die eine oder andere Idee auch einmal zur Probe (und sei es zum Trollen) im Alltag ausprobieren.

Der Titel jedenfalls ist freilich eine Provokation: Strategien sind immer mit Planung, planvollem Handeln verbunden, so dass eine Strategie des Nichtverstehens immer schon impliziert, dass absichtlich etwas nicht verstanden wird. Das ist die eine Richtung des Genitivs.

Nun kann niemand – letzte Vorbemerkung meinerseits – in einer Diskussion mit dem Satz erfolgreich sein, sie (oder er) wolle nicht verstehen. Verstehen-Wollen und sogar Verständnis müssen mindestens simuliert werden. Das macht es in der anderen Richtung des Genitivs nötig möglich, überhaupt eine positive Strategie zum von vornherein negativen Nichtverstehen zu entwickeln.

Hubig konstatiert drei Strategien:

  1. Übersetzungsstrategien: Man übersetzt die Argumente der Gegner*in in eine (eigene) Sprache, die man als (singuläre) Diskussionsvoraussetzung ausgibt. Dabei setzt man diese Sprache selbst fest. Sie ist also gerade kein gemeinsames Resultat der Streitparteien. Hubigs Beispiel sind „analytische Rekonstruktionen“, die Argumente der Gegner*in in einem ihren Argumenten fremden, formalen Methoden analysiert und so letztlich unter der Vorgabe einer „Rekonstruktion“ einen Strohmann errichtet. Auf diese Weise kann man behaupten, man befasse sich gründlich mit den Argumenten der Gegner*in, hat diese aber längst „wegübersetzt“.
  2. Reduktionsstrategien: Man bekämpft die Argumente der Gegner*in, indem man sie in die eigene Terminologie, die man verteidigen will, überführt und dort auf allgemeinere oder ähnliche Positionen zurückführt oder sie mit diesen kontrastiert. So lassen sich Argumente der Gegner*in beispielsweise als vage oder ungenau denunzieren. Während man in der Übersetzungsstrategie noch eine Rekonstruktion vornehmen, also in der eigenen Terminologie etwas konstruieren muss, reicht es hier aus, die Methode der Gegner*in als schlechten Abklatsch oder als falsche Verwendung desselben auszugeben. Oder man „übersieht“ bei der Reduktion „etwas“, das in der eigenen Terminologie nicht ausdrückbar ist. Methodische Entscheidungen der Gegner*in lassen sich so leicht ignorieren. Und was nicht ausdrückbar ist, das lässt sich noch leichter ignorieren.
  3. Trivialisierungsstrategien: Man beraubt die gegnerische Position ihrer „Spezifik“ (Hubig), etwa indem man nachweist, dass das Argument von einem selbst oder woanders bereits sehr viel präziser, expliziter oder allgemeiner formuliert werden kann. Oder man verweist die gegnerische Theorie in einen vorwissenschaftlichen (oder vorkritischen oder naiven) Bereich, so dass sie zwar nicht als falsch, aber so doch als undeutlich oder undurchdacht erscheint, während man selbst bereit erscheint, die nötige Aufräumarbeit zu leisten.

Die Liste ist sicher nicht vollständig und die drei Strategien sind sicher nicht scharf voneinander abgegrenzt. Die Liste erlaubt aber einen kleinen Witz der Selbstbeobachtung: Wie oft benutzt man selbst diese oder solche Strategien z.B. in einer interdisziplinären Auseinandersetzung? Mir erscheint, ich mache das erschreckend oft.

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Solidarisierungseffekte in der Mitte

Einer der Autoren des Buches „Mit Rechten reden“ lässt wissen:

Wir halten dagegen: Wer sie [die Rechten] so kategorisch ausschliesst, macht sie viel größer, als sie sind und erzeugt zudem Solidarisierungseffekte in der Mitte. Unser Vorschlag: weitgehende Normalisierung der Rechten als Diskursteilnehmer, bei gleichzeitig radikaler Kritik ihres Geltungsanspruchs.

Ein „Rechter“, dessen Kontaktdaten mir bekannt sind, hat vor nicht allzu langer Zeit am Diskurs teilgenommen und mich über eine elektronische Kontaktmöglichkeit wie folgt zum Gespräch geladen:

Sie linker volksverachtender Hetzer! Ihre Fucking Refugees sind zu 90% Schmarotzer und Wirtschaftsflüchtlinge, die unseren Sozialstaat bis zum Exzess schröpfen! Wer dieses Islampack auch noch unterstützt hat nicht alles Tassen im Schrank. Von mir aus kann jeder gottverdammte Kutter abssaufen..

Ich frage mich, welche „Mitte“ sich damit solidarisieren würde und ob es dann überhaupt eine „Mitte“ wäre, bin aber noch sehr viel gespannter darauf, wie die „radikale Kritik [des] Geltungsanspruchs“ so aussehen könnte.

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Notiz zur Dialektik der Buchdeckel

Es sind zwei Bücher vorgestellt worden:

  1. „Mit Rechten reden“
  2. „Mit Linken leben“

Unter Verweis auf das erste halten einige denen, die in ihrer antifaschistischen Haltung die Vorstellung des zweiten gestört haben, mangelnde Dialogbereitschaft entgegen.

Es lohnt sich, für einen Moment ein bisschen Dialektik, nämlich eine Dialektik der Buchtitel, zu betreiben: In einer vielleicht etwas stark vereinfachten Vorstellung von Dialektik treten These und Antithese einander gegenüber und verschmelzen zu einer Synthese, die es erlaubt, zum Allgemeineren, zum Gemeinsamen rückzusteigen und eine erfolgte Festlegung zurückzunehmen.

Wir wollen es uns aber dieser Stelle nicht zu leicht machen und nun einfach das erste Buch als These das zweite als Antithese oder umgekehrt begreifen und eine Synthese unter dem Namen der Dialogbereitschaft, die doch das Gemeinsame beider Seiten markieren müsse, beschwören, sondern in Abrede stellen, dass beide Buchtitel ohne Weiteres zueinander in einem antithetischen Verhältnis stehen können. Suchen wir stattdessen doch zu jedem Buchtitel selbst eine entsprechende Antithese, indem wir einfach die Kontradiktion bilden:

  1. Mit Rechten reden – nicht mit Rechten reden
  2. Mit Linken leben – nicht mit Linken leben

Im ersten Fall ist die Antithese zu der These, man könne, solle, dürfe oder vielleicht auch müsse mit Rechten reden, schlicht, dass man nicht mit Rechten reden könne, müsse, solle oder gar dürfe. Was hier infrage steht, ist also das Gespräch. Man kann es aufnehmen, man kann es aber auch lassen. Die Synthese wäre vielleicht, so trivial sie sein mag, dass eben die Frage, ob man mit „ihnen“ reden soll, umstritten ist. Das ist sicherlich nicht sonderlich spannend. Gehen wir zur zweiten Übung über:

Im zweiten Fall lautet die These, dass man mit Linken leben könne, solle, dürfe oder vielleicht auch müsse. Die Antithese aber, dass man nicht mit Linken leben könne, müsse, solle oder vielleicht dürfe. Was hier infrage steht, ist das Leben. Man kann die Linken töten, man kann es aber auch lassen. Diese These wäre vielleicht, so trivial sie sein mag, dass eben die Frage, ob man die Linken am Leben lassen solle, umstritten ist. Denn wie sollte die Antithese anders dargestellt werden können? Gut, freilich können sich die, die nicht mit Linken leben wollen, können, dürfen oder sollen, auch selbst aus dem Leben befördern, wozu hier ausdrücklich nicht geraten werden soll. Aber davon abgesehen: Dem Titel nach steht hier nicht die Rede, sondern das Leben infrage.

Nebenbei: Freilich wäre es ein Fehler, ein Buch nur nach seinem Einband und also nach seinem Titel beurteilen zu wollen, aber hier geht es nicht um die Bücher insgesamt, sondern nur um deren Titel. Ich glaube jede wird zugeben, dass Buchtitel kein Zufall, sondern Ergebnis einer Überlegung sind. Das mag nicht unbedingt die Überlegung der aus diesem Grund hier ungenannten Autor*innen sein, sondern könnte auch einer Marketing-Abteilung entstammen, aber es wäre damit ebenso abwegig und ein Fehler Buchtitel einfach für nichts zu halten, weswegen ein bisschen Dialektik der Buchtitel (aber nicht der Bücher und vielleicht auch cum grano salis) erlaubt sein muss.

Heißt die Synthese im ersten Fall das Miteinander-Reden und im zweiten Fall das Miteinander-Leben und lassen wir nun diese beiden als These und Antithese einander gegenübertreten, so wird klar: Die Synthese kann nicht die Dialogbereitschaft sein. Die einen überlegen, ob sie reden wollen, die anderen überlegen, ob sie töten wollen. Die Synthese aus beiden ist brutaler: Es ist die Frage danach, ob man wenigstens noch bereit ist, das absolute Minimum gegenseitiger Duldung zu akzeptieren, was nämlich auch dann noch erfüllt ist, wenn man nicht miteinander redet, aber nicht mehr, wenn man nicht miteinander lebt. Es ist daher ein ganz besonders ausgezeichneter Witz, lies: Irrsinn, gerade denen, die sich gegen die Faschisten stellen, mangelnde Dialogbereitschaft vorzuwerfen. Wäre dies kein Irrsinn, so müsste man vielleicht um der Symmetrie willen, die von denen, die diesen Irrsinn so gerne bedienen, so geliebt wird, den Faschisten auch eine mangelnde Bereitschaft vorhalten, aber welche dies ist, sei zur Übung überlassen.

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Einmischerei

A: „Ich finde, Philosoph*innen wie Sie sollten sich wieder mehr einmischen und Stellung zu den Ereignissen in der heutigen Gesellschaft beziehen.“

B: „Okay. Ihre vorhin genannte Position ist – gewiss unabsichtlich – anfällig für faschistische Strategien, weil sie hier der Fiktion erliegen, die bloße Form des Dialo…“

A: „Moment, moment! Einmischen ja, aber doch bitte nicht so!“

B: „Ich werde Ihnen sicher nicht einfach sagen, was Sie hören wollen.“

A: „Na, dann bleiben Sie halt in Ihrem Elfenbeinturm!“

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